Eine Person spricht auf einer Versammlung
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17.11.2021 Veranstaltungsrückblick

DKE/ZVEH-Tagung 2021: Die elektrotechnische Normung und das E-Handwerk sind starke Partner

Vom 28. bis 29. Oktober 2021 fand die DKE/ZVEH-Tagung in Ulm statt. Im Mittelpunkt stand dabei, wie schon in den letzten Jahren, die Kooperation zwischen der elektrotechnischen Normung und dem Elektrohandwerk.

Die Referenten gaben den Teilnehmenden einen guten Einblick unter anderem in den Ausbau der Breitband-Infrastruktur, die Novellierung der Ausbildungsberufe im Elektrohandwerk, Sicherheit im Smart Home, das fachgerechte Arbeiten mit Asbest und die relevanten Entwicklungen zur Normenreihe VDE 0100.

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Michael See
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Die DKE/ZVEH-Tagung findet alle zwei Jahre statt und verfolgt das Ziel, die Kooperation zwischen der elektrotechnischen Normung und dem Elektrohandwerk zu stärken. Wie auch zahlreiche andere Veranstaltungen musste diese im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Umso größer war in diesem Jahr die Freude bei den etwa 60 Teilnehmenden, die sich auf den Weg nach Ulm gemacht haben, um sich über aktuelle und kommende Trends und Entwicklungen miteinander auszutauschen.

Unter dem Motto „Smarte Ausbildung & Herausforderungen im digitalen Zuhause“ bot die Veranstaltung den Fachleuten aus unterschiedlichsten Bereichen spannende Impuls- und Fachvorträge.

Building Information Modeling, Next Generation DKE und Ehrung der Technischen Delegierten

Die Begrüßung der zweitägigen Veranstaltung übernahmen Florian Spiteller, DKE Bereichsleiter External Relations & Support, und Andreas Habermehl, ZVEH Geschäftsführer Technik und Berufsbildung, die beide die hohe Bedeutung der Kooperation zwischen elektrotechnischer Normung und dem Elektrohandwerk betonten. Grußworte kamen zudem von Wolfgang Niedziella, DKE Bereichsleiter Technology und CENELEC President Elect, und Karsten Joost, Vorsitzender des ZVEH-Lenkungsausschusses Technik.

Der Vorabend stand dann im Zeichen der Zukunft und Vernetzung. Kai Gondlach, Zukunftsforscher, nahm die Teilnehmer*innen in seinem Impulsvortrag „Zukunft ist eine Frage der Perspektive“ mit auf eine Zeitreise und gab einen Ausblick auf die kommenden Jahre und Jahrzehnte – eine Zukunft, in der KI-gestützte Computersysteme immer mehr Einfluss auf unseren Alltag nehmen werden. Ob diese Zukunft mehr Chancen oder Risiken bietet und ob wir die Technologie zu unserem eigenen Vorteil nutzen oder aus Furcht ablehnen, hänge deshalb stark von der eigenen Perspektive und den daraus abgeleiteten Möglichkeiten ab.

„Ich komme aus der Industrie und die DKE/ZVEH-Tagung dient mir dazu, das Handwerk besser kennenzulernen. Wichtig ist für mich zum Beispiel die Frage, was von dem, was wir entwickeln, im Handwerk auch umsetzbar ist.“

– Claus-Dieter Ziebell –

Building Information Modeling (BIM) beschreibt eine Methode der vernetzten Planung, Errichtung und des Betriebs von Gebäuden und anderen Bauwerken mittels Software, die in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Peter Kaiser, Technischer Delegierter und BIM-Experte im ZVEH, und Damian Czarny, DKE Projektleiter Digitalisierung, zeigten auf, welche Vorteile die Digitalisierung der Normung beziehungsweise der Einsatz digitaler Normen und Standards bietet. Im Rahmen ihres Vortrags nutzten beide Referenten verschiedene BIM-Beispiele, um darzustellen, wo die konkrete Unterstützung liegt und welche Einsparpotenziale sich durch die Implementierung digitaler Normen und Softwareanwendungen im Bereich der Installationsplanung ergeben können.

Alena Widder leitete in den letzten Vortrag des ersten Tages ein und stellte das Netzwerk für die neue Generation, die Next Generation DKE, vor. Im Fokus standen die vielen und regelmäßig stattfindenden Aktivitäten für Young Professionals – vom Normungsstammtisch über die IEC Standardization Quest und das IEC Standardization Bootcamp bis hin zum DKE Mentoring. Aktivitäten, die dabei helfen sollen, sowohl einen leichten Einstieg in die komplexe Welt der Normung zu ermöglichen als auch die Vernetzung untereinander zu fördern. Insbesondere zu diesen Unterstützungsprogrammen für „Neulinge“ in der Normung gab es von den Fachleuten in Ulm sehr positives Feedback, hat sich dieser Bereich seit der letzten DKE/ZVEH-Tagung 2018 deutlich weiterentwickelt.

Den Abschluss des Tages bildete zum einen die traditionelle Ehrung der Technischen Delegierten, die sich aktiv an der Normungsarbeit beteiligen. Joachim Tilg konnte sich an diesem Abend über seine Auszeichnung und Urkunde freuen. Das Abendessen nutzten alle Teilnehmenden zum weiteren Gedankenaustausch und für vertiefende Gespräche. Und weil sich viele der anwesenden Fachleute schon seit Jahren kennen, verliefen diese Gespräche nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf persönlicher Ebene.



Ausbau der Breitband-Infrastruktur und Novellierung der Ausbildungsberufe im Elektrohandwerk

Stephan Heß, Sprecher des ZVEH-Fachbereichs Informationstechnik und Vertreter des Gigabitbüros des Bundes, zeigte in seinem Vortrag auf, wie sich die Netzinfrastruktur in Deutschland entwickeln muss, damit sie der Erfordernis nach zunehmender Bandbreite nachkommen kann und wie diese auch in den unterschiedlichen Anwendungsfeldern ausgestaltet sein muss, um eine nachhaltige Umsetzung sicherzustellen.

Thomas Sentko, als Normungsmanager VDE DKE zuständig für das Thema der Breitband-Infrastruktur, knüpfte an den Vortrag von Stephan Heß an und ging der Frage nach, warum der Ausbau einer nachhaltigen und wettbewerbsfähigen digitalen Infrastruktur in Deutschland nur unzureichend voranschreitet. Eine wesentliche Erkenntnis dabei: Es fehlen geeignete Fachkräfte, die für den Ausbau der Breitband-Infrastruktur erforderlich sind. Darüber hinaus fehle als weitere und wesentliche Voraussetzung laut Sentko eine Vereinheitlichung der Fachausbildung zur nachhaltigen Umsetzung dieses Vorhabens.

„Schluss mit Brückentechnologien und dem Vergraben von Kupfer in Gebäuden – Glasfaser ist effizient, platzsparend und zukunftssicher! In Kombination mit Wireless Lan (Wifi) zur Anbindung der Endgeräte ist es die endgültige Lösung aller Bandbreitenprobleme.“

– Thomas Sentko –

Wie verändert sich die Ausbildung im Elektrohandwerk? Dieser Frage nahm sich Andreas Habermehl an und stellte die Novellierung im Elektrohandwerk vor. Neu ist die Ausbildung als Elektroniker*in für Gebäudesystemintegration. Mit dieser Ausbildung sollen Angebote rund um smarte Gebäudeausstattungen fester in der handwerklichen Dienstleistung verankert werden. Hier ist schon heute ein klarer Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu erkennen, die ihren Einsatz vor allem in den Bereichen Smart Building, Smart Home, Energiemanagement und Elektromobilität finden werden.

Elektroniker*innen für Gebäudesystemintegration stellen ein wichtiges Bindeglied zu Planer*innen für intelligente Gebäudetechnologien dar und sollen daher auf Baustellen als qualifizierende und gewerkeübergreifende Ansprechpartner*innen agieren. Zielgruppe für den neuen Ausbildungsgang sind deshalb in erster Linie junge Menschen mit (Fach-)Abitur oder Studienerfahrung. Die Novellierung führt dazu, dass die bisher sieben Ausbilungsberufe zu den fünf Ausbildungsberufen zusammengeführt werden:

  • Elektroniker*in (Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik / Fachrichtung Automatisierungs- und Systemtechnik)
  • Elektroniker*in für Maschinen und Antriebstechnik
  • Informationselektroniker*in
  • NEU: Elektroniker*in für Gebäudesystemintegration

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Cybersecurity als Querschnittsthema und hohe Sicherheitsanforderungen an Smart Meter Gateways

Sebastian Hauschke, Projektmanager Cybersecurity VDE DKE, erklärte den anwesenden Fachleuten in seinem Vortrag, was unter dem Begriff „Cybersecurity“ zu verstehen ist. Im Unterschied zur Informationssicherheit, bei der es um den Schutz analoger und digitaler Informationen geht bzw. der IT-Sicherheit, die sich der klassischen Büro-Umgebung widmet, zielt Cybersecurity auf die Gesamtheit aller verbundenen Netzwerke, Anwendungen, Prozesse und Geräte über die Grenzen hinweg ab. Ein Beispiel hierfür sind Kritische Infrastrukturen wie die Energieversorgung oder der Transportsektor.

Hauschke schlug anschließend die Brücke zur Normung und betonte die hohe Bedeutung dieses Zusammenspiels. Die Normung liefere die entsprechenden „Leitplanken“ und Hilfestellungen. Hauschke betonte zudem, dass Cybersecurity immer als Querschnittsthema zu sehen sei. Die Smart-Home-Infrastruktur betrifft beispielsweise das Energiemanagement, die Gesundheit, den Wohnkomfort und die Informationssicherheit. Mit einer zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung unserer Lebensumwelt steigt so gleichzeitig das Risiko durch Cyberangriffe. Hauschke zieht das Fazit: Nur eine ganzheitliche Betrachtung der Gefährdungslage kann zum Ziel führen. Exemplarisch stellte er am Ende noch CERT@VDE vor – ein Service, der Unternehmen einen professionellen Umgang mit OT-Sicherheitslücken ermöglicht und Hilfestellung bei IT-Sicherheitsvorfällen im Bereich der Automatisierungsindustrie bietet.

Ruwen Konzelmann, Leiter des Geschäftsbereichs Smart Energy bei der Theben GmbH, zeigte auf, wie intelligente Netze und intelligente Stromzähler einen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energien leisten und die Netzstabilität im Zusammenhang mit der Energiewende unterstützen können. Im Anschluss daran machte Konzelmann deutlich, wie aufwändig die Entwicklung eines sicheren Smart Meter Gateways ist und wie komplex die technischen Konzepte sind, die zur Anwendung kommen, um die Sicherheitsanforderungen vom Bundesamt für Sicherheit zu erfüllen. Smart Meter Gateways ermöglichen es Unternehmen, eine sichere Schnittstelle zwischen Energieanbietern und Energieverbrauchern aufzubauen. Das Gerät sorgt außerdem dafür, dass der Energieverbrauch exakt bestimmt und abgerechnet werden kann.


Smart Home Living Grafik
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Die Deutsche Normungsroadmap Smart Home & Living

ist in sechs Domänen aufgeteilt, die den aktuellen Stand der Normung, Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Sie lebt von den beteiligten Expertinnen und Experten, die ihre Erfahrungen, Ideen und ihr Wissen in gemeinsamen Workshops zusammentragen.

Zur Normungsroadmap Smart Home & Living

Fachgerechtes Arbeiten mit Asbest, Not- und Sicherheitsbeleuchtung, Normenreihe VDE 0100

Unter dem Vortragstitel „Asbest TRGS 519 (Schulungsmaßnahme) und Staub“ stellte Burkhardt Schulze, Vorsitzender vom Branchenausschuss Elektrohandwerke in der BG ETEM, vor, welche Atemwegserkrankungen durch verschiedene Staubarten resultieren können. Der Übergang erfolgte mit der Gefährdungslage durch Asbest im Gebäudebestand sowie einer Beschreibung der besonderen Rahmenbedingungen, die bei Arbeiten mit Asbest eingehalten werden müssen. Schulze stellte abschließend ein neues Qualifikationskonzept vor, das ein fachgerechtes Arbeiten mit Asbest ermöglichen soll. Das Konzept ist modular aufgebaut und ermöglicht auf diese Weise eine gewerkespezifische und zielgruppenorientierte Qualifizierung. Berücksichtigt werden dabei der Grad der Gefährdung und die Art der Tätigkeit.

Hans Finke, Normungsmanager VDE DKE, gab den teilnehmenden Fachleuten in seinem Vortrag zur Not- und Sicherheitsbeleuchtung einen Überblick zum aktuellen Stand der Normung sowie zu der Vielzahl an Vorschriften, die bei der Errichtung und dem Betrieb berücksichtigt werden müssen. Finke betonte, dass eine Not- und Sicherheitsbeleuchtung, die sämtliche Anforderungen aus Normen und Vorschriften erfüllen soll, ein technisch komplexes Unterfangen ist. Grund dafür ist insbesondere die Gefährdungsbeurteilung, die zusätzlich das anzuwendende Baurecht, gültige Arbeitsschutzbestimmungen oder weitere öffentliche Sicherheitsbelange berücksichtigen muss. Oberste Priorität muss immer sein, dass die Not- und Sicherheitsbeleuchtung funktioniert, für unterschiedliche Anwendungsfälle modifiziert werden kann und sicher ist.

„Not- und Sicherheitsbeleuchtung ist eine sehr komplexe technische Angelegenheit bei der eine Vielzahl von Normen relevant sind. Priorität hat aber immer, dass sie, bei der gegebenen Vielfalt an Anwendungsfällen, zuverlässig und sicher funktioniert. Für die beteiligten Parteien – dazu gehören u. a. Planer, Installateure und Betreiber – ist dies eine große Herausforderung.“

– Hans Finke –

Dirk Barthel, Normungsmanager VDE DKE, leitete in den letzten Vortrag der Veranstaltung ein. Schwerpunkt waren aktuell und zeitnah erscheinende (Entwurf-) und Normveröffentlichungen aus dem breiten Spektrum der Normenreihe VDE 0100. Barthel betonte, dass eine Abstimmung der Anforderungen zu anderen Normenreihen sichergestellt sein muss und die aktive Mitarbeit in der Normung seitens des ZVEH als Vertreter und Hauptanwender dieser Normenreihe von großer Wichtigkeit sei. Im Bereich der Normenreihe VDE 0100 sind derzeit folgende Entwicklungen zu beobachten:

  • Grundsatzarbeiten bzgl. der elektrischen Gefährdung bei DC-Körperdurchströmung
  • Weiterentwicklung der Sicherheitsvorschriften zu Systemnormen
  • Berücksichtigung des BIM-Ansatzes
  • Sektorkopplung als Verbindung der Sektoren „Strom, Wärme, Verkehr“ mit Energie aus regenerativen Quellen

Die Schlussworte der Veranstaltung lieferte Burkardt Schulze und sprach mit seiner Verabschiedung direkt die Einladung an alle anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur nächsten DKE/ZVEH-Tagung am 24. und 25. November 2022 in München aus.


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