Roboter- und menschliche Hand
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16.04.2018 Veranstaltungsrückblick 867 0

Ethik und Technik – wie passt das zusammen?

Dieser Frage ging das von VDE|DKE organisierte Symposium Ethik in der Technik nach – eine Frage, die in Zeiten von Digitalisierung, Automatisierung und Industrie 4.0 wichtiger denn je ist. Ein neu gegründeter Arbeitskreis soll das Thema nun in die Normung bringen, denn da gehört es hin.

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Franziska Roos

Wie soll sich ein autonom fahrendes Auto im Krisenfall entscheiden? Die fortschreitende Digitalisierung mit immer mehr autonomen Systemen zwingt Ingenieure früher oder später dazu, sich mit dieser oder ähnlichen ethischen Fragen zu beschäftigen. Mit einem Symposium hat die VDE|DKE das Thema Ethik in der Technik nun auf die Agenda gebracht und unter den knapp 100 Teilnehmern für lebhafte Diskussionen gesorgt. Schnell wurde deutlich: Das Thema ist komplex! Denn ethische Aspekte sind schon in verschiedenen Kulturen völlig unterschiedlich ausgeprägt. Einig waren sich die Experten aber darin, dass Ethik zur Technikentwicklung gehört und am Anfang des Prozesses stehen sollte – idealerweise bereits in der Normung.

Prof. Dr. Christoph Hubig vom Institut für Philosophie der TU Darmstadt gab mit seiner Keynote „Ethik und Vertrauen in Technik“ eine erste Einführung in das Thema. Ethik in der Technik betreffe die Gestaltung der Systeme als Möglichkeitsräume dahingehend, dass innerhalb dieser ein Entscheiden in moralischer Absicht erhalten bleibt. Systeme wie etwa Roboter – so sehr sie auch menschliche Aufgaben übernehmen – können keine moralische Autonomie erlangen. Eine moralische Verantwortung ist nicht auf Maschinen delegierbar und bleibt immer beim Menschen. Auch wenn Algorithmen bestimmen, wie sich Roboter in bestimmten Situationen verhalten, werden diese von Menschen programmiert, die immer Herr über die Lage bleiben müssen. Wichtig sei eine Fehlerkultur im Umgang mit (teil-)autonomen Systemen, die aktiv dazu anregt, aus Fehlern zu lernen und Systeme stetigen Verbesserungen zu unterziehen.

Möglichkeiten und Grenzen (teil-)autonomer Systeme

Diesen Prozess gehen Unternehmen wie Siemens mit dem Digitalen Zwilling an: eine digitale Abbildung eines (teil-)autonomen Produkts, eines Prozesses oder einer Dienstleistung, die am Rechner weiterentwickelt und optimiert wird. Ziel dabei: von einem digitalen Modell zu einem realen Produkt zu kommen. Prof. Dr. Dieter Wegener von der Siemens AG stellte Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Fertigung von Prototypen vor, die auch die Frage miteinschließt, inwieweit Systeme mit psychischen Fähigkeiten ausgestattet werden können. Hier liege eindeutig die Grenze, erklärte Wegener. Beim Digitalen Zwilling werden ausschließlich mechanische und keine emotionalen Fähigkeiten des Menschen simuliert. Es gibt also keine Maschine, bei der der Mensch nicht weiterhin die entscheidende Rolle spielt. Denn dessen Fähigkeiten, sich mit ethischen Fragen auseinanderzusetzen, lassen sich nicht auf (teil-)autonome Systeme übertragen.

Prof. Dr. Hartwig Steusloff vom Fraunhofer IOSB stellte zur Diskussion, inwieweit die Normung Ethik aufgreifen kann und ob Use Cases dazu die geeignete Methode sind. Aus seiner Sicht könne ein Use Case die Position des Menschen zu einer technischen Entwicklung definieren. Es gelte, eine modellbasierte Ethik in Bezug auf technische Fragestellungen zu entwickeln. Diese bildet dann die Grundlage eines internationalen Verhaltenskodex, um Systemnormen zu schaffen. Eine ethische Frage kann etwa sein, ob sich die Verantwortung, die einzelne technische Entwicklungen nach sich zieht, an den Menschen delegieren lässt und ob dieser sich darauf einlassen will und kann.

Neuer Arbeitskreis „Ethik in der Technik“

Mit diesen und weiteren Fragen setzt sich die VDE|DKE künftig in einem neuen Arbeitskreis auseinander, der ethische Grundsätze in die Normung integrieren möchte. Interessierte verschiedener Fachdisziplinen sind zur Mitarbeit eingeladen:
dke-innovationen@vde.com

Impressionen vom Ethik-Symposium 2018

Podiumsdiskussion zu Ethik in der Technik

Ethik und Technik – wie passt das zusammen? Dieser Frage ging das von VDE|DKE organisierte Symposium Ethik in der Technik nach.

Wie soll sich ein autonom fahrendes Auto im Krisenfall entscheiden? Die fortschreitende Digitalisierung mit immer mehr autonomen Systemen zwingt Ingenieure früher oder später dazu, sich mit dieser oder ähnlichen ethischen Fragen zu beschäftigen. Mit einem Symposium hat die VDE|DKE das Thema Ethik in der Technik nun auf die Agenda gebracht und unter den knapp 100 Teilnehmern für lebhafte Diskussionen gesorgt. Schnell wurde deutlich: Das Thema ist komplex! Denn ethische Aspekte sind schon in verschiedenen Kulturen völlig unterschiedlich ausgeprägt. Einig waren sich die Experten aber darin, dass Ethik zur Technikentwicklung gehört und am Anfang des Prozesses stehen sollte – idealerweise bereits in der Normung.

Vorträge zu Ethik in der Technik

Fragestellungen zu Ethik in der Technik