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Karl-Heinz Land

| Heiko Wolfraum
20.05.2019 Veranstaltungsrückblick 2301 0

Wir schaffen die Energiewende. Gemeinsam!

Der DKE Innovation Campus fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Mit über 300 Teilnehmern konnte ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden. Zentrale Frage in diesem Jahr: Wie können wir die Energiewende schaffen? Die Botschaft war am Ende des Tages klar: Nur gemeinsam wird das möglich sein! In den Keynotes, Impulsvorträgen und Sessions des Tages wurden Ideen und Konzepte zur „All Electric Society – Transformation der Energiewelt“ vorgestellt und mit den anwesenden Teilnehmern diskutiert.

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Alexander Nollau
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DKE-Vorsitzender Roland Bent

| Heiko Wolfraum

Das Licht geht aus. Auf den zwei großen Leinwänden läuft auf ein Countdown von 60 herunter.

Noch 3 … 2 … 1 … Dann begrüßen Roland Bent, Vorsitzender DKE, und Michael Teigeler, Geschäftsführer DKE, die über 300 Teilnehmer, die sich in Hanau zum Jahreshighlight der elektrotechnischen Community zusammengefunden haben.

Der DKE Innovation Campus fand in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt; erstmals konnten auch Gäste aus dem Ausland begrüßt werden. Bent wertete dies als Indiz dafür, dass die DKE den Fokus der diesjährigen Konferenz („All Electric Society – Transformation der Energiewelt“) richtig gewählt hat.

„Unsere Kinder fordern Antworten auf die große Frage, wie wir die Energiewende und den Wandel von fossilen Energieträgern hin zu einer sicheren, sauberen und bezahlbaren Versorgung aus Erneuerbaren Energien gestalten können“, sagte Michael Teigeler. „Digitalisierung und Automatisierung sind nicht das Problem“, so Teigeler weiter „sondern Teil der Lösung.“ Die Vereinbarung von Normen und Entwicklung sei der Schlüssel, die verschiedenen Technologien einer klimafreundlichen Energieversorgung zielführend zusammenzubringen. „Entwicklungen müssen vorgenormt werden, damit sie nahtlos in unseren Alltag integriert werden können“, führt der DKE-Geschäftsführer aus.

Michael Teigeler und Roland Bent im Wettbewerb vor dem großen Countdown

Digitalisierung der Normung

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DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler

| Heiko Wolfraum

Bereits 2016 hat die DKE einen Schwerpunkt auf die Digitalisierung der Normung gelegt. Agile Standardisierung, der systemische Ansatz und maschinenlesbare Normen sind von großer Bedeutung für die Zukunft. Aber wie lassen sich bei all diesen Vorhaben neue Experten für die Normung gewinnen? Teigeler macht deutlich, dass es sich hierbei ebenfalls um ein relevantes Thema der DKE handelt: „Wir sprechen oft sehr technisch über Themen, aber wir müssen den Menschen mitnehmen.“ Ein Beispiel dafür wurde in Hanau vorgestellt: Die IEC Standardization Quest. Eine spielerische Variante für Normungsinteressierte, um sich mit dem komplexen Prozess der internationalen Normung auf einfache Weise auseinanderzusetzen.

Auf eine höhere Ebene der Betrachtung nahm Karl-Heinz Land die Teilnehmer der Jahrestagung mit seiner einführenden Keynote. Land ist nicht nur CEO der neuland GmbH und Autor des Buches „Erde 5.0: Die Zukunft provozieren“, sondern auch Visionär und Investor. Er geht davon aus, dass der Digitalisierungs-, Vernetzungs- und Automatisierungsgrad enorm hoch sein und die Entwicklung in schnellen Schritten voran gehen wird. „Bislang haben wir von der Digitalisierung nur – übertragen auf ein 8-Gänge-Menü im Restaurant – den „Gruß aus der Küche“ gesehen. Die Veränderung in den nächsten zehn Jahren wird radikaler sein als in den letzten 250 Jahren“, prognostizierte Land.

Digitalisierung habe ein enormes Potenzial für die nachhaltige Entwicklung, aber nur, wenn der technologische Fortschritt in den Dienst der Menschheit gestellt wird. Dazu zitierte er den Philosophen Antonio Gramsci: „Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren: Es ist die Zeit der Monster.“ Ein Hinweis, der sich durch viele Vorträge des DKE Innovation Campus 2019 hindurchzog: Technologieentwicklung braucht eine konkrete Vision, wohin die Reise gehen soll.

Microgrids als Komponente der Sektorenkopplung

Etwas technischer ging es dann mit der zweiten Keynote des Tages weiter. Dr. Michael Stadler, Technischer Geschäftsführer von Bankable Energy | XENDEE Inc. in Kalifornien, kann von der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit in der Praxis noch nicht viel entdecken. Der Experte für die Implementierung und den Betrieb von Zellularen Energiesystemen berichtet davon, dass weltweit etwas mehr als 2.200 Microgrids geplant und installiert wurden – alle sehr individuell und von der Leistung her tendenziell eher gering. Ein Vorreiterprojekt sei das erdgasbetriebene Kälte-Wärmenetz in New York City. Kalifornien hingegen nehme eine Vorbildfunktion im Bereich der Kopplung von PV-Systemen mit Speichern ein.

Dr. Michael Stadler

Dr. Michael Stadler

| Heiko Wolfraum

Stadler ist der Ansicht, dass die Vorteile von Microgrids in weiten Teilen noch nicht verstanden werden. „Im Moment wird der Begriff „Smart Grid“ politisch als IT-Kommunikationsnetz zwischen Erzeugern und Abnehmer verstanden. Das sagt aber zunächst einmal nichts über die Dezentralität und Effizienz aus oder ob Erneuerbare Energien genutzt werden.“ Stadler betont, dass für eine nachhaltige Energiewende die sektorale Kopplung im Mittelpunkt stehen muss. „Wir müssen alte Wege verlassen und Energieversorgung wirklich dezentral und zellular aufbauen.“ Microgrids seien eben kein Gegensatz zur Sektorenkopplung, denn Zellulare Energiesysteme sind keine Inselsysteme, sondern kleine Teile eines Verbundes.

Das Problem: Es handelt sich um komplexe Systeme, die eine Vielfalt an Wechselbeziehungen auslösen. Um diese auszutarieren, bedarf es Daten der jeweiligen Lastprofile, die jedoch schwer oder gar nicht zugänglich sind. Hier sieht Stadler dringend Handlungsbedarf. Außerdem mahnt der Experte eine Standardisierung des Planungsprozesses an.

Zwei spannende Keynotes von hochkarätigen Speakern. Corinna Egerer, Moderatorin des Tages, führte noch ein kurzes Interview mit Dr. Michael Stadler, bevor es direkt im Anschluss mit den drei Impulsvorträgen zu NORMEN. MACHEN. ZUKUNFT. weiterging.

Standardisierte Planung, Implementierung und Betrieb von Zellularen Energiesystemen

  • Was genau sind eigentlich Zellulare Energiesysteme (Microgrids)?
  • Worin bestehen die wesentlichen Herausforderungen bei Microgrids?
  • Welche Rolle spielen Normen und Standards bei der Entwicklung?
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Ohne Interoperabilität gibt es keine Energiewende!

Corinna Egerer im Gespräch mit Michael Häcker

Corinna Egerer und Michael Häcker

| Heiko Wolfraum

Für mehr Miteinander warb Michael Häcker von Schneider Electric in seinem Impulsvortrag NORMEN. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gehen zahlreiche Aufgaben des Übertragungsnetzes zunehmend auf die Verteilnetze über.

Bei seiner Gegenüberstellung der IEC-Normenreihe 61850 mit dem Common Information Model (CIM) wurde deutlich, dass diese beiden Standards bislang nicht miteinander interagieren. „Derzeit wird die Interoperabilität „händisch“ gelöst“, so Häcker.

Im internationalen Komitee IEC TC 57 (Spiegelgremium: DKE/K 952) wird daran gearbeitet, beide Standards anzugleichen und eine Interoperabilität sowohl syntaktisch über die Kommunikation, semantisch über die Modellierung als auch über die Konfiguration der Sprache und Prozesse herzustellen.


Common Information Model (CIM): Zeitgemäße Kommunikation im Smart Grid

Das Common Information Model (CIM) hat die Aufgabe, alle betrieblichen Aspekte der elektrischen Versorgung zu modellieren. Dabei werden die Komponenten der Übertragung, Verteilung und Erzeugung als Elemente der Netzmodellierung und des Netzbetriebs erstellt.

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Mehr Energieeffizienz durch mehr Informationen

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Darius Chaman Ara

| Heiko Wolfraum

Darius Chaman Ara, Business Development Manager bei Fresh Energy, zeigte im Impulsvortrag MACHEN anschaulich, wie Energieeffizienz auf Basis von Datenauswertungen aussehen und welche Einsparungen sich ermöglichen lassen. Das Berliner Start-up hat eine App entwickelt, die Verbrauchern live ihren Stromverbrauch aufzeigt und Stromfresser im Haushalt identifiziert. Ein Smart Meter erfasst hierzu die Kenndaten im Haushalt. Zeigt ein Gerät ungewöhnliche Werte, wie beispielsweise einen zu hohen Verbrauch, interpretiert die App die Daten und meldet dies. Optimierungen im Haushalt können somit erleichtert werden.

Mithilfe einer speziellen Software kann der Stromzähler erkennen, um welches Gerät es sich handelt und überträgt diese Info an die App. „Wir konnten nachweisen, dass, alleine durch die Visualisierung des Energieverbrauchs, Haushalte im Durchschnitt zehn Prozent ihres Stromverbrauch reduzieren“, sagte Chaman Ara.

Die App sei allerdings nur als ein erster Use Case gedacht, um für Stadtwerke und Energieversorger neue datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Man sollte einen strengen Datenschutz als Chance und nicht als Behinderung sehen“, ergänzt Chaman Ara. Nur durch die strikte anonymisierte Verwendung und den Schutz der Kundendaten, können Unternehmen auch beim Verbraucher das notwendige Vertrauen für datengetriebene Anwendungen und Produkte schaffen.


Fokusbild Home & Building

Smart & effizient für mehr Lebensqualität: Home & Building

Im Fokus steht die Integration und Nutzung von Informations- und Telekommunikationstechnologien in der heimischen Umgebung. Ziel ist es, Unterhaltung, Komfort, Energiemanagement, Sicherheit und Gesundheit kosteneffizienter oder bequemer machen. Weitere Inhalte finden Sie auf unserer

DKE-Themenseite Home & Building

Cyber-Resilienz digitalisierter Energiesysteme – und wie KI helfen kann

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Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff

| Heiko Wolfraum

Das Voranschreiten der Digitalisierung wirft Fragen nach dem Schutz kritischer Infrastrukturen, wie dem Stromnetz, auf. „Ein offenes Energiesystem lässt sich nicht ultimativ sichern. Wir müssen Mechanismen finden, um mit Angriffen oder Fehlern umzugehen“, sagt Sebastian Lehnhoff, Professor am Lehrstuhl für Energieinformatik an der Universität Oldenburg, in seinem Impulsvortrag ZUKUNFT. Wie also lassen sich Schwachstellen am besten identifizieren?

Lehnhoff forscht am sogenannten Adversarial Resilience Learning. Dabei werden konkurrierende KI-Agenten darauf trainiert, durch Interaktion auf ihre Umgebung zu reagieren. Dieser Prozess funktioniert ähnlich wie ein Spiel: Angreifer und Verteidiger spielen gegeneinander und lernen voneinander.

Das ethische Dilemma liegt natürlich auf der Hand: Bei solchen Prozessen wird der Angreifer immer mittrainiert. Lehnhoff ist trotzdem davon überzeugt, dass Künstliche Intelligenz eine große Rolle bei der Automatisierung von sicherheitskritischen Systemen übernehmen wird.

Sowohl die Keynotes als auch die Impulsvorträge wurden anschließend beim Markt der Ideen im Kontext der Arbeitsfelder und Technologien der DKE vereint.

Mehr cross-sektorale Zusammenarbeit notwendig

Auf dem Markt der Ideen wurden die diesjährigen Themenschwerpunkte in Form von Postern und kurzen Vorträgen vorgestellt. Die Präsentationen zeigten deutlich, wie sehr die DKE als Normungsorganisation die sektorenübergreifende Zusammenarbeit fördert. DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler betonte dies im Anschluss an den Markt der Ideen: „Wir denken nicht mehr in Silos.“

Dieser Gedanke setzte sich nach der Mittagspause auch in den einzelnen Themensessions fort.

Themenposter: Erneuerbare Energien, Energieversorgung, Sektorenkopplung

Themenposter: Energiespeicher, Energieeffizienz, Mobilität

Von der Idee über typische Herausforderungen bis hin zur fertigen Norm

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Kevin Hermanns

| Heiko Wolfraum

Kevin Hermanns, Mitglied der Next Generation DKE und junger Unternehmensgründer (PE-Systems), machte in der Session NORMEN den Auftakt. Seiner Ansicht nach sind digitale Standards ein Schlüssel zur Designautomatisierung in der Leistungselektronik. Viele Anwendungsszenarien der „All Electric Society“ sind nur durch den Einsatz moderner leistungselektronischer Systeme denkbar. Das Problem: Simulationstools verfügen derzeit nicht über standardisierte Schnittstellen. Digitale Standards könnten beispielsweise helfen, die Datenqualität und Spezifikationen zu verbessern.

Vor ganz anderen Problemen steht das junge Team von „e-floater“ – ein Start-up für Kickscooter Sharing aus Hamburg. Jannick Hofrichter, Head of Expansion, berichtete über die Herausforderungen in Deutschland. Sind die Kickscooter in Singapur, Wien und Lissabon relativ leicht auf die Straße zu bringen, ist das hierzulande ein sehr aufwendiger Prozess. Die Anforderungen an Start-ups seien die gleichen wie bei großen Konzernen – nur verfügen die entsprechend über mehr Manpower und Erfahrung.

Normung ist wichtig – das steht außer Frage. Und um Normung weiter zu fördern gibt es zum Beispiel das Projekt WIPANO, das bei der Patentierung und Verwertung von Ideen und beim Wissenstransfer durch Normung und Standardisierung unterstützt. Tobias Rösch vom Forschungszentrum Jülich hat den anwesenden Teilnehmern das WIPANO-Projekt erläutert – von den Förderschwerpunkten über die Ziele bis hin zu Best Practice-Beispielen.

Den Abschluss machten Dieter Schnäpp und Peter Bernard Ladkin. Beide haben sich dem Thema der Terminologie gewidmet – oder besser gesagt: Der Terminologieharmonisierung. HARBSAFE stellt dabei das Bindeglied zwischen DKE und der TU Braunschweig dar. Schaut man sich einen Begriff „risk“ an, der in zahlreichen Normen in jeweils unterschiedlichem Kontext verwendet wird, wird der Bedarf nach einer Terminologieharmonisierung sehr schnell ersichtlich.

Technische Aspekte der Sektorenkopplung im Kontext der Digitalisierung

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Andreas Ulbig

| Heiko Wolfraum

Andreas Ulbig, Gründer und Geschäftsführer der Adaptricity AG, vertrat im Panel die These, dass durch Netztransparenz ein Meilenstein für die Kosteneffizienz erreicht werden könne. Bislang seien Verteilnetze jedoch regelrechte Blackboxen. An vielen Stellen werden Leitungen übertrieben ausgelegt, um in jedem Fall ein Worst-Case-Szenario zu vermeiden. Adaptricity verfolgt aus diesem Grund den Ansatz, mittels Datenanalyse, Verteilnetze optimiert zu bauen und zu planen.

Michael Häcker, am Vormittag schon als Speaker des Impulsvortrags NORMEN auf der Bühne, stellte ein Projekt vor, dass sein Unternehmen gemeinsam mit dem Netzbetreiber Amprion durchführt, um Hochspannungsleitungen den neuen Herausforderungen durch die Energiewende anzupassen. „In diesem Pilotprojekt werden Schutzeinstellungen der Schutzgeräte per Fernwartung reguliert. Die Schutzeinrichtung berechnet, ob es Sinn macht, die Schutzeinstellung zu verstellen und führt gegebenenfalls eine Adaption aus.

Cybersecurity ist eine entscheidende Voraussetzung für die Versorgungssicherheit in einer zunehmend automatisierten Verteilnetzstruktur. Eine kontinuierliche Anpassung an die aktuelle Bedrohungslage sei unerlässlich, erläuterte Steffen Fries von der Siemens AG. Die Basis dafür bilden zum Beispiel die ISO/IEC-Norm 27001 und die IEC-Normenreihe 62443. Auch die Standards zur interoperablen Integration von Sicherheitsmaßnahmen werden kontinuierlich an den Stand der Technik angepasst. Ein Beispiel hierfür ist die IEC-Normenreihe 62351. „Die Wirksamkeit dieser Standards erfordert neben ihrer konsequenten Anwendung auch die Interaktion von Hersteller, Integrator und Betreiber!“, mahnte Fries an.


Fokusbild Cybersecurity

Sichere & innovative Informationssysteme: Cybersecurity
Innerhalb der DKE wird das Thema interdisziplinär bearbeitet. Ziel von Normen und Standards für den Bereich Cybersecurity in Energy ist, eine Grundlage für die sichere Entwicklung, Integration und den Betrieb von vernetzten Energiesystemen zu erstellen. Weitere Inhalte zu diesem Fachgebiet finden Sie auf unserer

DKE-Themenseite Cybersecurity

Klassische Normung oder Open Standards? Es geht um die richtige Balance!

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Kevin Behnisch, Markus Reigl und Dieter Westerkamp (v. l. n. r.)

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Die Experten der Session ZUKUNFT stehen alle auf ganz unterschiedliche Weise mit der Normung und Standardisierung in Verbindung. Die allgemeine Fragestellung lautete, in welcher Verbindung etablierte Normungssysteme und Open Standards-Projekte stehen und diese in Zukunft enger zusammenarbeiten können.

Aber was spricht eigentlich für Open Standards? Mittels Foren und Konsortien, in denen Open Standards erarbeitet werden, wäre Standardisierung um ein Vielfaches schneller und könnte der rasant voranschreitenden Digitalisierung auf diese Weise Rechnung tragen. Gleichzeitig bieten Foren und Konsortien in fast allen Fällen einen freien Zugang zu Standardisierungsdokumente. Dies stellt Organisationen, die kostenpflichtige Normen vertreiben, vor neue Herausforderungen.

Einig waren sich die Experten, dass Foren und Konsortien insbesondere in Bezug auf digitale Innovationen eine Berechtigung haben. Hier werden einheitliche Richtlinien oder Standards kurzfristig benötigt, um beispielsweise schnelllebigen Digitalisierungsthemen und den Marktanforderungen gerecht zu werden. Aber auch die klassische Normung, die ihren Prinzipien wie Konsens, Transparenz und Öffentlichkeit folgt, wird auch zukünftig in der technischen Regelsetzung zur Erreichung von Schutzzielen eine hohe Bedeutung haben.

Normen und Richtlinien sind komplementär und unterstützen sich gegenseitig

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Abstimmung im Publikum

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Im zweiten Teil der Session stellte Dieter Westerkamp, VDI e. V., zehn Punkte zur technischen Regelsetzung in der Zukunft vor. Dazu gehörten beispielsweise Aspekte der strategischen Bedeutung, digital nutzbare Ausgabeformate sowie transparente Mitwirkungspflichten. Im weiteren Kontext gab es zu folgenden Aussagen eine allgemeine Zustimmung des Publikums:

  • Die Normung werde auch zukünftig die technische Regelsetzung bestimmen und den Stand von Wissenschaft und Technik beschreiben.
  • Technische Regelsetzung werde zunehmend auch außerhalb der Normung stattfinden – die Normung sollte sich anpassen und neue Kooperationsmodelle entwickeln.

Auch bei der anschließenden Diskussion zum Vortrag „Koexistenz voll-konsensualer und konsentialer Normung? – Klaro!“ von Markus Reigl, Siemens AG, waren sich die Experten grundsätzlich einig: Beide Welten sind nebeneinander wichtig und richtig – sie konkurrieren also nicht miteinander. Von hoher Relevanz seien ein besseres und wechselseitiges Verständnis füreinander sowie die Überwindung von Domänengrenzen. Zum Abschluss der Session stellte Dr. Thomas Zielke vom BMWi verschiedene Aktivitäten mit Bezug auf die internationale Normungspolitik vor, bei denen sich der Bund einbringt und positioniert.

Wer bereits am DKE Innovation Campus teilgenommen hat, der weiß: Nach den Sessions ist vor der Panel-Diskussion. Und dazwischen folgt noch ein Impulsvortrag zur Einleitung. Dieses Mal: „Dezentral und bürgernah – nur so wird die Energiewende in Deutschland zum Erfolg.“

In den Sessions MACHEN und ZUKUNFT wurde viel diskutiert

Die Bürger wollen bei der Energiewende mitgenommen werden

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Jens Mühlhaus

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Jens Mühlhaus, Vorstand der Green City AG, warf in seinem Impulsvortrag das berühmte Bild unseres blauen Planeten, aufgenommen aus dem Weltall, auf die beiden großen Leinwände – denn genau den gilt es für uns alle zu schützen. Das große Problem der fossilen Energiereserven: „Fossile Energieträger liegen nicht nur in der Erde, sondern auch in den Bilanzen der großen Konzerne.“

Die nächste große Herausforderung verdeutlichte Mühlhaus anhand von Fotos der Umweltbewegung „Extinction Rebellion (XR)“, die mit Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen die Verbrennung fossiler Kraftstoffe protestiert. Schon auf dem nächsten Bild sind jedoch Windkraftgegner und Demonstrationen gegen den Netzausbau zu sehen. „Es fehlt an einem gesellschaftlichen Konsens und einer politischen Vision“, zieht Mühlhaus sein Fazit.

Er appelliert an Entscheidungsträger, aus der Energiewende endlich ein positiv formuliertes Projekt zu gestalten, denn die Voraussetzungen seien im Grunde ideal. Wenn Strom aus Erneuerbaren Energien vor Ort produziert und vermarktet wird, schaffe das regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und die Option auf eine völlig neue Stadt-Land-Beziehung.


Energy – Normen und Standards für eine dezentrale und digitale Zukunft

In der alltäglichen und gesellschaftlichen Diskussion ist sie ein ebenso großes Thema wie in der DKE – die Rede ist von der Energie.

Normen und Standards fördern hierbei innovative Entwicklungen in der Energieversorgung der Zukunft. Vorhandene Ressourcen müssen daher optimal genutzt und die Energieversorgung deshalb flexibel und intelligent aufgebaut werden – und somit dezentral und digital. Zusammen mit Politik, Unternehmen und Bürgern schaffen wir die Grundlagen.

Ziel von Normen und Standards ist die Entwicklung eines nachhaltigen Systems für eine sichere Energieverteilung. Technik und Produktlösungen sollen – ohne Einschränkungen in der Sicherheit – sowohl für den Anwender als auch für den Verbraucher tauglich sein.

Gehen wir es gemeinsam an!


Langfristig und mit großem Einsatz ist die Energiewende zu schaffen

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Heiko Wolfraum

Scheitert die Energiewende in Deutschland, weil sie zu langsam, zu kleinteilig, zu technisch herausfordernd ist? Nein, war das Fazit in den Schlussstatements. Aber es ist noch viel Arbeit in die politischen, regulatorischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu investieren. Das spiegelt letztendlich auch den Inhalt der Keynotes, Impulsvorträge und Sessions des Tages wider.

Den Abschluss des DKE Innovation Campus 2019 machte Roland Bent. „Die DKE betrachtet sich als Zukunftsinstitut, um mit Hilfe von Normen und Standards auch im Bereich der Energieversorgung eine lebenswerte Zukunft zu sichern“, betonte Roland Bent einmal mehr. Das wird, so viel wurde auf dem diesjährigen DKE Innovation Campus deutlich, viel Mühe und Energie kosten.

Aber es ist wie bei dem Fahrrad-Contest im Vorraum der Hanauer Kongresshalle: Je mehr die Teilnehmer auf dem Rad strampelten desto höher war am Ende auch die gewonnene Energie. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, müssen wir uns alle anstrengen. Das gilt auch für die Energiewende.

  • Roland Bent – CTO, PHOENIX CONTACT GmbH & Co. KG
  • Ansgar Hinz – CEO, VDE e. V.
  • Jens Mühlhaus – Vorstand, Green City AG
  • Dr. Michael Stadler – Technischer Geschäftsführer, Bankable Energy | XENDEE Inc
  • Andreas Ulbig – COO, Adaptricity AG
  • Dr. Wolfgang Zander, Gründer & Generalbevollmächtigter, BET Büro für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH

Das waren die Highlights beim DKE Innovation Campus 2019!

Thema: „All Electric Society – Transformation der Energiewelt"

Mehr als 300 Teilnehmer folgten am 8. Mai der Einladung in den Congress Park Hanau. Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik überzeugten die Teilnehmer mit ihren Keynotes, Impulsvorträgen und Sessions rund um die Energiewelt von morgen.

Zentrale Frage in diesem Jahr: Wie können wir die Energiewende schaffen? Im Fokus standen sechs Themen: Erneuerbare Energien, Energieversorgung, Sektorenkopplung, Energiespeicher, Energieeffizienz und Mobilität.

Die Botschaft war am Ende klar: Nur gemeinsam wird das möglich sein!

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Was der DKE Innovation Campus 2019 außerdem geboten hat

STS-Preisverleihung

Am Vortag wurde der DKE Innovation Campus 2019 bereits eingeläutet – nicht in Hanau, sondern in Offenbach beim VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut. Die Teilnehmer hatten dort die Möglichkeit, die Welt der Prüfung und Zertifizierung von Staubsaugern, Waschmaschinen und Kettensägen zu erleben und haben einen Blick in die Prüfkabinen der Elektromagnetischen Verträglichkeit und der Performanceprüfung geworfen.

Highlight des Tages war am späten Nachmittag die Preisverleihung an die beiden Sieger des STS-Pitches 2018. Anna Pfendler, TU Darmstadt, bekam den Preis für ihre Abschlussarbeit mit dem Titel „Fehlerortabhängigkeit des Kurzschlussstroms in HGÜ-Netzen“ verliehen. Andreas Hauschke, ebenfalls TU Darmstadt, konnte die Jury mit seiner Abschlussarbeit „Verschlüsseltes verteiltes Clustering“ überzeugen.

IEC Standardization Quest

Auf dem diesjährigen DKE Innovation Campus wurde erstmals die IEC Standardization Quest vorgestellt. Ein von der DKE entwickeltes Konzept, das die normungsinteressierten Teilnehmer spielerisch an die Entwicklungsprozesse eines Standards herangeführt. Gemeinsam durchliefen die Teams in der Rolle von Experten der Normung verschiedene Stationen in einem geschlossenen Raum. Dabei wurden sie vor Rätsel gestellt, dessen Lösungen sie Schritt für Schritt einen neuen Standard entwickeln ließen. Das Konzept ähnelt somit dem eines Escape Rooms.

Die Teilnehmer des Kongresses waren sichtlich begeistert von dem auflockernden Konzept. Im Zuge des Workshops erhielten sie nicht nur Einblicke in die Normung – auch die Teamfähigkeit und der Teambuilding-Effekt wurden gefördert. Bei der IEC Standardization Quest ist eine gute Kommunikation innerhalb des Teams gefragt, wodurch sich die Teilnehmer untereinander in einem lockeren und unterhaltsamen Kontext kennenlernen.

Dieses neu entwickelte Konzept der DKE wird zeitnah auch für Unternehmen und Hochschulen buchbar sein.

Verleihung der DKE Nadel

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DKE-Vorsitzender Roland Bent, Preisträger Dr. Andreas Starke, DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler, Preisträger Ingo Weber, Stellv. DKE-Vorsitzender Prof. Dr. Dieter Wegener (v. l. n. r.)

| Heiko Wolfraum

Die DKE Nadel ist eine besondere Auszeichnung für unsere technischen Experten, die in Anerkennung für ihr ehrenamtliches Engagement und ihren nationalen und internationalen Einsatz in der elektrotechnischen Normung verliehen wird.

Anlässlich des DKE Innovation Campus wird die DKE Nadel 2019 vom DKE-Geschäftsführer Michael Teigeler an Dr. Andreas Starke, HARTING Stiftung & Co. KG, und Ingo Weber, Siemens AG – Digital Factory, verliehen.

Dr. Starke war u. a. als Leiter des Fachbereichs 6 der DKE aktiv. Mittlerweile engagiert er sich im Lenkungsausschuss der DKE und im Technischen Beirat Internationale Nationale Koordination (TBINK). Weber ist in Gremien der Automatisierungstechnik tätig und begleitete mit großem Engagement und fundiertem technischen Wissen den Übergang von der Automatisierungstechnik der „Industrie 3.0“ hin zur „Industrie 4.0“. Seit 2016 ist er außerdem Chair des IEC/TC 65 „Industrial-process measurement, control and automation“.

Mobility-Workshop: Intermodale Mobilität

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Mobility-Workshop: Intermodale Mobilität

| Artur Schmidt

Im Rahmen des diesjährigen DKE Innovation Campus veranstaltete das Mobility-Team der DKE, bestehend aus Dr. Ralf Petri, Lydia Wagner, Artur Schmidt, Ninmar Lahdo und Hannah Pontzen, einen ersten interdisziplinären Normungsworkshop mit dem Titel „Intermodale Mobilität – Nexus von Auto | Bahn | Energie“.

Zielsetzung des Workshops war es, die Schnittstellen zwischen den Fokusbereichen Auto, Bahn und Energie zu erkennen und gemeinsam mit Vertretern und Experten aus der Industrie erste Normungsbedarfe abzuleiten. „Gerade im Zuge der intermodalen Mobilität und dem Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bereiche eine absolut notwendige Entwicklung“ sagte Dr. Petri, VDE Leiter Mobilität und Logistik sowie DKE Abteilungsleiter Mobility.

Zu den drei Fokusbereichen wurden zunächst Impulsvorträge von Herrn Dr. Carsten Söffker (ALSTOM Transport Deutschland GmbH) für den Bahn-Bereich, Herrn Michael Zeyen (vancom GmbH & Co. KG) für den Auto-Bereich und Herrn Sven Jundel (innogy SE) aus dem Energie-Sektor gehalten. Im Anschluss daran haben sich die Teilnehmer/-innen in drei Gruppen aufgeteilt und jeweils zwei Use Cases für die Verknüpfung der vorgestellten Themenschwerpunkte erarbeitet und wichtige Herausforderungen adressiert.

Für das DKE Mobility-Team war der Workshop ein voller Erfolg, da die Teilnehmer/-innen aus den verschiedenen Bereichen effektiv zusammengearbeitet und wichtigen Normungsbedarf aufgezeigt haben. Mit den erzielten Ergebnissen werden nun die Grundlagen für künftige Normungsvorhaben erarbeitet. Darüber hinaus führten die lebhaften Diskussionen zur weiteren Vernetzung der drei Fokusbereiche sowie deren Experten.

Mit dem durchgeführten Workshop wurde ein erster Impuls für den fortwährenden Austausch zwischen den einzelnen Bereichen und für die Schnittstellennormung zur Erhöhung der Interoperabilität gesetzt.

Themenposter & Vorträge vom DKE Innovation Campus 2019 herunterladen

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DKE IC 19 PosterWalk

DKE
Veröffentlichungsdatum 20.05.2019
ZIP: 13,5 MB
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DKE IC 19 Vorträge

Verschiedene
Veröffentlichungsdatum 20.05.2019
ZIP: 39 MB

Rund um den DKE Innovation Campus 2019