Zwei Daumen hoch, einer runter
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24.06.2026 Fachinformation

Die DKE lädt ein zum IEC General Meeting in Hamburg: Ein Blick auf die deutsche Haltung zum Thema Konsens

Rund 3.000 Expertinnen und Experten aus aller Welt werden sich im November in Hamburg zum IEC General Meeting treffen, über 1.000 Meetings sind veranschlagt. Florian Spiteller, Mitglied der DKE Geschäftsleitung, erklärt im Interview, weshalb die deutsche Herangehensweise manchmal etwas zu direkt ist, warum Normung schon beim Frühstück beginnt und inwiefern Druck auch Chancen hervorbringen kann.

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Christian Marian
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Fachliche Diskussionen und unvergessliche Erinnerungen

DKE: Die Welt der elektrotechnischen Normung ist vom 14. bis 20. November 2026 beim IEC General Meeting zu Gast in Hamburg. Zum Einstieg Ihr ganz persönlicher Blick auf die Veranstaltung: Was dürfen die Teilnehmenden erwarten?

Spiteller: Unser Ziel ist, dass möglichst alle, die gerne kommen möchten, auch kommen können. Deshalb werden dieses Jahr mehr Technical Committees (TCs) vertreten sein als üblicherweise auf General Meetings. In Summe haben wir über 1.000 Untermeetings innerhalb von drei Wochen, was uns organisatorisch vor einige Herausforderungen stellt. Für uns steht im Fokus aller Bemühungen, möglichst viele Gelegenheiten für den persönlichen Austausch zu schaffen.

Wir möchten aber an den verschiedenen Tagungsorten in der wunderbaren Kulisse der Stadt Hamburg nicht nur fachlichen Diskussionen Raum geben. Auch Eröffnungsfeier und Abschlussparty sollen für unvergessliche Erinnerungen sorgen, die alle Teilnehmenden mit nach Hause nehmen. Was genau auf dem Programm steht, möchte ich noch nicht verraten, damit die Vorfreude bestehen bleibt.


IEC General Meeting 2026

Die DKE fühlt sich geehrt, Gastgeberin des Jahresevents der internationalen elektrotechnischen Normung zu sein. Unter dem Titel "Global Development. Driven by Standards." werden im November 2026 rund 3.500 Gäste in Hamburg erwartet.

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Streitbare Grundsätze, intensive Verhandlungen und Zeitdruck

DKE: Sie selbst haben über Ihre Funktionen in der DKE vor allem einen Blick auf das Thema Konsens, eins der Fokusthemen auf dem GM. Put into a nutshell: Was sind die zentralen Herausforderungen aus Ihrer Sicht?

Spiteller: Das Thema Konsens ist innerhalb der DKE natürlich nicht nur bei mir verortet. Durch mein Amt als Deutsches Mitglied im IEC Standardization Management Board (SMB) stehe ich dazu allerdings intensiv im Austausch mit vielen Kolleginnen und Kollegen weltweit. Fakt ist: Da IEC-Normen im Gegensatz zu Konsortialstandards konsensbasiert entstehen, haben wir verschiedene Herausforderungen zu meistern. 

Es gilt die Meinungen vieler verschiedener Länder – alle mit einer eigenen Stimme – unter einen Hut zu bringen. Gleichzeitig ist Konsens nicht mit einer Mehrheit von 51 Prozent erreicht wie bei einer demokratischen Wahl. Unser Ziel ist, dass niemand aktiv gegen eine Norm stimmt – das heißt, alle müssen zustimmen oder sich zumindest enthalten. Ist dies nicht gegeben, geht es erstmal einen Schritt zurück. Das ist zeitintensiv und impliziert viele Verhandlungen, wobei kulturelle Unterschiede mitschwingen. Die einen äußern Kritik im Prozess und sehr offen, die anderen vielleicht leise und erst am Ende. 

In all unserem Tun treibt uns zudem die Industrie an, denn idealerweise sind Standards spätestens verfügbar, wenn ein Produkt bzw. eine Technologie marktreif sind. Damit besteht eine weitere Herausforderung darin, Konsens in einer für alle Seiten vertretbaren Zeit zu erlangen.

Zu viel Stringenz kann leisere Stimmen überhören

DKE: Gutes Stichwort. Eines der am meisten diskutierten Themen rund um den Konsens in der Normung ist die Umsetzungsgeschwindigkeit. Welchen Beitrag kann Deutschland zum weltweiten Konsens leisten?

Spiteller: Ein Teil unseres Beitrags ist, dass wir den nationalen Konsens erarbeiten – da sind wir gut aufgestellt, das funktioniert. Die Herausforderung besteht darin, den Weg zum internationalen Konsens konstruktiv zu begleiten. Deutschland bekleidet in vielen Bereichen Führungsrollen. Wir sind relativ stringent und direkt in der Sitzungsleitung. Das ist aus deutscher Sicht effizient, birgt aber das Risiko, dass etwas leiser geäußerte Beiträge vielleicht nicht gehört werden. Das kann den Konsens gefährden und Zeit kosten, denn wenn Kritik erst am Ende in der Abstimmung sichtbar wird, muss ich das Paket nochmals aufknüpfen und eine Lösung finden.


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Soft Skills und persönliche Meetings als Erfolgsfaktoren

DKE: Welche Fähigkeiten brauchen Expertinnen und Experten, die Gremien leiten?

Spiteller: Soft Skills sind aus meiner Sicht der Schlüssel, um die kulturellen und menschlichen Aspekte im Blick zu haben und adäquat damit umzugehen. Insofern ist es sehr wichtig, persönliche Meetings zu ermöglichen, wann immer es geht. Sie schaffen den Rahmen, Beziehungen aufzubauen und Menschen abzuholen. Dabei geht es mit Blick auf Compliance keinesfalls darum, jemanden in seiner Meinungsbildung zu beeinflussen. Aber mit einer Person, die ich persönlich kenne, kann ich einfacher in den Austausch zu kritischen Punkten gehen als mit jemandem, den ich nur online gesehen habe.

Das ist übrigens auch das Spannende an einem Event wie dem IEC General Meeting: Der persönliche Austausch erstreckt sich ja nicht nur auf die verschiedenen Meetings, sondern er reicht von der ersten Tasse Kaffee oder Tee um 6 Uhr morgens bis zum gemeinsamen Ausklang an der Hotelbar abends um 23 Uhr. Zudem kommen in diesem Rahmen Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen TCs in Kontakt, was sonst nicht unbedingt möglich ist und echten Mehrwert bietet.

Digitalisierung der Normung braucht Konsens

DKE: Es gibt verschiedene Ansätze, um mit der technologischen Entwicklung mitzuhalten und die Prozesse an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Welche sind das, und wie sieht die deutsche Perspektive dazu aus?

Spiteller: Eines der Fachthemen, die uns derzeit massiv antreiben, ist der Digitale Produktpass (DPP). Um so ein Thema schnell genug normativ zu begleiten, müssen wir Änderungen in unserem System zulassen. Ich denke, die Standardisierung braucht die Digitalisierung. Aber auch die über die Digitalisierung stattfindende Änderung unserer Prozesse braucht einen Konsens, bevor die IEC daraus Maßnahmen ableiten kann. Die Frage ist außerdem, wie sich eine solche Initiative umsetzen lässt. Denn es gibt Länder, die die Anforderungen sofort oder schnell umsetzen können, und andere brauchen Zeit. Wir werden vermutlich nicht auf alle warten können und einen Mittelweg finden müssen.

DKE: Und welche Rolle kann Künstliche Intelligenz beim Thema Geschwindigkeit spielen?

Spiteller: Ich denke, KI kann uns durchaus helfen, schneller zu werden. Allerdings eher bei Zwischenschritten wie der Erstellung von Sitzungsprotokollen, Übersetzungen oder dem Entwurf von Schriftstücken. Der Konsens selbst kann aus meiner Sicht nicht KI-gestützt gefunden werden, denn da geht es um Qualität und Vertrauenswürdigkeit.


Frau in einem Hologramm mit Weltkugel
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SMART Solutions for Standards: Warum jetzt der Zeitpunkt zum Handeln ist

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Quick Wins und langer Atem

DKE: Wie Sie schon sagten, ist Normung auch dann konsensbasiert, wenn es darum geht, das Konsensprinzip und die eigenen Prozesse zu modernisieren. Wie will die DKE als Gastgeberin beim General Meeting dazu beitragen, eine Lösung zu erarbeiten? Wie lange wird es dauern, bis neue Ansätze in die Umsetzung kommen?

Spiteller: Als Gastgeberin können wir eine Plattform bieten für Themen, Meinungen und disruptive Ideen. Wir können Prozesse anstoßen und begleiten, wir können Raum für offene Diskussion schaffen. Was wir alle sehen, ist, dass der Druck auf die Normung spürbar wird.

Diese Situation ist nicht nur fordernd, sie bringt auch die Chance mit sich, etwas zum Guten zu verändern. Das ist unser aller Aufgabe beim General Meeting. Ich denke, wir werden danach einige Quick Wins sehen, die schon in einem halben Jahr umzusetzen sind – und andere Punkte, die eher in zwei oder drei Jahren ihre Wirkung entfalten.

Rund 150 Tage bis zum großen Moment

DKE: Zum Schluss noch einmal eine persönliche Perspektive: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an das IEC General Meeting in Hamburg denken?

Spiteller: Am meisten freue ich mich auf den Moment, wenn es endlich losgeht. Stand heute haben wir noch rund 150 Tage bis zur Eröffnung. Das ist einerseits viel Zeit, andererseits ist bis dahin noch viel Arbeit zu erledigen. Wenn wir dann aber in die hoffentlich glücklichen und neugierigen Gesichter unserer Gäste blicken dürfen, hat sich alles gelohnt.

Das Interview führten wir mit:

Florian Spiteller

Florian Spiteller ist Leiter des Bereichs External Relations & Support bei der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik) und Mitglied der Geschäftsleitung. In dieser Funktion koordiniert er die internationalen Beziehungen der DKE zu Normungsorganisationen wie IEC, CENELEC und ETSI und vertritt deutsche Interessen in der globalen elektrotechnischen Normung.


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Normung und Strategie: Gemeinsam Zukunft gestalten

Die Digitalisierung schreitet voran und die Welt wächst zusammen. Dem tragen wir Rechnung, indem wir unterschiedliche Stoßrichtungen ins Leben gerufen haben und wichtigen Zielvorhaben beiwohnen.

Unser Ziel ist es, die Normung weiterzuentwickeln und als Normungsorganisation unseren Beitrag in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu leisten.

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