Frau in einem Hologramm mit Weltkugel
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20.05.2026 Kurzinformation

SMART Solutions for Standards: Warum jetzt der Zeitpunkt zum Handeln ist

Intelligente Lösungen für Normen sind längst keine Zukunftsvision mehr – sie werden darüber entscheiden, inwieweit Normen einen Mehrwert in einer digitalen Welt liefern.

Im Vorfeld der IEC-Generalversammlung 2026 in Hamburg erklären Maria Lazarte, Content Use Product Manager, und Francis Pernel, Director IEC/ISO Single Delivery Unit, warum diese Entwicklung die gesamte IEC-Community betrifft und warum selbst diejenigen, die dem Thema bisher wenig Beachtung geschenkt haben, nun die Möglichkeit haben, davon zu profitieren.

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Janos Koschwitz
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Single Delivery Unit

Die Single Delivery Unit (SDU) ist die erste gemeinsame operative Einheit der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) und der Internationalen Organisation für Normung (ISO). Ihre Aufgabe besteht darin, die Führungsposition von IEC und ISO im Hinblick auf die digitale Transformation der internationalen Normung zu stärken, indem sie mittels SMART die Art und Weise modernisiert, wie Normen erstellt, verwaltet und genutzt werden. Die SDU stimmt Strategien, Governance und Umsetzung beider Organisationen aufeinander ab, wodurch die digitale Transformation gefördert und die Zusammenarbeit innerhalb eines globalen Umfelds gestärkt wird.

Weitere Informationen hierzu: https://smartsdu.org/

DKE: SMART Solutions for Standards stehen noch nicht bei allen nationalen Komitees ganz oben auf der Prioritätenliste. Warum behaupten Sie, dass das Thema bereits für alle wichtig ist?

Pernel: Weil es hierbei nicht mehr um Prioritäten geht, sondern um Realität. Die Welt um uns herum verändert sich rasant. Unternehmen werden digitaler, Infrastrukturen werden intelligenter, KI breitet sich branchenübergreifend aus und neue Technologien wie die Quantentechnologie entstehen. In diesem Umfeld müssen sich auch Normen verändern, wenn sie relevant bleiben wollen. Denn auch die Erwartungshaltung verändert sich als Folge der Digitalisierung: Waren Normen bisher Dokumente zum Lesen, erscheinen sie nun vermehrt in Form von Daten, die von Systemen ausgeführt werden. Normen sollen zunehmend direkt in digitale Arbeitsprozesse integriert werden können und nicht nur als Dokumente zum Lesen zur Verfügung stehen. SMART ist Teil der Entwicklung der Normung.

Lazarte: Und das ist genau der Grund, warum es wichtig ist, SMART nicht als etwas darzustellen, das nur für erfahrene Akteure ist. Manche glauben, dass das Thema sehr technisch und daher nur für wenige Länder bzw. Branchen relevant sei. Aber bei SMART geht es darum, Normen so zu gestalten, dass sie in die Art und Weise wie Menschen heutzutage arbeiten, integriert werden können. Es geht um Zugänglichkeit, Nutzbarkeit und Relevanz. Die eigentliche Frage ist nicht, ob die Community betroffen sein wird, sondern wie wir sicherstellen, dass alle das Beste aus diesem Wandel machen können.


IEC General Meeting 2026

Die DKE fühlt sich geehrt, Gastgeberin des Jahresevents der internationalen elektrotechnischen Normung zu sein. Unter dem Titel "Global Development. Driven by Standards." werden im November 2026 rund 3.500 Gäste in Hamburg erwartet.

Offizielle Webseite

Ein Ansatz, viele Ansatzpunkte: SMART so gestalten, dass es für alle funktioniert

DKE: Was sind die größten Vorteile von SMART Solutions for Standards? Und unterscheiden sich die Vorteile für hochindustrialisierte Länder und Schwellenländer?

Pernel: Die Vorteile sind im Wesentlichen überall dieselben: mehr Klarheit, einheitlichere Verwendung und bessere Integration in digitale Arbeitsprozesse. Der Unterschied besteht darin, wie die Vorteile genutzt werden. In hochindustrialisierten Volkswirtschaften ist die direkte Folge häufig mehr Effizienz und Innovation. Normen können direkt in Engineering Tools, Compliance-Systeme und automatisierte Testumgebungen integriert werden. Das hebt Geschwindigkeit und Präzision auf ein ganz neues Level. Wir sprechen oft über digitale Zwillinge – ein SMART-Ansatz für Normen trägt wesentlich dazu bei, da er es Systemen ermöglicht, Normen direkt umzusetzen.

Aus meiner Zeit in der Telekommunikationsbranche weiß ich noch, wie viel Zeit wir damit verbracht haben, in 3GPP-Normen manuell nach Werten zu suchen. Anstatt dass Techniker*innen Stunden damit verbringen, hunderte von Seiten zu durchforsten, können Systeme genau die benötigten Parameter unmittelbar abrufen.

Lazarte: Außerdem kann SMART eine Hürde beseitigen, die in Schwellen- und Industrieländern sehr unterschiedlich ist: die Nutzbarkeit. Die Navigation bei Normen ist nicht immer einfach, was die Akzeptanz bremsen kann. Wenn SMART dafür sorgt, dass Normen leichter zugänglich, zu durchsuchen und zu verstehen sind, dann kann sich die Beteiligung deutlich erhöhen. Selbst in hochindustrialisierten Ländern gibt es viele verschiedene Nutzergruppen – von multinationalen Unternehmen mit fortschrittlichen digitalen Arbeitsprozessen bis hin zu kleinen und mittelständischen Unternehmen, die einfachere, intuitivere Werkzeuge benötigen.

Pernel: Deshalb sprechen wir von unterschiedlichen Ansatzpunkten. SMART bedeutet nicht ab dem ersten Tag dasselbe für alle. Einige Nutzergruppen wünschen eine vollständige Integration via APIs. Andere benötigen lediglich eine bessere Vorgehensweise für den Zugriff auf und die Erfassung von Informationen. Beide haben ihre Berechtigung. SMART erweist sich nicht nur in diesen Anwendungsfällen als nützlich, sondern in vielen weiteren.


DKE: Das klingt nach einer wichtigen Botschaft an die IEC-Community: Niemand muss an demselben Punkt ansetzen.

Lazarte: Genau. Nutzende haben sehr unterschiedliche Wissensstände, Ressourcen und Erwartungen. Manche benötigen erweiterte Funktionen, andere brauchen Klarheit und Einfachheit. Man muss nicht wissen, wie ein Computer funktioniert, um ihn zu nutzen und um zu verstehen, warum er dein Leben verbessert. Einige Nutzende müssen wissen, wie er funktioniert, aber für die Mehrheit von uns zählt nur, was er kann. SMART muss all das berücksichtigen.

Pernel: Integration ist nichts, was man später hinzufügt – sie muss von Anfang an Teil der Gestaltung sein. SMART wird als gemeinsames Programm von IEC und ISO entwickelt. Von Beginn an bestand die Herausforderung darin, sehr unterschiedliche Bedürfnisse zu reflektieren. Nicht jeder braucht erweiterte Funktionalität. Manche Nutzergruppen benötigen sehr praktische Werkzeuge, um Informationen einfacher zu finden und zu nutzen. Diese Diversität ist durch Advisory Groups und entsprechende Anwendungsfälle im Programm berücksichtigt.

Lazarte: Auch deshalb muss deutlich gemacht werden, dass SMART nicht als einzelnes Produkt anzusehen ist. Es handelt sich um ein Programm und einen erweiterten Ansatz, um Normen flexibel ins digitale Zeitalter zu überführen, wodurch mehrere Lösungen ermöglicht werden, die an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst werden können.


DKE: Sie betonen Nutzung und Zugang. Aber verändert SMART auch wie Normen entwickelt werden?

Pernel: Ja und nein, und das ist der nächste große Schritt. Bisher lag der Fokus darauf, bereits existierende Normen zu ändern. Aber nun kommen wir an den Punkt, den wir „SMART from the Start” nennen, also die Integration von SMART-Funktionen schon während der Entwicklung von Normen. Das ist gar nicht so einfach, da Normen im Rahmen von strukturierten Verfahren entwickelt werden, die technische Komitees und mehrere Phasen involvieren. Wir müssen festlegen, wo und wie diese neuen Anforderungen in den Prozess integriert werden können, ohne dass sie eine zusätzliche Belastung für die Expert*innen darstellen. Daran wird aktuell gearbeitet. Die Normen selbst werden sich nicht ändern, und auch nicht der hohe Standard bei ihrer Entwicklung.

Lazarte: Das zeigt, dass es nicht nur um die Nutzung geht. Mit der Zeit wird SMART sämtliche Prozessschritte von der Normenentwicklung bis zur Anwendung betreffen. Es handelt sich um eine langfristige Transformation.


Fabrik-Ingenieur, der mit Automatisierungsrobotern arbeitet, Roboterarme in der intelligenten Fabrik
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ReqIF – eine Sprache der SMART Standards

Digitale Norminhalte, die von Maschinen und Anwendungen gelesen und interpretiert werden müssen, benötigen ein einheitliches Datenformat. ReqIF ist ein solches offenes, toolneutrales und bereits erprobtes Format, um Anforderungen verlustfrei zwischen verschiedenen Werkzeugen und Organisationen auszutauschen. Ein frei verfügbarer Standard, der die Anforderungen an dieses Datenformat definiert, unterstützt Unternehmen, ihre Anwendungen SMART Standards-Ready zu machen.

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Vom Konzept bis zur Umsetzung: Wie sich die IEC-Community einbringen kann

DKE: Was macht die Single Delivery Unit, um sicherzustellen, dass die Transformation alle einbezieht?

Lazarte: Ein zentraler Grundsatz ist Zusammenarbeit. Wir arbeiten eng mit Advisory Groups zusammen, die unterschiedliche Regionen, Märkte und nationale Komitees repräsentieren, um sicherzustellen, dass verschiedene Perspektiven einbezogen werden. Ein besonders wichtiges Instrument ist die sogenannte Content User Advisory Group, deren Aufgabe darin besteht, auf Basis dessen, wie Normen tatsächlich in der Praxis genutzt werden, Empfehlungen zu geben. Als nächster Schritt werden in den kommenden Monaten nationale Komitees dazu eingeladen, sogenannte National Stakeholder Networks zu gründen. Diese Netzwerke werden für jedes Land die Stimmen derer zu Gehör bringen, die die Normen tatsächlich nutzen. Das ist eine ganz wichtige Unterscheidung: Während sich unser SMART Champions Network auf den Austausch mit der Normungscommunity konzentriert, konzentrieren sich die Stakeholder-Netzwerke auf diejenigen, die Normen in der Praxis nutzen. Wir möchten, dass sich die nationalen Komitees direkt mit den Nutzenden austauschen und deren Bedürfnisse in das Programm integrieren.

Pernel: Das ist eine Grundvoraussetzung, wenn SMART wirklich von Nutzen sein soll. Es erlaubt uns, nicht nur die Meinung von Expert*innen einzubeziehen, sondern auch zu verstehen, was die Industrie tatsächlich braucht. Anderenfalls riskieren wir, Lösungen zu entwickeln, die zwar technisch gut sind, aber nicht genutzt werden.

Lazarte: Wir haben gemerkt, dass sich viele Personen zurückziehen, wenn SMART lediglich aus technischer Perspektive erklärt wird. Deshalb konzentrieren wir uns auf eine klare, einheitliche Kommunikation und darauf, den Nutzen zu erklären. Die Menschen müssen verstehen, wie SMART ihnen helfen kann, bestimmte Dinge zu tun.

SMART Champions Network

Das SMART Champions Network bringt Expert*innen aus den nationalen Komitees zusammen, die ihr Wissen teilen, Erfahrungen austauschen und Fähigkeiten in Bezug auf SMART-Lösungen aufbauen. In ihrer Funktion als lokale Botschafter*innen helfen die ernannten SMART Champions, komplexe Konzepte in praktisches Verständnis zu übersetzen und das Engagement innerhalb ihrer nationalen Komitees zu stärken. Die Teilnahme am Champions Network steht allen interessierten Mitgliedern der IEC- und ISO-Community offen. Sie können dem Netzwerk beitreten, indem sie ihr Interesse durch ihr nationales Komitee oder die IEC-/ISO-Sekretariate bekunden.

Mehr Informationen hierzu: https://dt-collaboration.iec.ch/smart-champions-network/

DKE: War dieses uneinheitliche Verständnis etwas, das Sie erwartet haben?

Pernel: Überhaupt nicht. Was mich am meisten überrascht hat, war wie unterschiedlich das Verständnis innerhalb der Community ausgeprägt ist. Als jemand, der aus der Telekommunikationsbranche kommt, habe ich erwartet, dass das Verständnis einheitlicher wäre. Aber ich habe festgestellt, dass es sehr unterschiedliche Perspektiven und einen sehr unterschiedlichen Wissensstand gibt. Auch die Sprache spielt eine Rolle. Manchmal haben sich Personen wohler gefühlt, wenn sie Themen in ihrer Muttersprache diskutieren konnten. Das zeigt, wie wichtig es ist, ein inklusives Umfeld für Meinungsaustausch zu schaffen.

Lazarte: Was mich überrascht hat, war was für unterschiedliche Erwartungen die Leute hatten. SMART wurde mitunter fast als etwas Magisches beschrieben. Aber das zeigt, dass Leute Potenzial darin sehen. Sie sind bereit, zu überdenken, wie Normen genutzt werden. Und das macht diese Transformation so aufregend.


DKE: Für diejenigen, die sich bisher noch nicht intensiv mit SMART befasst haben – was sollten sie jetzt tun?

Lazarte: Die wichtigste Botschaft lautet: Es ist nicht zu spät. Es ist tatsächlich gerade ein sehr guter Zeitpunkt, um sich einzubringen. Ein guter Ausgangspunkt ist das IEC-Sekretariat, das verschiedene Wege in Bezug auf Lernen, Fortbildung und Engagement anbietet. Außerdem gibt es Netzwerke wie das SMART Champions Network und die neuen National Stakeholder Networks, die die Möglichkeit bieten, sich einzubringen.

Pernel: Und es gibt einen klaren Vorteil für diejenigen, die erst jetzt dazustoßen. Es wurde bereits einiges an Vorarbeit geleistet. Es wurden bereits Konzepte geprüft, Lösungen getestet und Herausforderungen identifiziert. Dementsprechend können Neulinge auf einer guten Grundlage aufbauen und schneller vorankommen. Jetzt ist wirklich der richtige Zeitpunkt, um ein Verständnis für das Thema zu entwickeln, interne Vorbereitungen zu treffen und herauszufinden, wo SMART einen Nutzen liefern kann.


DKE: Das bringt uns zur Generalversammlung 2026 der IEC. Was erwartet die Teilnehmenden?

Lazarte: Die IECGM26 wird ein ganz wichtiger Moment sein, denn die Leute wollen konkrete Ergebnisse sehen. Es reicht nicht, über Konzepte zu sprechen, die Community möchte erfahren, wie SMART in der Praxis aussieht. Wir möchten, dass sich Leute austauschen, Feedback geben und verstehen, wie sie sich einbringen können.

Pernel: Präsentation ist definitiv extrem wichtig. Wir möchten erste greifbare Ergebnisse vorstellen, einschließlich Entwicklungen rund um das Informationsmodell und Fortschritte im Hinblick auf digital verbesserte validierte Inhalte. Aber genauso wichtig ist der Austausch mit der Community. Die Generalversammlung bringt viele verschiedene Perspektiven an einem Ort zusammen und das macht sie zu einer einmaligen Möglichkeit, um das Programm weiter zu verbessern.

Lazarte: Und das macht diesen Moment besonders. SMART entwickelt sich von der Erkundungsphase zur Umsetzungsphase. Die Generalversammlung 2026 wird eine der ersten Gelegenheiten sein, um diesen Wandel greifbar zu zeigen.


DKE: Wenn Sie der IEC-Community im Vorfeld von Hamburg noch eine Botschaft mit auf den Weg geben müssten, wie würde sie lauten?

Lazarte: Lehnt SMART nicht ab, weil es kompliziert klingt. Es geht darum, Normen so zu gestalten, dass sie sich dem anpassen, wie Menschen heutzutage bereits arbeiten.

Pernel: Und reduziert es nicht auf Technologie. Bei SMART geht es letztendlich um die Wirkung: Normen sollen in der Praxis einfacher anzuwenden, zu kombinieren und relevanter sein.

Das Interview führten wir mit

Maria Lazarte

Maria Lazarte ist Produktmanagerin für die Nutzung von Inhalten bei der IEC/ISO Single Delivery Unit und stellt die Bedürfnisse der Nutzer bei der Bereitstellung von Normeninhalten in den Mittelpunkt.

Francis Pernel

Francis Pernel ist Leiter der IEC/ISO Single Delivery Unit. Er wurde von den Generalsekretären der ISO und der IEC damit beauftragt, ihre erste gemeinsame operative Einheit, die Single Delivery Unit (SDU), zu leiten.


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