Nahaufnahme von Kinderhaenden, die einen Baum umarmen, welcher mit einem Herz aus Gras versehen ist
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13.12.2021 Fachinformation

Unsere Verantwortung gegenüber der Umwelt

Wir alle tragen Verantwortung. Nicht nur für uns, sondern auch für kommende Generationen. Für jeden sollte mittlerweile verständlich sein, dass wir dafür jedoch auch an unseren Gewohnheiten arbeiten und industrielle Prozesse neu denken müssen. Und nicht nur das: Wir müssen sie auch angehen!

Normen und Standards können genau dazu beitragen. Und das tun sie auch bereits: Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Obsoleszenzmanagement, Leitfäden zu Umweltfragen – Normung ist allgegenwärtig und trägt dazu bei, unsere Zukunft sicher und nachhaltig zu gestalten.

IEC-Logo
IEC

Von Solange Blaszkowski

Wir werden mit den negativen Auswirkungen des menschlichen Handelns auf die Umwelt längst nicht mehr nur konfrontiert, wenn wir Berichte von Klimakonferenzen verfolgen oder entsprechende Bücher lesen. Wir sind inzwischen selbst Zeugen der drastischen Veränderungen unserer Umwelt.

Unsere Sommer sind heißer geworden und unsere Winter sind milder und weniger berechenbar. Trockenperioden dauern länger und tropische Stürme werden noch heftiger. Infolgedessen kommt es immer häufiger vor, dass Menschen ihr Zuhause oder im schlimmsten Fall sogar ihr Leben verlieren.

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Uwe Junglas

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Gleichzeitig sehen sich unsere Generation und zukünftige Generationen ernsten Herausforderungen gegenüber. Es wird erwartet, dass die Weltbevölkerung die Marke von zehn Milliarden bis zum Jahr 2050 erreichen wird; der (übermäßige) Konsum steigt rasant und die Müllberge wachsen. Das führt dazu, dass unsere natürlichen Ressourcen stark dezimiert werden. In 30 Jahren werden wir, wenn das aktuelle Tempo beibehalten wird, die Ressourcen von ungefähr drei Erden verbrauchen. So kann es logischerweise nicht weitergehen und die Erkenntnis verstärkt sich, dass Dringlichkeit geboten ist.

Der gesamte Produktlebenszyklus muss neu gedacht werden

Normen für elektrische und elektronische Geräte haben sich mit Umweltfragen jahrelang unter dem Gesichtspunkt der Energieeffizienz befasst. Durch die wachsende Nachfrage nach Materialien und die drohende Ressourcenknappheit verlagert sich der Fokus nun allerdings auf den Materialeinsatz und den Materialerhalt.

Die Elektro- und Elektronikindustrie allein produziert heute weltweit mehr als 50 Millionen Tonnen an elektronischem Abfall (Elektroschrott) pro Jahr. Es braucht also nicht viel Überzeugungskraft, um zu erkennen, dass es unsere gemeinsame Verantwortung ist, diesen Trend umzukehren. Die einzige Möglichkeit für die Zukunft ist, den kompletten Produktlebenszyklus „zu überdenken“, intelligente Wege zu finden, die den Materialverbrauch reduzieren, Produkte haltbarer zu machen und Abfall als Ressource zu nutzen.

Abfall als Ressource verändert unsere Sicht auf Abfälle. Anstatt Abfälle als wertlosen Müll anzusehen, den wir beseitigen müssen, sollten wir sie als wertvolle Ressource behandeln, die das Potential hat, wirtschaftlichen Gewinn zu generieren, wenn sie für die Herstellung neuer Produkte verwendet wird.


Bodenverschmutzung durch Elektroschrottrecycling
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Globale Bemühungen zur Bewältigung des Elektroschrottproblems

Elektroschrott ist ein großes Problem, das durch die technologische Weiterentwicklung stetig zunimmt. Es bedarf daher globaler Ansätze, um dieses Problem zielgerichtet zu adressieren.

Die elektrotechnische Normung investiert viele Ressourcen in die Erarbeitung von Normen, Standards und Richtlinien, um die anfallende Menge an Elektroschrott zu verringern.

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Normen und Standards sind unerlässlich für nachhaltige Energieerzeugung

Neben dem wachsenden Bedarf an Materialien steigt auch die Nachfrage nach Energie stark an. Da die natürlichen Bestände an nicht erneuerbaren Energien wie Öl, Gas und Kohle abnehmen und der Kohlendioxidausstoß alarmierende Ausmaße annimmt, sind nachhaltige Energiequellen unerlässlich. Damit die Erde lebenswert bleibt, braucht es eine Energiewende. Statt wie bisher hauptsächlich fossile Brennstoffe zu nutzen, müssen zunehmend nachhaltige Energiequellen genutzt werden, um Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Die IEC leistet eienn großen Beitrag zur Sicherheit und Leistung von erneuerbaren Energietechnologien wie Meeresenergie, Windkraft, Solar-Photovoltaik und Wasserkraft. Wenn diese Technologien ausgereift sind und wesentlich zur „Energiewende“ beitragen, müssen sie die Herausforderungen bewältigen, die sich aus dem Fußabdruck ihrer Materialressourcen ergeben.

Um auch den zukünftigen Energiebedarf zu decken, werden andere Formen der nachhaltigen Energieerzeugung, wie Kernenergie und Wasserstoff, notwendig werden. Es wird Aufgabe der IEC sein, weiterhin Normen für diese Energieträger zu erarbeiten und neue Technologien wie die Umwandlung von Kohlendioxid in Brennstoff zu fördern.


Windraeder in einer Reihe - Offshore
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Grün ist das neue Schwarz

Weltweit wird der meiste Strom aus fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl und auch Gas) erzeugt. Erneuerbare Energien sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil, wenn es darum geht, unsere Zukunft sauber sowie nachhaltig zu gestalten.

Die internationale Normung nimmt sich diesem Thema seit vielen Jahren an und erarbeitet Normen und Standards für regenerative Energie aus Sonne, Wind und Wasser. Auch die Energiespeicherung gewinnt hierbei zunehmend an Bedeutung.

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Kreislaufwirtschaft als Grundlage für Produktionsprozesse

Auf globaler Ebene unterstreichen die Vereinten Nationen in ihrem Entwurf für eine bessere Welt die Wichtigkeit entsprechender Maßnahmen, um Klimawandel und Ressourcenknappheit entgegenzuwirken. Ihre 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung basieren auf drei untrennbar miteinander verbundenen Säulen: wirtschaftliches Wachstum, soziale Inklusion und Umweltschutz. Um wirtschaftliches Wachstum und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, müssen wir die Art und Weise, wie wir Güter herstellen und wie wir natürliche Ressourcen verbrauchen, ändern:

  • Industrien und Unternehmen sollten darin bestärkt werden, hochwertige Produkte zu entwerfen, die weniger Ressourcen verbrauchen, eine längere Lebensdauer haben, wiederverwendet, repariert, nachgerüstet oder wiederaufbereitet und zudem leicht recycelt werden können.
  • Verbraucher*innen sollten darin bestärkt werden, Produkte länger zu verwenden, bereit zu sein, Produkte zu reparieren und wiederaufbereitete oder wiederaufgearbeitete Produkte in Betracht zu ziehen, anstatt neue Produkte zu kaufen.

In Europa geht die Entwicklung in Richtung einer Circular Economy im Rahmen des European Green Deal voran. Der im März 2020 verabschiedete Aktionsplan für eine Kreislaufwirtschaft definiert 35 Ziele zur Förderung von Produktionsprozessen, die nachhaltiger sind, und zur Vermeidung von Abfall. Ähnliche Überlegungen gibt es in Asien, wo die Produktion im Mittelpunkt entsprechender Initiativen steht. So liegt beispielsweise der Fokus auf der Wiederaufarbeitung und der Verwendung wiederverwendeter Teile oder von Produkten aus recyceltem Material.


Nachhaltigkeitskonzept, dargestellt mit Sprechblasenstickern
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Circular Economy – Normung als Rückgrat einer nachhaltigen gesamtwirtschaftlichen Produktion

Die Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) ist das Gegenmodell zur Linearwirtschaft, die seit Beginn der Industrialisierung die weltweiten Wirtschaftsmodelle dominiert hat. Ziel dieser Circular Economy ist eine Erhöhung der Ressourceneffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette, insbesondere mit Blick auf die endlichen Ressourcen des Planeten.

Normen und Standards helfen dabei, dieses Ziel schon bei der Produktion zu berücksichtigen.

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Wiederverwendete Produkte müssen sicher und zuverlässig sein

Das Bewusstsein für diese Themen wächst innerhalb der IEC. Es wurden bereits Normen erarbeitet, die sich mit

  • dem Materialverbrauch von drehenden Maschinen (IEC 60034-23),
  • der Zuverlässigkeit von Produkten mit wieder verwendeten Teilen (IEC 62309),
  • der Materialeffizienz beim Ökodesign von Produkten (IEC/TR 62824) und
  • der Aufarbeitung von medizinischen bildgebenden Geräten (IEC 63077) befassen.

Aktuell wird an Normen gearbeitet, die sich mit Elektroabfall, dem Verfahren zur Bewertung des Anteils an wiederverwendeten Teilen in Produkten sowie der Aufarbeitung medizinischer elektrischer Geräte beschäftigen.

Neben neuen Maßnahmen und weltweit geltenden Gesetzen braucht es Normen, um die Sicherheit, Zuverlässigkeit und Leistung von Produkten sicherzustellen, die länger halten. Um Änderungen bezüglich der Produktverantwortung und eine Zunahme von wiederverwendeten Produkten auf dem Markt zu fördern, müssen neue Bestimmungen zu Datenlöschung und -sicherheit erarbeitet werden. Wenn Produkte repariert werden, müssen Mindestanforderungen an die Zuverlässigkeit von Teilen, einschließlich der Zuverlässigkeit von reparierten Teilen, definiert werden. Des Weiteren ist dem Datenmanagement Rechnung zu tragen, das notwendig ist, um die Zirkularität von Produkten zu beurteilen, vom Umfang an wiederverwendeten Materialien in einem Produkt oder seinen Teilen bis zum Aufwand, den die Reparatur bzw. das Zerlegen eines Produkts erfordert.


Grader – alt und neu

Grader – alt und neu

| Holger Lange

Obsoleszenzmanagement: Kurze Produktzyklen und lange Betriebszeiten – ein Widerspruch?

Obsoleszenz beschreibt die dauerhafte Nichtverfügbarkeit von Produkten und tritt auf, wenn zum Beispiel die Produktion eines Elektronikbauteils eingestellt wird. Obsoleszenzmanagement setzt hier an und verfolgt das Ziel, diesem Prozess entgegenzuwirken. Mit IEC 62402 liegt bereits eine internationale Norm vor, die Anforderungen an das Obsoleszenzmanagement beschreibt.

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Leitfaden zur Berücksichtigung von Umweltfragen für Technische Komitees

Das IEC Advisory Committee on Environmental Affairs (ACEA) spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der TCs im Hinblick auf die Entwicklung von Normen, die dazu beitragen, die Umwelt vor möglicherweise schädlichen Auswirkungen elektrischer oder elektronischer Produkte zu schützen. Im Rahmen seiner Arbeit entwickelt ACEA drei neue Leitlinien. Einer wird den TCs helfen, die ökologische Glaubwürdigkeit der IEC-Veröffentlichungen sicherzustellen.

Der IEC Guide 109 zur Berücksichtigung von Umweltfragen bei der Erarbeitung von Normen für elektrotechnische Produkte wird gegenwärtig überarbeitet, um den IEC-Komitees einen Leitfaden an die Hand zu geben, wie sie den aktuellen Erfordernissen des Umweltschutzes bei der Entwicklung von Normen Rechnung tragen können. Neben weiteren Themen wird der Leitfaden nun erneuerbare Energien, die eine wesentliche Grundlage zur Erreichung der Klimaziele des Pariser Klimaabkommens darstellen, sowie Aspekte der Kreislaufwirtschaft berücksichtigen.

Während das Ergreifen von Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz die Aufgabe jedes Einzelnen ist, müssen Normungsorganisationen bereit sein, sich der Herausforderung zu stellen und ihr mit wirksamen Lösungen zu begegnen.


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