Wissenschaftlerinnen im Computerlabor
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09.12.2021

IEC Young Professionals

Das IEC-Programm für Young Professionals bietet Berufsanfängern weltweit einen Einstieg, sich in die Arbeit der IEC einzubringen.

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Alena Widder
Annette Frederiksen

Die IEC ist heute mehr denn je gefordert, rasch auf Veränderungen der Märkte zu reagieren und internationale Normen zu erstellen, die den Anforderungen besser gerecht werden und die Märkte schneller erreichen. Mit ihrem Programm für Young Professionals zeigt die IEC einen offenen Blick für ihre globale Kultur und fördert die IEC Gemeinschaft, indem sie einen noch größeren Kreis an Menschen aller Altersgruppen mit vielfältigen Erfahrungen dazu einlädt, sich an ihrer Arbeit zu beteiligen.

Das IEC Young Professionals Programm

Das IEC Programm für Young Professionals bietet Berufsanfängern weltweit einen Einstieg, sich in die Arbeit der IEC einzubringen und die Zukunft der internationalen elektrotechnischen Normung und Standardisierung mitzugestalten. Es erläutert die Verfahren und Richtlinien der IEC und macht deutlich, weshalb die Mitwirkung in der Normung auf globaler Ebene ein wesentliches strategisches Mittel in der heutigen Welt ist. Die Teilnehmer für das IEC Programm werden von den Nationalen Komitees der IEC sorgfältig ausgewählt, um ihr Land künftig an führender Stelle auf der globalen Plattform der IEC zu vertreten.

Go Ahead, Get Ahead

Ziel des Programms ist es, den Teilnehmern bei dem Schritt, sich mehr an der Arbeit der IEC zu beteiligen, zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen, um die Zukunft der internationalen Normung und Konformitätsbewertung aktiv mitgestalten zu können. In den Workshops für Young Professionals erleben die Teilnehmer die IEC bei ihrer Arbeit und tauschen sich mit technischen Experten und Managern aus aller Welt aus.

Mehr über das Programm erfährst du auf der IEC Website unter Young Professionals area.

Der IEC Young Professionals Workshop

Das General Meeting ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung der IEC Gemeinschaft. Es kommen Leistungsträger aus aller Welt zusammen, um sich über aktuelle und zukunftsrelevante Themen im Bereich Normen und Standards auszutauschen und zu beraten.

Während des IEC General Meetings findet der IEC Young Professionals Workshop statt. Jährlich erhalten meist drei Kandidaten aus Deutschland die Chance, live dabei zu sein und damit Teilnehmer des IEC Young Professionals Programms zu werden.

Die Workshop-Teilnehmer haben dort die Möglichkeit, sich mit Young Professionals, hochrangigen technischen Experten und Managern aus aller Welt während dem General Meeting auszutauschen und zu vernetzen. Es kommen junge Experten aus unterschiedlichsten Ländern zusammen, um die internationale Normung, ihre Arbeitsweise und die Community hautnah zu erleben.

Die Bewerbung für die Teilnahme in diesem Jahr ist abgeschlossen. Wir halten euch aber auf dem Laufenden, sobald die Bewerbung für das Jahr 2022 startet.

Deutsche Young Professionals weltweit im Einsatz

Unter allen Bewerbern sind 2021 die folgenden vier Kandidaten ausgewählt worden, um den Normungs-Nachwuchs aus Deutschland zu vertreten.

Malte Asseln - Profilbild

Malte Asseln

Research Engineer, Ottobock

Malte Asseln - Profilbild

Research Engineer, Ottobock

Als Experte in zwei DKE Gremien und zwei DIN-Normenausschüssen kann ich bereits auf erste nationale Normungserfahrung zurückgreifen, welche ich durch die Teilnahme am IEC Young Professionals Workshop nun auch international sammeln möchte, um diese aktiv in der DKE einzubringen. Mein Vorhaben ist es, die Internationalisierung einer VDE-Vornorm zu medizinisch genutzten Liegen voranzutreiben. Im Rahmen des Workshops möchte ich die Organisation IEC näher kennenlernen, internationale Kontakte im Bereich Normung knüpfen sowie mehr über die Verfahren und Richtlinien der IEC erfahren, um einen deutschen Entwurf zu medizinisch genutzten Liegen als NWIP einzureichen. Ich bin seit 2019 in den DKE Gremien AK 811.0.1 und AK 812.9.1 vertreten und seit kurzem Mitglied in den Beiräten der DIN-Normenausschüsse NAMed und NARK.

In Dubai wurde die Normungsarbeit für Malte greifbarer ...

Welche Erfahrungen waren wertvoll für dich und warum?
Durch den Young Professional Workshop konnte ich wertvolle Einblicke in die Tätigkeiten der für mich bis dahin abstrakten Normungsorganisation IEC bekommen. Besonders gewinnbringend war der Austausch mit anderen Teilnehmenden sowie dem Organisationsteam. Dieses hat die IEC im wahrsten Sinne des Wortes „greifbarer“ gemacht.

Wie geht es für dich weiter?
Im Nachgang an den Young Professional Workshop konnten die Teilnehmenden IEC-Projekte benennen, an denen sie zukünftig mitarbeiten möchten. Hier habe ich zwei Projekte für elektromedizinische Geräte ausgewählt, in denen ich mich zukünftig einbringen und internationale Normungserfahrung sammeln möchte.

Jacob Betz - Profilbild

Jacob Betz

Software Engineer, Vector Informatik GmbH

Jacob Betz - Profilbild

Software Engineer, Vector Informatik GmbH

E-Mobility ist ein neues und sich noch stark veränderndes Feld. Um eine gute Interoperabilität der einzelnen Akteure zu ermöglichen, ist eine fundierte und praxistaugliche Normung sehr wichtig. Ich bin seit über zwei Jahren Mitglied und neuerdings Chair der Technology Working Group der Open Charge Alliance. Dort arbeiten wir am OCPP (Open Charge Point Protocol), einem Protokoll für die Verwaltung von Ladestationen für E-Fahrzeuge.

Die Erfahrungen aus der Standardisierung von OCPP versuche ich in der IEC 63110 bzw. in das deutsche Spiegelgremium DKE/AK 353.0.11 einzubringen.

Jacob knüpfte in Dubai viele Kontakte ...

Welche Erfahrungen waren wertvoll für dich und warum?
Für mich waren die wertvollsten Erfahrungen, wieder nach einiger Zeit ein Face-To-Face Meeting mit internationalen Kolleg*innen zu haben. Diese haben immer einen anderen Blickwinkel auf Probleme und dementsprechend manchmal auch andere Lösungsvorschläge.

Was ist dein Fazit zum IEC YP Workshop?
Insgesamt war es eine einmalige Erfahrung und ich konnte viele interessante und spannende Kontakt knüpfen.

Lea Emmel - Portrait

Lea Emmel

Risk Manager, Drägerwerk AG & Co. KGaA

Lea Emmel - Portrait

Risk Manager, Drägerwerk AG & Co. KGaA

Mich begeistern innovative Technologien sowie ingenieurstechnische Herausforderungen und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Medizintechnik die Medizin immer besser unterstützen kann. Medizinprodukte können die Lebensqualität für Patienten enorm steigern, doch gerade der Faktor Mensch ist eben auch besonders schützenswert. Dazu trägt die Standardisierung maßgeblich bei. Mit meiner Expertise im medizintechnischen Bereich konnte ich bereits erste Erfahrungen in der Normung auf DKE- und IEC-Ebene sammeln.

Auf dem Young Professionals Workshop in Dubai möchte ich u. a. das Thema sektorübergreifende Standardisierung ansprechen, um Synergien besser nutzen zu können und den Austausch gewonnener Erkenntnisse zu verbessern.

Die interkulturellen Erfahrungen während des YP Workshops begeisterten Lea ...

Welche Erfahrungen waren wertvoll für dich und warum?
Das Wertvollste am ganzen YP Workshop waren für mich definitiv all die interkulturellen Erfahrungen, die ich dort machen konnte. Die Möglichkeit, mit super vielen Menschen unterschiedlichen kulturellen Hintergrundes gleichzeitig zu interagieren, ergibt sich wahrlich nicht allzu oft. Diese übergreifende Zusammenarbeit fördert meiner Meinung nach enorm die Kreativität und lässt unkonventionelle Lösungen und Innovationen entstehen. Die Bedeutung davon für die internationale Normung ist nicht von der Hand zu weisen und wurde mir im Rahmen des Workshops noch einmal klarer vor Augen geführt.

Welche Tipps möchtest du den YPs für das nächste Jahr mitgeben?
Seid offen – geht auf viele andere YPs zu und vor allem auf solche, die einen völlig unterschiedlichen Hintergrund haben

Dr. Jens Giegerich - Profilbild

Dr. Jens Giegerich

Manager Technical Regulatory Affairs, Standardisation and Associations, Vorwerk Elektrowerke GmbH & Co. KG

Dr. Jens Giegerich - Profilbild

Manager Technical Regulatory Affairs, Standardisation and Associations, Vorwerk Elektrowerke GmbH & Co. KG

Die Circular Economy ist derzeit eines der prominentesten Themen in Europa. Dabei sind die im CEN-CLC JTC10 erarbeiteten Normen zur Materialeffizienz von energieverbrauchsrelevanten Produkten von großem Interesse für mich. Ich würde gerne das dort vorhandene und erarbeitete Wissen auf die internationale Normung in der IEC übertragen und dort das Thema voranbringen.

Die IEC-Themen SDG und Diversität begeisterten Jens ...

Welche Erfahrungen waren wertvoll für dich und warum?
Sehr interessant war neben dem Netzwerkaspekt sicherlich der großartige Impulsvortrag von Vimal Mahendru zum Thema SDGs und IEC. Außerdem war auch die Kleingruppenarbeit zum Thema Diversität in der IEC sehr interessant, da ich dort die Sichtweise zum Thema Gleichstellung aus sehr unterschiedlichen Kulturkreisen erfahren habe.

Inwiefern kann einen die Teilnahme am IEC YP Programm beruflich weiterbringen?
Gerade der Austausch und die Vernetzung mit anderen Normer*innen kann einen besseren Zugang zur Mitwirkung in internationalen Normungsgremien bieten.


Eindrücke aus 2021

Die Tage in Dubai waren alleine schon durch das Reisen und die persönlichen Treffen etwas Besonderes in Zeiten der Pandemie. Gemeinsam mit vielen anderen Jungexperten aus der ganzen Welt konnten die Beteiligten lernen, netzwerken und Erfahrungen austauschen.

Wichtige Programmpunkte waren:

–  Eröffnungsfeier des IEC General Meetings,
–  Erfahrungsaustausch der Young Professional Leader,
–  Diskussionsrunden mit den IEC-Mitarbeitern

Deutsche Teilnehmer vergangener IEC Young Professionals Workshops

2019 – im chinesischen Shanghai, 21. bis 25. Oktober

Colin de Vrieze

Als Absolvent der RWTH Aachen in Elektro- und Informationstechnik bin ich derzeit in der Normung als Vertreter der Young Professionals in der DKE ehrenamtlich tätig. Ich möchte den Austausch mit den YP-Vertretern der anderen NCs fördern, bilaterale Kommunikation und internationalen Austausch von YP untereinander antreiben und internationale Best-Practices vereinheitlichen.

Michelle Michael

Als Absolventin der Communication Engineering an der Hochschule Darmstadt möchte ich in der IEC Community Diskussionen über die Norm IEC 62443 "Industrielle Kommunikationsnetze – IT-Sicherheit für Netze und Systeme" anregen und begleiten, meine Anwendungserfahrungen teilen und mit anderen Teilnehmern diskutieren, wie die Weiterentwicklung für verschiedene Teile dieser Norm aussehen könnte.

Robert von Otte

Als Master of Engineering im Maschinenbau arbeite ich aktiv bei zwei Arbeitsgruppen vom IEC TC 46 mit und bereite mich darauf vor, auch weitere Ämter in der Normung wahrzunehmen. Persönlich würde ich mich in der Normung dafür einsetzten, dass Prüfungen konkreter beschrieben werden, wodurch sich der Interpretationsspielraum minimieren kann. Zur Folge hätte dies, die Messungenauigkeit zu reduzieren und damit die Vergleichbarkeit von Prüfergebnissen für die Endanwender zu verbessern.

Ich bin darüber hinaus Gründungsmitglied eines nationalen Arbeitskreises zur internen Anlagen-EMV als Leitfaden/FMEA für die Industrie/Anwender.

2018 – im koreanischen Busan, 22. bis 26. Oktober

Nadine Ellen

Mit der Teilnahme an dem Young Professionals Workshop würde ich einen besseren Einblick und Einstieg in die Arbeit des IEC erhalten, um zukünftig meine Stärken für die internationale Normungsarbeit aktiv mit einzubringen.
Die Anwendung von Normen ist Bestandteil meiner täglichen Arbeit in der Entwicklung. Bei jeder Produktentwicklung müssen die internationalen Normen beachtet werden und die CLAGE Haushaltsgeräte zur dezentralen Warmwassererwärmung werden nach aktuellen Normen national und international zugelassen.

Dominik Ebling

Da ich im Bereich Elektromobilität und Schnellladeinfrastruktur arbeite, würde ich dieses Thema auch auf der internationalen Ebene voranbringen. Eine entscheidende Entwicklung in diesem Bereich ist die Standardisierung eines DC-Zählers. Firmen können keine Zertifizierungen dieser Zähler für eine kWh-basierte Abrechnung erzielen, da die Standards nicht vorhanden sind. Aktiv treibe ich dies im deutschen Markt an, was im Nachgang auf internationaler Ebene in einem Spiegelgremium endet um ein einheitliches Abrechnungssystem für Schnellladeinfrastruktur zu bekommen.
Ich bin als Experte in drei DKE Arbeitskreisen und einem ISO-AK tätig.

Kevin Hermanns

Die elektrische Energieversorgung ist zunehmend von leistungselektronischen Systemen abhängig. Die Auslegung dieser Systeme erfolgt heute bereits vielfach modellbasiert. Es überrascht umso mehr, dass die Charakterisierung der Kernkomponente – des Leistungshalbleiters – basierend auf der IEC-Normenreihe 60747 erheblichen Raum zur Interpretation bietet. Als Ergebnis können Leistungshalbleiter, wie IGBTs und MOSFETs von unterschiedlichen Herstellern, die nach dieser Norm charakterisiert wurden nicht oder nur unzureichend durch die Anwender verglichen werden. Diese „Unzulänglichkeit“ möchte ich sehr gerne adressieren und wenn möglich, an einer Ergänzung der Messvorschriften der Norm IEC 60747-8 und -9 mitwirken. In diesem Zusammenhang sollte auch die Modellbildung dieser Bauelemente normativ erfasst werden. Bis heute existieren keine technologieunabhängigen Rahmenbedingungen, welche in Verkehr gebrachte Modelle von Leistungshalbleitern klassifizieren und das, obwohl die Auslegung leistungselektronischer Systeme, wesentlich durch Simulationen erfolgt. Beide Themen möchte ich gerne auch über das General Meeting hinaus weiter vorantreiben.

2017 – im russischen Wladiwostok, 9. bis 13. Oktober

Jan Krögerrecklenfort

Anwenden von verschiedenen Normen bezüglich der technischen Auslegungen von Messgeräten ist mein "day-to-day-business". Mein Fokusthema ist elektrische Sicherheit dieser Geräte (Norm: IEC 61010-1), sowie insbesondere deren Transformatoren (IEC 61558‑1). Ich begleite den kompletten Entwicklungsprozess – vom Konzept bis zur internationalen Zulassung bei verschiedenen Prüfstellen.

Bei dem Young Professionals Workshop möchte ich den Entstehungs- und Verbesserungsprozess von Normen besser kennenlernen. Vor allem interessiert mich, wie Konformitätsprüfungen unter den IEC-Experten diskutiert werden. Außerdem freue ich mich auch auf den interkulturellen Austausch mit den anderen Young Professionals. Ich bin gespannt darauf, wie sie relevante Normen in anderen Ländern und bei anderen Fragestellungen anwenden.

Tariq Maqbool

Ich nehme aktiv an den vielen ETSI- und DKE-Lösungs-Treffen für die Entwicklung von Radio Standards insbesondere ETSI 300 220, 300 330 teil. Dies gibt mir die Chance, mich mit verschiedenen Experten der Industrie und Test-Häuser auszutauschen. Die Experten zeigen mir Insights bzgl. neuer Technologien und Entwicklungen der Industrie, während die Führer der Test-Häuser mir die Herausforderungen und Praxis-Probleme der Tests verdeutlichen.

Ich würde gern eine Plattform sehen, auf der Young Professionals sich mit Experten aus der Industrie austauschen können, um Wissen aufzubauen und ihr Verständnis der Standards zu erweitern. Außerdem sollten Test-Häuser involviert werden, um zu erfahren, welche Tests tatsächlich realisierbar sind und welche nur in der Theorie gut erscheinen. Young Professionals sollte es ermöglicht werden, die neueste Technologie auf dem Markt kennen zu lernen, so dass sie diese proaktiv studieren können und ihre Erkenntnisse beitragen können, wenn der Standard Entwicklungsprozess beginnt.

Annette Frederiksen

Seit 2009 beschäftige ich mich mit den Normen zur optischen Strahlungssicherheit für die Bewertung von Lasersystemen. Da es gerade bei sehr komplexen Lasersystemen häufig Interpretationsspielraum bei der Anwendung der Normen (Normreihe IEC 60825) gibt, bin ich seit Ende 2015 im entsprechenden nationalen (DKE/GK 841, DKE/AK 841.0.6, DKE/AK 841.0.7 und DKE/AK 841.0.9) und seit 2016 im europäischen (CLC/TC 76) und im internationalen (IEC/TC 76) Normungskomitee vertreten.

Bei dem Young Professionals Workshop in Wladiwostok möchte ich ein besseres Verständnis für die Arbeit der IEC bekommen. Außerdem möchte ich u. a. Vorschläge für folgende Themen bei der IEC einbringen:

1)  Wie kann man die aktuellen Entwicklungen in der Forschung und Industrie besser und vor allem auch schneller in die Normung einbeziehen und integrieren?

2)  Wie kann man die Zusammenarbeit der Experten in den Gremien außerhalb der meist nur jährlich stattfinden Meetings effizienter gestalten?