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DKE
30.06.2020

VDE-Anwendungsregeln

VDE-Anwendungsregeln sind Handlungsempfehlungen, die den Stand der Technik und ein Mindestniveau an Sicherheit definieren und helfen, die europäische und internationale Normungsarbeit vorzubereiten. Es gibt verschiedene Arten von Anwendungsregeln, die je nach Bereich zur Anwendung kommen.

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DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE
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VDE-Anwendungsregeln – Lösungen auf hohem Niveau

VDE-Anwendungsregeln sind Handlungsempfehlungen, die den Stand der Technik und ein Mindestniveau an Sicherheit definieren. Entgegen einer herkömmlichen Norm stehen sie schneller zur Verfügung und können somit dynamischere Märkte besser unterstützen. Eine Norm ist ein wichtiges Instrument der deutschen Politik zur Sicherung und Stärkung der deutschen Wirtschaft. Um den Status einer Norm bzw. den einer allgemein anerkannten Regel der Technik zu erlangen, muss jedoch allgemeiner Konsens aller am Normungsprozess Beteiligten gegenüber der Norm bestehen sowie ein öffentliches Einspruchsverfahren mit fest vorgeschriebenen Fristen durchlaufen werden. Hierdurch hat eine Norm einen erhöhten Zeitbedarf bis zur Veröffentlichung. In bestimmten Bereichen kann durch einen länger andauernden Normungsprozess allerdings der Fortschritt verzögert werden. Für dynamische Zukunftsmärkte wie z. B. der Elektromobilität oder der Informations- und Telekommunikationstechnologie (IKT) sind daher Veröffentlichungsformen erforderlich, die in einer kurzen Zeitspanne erarbeitet und der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Diese Möglichkeit bieten Anwendungsregeln, die mit ihren Eigenschaften gleichzeitig helfen, die europäische und internationale Normungsarbeit vorzubereiten.

Voraussetzungen einer VDE-Anwendungsregel

VDE-Anwendungsregeln
Zerbor - Fotolia

Mit VDE-Anwendungsregeln ist eine Veröffentlichungsform verfügbar, die die Notwendigkeit eines beschleunigten Veröffentlichungsprozesses erfüllt und gleichzeitig den hohen Ansprüchen des VDE-Vorschriftenwerks genügt. Sie kann durch jedermann initiiert werden und innerhalb von zwei bis drei Monaten publiziert werden. Bevor eine Anwendungsregel jedoch in das VDE-Vorschriftenwerk aufgenommen wird, müssen gewisse grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Erfüllung der Anforderungen, die als Kriterien in der Satzung für das VDE-Vorschriftenwerk (VDE 0022) aufgeführt sind. Hierzu gehören Festlegungen über die Abwendung von Gefahren für Menschen, Tiere und Umwelt, die sich beispielweise aus elektrischen Spannungen und Strömen oder anderen elektrischen Gefahrenquellen ergeben
  • Bei Bedarf Durchführung eines öffentlichen Einspruchsverfahrens oder die Autorisierung des Inhalts der VDE-Anwendungsregel durch mindestens ein Komitee

Die Grundsätze von Normen – Unterschied zu Anwendungsregeln

Kriterien Normen VDE-Anwendungsregeln
Freiwilligkeit X
X
Öffentlichkeit X
(X)¹
Jedermann
X
X
Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit X
X
Sachbezogenheit X X
Konsens X (X)¹
Ausrichtung am Stand der Technik X X
Ausrichtung an den wirtschaftlichen Gegebenheiten X X
Ausrichtung am allgemeinen Nutzen X X
Internationalität X

¹ Grundsatz nicht zwingend erforderlich

Entstehung technischer VDE-Anwendungsregeln bei der DKE

Bei der Erarbeitung von VDE-Anwendungsregeln innerhalb der DKE gilt es zunächst zu prüfen, ob der Bedarf an einer VDE-Anwendungsregel besteht. Wenn auf keine bereits bestehende Norm verwiesen werden kann und somit Handlungsbedarf identifiziert wurde, wird der Antrag der VDE-Anwendungsregel für eine weitere Bearbeitung freigegeben. Es gilt, im nächsten Schritt zu prüfen, ob die Regeln des VDE-Vorschriftenwerks innerhalb des Entwurf berücksichtigt und erfüllt sind. Ist das der Fall, kann innerhalb der DKE ein Manuskript für die VDE-Anwendungsregel erarbeitet werden. Anderenfalls ist die Erstellung einer DIN- oder VDE SPEC der nächste Schritt.

Je nachdem, ob ein öffentliches Einspruchsverfahren erwünscht ist, wird das Verfahren entweder gemäß des herkömmlichen Normungsprozesses der DKE fortgeführt oder aber die Kommentierung/Autorisierung durch mindestens ein Gremium vorgenommen. Sofern keine inhaltlichen Bedenken gegenüber der VDE-Anwendungsregel mehr bestehen oder diese beseitigt wurden, kann die VDE-Anwendungsregel von der DKE veröffentlicht werden.

Entstehungsprozess Anwendungsregel - Grafik

Was ist eine VDE-AR-E?

DKE

VDE-AR-E zählen zum Arbeitsbereich von VDE DKE. Es handelt sich hierbei um VDE-Anwendungsregeln, in denen die Mindestanforderungen der Elektrotechnik festgelegt werden. Sie werden vom VDE und der DKE als deutsche elektrotechnische Normungsorganisation gemeinsam mit interessierten Kreisen erarbeitet und herausgegeben. Eine elektrotechnische VDE-Anwendungsregel ist an der Bezifferung "E" sowie an der entsprechenden Benummerung 2xxx erkennbar. VDE-AR-E setzen sich immer aus einer Nummer beginnend mit 2 zusammen. Ein Beispiel ist etwa die VDE-AR-E 2010-2, die für die Planung, Errichtung, Betrieb, Demontage und Entsorgung von ortsfesten Energiespeichersystemen mit Anschluss an das Niederspannungsnetz gilt und die dazu notwendigen Sicherheitsanforderungen enthält.
VDE-AR-E sind Teil des VDE-Vorschriftenwerkes und können beim VDE-Verlag bezogen werden.

Was ist eine VDE-AR-N?

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VDE|FNN

VDE-AR-N sind VDE-Anwendungsregeln, in denen VDE und FNN gemeinsam die Mindestanforderungen für Stromnetze festlegen. In diesen VDE-Anwendungsregeln werden Kriterien für die Technik und den Betrieb von Stromnetzen definiert und mit entsprechender Nummerierung 4xxx (z. B. VDE-AR-N 4101 oder VDE-AR-N 4100) gekennzeichnet. VDE-AR-N dienen somit als technische VDE-Anwendungsregeln dem sicheren Umgang und Betrieb von Übertragungs- und Verteilungsnetzen. Sie sind Teil des VDE-Vorschriftenwerkes und können beim VDE-Verlag bezogen werden.


VDE-Anwendungsregeln für den Niederspannungsbereich

VDE|FNN definiert Technische Anschlussregeln für den Netzanschluss elektrischer Anlagen am Niederspannungsnetz, z.B. Speicher.

In Bezug auf das Niederspannungsnetz sind die VDE-Anwendungsregeln VDE-AR-N 4100 und VDE-AR-N 4105 des VDE FNN von besonderer Bedeutung. Sie fördern den Netz- und Anlagenschutz (NA-Schutz). Die VDE-AR-N 4100 definiert beispielsweise neue Anforderungen an Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge und fordert ein netzdienliches Verhalten, wie zum Beispiel eine Blindleistungsregelstrategie. Mit der Veröffentlichung der VDE-AR-N 4100 wurde die VDE-AR-N 4101 zurückgezogen. Die VDE-AR-N 4105 erweitert das Regelwerk für die Niederspannung mit grundlegenden Anforderung an Erzeugungsanlagen im Niederspannungsnetz.

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Alle VDE-Anwendungsregeln (chronologisch)


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