Nachhaltigkeitskonzept, dargestellt mit Weltkugel und Pflanze in der Natur
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21.04.2022 Kurzinformation

Sustainable Product Initiative der Europäischen Kommission

Schlüsselrolle der Normung beim Digitalen Produktpass 

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Celine Oeyen

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Die Europäische Kommission hat am 30. März ihren Vorschlag für eine Initiative für nachhaltige Produkte (SPI) veröffentlicht, die erhebliche Auswirkungen auf die europäische Fertigungsindustrie haben wird. Die SPI zielt darauf ab, die Gesamtleistung von Produkten in Bezug auf Nachhaltigkeit zu verbessern und sie für eine klimaneutrale, kreislauforientierte Wirtschaft fit zu machen. Um die Ziele der SPI zu erreichen, fordert die Europäische Kommission die Einführung von Digitalen Produktpässen (DPP), deren Basis Normen und Standards sein sollen.

Die SPI ist ein Eckpfeiler für die Verwirklichung des EU-Green-Deals und des "grünen und digitalen Zwillings". Der Digitale Produktpass ist eine Antwort auf die Notwendigkeit, die Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig und digital umzugestalten, und damit eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung der SPI. Die Initiative sieht eine Zunahme der Informationsanforderungen an Produkte vor, um ihre Nachhaltigkeit nachzuweisen. Bislang fehlte es oft an Informationen über vorgefertigte Teile und auch Verbraucher konnten häufig keine transparenten Informationen über Produkte abrufen.

Ein systematischer Einsatz des DPP wird Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Produkte helfen und deren Verkauf im europäischen Binnenmarkt erleichtern. Damit Hersteller, Betreiber und Verbraucher von den Möglichkeiten des DPP profitieren können, ist es wichtig, dass die zur Verfügung gestellten Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts einem einheitlichen Format folgen. Hier bietet die Normung und Standardisierung Lösungen an.


Digitaler Produktpass

Digitaler Produktpass

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Digitaler Produktpass: Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft durch standardisierte Daten

Digitalisierung ist gekommen, um zu bleiben. In der Welt der industriellen Produktion wurde dies bereits frühzeitig erkannt, sodass zahlreiche Entwicklungen vorangetrieben wurden, auch auf normativer Ebene. Eine Ausprägung ist der Digitale Produktpass, mit dem über digitale und standardisierte Informationen der nächste Schritt gemacht wird und der langfristig die industrielle Kreislaufwirtschaft unterstützt.

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Der Digitale Produktpass gelingt mit Normen und Standards

Im DPP werden Daten zu einem Produkt entlang seiner Wertschöpfungskette gesammelt, z. B. der Ursprung des Produkts, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen es hergestellt wurde, welche Materialien und Komponenten verwendet wurden oder auch Informationen zum Recycling des Produkts.

Durch den DPP wird es bald möglich sein, den sozialen und ökologischen Fußabdruck von Produkten problemlos auszulesen. Anforderungen an Datenformate und Schnittstellen müssen genormt sein, um eine einfache Datenverarbeitung zu ermöglichen. Darüber hinaus müssen die Daten sicher, zuverlässig und maschinenlesbar sein. Die europäische Normungsorganisation CENELEC ist hierbei erster Ansprechpartner und treibt das Thema in Brüssel voran.

Ein Normungsauftrag für den Digitalen Produktpass

Um die Einführung der SPI zu unterstützen, sieht das jährliche Arbeitsprogramm der EU für 2022 (AUWP) einen Normungsauftrag für einen digitalen Produktpass vor, der an die europäischen Normungsorganisationen (CEN, CENELEC und ETSI) vergeben werden soll.

Die CEN-CENELEC-ETSI-Koordinierungsgruppe Smart Manufacturing unter deutschem Vorsitz ist ein zentrales Instrument, um das Konzept des Digitalen Produktpasses auf europäischer Ebene einzuführen. In Deutschland und auf internationaler Ebene wurden bereits anwendungsbezogene Initiativen für einen DPP gestartet.


Darstellung einer europäischen Flagge und einem Kompass in Vordergrund
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Normen und Standards für ein starkes Europa

Die Europäische Kommission hat ihre Europäische Normungsstrategie veröffentlicht.

Mit dieser Strategie soll das europäische Normungssystem agil, effizient und zukunftssicher aufgestellt werden. Die EU-Kommission will damit die europäische Industrie im globalen Wettbewerb stärken und Innovationen schneller in den Markt bringen. Es soll zudem sichergestellt werden, dass europäische sowie internationale Normen im Einklang mit den strategischen Interessen und Werten der EU stehen.

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Der Ansatz der DKE zum Digitalen Produktpass

In enger Zusammenarbeit mit den Schlüsselbranchen Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Informationstechnik entwickelt die DKE bereits wesentliche Normen für den Digitalen Produktpass. Im German Standardisation Industry Council 4.0 (SCI 4.0) koordiniert die DKE gemeinsam mit den führenden Verbänden und Unternehmen die Normungsarbeit und bietet eine Plattform für Konzepte und Anwendungsfälle.

Die Expertinnen und Experten der DKE haben bereits einen dezentralen Lösungsansatz für einen digitalen Produktpass für industrielle Anwendungen auf der Basis von so genannten Teilmodellen der Verwaltungsschale (IEC 63278-1 on Asset Administration Shell) entwickelt. Dieser Lösungsansatz ermöglicht den Zugriff auf benutzerfreundliche Webseiten des Herstellers und liefern standardisierte maschinenlesbare Informationen zum Produkt über eine Produktidentifikation nach IEC 61406 "Unique Identifier". Jedes Teilmodell repräsentiert einen standardisierten Datensatz für einen bestimmten Anwendungsfall, z. B. für die Übermittlung von technischen Daten oder Produktdokumentation. 

In weiteren Teilmodellen können regulatorische Anforderungen, Serviceinformationen oder auch Umweltinformationen digital und standardisiert gespeichert und abgerufen werden. Auf diese Weise kann die Struktur des Digitalen Produktpasses auch für die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle genutzt werden.


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