Batterien
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03.08.2022 Veranstaltungsrückblick

Die Europäische Batterieverordnung

Bericht der Online-Veranstaltung vom 20.07.2022

Rund 400 interessierte Teilnehmer*innen sind dem Aufruf von VDMA, ZVEI und DKE nachgekommen, sich im Rahmen der virtuellen Veranstaltung zum aktuellen Stand der Europäischen Batterieverordnung zu informieren. Hintergrund der Veranstaltung war, dass die Europäische Kommission dem Wunsch einer Überarbeitung der Richtlinie 2006/66/EG nachkommt und eine neue Europäische Batterieverordnung erarbeitet.

Kontakt

Johannes Koch

Letzte Bedenken gilt es zu klären

Eingeleitet und moderiert wurde die Veranstaltung von Johannes Koch (Leiter Normungspolitik, DKE), der ausführte, dass bis 2030 mit einer Zunahme der Nachfrage nach Batterien um das Vierzehnfache zu rechnen sei. Somit komme der Europäischen Batterieverordnung durch den sektorenübergreifenden Ansatz eine große Bedeutung zu.

Dr. Christian Rosenkranz (Vorsitzender ZVEI Fachverband Batterien und Vice President Industry and Governmental Relations EMEA, Clarios) begann die Einführung zu den Zielen und dem aktuellen Prozess zur Europäischen Batterieverordnung. Wegweisende Funktion nimmt die Batterieverordnung primär für die Europäische Industrie ein, die anhand der Vorgaben bis 2050 gestärkt aus der Dekarbonisierung hervorgehen soll (‚European Green Deal'). Die Europäische Batterieverordnung befindet sich aktuell im sogenannten Trilog zwischen Europäischer Kommission, Europäischem Parlament und Europäischem Rat und soll im Laufe des Jahres verabschiedet werden. Aspekte der Verordnung umfassen die Themen Nachhaltigkeit und Sicherheit, Kennzeichnung und Information, End-of-Life-Management und Sorgfaltspflichten. Rosenkranz gab auch die Bedenken der Industrie wieder – beispielsweise bzgl. Artikel 7, der vorsieht, dass alle Batterien von der Europäischen Batterieverordnung erfasst werden würden, unabhängig von ihrer Leistung. Hier könnte es zu einem potenziellen „administrativen Chaos“ kommen, wenn Batterien unter 2 kWh berücksichtigt würden. Das Gleiche gelte auch für alle bereits produzierten Batterien, die sich schon im Wirtschaftskreislauf befinden. Diese sollten von der neuen Batterieverordnung nicht betroffen sein.


Batterien im Test
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Akkus für eine nachhaltige Welt

Die Akkutechnologie ist in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Vom Handy über den Laptop bis hin zu Elektroautos und E-Scootern: Akkus sind ein wesentlicher Bestandteil zahlreicher Anwendungen in unserem Alltag.

Umso wichtiger also, dass die Akkutechnologie auch sicher ist. Normungsexperten arbeiten national und international eng zusammen – nicht nur für die Sicherheit, sondern vor allem auch für einen hohen Grad an Interoperabilität und Wiederverwendung. Ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

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Strommix des Standortes für Batterieproduktion entscheidend

Als nächstes erhielt Marius Schütte (Sustainability Manager, Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB) das Wort und referierte über Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Produktion. Ziel sei es stets, den CO2 Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Ursache für hohe Treibhausgase und Kosten sind nach Schütte zwei Punkte. Erstens verbrauche die Elektrodenfertigung viel Energie, was auf die Trockenlegung zurückzuführen sei. Dieser Prozess mache allein 50 Prozent des Stromverbrauchs aus. Zweitens spiele die Gewinnung notwendiger Ressourcen eine zentrale Rolle. Umgerechnet und zusammengefasst hinterlassen 1 kW Zellkapazität einen Fußabdruck von 10 kg CO2. Letztendlich sei jedoch der Strommix des Standortes entscheidend – so sei der Strommix in westlichen und nördlichen europäischen Staaten für Industrie, bezüglich der Minderung der CO2 Emissionen, wesentlich effizienter als der Standort Deutschland.

Batteriepass für Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Stephanie Schenk (Associate, SYSTEMIQ) baute die Brücke von Produktion zum Batteriepass. Hintergrund des in der Europäischen Batterieverordnung geforderten und durch die Bundesregierung in einem Projektkonsortium geförderten Batteriepasses sei es, die Inhalte des Produktes in Bezug auf ihren CO2 Fußabdruck zu bewerten. Wichtige Kriterien seien hier: Second Life, Datenverfügbarkeit, Recycling, Quoten für das Material und Menschenrechte. Erklärtes Ziel ist dabei die Schaffung einer Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Großer Wert wird auch der Zusammenarbeit mit der „Global Batterie Alliance“, den Standardisierungsorganisationen und der Industrie zugeschrieben. Bereits Oktober 2022 will das Projektkonsortium erste Ergebnisse zum Batteriepass vorlegen, danach folge eine Phase der Einarbeitung von Verbesserungsvorschlägen bis März 2023.


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Normungarbeit an Batteriethemen bereits im Gange – Mitarbeit erwünscht

Im Anschluss referierte Thomas Timke (Senior Battery Expert, Solarwatt; Leiter DKE/AK 371.0.100) zu dem aktuellen Normungsmandat zur Batterieverordnung und gab Auskunft, wie man an den Normungsprozessen in der DKE mitwirken kann. Hier könne sich jeder z. B. bei der Kommentierung von Normungsentwürfen oder direkt in den Normungsgremien einbringen. In der Normung werden viele Batteriethemen bereits bearbeitet, wie z. B. im Bereich Second Life. Timke hielt fest, dass die DKE die Europäische Batterieverordnung als ein sinnvolles Projekt ansieht, weshalb die DKE schon seit Jahren diesbezüglich mit Stakeholdern und Partnern zusammenarbeitet. Jedoch gibt es auch kritische Stimmen, dass die Batterieverordnung sehr stark reguliere. Das würde das bisherige Arbeiten nicht erleichtern, sondern erschweren.

Während der Veranstaltung konnten die Teilnehmer im Chat Fragen stellen. Diese wurden von Christian Eckert (Bereichsleiter Nachhaltigkeit & Umwelt, ZVEI) zusammengefasst und kurz diskutiert. Die Referenten und Organisatoren der Veranstaltung stehen bei weiteren Fragen jederzeit zur Verfügung. Es ist geplant, eine Folgeveranstaltung im Herbst/Winter anzubieten.


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