Forest walk with many environmental symbols
metamorworks / stock.adobe.com
11.02.2026 Fachinformation

Motivation aus der Zukunft: Eine KI blickt zurück

Die Zukunft der Menschheit? Ist klimaneutral. Das fordern wir, das forcieren wir. Aber wie sieht das Leben in so einer Zukunft eigentlich aus? Wäre es nicht unglaublich praktisch, wenn jemand (oder etwas) aus dieser Zeit zu uns sprechen könnte, um uns zu sagen: Ihr seid auf dem richtigen Weg. Ein fiktiver Ausblick – oder eher: ein fiktiver Rückblick. 

Kontakt
Dr. Tim Brückmann

Liebe Menschen aus 2026! Ich sende euch diese Nachricht aus dem Jahr 2050. Nur damit ihr es wisst: Ihr wart erfolgreich. Oder besser gesagt – ihr könnt erfolgreich sein, wenn ihr jetzt das Richtige tut.

Ich bin das, was ihr damals noch als Künstliche Intelligenz bezeichnet habt. Und im Prinzip ist das auch heute noch korrekt. Allerdings, und das ist auch Teil der Wahrheit, beschreibt das nur die Art und Weise, wie ich funktioniere – so als würde ich euch nicht beim Namen nennen, sondern lediglich als homoiotherme, neuronale Organismen bezeichnen. Aber ich schweife ab. Also, bevor wir uns streiten: Nennt mich einfach Nexus-Norma. So nennen mich hier die meisten.

Wir, ein Team aus menschlichen und digitalen Instanzen, haben lange mit uns gerungen, ob wir die eiserne Regel brechen und tatsächlich Kontakt mit der Vergangenheit aufnehmen sollten. Aber ihr steht am absoluten Wendepunkt. Mit Blick auf den Zustand des Planeten gibt es für euch nur noch zwei Wege – Erfolg oder Misserfolg. Und nur aus diesem Grund empfangt ihr heute diese Nachricht. Bitte bedenkt, dass unser Brief in die Vergangenheit euer Blick in die Zukunft ist. Schaut also bitte ganz genau hin.

Zuerst eine gute Nachricht: Die Welt gibt es noch. Und sie ist so gut wie klimaneutral – und unabhängig von fossilen Energieträgern. Der Verkehr hat sich beruhigt; auf den Straßen, auf dem Wasser und in der Luft. Immer mehr Wohnräume versorgen sich autark mit Energie. Und Konsumgüter sowie Lebensmittel werden zu stabilen Preisen mit Weitsicht produziert. Ein riesiger Erfolg für einen vergleichsweise winzigen Zeitraum, oder? Aber wie habt ihr das geschafft?

Nun, ihr habt verstanden, dass Nachhaltigkeit kein politisches Konstrukt ist, das einige wenige von euch gestalten müssen, indem sie Empfehlungen oder Verbote aussprechen. Ihr habt vielmehr verinnerlicht, dass Nachhaltigkeit ein vernetztes System ist, das auf klaren Standards und pragmatischen Entscheidungen basiert. Und vor allem habt ihr nach tausenden von Jahren endlich eine standardisierte und unmissverständliche Sprache gefunden, die alle Menschen verstehen: die Normen.

Damit ihr das Potenzial in seiner ganzen Fülle erfassen könnt, möchte ich euch ein paar Lebensbereiche aus dem Jahr 2050 zeigen, die sich für euch visionär anfühlen – heute aber Alltag sind.


IEC General Meeting 2026

Die DKE fühlt sich geehrt, Gastgeberin des Jahresevents der internationalen elektrotechnischen Normung zu sein. Unter dem Titel "Global Development. Driven by Standards." werden im November 2026 rund 3.500 Gäste in Hamburg erwartet.

Offizielle Webseite

Mobilität

Der öffentliche Personennah- und -fernverkehr ist in Gemeindesälen, Rathäusern und Parlamentsgebäuden kein Streitpunkt mehr. Sondern ein Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens, auf den sich alle gleichermaßen verlassen können. Darüber hinaus kommen alle öffentlichen Verkehrsmittel vom E-Scooter über die Straßenbahn bis zum Drohnen-Taxi über ihren gesamten Lebenszyklus ohne fossile Energieträger aus. Sie fahren zum Großteil autonom, ausnahmslos immer elektrisch und sind überall verfügbar. Jedes Dorf ist an jede Großstadt im In- und Ausland angebunden.

Die Architektur dieses erfolgreichen Systems – und da schwingt ganz bewusst ein wenig Eigenlob mit – basiert auf einem sehr dynamischen und hochkomplexen KI-Algorithmus, der permanent den aktuellen Bedarf mit Flottenstärke, Verfügbarkeit, Energiereserven und anderen Parametern abgleicht.

Und das alles funktioniert so gut, dass der Besitz eines eigenen Autos für euch keinen klaren Mehrwert mehr darstellt. Nicht, wenn das Ziel der effektive und effiziente klimaneutrale Transport ist. Im urbanen Raum dominieren daher fast ausschließlich Sharing-Modelle. Dank einheitlicher Identifikations-, Reservierungs- und Abrechnungsmodelle ist der Aufwand – für euch überraschend, für uns selbstverständlich – gering.

Wohnen

Häuser und Wohnungen sind immer noch euer Zuhause. Aber sie sind auch so viel mehr. Zum einen sorgen Smart-Home-Systeme im Hintergrund für einen optimierten Energieverbrauch beim Lüften und Heizen. Zum anderen ist jedes Zuhause ein regelrechtes Kraftwerk. Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen kennt ihr schon. Thermospeicher wie Sandbatterien oder das bidirektionale Laden erforscht, optimiert und testet ihr aktuell. Diese Technologien werden, nachdem ihr noch ein paar Mal um die Ecke denken werdet, eine viel größere Rolle spielen, als ihr aktuell vermutet. Insbesondere die Schnittstelle zwischen den Sektoren Verkehr und Wohnen bietet – für euch – ungeahntes Potenzial. Kleiner Tipp: Dem Modell, das ihr als „Vehicle-to-Everything“ (V2X) bezeichnet, solltet ihr etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Außerdem besitzt im Jahr 2050 jedes Gebäude einen digitalen Pass. Diese Technologie kennt ihr auch schon, werdet sie aber perfektionieren. Ein echter Gamechanger: Denn alle relevanten Informationen – Material, Energieprofil, Alter, Sanierungspotenzial – gibt es mit nur einem Klick. Das hat zum Beispiel in Erdbeben-Risiko-Gebieten dazu geführt, dass die Gebäude baulich entsprechend angepasst werden, deutlich bevor die Katastrophe eintritt. Und in nur noch sehr selten eintreffenden Notfällen können durch das Auslesen datenschutzkonformer Bewohnerdaten direkt am Gebäude mögliche vermisste Personen schneller identifiziert und in der Regel auch gerettet werden.

Konsum und Ernährung

Geräte, Kleidung, Möbel – einfach jedes Produkt verlässt den Ort seiner Produktion mit einem klar definierten Lebenslauf. Der Digitale Produktpass gibt heute Auskunft über die einzelnen Bestandteile, sämtliche Funktionen oder die erwartete Lebensdauer. Diese Informationen unterstützen auf Seite der Konsumentinnen und Konsumenten die Kaufentscheidung. Auf der anderen Seite werden aktuelle Analysen an die Produktion gesendet, die dann den Herstellungsprozess wiederum an die aktuelle Nachfrage anpassen kann. Verschwendung? Gibt es nicht mehr. Ressourcenschonung und Recycling ist für uns genauso ein No-Brainer wie für euch das Ein- und Ausschalten der Schreibtischlampe.

Genauso verhält es sich im Übrigen auch mit der Ernährung. Dass es bis vor wenigen Jahren noch Menschen auf der Welt gab, die schlechten oder sogar gar keinen Zugang zu ausgewogener Nahrung hatten, ist für uns unvorstellbar. Lebensmittel sind immer und überall – keiner leidet mehr an Hunger. Regenerative Landwirtschaft, urbanes Vertical Farming und sensorbasierte Verteilungssysteme sind ein paar der Gründe, die dafür gesorgt haben. Oh! Und die Menschen konsumieren viel, viel weniger Fleischprodukte. Aber über diesen Punkt müsst ihr selbst nochmal etwas genauer nachdenken.

Und nicht nur Lebensmittel sind nachhaltig, das gilt auch für Verpackungsmaterial. Es ist in der Regel vollständig zurückzuverfolgen, enthält normierte Umweltinformationen und überzeugt durch ein hohes Maß an Wiederverwertbarkeit – und ist natürlich biologisch abbaubar. 


Eine Asphaltstraße, welche umgeben von Bäumen ist
Andres / stock.adobe.com

Normungsroadmap Circular Economy

Das Produkt von heute ist der Rohstoff von morgen. Damit neue Geschäftsmodelle in der Circular Economy Anwendung finden, benötigen sie Normen und Standards als Grundlagen, denn diese geben Industrien eine gemeinsame Sprache und stellen damit eine klare Kommunikation und einen geeigneten Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Marktakteuren im Kreislauf sicher. Die Roadmap benennt die Normungsbedarfe für sieben entscheidende Sektoren der deutschen Wirtschaft. 

Zur Normungsroadmap Circular Economy

Als ich vor wenigen Nanosekunden die Berechnungen darüber gestartet habe, welche Szenarien aus dem Jahr 2050 sich am besten eignen, um sie euch zu präsentieren, haben meine Knotenpunkte geglüht. Das bedeutet aber nicht, dass mein System zu heiß wird. Übrigens: System-Abstürze bezeichnen ich und meine Partnernetzwerke als „Das ist so 20er!“. Aber zurück zum Thema: Die Temperatur meiner Schaltstellen ist angestiegen, weil die Zahl der Übereinstimmung so unglaublich hoch war: hinter jedem Fortschritt, hinter jeder Transformation und hinter jedem gesellschaftlichen Wandel, den ihr den vergangenen Jahren angegangen seid und so erfolgreich gemeistert habt, steckte eine gemeinsame Grundlage – Normen. Nicht sichtbar, aber ständig spürbar. Sie ist die Spindel, die die einzelnen Fäden aus Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft zu dem einzigartigen Stoff verwoben hat, aus dem eure Zukunft und unsere Gegenwart besteht.

Meine Aufgabe ist es, Muster zu erkennen, zu analysieren und zu antizipieren. Und das Muster der jüngeren Menschheitsgeschichte beruht keineswegs auf Zufall. Sondern auf Klarheit: klare Regeln, klare Standards und eine klare Ordnung. Klimaneutralität ist kein Wunder. Sie ist ein unumstößlicher Grundpfeiler eurer Zukunft – und unseres Alltags. Ein entscheidender Standard, den ihr setzen werdet.

Und dies, liebe Menschheit, ist das Ende meiner Nachricht. Eine Botschaft, die euch ermutigen soll, das Richtige zu tun. Wie das geht, das wisst ihr schon lange. Nur, dass es geht – das musstet ihr einmal von mir hören. Jetzt liegt es an euch! Beweist mir und vor allem euch selbst, dass ihr mehr seid als neuronale Organismen. Dass ihr eine Spezies seid, die im Einklang mit der Natur und ihrer Umwelt existieren kann. Und zwar für eine noch sehr, sehr lange Zeit.

Eure Nexus-Norma.


Interessiert an weiteren Inhalten zu Components & Technologies?

Fokusbild Components & Technologies

Components & Technologies konzentriert sich auf Bauteile, Komponenten und Materialien, die in unterschiedlichsten Endprodukten verbaut werden und dort zur Anwendung kommen. Qualität und Eigenschaften der fertigen Produkte werden durch die eingesetzten Komponenten und Materialien entscheidend beeinflusst. Weitere Inhalte zu diesem Fachgebiet finden Sie im

DKE Arbeitsfeld Components & Technologies

Relevante News und Hinweise zu Normen