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07.07.2026 Kurzinformation

Wie Vertrauen die Normung trägt – Deutschlands Perspektive beim IEC General Meeting in Hamburg

Deutschland stellt mit über 10.000 Expertinnen und Experten das größte Nationale Komitee innerhalb der IEC. Nun lädt die DKE nach Hamburg zum IEC General Meeting, das viel Raum für Austausch schafft. Michael Teigeler, Geschäftsführer der DKE, erklärt im Interview, warum angstfreie Entscheidungen vertrauensbildend sind, wo Deutschland wichtige Impulse setzen kann und welche Rolle Optimismus spielt.

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Henrike Gördes
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Deutschland kann Gastfreundschaft

DKE: Die Welt der elektrotechnischen Normung ist vom 14. bis 20. November 2026 beim IEC General Meeting zu Gast in Hamburg. Zum Einstieg Ihr ganz persönlicher Blick auf die Veranstaltung: Was dürfen die Teilnehmenden erwarten?

Teigeler: Deutschland stellt innerhalb der IEC das größte Nationale Komitee und somit sind die Ansprüche berechtigterweise hoch. Ich lehne mich jetzt ein wenig an den Fußball an und sage, die Welt wird zu Gast bei Freunden sein (schmunzelt, Anm.d. Red.). Wir waren 2016 Veranstalter des IEC General Meeting, damals in Frankfurt. Schon dort konnten wir zeigen, dass wir nicht nur gut im Organisieren sind, sondern auch eine herzliche, offene Atmosphäre schaffen und Gastfreundschaft leben können.

Daran wollen wir in Hamburg anknüpfen und wieder viele Menschen für den persönlichen und fachlichen Austausch zusammenbringen. Die Hafenstadt Hamburg, mit ihrer historisch gewachsenen Bedeutung für den weltweiten Handel, passt als Veranstaltungsort besonders gut – denn die Normung bietet die Basis für ebendiesen Handel.


IEC General Meeting 2026

Die DKE fühlt sich geehrt, Gastgeberin des Jahresevents der internationalen elektrotechnischen Normung zu sein. Unter dem Titel "Global Development. Driven by Standards." werden im November 2026 rund 3.500 Gäste in Hamburg erwartet.

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120 Jahre IEC als Basis für die Zukunft

DKE: Sie selbst haben über Ihre Mitgliedschaft im IEC Board vor allem einen Blick auf das Thema Vertrauen, eins der Fokusthemen auf dem IEC GM. Kurz gesagt: Wie lässt sich auch in Zukunft sicherstellen, dass die IEC Vertrauen genießt?

Teigeler: Als Mitglied des IEC Board spüre ich eine große Verantwortung, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen die Zukunft der IEC erfolgreich zu gestalten. Wir sind für eine Organisation tätig, die gerade 120 Jahre alt wird und in der Welt der Elektrotechnik hohes Ansehen genießt. Zwar erleben wir derzeit durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz einen regelrechten Transformationssturm, der uns vor große Herausforderungen stellt. 

Mein Credo lautet aber, dass wir mit dem Wissen um unser aller Expertise selbstbewusst vorangehen und angstfrei Entscheidungen treffen sollten. Mit stimmigen Visionen und einer guten Prise Optimismus werden wir als IEC auch in Zukunft in der Welt jenes Vertrauen genießen, das in den letzten 120 Jahren entstanden ist.

Jeder Tag zeigt das Vertrauen in die Normung

DKE: Wir sprechen oft vom Vertrauen der verschiedenen Stakeholder in die Normung, aber auch das Vertrauen der Gesellschaft in die Technik ist von zentraler Bedeutung. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein – ist das Vertrauen noch da?

Teigeler: Zunächst sollten wir uns bewusst machen, dass jeder Tag und jede Anwendung von Elektrotechnik dieses Vertrauen beweist. Denn dahinter stehen unzählige Normen, die im Alltag für Sicherheit und Funktionalität sorgen. In Deutschland sind dafür aktuell über 10.000 Expertinnen und Experten in der Normung aktiv, die durch ihren Sachverstand und ihr Engagement ein Grundvertrauen in die Technik ermöglichen.

Auch wenn es oft den Anschein erweckt, dass Deutschland den Anschluss verloren hat – es gibt in der Elektrotechnik viele Bereiche, in denen wir Treiber sind. Auf diese Weise hat Normung eine positive Strahlkraft in die Gesellschaft, ebenso wie durch die Werte, für die sie steht. Denn wir bauen mit Konsens, Diversität und Partizipation auf Prinzipien, die grundlegend sind für Vertrauen und im Kern jeder Demokratie stehen sollten.

Rückenwind für Impulse aus Deutschland beim Thema KI

DKE: Eine Zukunftstechnologie, die beim Thema Vertrauen große Wellen schlägt, ist die Künstliche Intelligenz. Normung kann dazu beitragen, Vertrauen in KI und andere Zukunftstechnologien zu etablieren. Welche Impulse kann Deutschland hier setzen?

Teigeler: Deutschland hat mit Automation und Industrie 4.0 sehr früh begonnen, Normen in die Maschinenwelt zu bringen. Das ist die Voraussetzung dafür, Normen als vertrauensbildende Grundlage auch in KI-Anwendungen zu implementieren. In beiden Fällen brauche ich digitalisierte Norminhalte, die maschinenlesbar und -interpretierbar sind.

Durch diese führende Rolle in der Industrieautomation sehe ich Deutschland in der Rolle, Impulse zu setzen – Künstliche Intelligenz gibt dem, was wir aufgebaut haben, starken Rückenwind. Allerdings ist der Druck hoch, denn die Geschwindigkeit, in der sich die Dinge entwickeln, ist atemberaubend.

Ein letzter Gedanke dazu: Künstliche Intelligenz ist extrem vielschichtig, es handelt sich um ein moving target von höchster Komplexität. Eine vertrauenswürdige KI beruht auf vertrauenswürdigen Daten, es braucht entsprechendes Training und Codes. Nur Ethik-Normen zu schaffen, reicht in dem Kontext nicht aus – denn eine KI könnte sie zwar erfüllen, aber zum Beispiel wegen schlechter Trainingsdaten trotzdem nicht vertrauenswürdig sein.


Künstliche Intelligenz und Harmonized Standards

Für die sogenannten Hochrisiko-KI-Anwendungen spielen Normen und Standards eine wichtige Rolle, denn sie schaffen Transparenz, Sicherheit und damit Vertrauen und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen.

Nach dem Erfolgsprinzip des europäischen Binnenmarktes, dem New Legislativ Framework, werden lediglich grundlegende Anforderungen und Schutzziele festgelegt, auf deren Basis KI-Anwendungen in allen EU-Mitgliedstaaten in Verkehr gebracht werden können. Dagegen werden die KI Hochrisiko-Anwendungen künftig über den Artifical Intelligence Act der EU reguliert. Dabei beauftragt die EU die europäischen Normungsorganisationen, die grundlegenden Anforderungen technisch konkreter auszuarbeiten. Am Ende des Prozesses entstehen harmonisierte europäische Normen. Dieses sorgen im Zusammenspiel mit dem Gesetzgeber für Transparenz und Sicherheit.


Nachwuchs als Teil von Diversität

DKE: Wie ist Deutschland in puncto gesesellschaftliche Teilhabe und Diversität bei der Normung aufgestellt?

Teigeler: Wir haben in Deutschland, wie schon gesagt, mit über 10.000 Expertinnen und Experten eine sehr große Basis an Menschen, die in der Normung aktiv sind. Diversität betrifft verschiedene Faktoren: das Einbeziehen möglichst vieler Disziplinen und Qualifikationen, die Stärkung von Frauen – und das Gewinnen von Nachwuchs. Ich habe die Next Generation DKE mit ins Leben gerufen, weil dieser Aspekt mir sehr wichtig ist. Davon hat auch die IEC sich inspirieren lassen, wo es inzwischen eine ähnliche Initiative gibt. Damit sind wir schon sehr weit, auch wenn ein Blick nach China zeigt, dass noch mehr geht: Dort gibt es eigene Studiengänge, die sich dem Thema Normung widmen.

Mit einem guten Spirit an der Zukunft arbeiten

DKE: Wenn die IEC in Zukunft die Instanz für elektrotechnische Normung bleiben soll, dann ist Vertrauen unerlässlich. Wie will die DKE als Gastgeberin beim General Meeting in Hamburg dazu einen Beitrag leisten?

Teigeler: Aus meiner Sicht ist Normung erfolgreich und vertrauenswürdig, wenn im Prozess alle Beteiligten zusammengebracht werden. Eine Veranstaltung wie das General Meeting schafft die Gelegenheit, den Austausch auch zwischen verschiedenen Technical Comittees zu fördern. Daher wollten wir im Vorfeld auch nicht auswählen, welche TCs kommen dürfen und welche nicht, denn diese Entscheidung ist kaum zu treffen.

Das Ergebnis ist ein General Meeting mit rund 3.000 Expertinnen und Experten aus aller Welt, denen wir eine Plattform bieten, um gemeinsam Lösungen für verschiedenste Fragestellungen zu erarbeiten. Dazu kommt ein Rahmenprogramm, das hoffentlich schöne Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes schafft. Dieser Spirit ist es, der uns in die Zukunft tragen wird – so etwas können Online-Meetings nicht ersetzen.


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„Zeigen, wie viel Gutes in unserem Land steckt“

DKE: Zum Schluss noch einmal eine persönliche Perspektive: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn sie an das IEC General Meeting in Hamburg denken?

Teigeler: Dass so viele Kolleginnen und Kollegen unserer Einladung folgen, bestätigt mir, dass wir den richtigen Weg gehen, auch wenn die Organisation durch die hohe Teilnehmerzahl durchaus anspruchsvoll ist. Hamburg mit seinem besonderen Flair wird ein wunderbarer Rahmen ein, und so freue ich mich auf eine besondere Veranstaltung und auf das Wiedersehen mit vielen Wegbegleitern. Ich bin in der Normung groß geworden und glücklich darüber, dass alle bei uns in Deutschland zusammenkommen. Ein Stück weit ist das General Meeting auch die Chance zu zeigen, wie viel Gutes in unserem Land steckt, entgegen aller negativen Nachrichten: Innerhalb der IEC gestaltet Deutschland Zukunft, und mit diesem Grundoptimismus sollten wir nach vorne schauen und anpacken.

Das Interview führten wir mit

Michael Teigeler

Michael Teigeler ist stellvertretender Geschäftsführer der DKE und verantwortet insbesondere die strategische Ausrichtung der deutschen elektrotechnischen Normung in Europa und international. In dieser Funktion vertritt er die DKE auf internationaler Ebene im IEC Board sowie im ISO/IEC Joint Standing Committee (JSC) und bringt deutsche Perspektiven in die internationale Normungsarbeit ein.


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Grundlagen der Normung: kurz und verständlich erklärt

Um die Grundsätze und Grundprinzipien der Normung verstehen zu können, bedarf es nur der Kenntnis weniger Aspekte. Die Grundlagen beinhalten Definitionen, Grundbegriffe und Erklärungen zu Prozessen und Zielen als auch weitergehende Informationen zu Normen und Standards.

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