- Eindeutige Produktbeschreibungen sind Voraussetzung für Interoperabilität und Automatisierung
- Unterschiedliche Begriffe und Definitionen führen in der Technik zu Ineffizienz und Fehlinterpretationen
- COMDO schafft eine gemeinsame und maschinenlesbare Grundlage für normierte Produktmerkmale
COMDO-Projekt ermöglicht eindeutige Produktbeschreibungen
Der Duden der Elektrotechnik: IEC Common Data Dictionary
Normung hat unter anderem damit zu tun, in der Beschreibung von Produkten und technischen Anforderungen eindeutig definierte Merkmale zu wählen, die standardisiert sind und international verstanden werden. Über die Jahrzehnte sind so bei ISO und IEC umfangreiche Definitionssammlungen entstanden. Den Datenschatz der IEC gibt es in digitaler, maschinenlesbarer Form im IEC Common Data Dictionary (CDD).
Das IEC CDD wird stetig ergänzt, auch durch die Arbeit der nationalen Normungsorgansiationen wie DIN und DKE. Es ist aktuell vor allem, aber nicht ausschließlich, auf Elektro- und Informationstechnik ausgerichtet. Um die Datenbasis zu erweitern, kooperieren ISO und IEC im COMDO-Projekt mit dem ECLASS e.V., dem Weltmarktführer für die standardisierte Abbildung von digitalen Merkmalen in modernen Dictionaries. Ziel der Zusammenarbeit ist es, das IEC CDD und das Dictionary von ECLASS e.V. durchgängig und zentral nutzbar zu machen.
Eine Frage der Definition: Krapfen ist nicht gleich Krapfen
Ein Beispiel aus dem Alltag illustriert praktisch, wie wichtig eindeutige Definitionen sind. Wer in Norddeutschland einen Berliner bestellt, möchte in Ostdeutschland einen Pfannkuchen haben und in Süddeutschland einen Krapfen. Wäre er sich dessen nicht bewusst und würde in Bayern einen Pfannkuchen bestellen, erhielte er einen Eierkuchen und nicht das, was er erwartet: ein luftiges, süßes Siedegebäck, das aus Hefeteig besteht und mit Marmelade gefüllt ist. Denn all die genannten Begriffe beschreiben zwar das gleiche Produkt mit den vorgenannten Merkmalen, werden aber in den unterschiedlichen Regionen unterschiedlich verwendet und verstanden.
Die Folgen einer derart uneindeutigen Kommunikation im Alltag sind weniger gravierend. Bei technischen Komponenten betreffen unsaubere Definitionen und uneindeutige Beschreibungen von Merkmalen hingegen Produkte, die in der Industrie, im Smart Home oder im Gesundheitswesen Anwendung finden. Die Eigenschaften und Merkmale dieser Produkte müssen eindeutig beschrieben und referenziert sein, damit sie im Sinne des Anwenders sicher, interoperabel und somit austauschbar sind. Denn nur so kann ein rein maschineller Datenaustausch zwischen den Systemen stattfinden, was die Voraussetzung ist für eine vollständige Automation.
Technische Probleme durch falsch zugeordnete Merkmale
Michael Rudschuck erklärt: „Nehmen wir ein Produktmerkmal aus der Elektrotechnik, die Nennspannung. Beim Krapfen haben wir mehrere Begriffe für das gleiche Produkt, hier haben wir einen Begriff mit mehreren Definitionen. Denn es gibt die auf dem Typenschild genannte Nennspannung, also die Spannung, mit der Strom aus Haushaltssteckdosen kommt. Nennspannung kann aber auch die maximal zulässige Spannung meinen, also die höchste dauerhaft erlaubte Betriebsspannung. Wenn ein Hersteller den Begriff als Merkmal in die Beschreibung eines Produkts aufnimmt, muss er die richtige Definition verwenden, weil es sonst zu technischen Problemen kommen kann.“
Es ist also zentral, technische Merkmale eindeutig zu definieren und diese Definitionen klar zu strukturieren, beispielsweise mit einer eindeutig zugeordneten, einmaligen Kennziffer. Je mehr Definitionen und Merkmale in einem Data Dictionary mit einer sinnvollen Struktur hinterlegt sind, umso einfacher und effizienter können Hersteller ihre Produkte nach internationalen Standards und Normen korrekt beschreiben.
COMDO-Projekt am Beispiel eines Hefeteiggebäcks
| DKEPräzise Terminologie trifft starke Governance: COMDO steigert die Effizienz
Dieser konkrete Mehrwert war es, der die Kooperation zwischen ISO, IEC und ECLASS e.V. im COMDO-Projekt angestoßen hat. Der Projektname COMDO bedeutet „Common Data Repository“. Denn durch die zunehmende Komplexität technischer Produkte zeigte sich immer deutlicher, dass die Merkmale, die im CDD beschrieben werden, für Hersteller in der Industrie nicht mehr umfassend genug sind. Rudschuck erklärt: „Wir haben im COMDO-Projekt das Beste aus beiden Welten zusammengebracht: Die Definitionen aus CDD wurden in die moderne ECLASS-Infrastruktur überführt und mit einer Vielzahl an digitalen Merkmalen ergänzt, die ECLASS zur Verfügung gestellt hat.“
Mit dem zentralen Zugriff auf beide Dictionaries können für den Datenaustausch normbasierte Inhalte und notwendige digitale Inhalte gleichermaßen abgefrufen werden. Zukünftiges Ziel ist, etwaige Dubletten schrittweise zu bereinigen und das System zu erweitern. Die Übertragung in andere Sprachen erfolgt bei ECLASS über DeepL, wobei gekennzeichnet wird, ob die Inhalte durch einen Menschen überprüft oder lediglich übernommen wurden.
COMDO wird zum Game Changer für Hersteller: Mitmachen und profitieren
Um den Mehrwert der Datenbank weiter zu erhöhen, soll es kontiunierlich Erweiterungen um Merkmalsgruppen geben, die noch nicht enthalten sind. Institutionen wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) haben bereits beschlossen, eigene Inhalte in die Dictionaries einzupflegen, um von der Effizienzsteigerung zu profitieren. Geprüft werden diese Inhalte von den jeweils zuständigen Gremien. Sie unterstützen Einzelunternehmen auch dabei, die vorhandene Infrastruktur zu nutzen, um die semantischen Inhalte zu erweitern.
„Genau das brauchen wir, quer durch alle Industrien. Der Mehrwert für Hersteller ist, dass sie Produkte in Zukunft viel einfacher eindeutig beschreiben können“, so Rudschuck. „Außerdem können sie auf diese Weise Produkte entwickeln, die sich problemlos in industrielle Umfelder einbinden lassen und interoperabel mit Konkurrenzprodukten sind. Das ist etwas, das Kunden heute immer mehr erwarten und somit ein klarer Wettbewerbsvorteil.“
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