Glasfasernetzwerkkabel auf technischem Hintergrund
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19.01.2026 Fachinformation

Glasfaserausbau in Deutschland: Beschleunigung des Ausbaus der digitalen Infrastruktur durch einheitliche Standards

Glasfaserkabel machen einen steigenden Anteil am gesamten Breitbandnetz aus. Neue Kommunikationstechnologien reizen hohe Bandbreiten aus, um Daten zu übertragen – mit den bisher verwendeten Kupferkabeln ist das aber kaum möglich. In der DKE arbeiten zahlreiche Experten und Expertinnen gemeinsam an Lösungen für die Herausforderungen des Glasfaserausbaus.

Der Glasfaserausbau in Deutschland geht zu langsam voran – viel zu langsam, so die Meinung zahlreicher Expertinnen und Experten. Deutschland ist im internationalen Vergleich abgeschlagen. Länder wie Südkorea, Frankreich, Japan, Spanien, Dänemark, die Schweiz und Österreich sind einige Schritte voraus. Es sind konkrete Maßnahmen erforderlich, um diesen Vorsprung aufzuholen die breitflächige Nutzung neuer Technologien uneingeschränkt zu ermöglichen.

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Thomas Sentko
Zuständiges Gremium

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Herausforderungen und Lösungen für den Glasfaserausbau in Deutschland
  • Normenreihe VDE 0800: „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband“
  • Qualifizierte Fachkräfte bedeuten mehr Qualität im Glasfasernetz

Deutschland braucht eine zuverlässige Glasfaserinfrastruktur

Der Glasfaserausbau in Deutschland setzt seit einigen Jahren auf Glasfaserkabel, die in unterirdisch gelegten Mikrorohren eingebracht werden. Diese ersetzen die in den letzten 100 Jahren gelegten Kupferkabel. Wesentlicher Grund: Die maximal erreichbaren Bandbreiten für die Datenübertragung reichen schon heute nicht mehr aus, um bestimmte Anwendungsfälle abzudecken. Das ist aus zwei Gründen problematisch:

  • Die Entwicklung neuer Anwendungen wird blockiert.
  • Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird technologisch benachteiligt.

Die Anbindung von 5G- und 6G-Funknetzen sowie die Leittechnik an Autobahnen und Bahninfrastrukturen erfolgt ebenfalls über Glasfasernetzinfrastrukturen. Hierzu laufen derzeit Pilotprojekte, deren Massen-Rollout die Anbieter von Glasfaserinfrastrukturen und deren Dienstleister in das nächste Jahrzehnt auslasten werden.

Von einem zentralen Ort einer Gemeinde aus werden Rohranlagen unterirdisch in die Ortsteile zu den Kabelverzweigern gelegt. Von dort verlaufen einzelne Rohre zu jedem einzelnen Haushalt und werden in der Regel im Keller an einem Abschlusspunkt im Haus angeschlossen. Dann wird ein Glasfaserkabel mit mindestens vier Glasfasern mit Druckluft in diese Rohranlage eingeblasen und mit einem Lichtsignal beschaltet. Im Haus kann die bisherige Verkabelung oder auch die WLAN-Infrastruktur weiter verwendet werden, um Mobiltelefone, Tablets, Computer und SMART-Home-Systemen mit schnellem Internet zu versorgen.

Schematischer Aufbau des Glasfasernetzes in Deutschland

Schematischer Aufbau des Glasfasernetzes in Deutschland

| DKE

Herausforderungen und Lösungen für den Glasfaserausbau

Der Ausbau einer digitalen Infrastruktur in Deutschland kämpft mit zahlreichen Herausforderungen. Vorhandene Normen und Standards können viele dieser Herausforderungen lösen, indem sie

  • Qualitätsanforderungen an Produkte und Verfahren beschreiben,
  • die notwendigen Details für eine Dokumentation der Infrastruktur festlegen und
  • einen Lösungsansatz für die Instandsetzung beschädigter Glasfaserinfrastrukturen bieten.

Das Problem: Diese Normen und Standards sind häufig unbekannt. Auch der Fachkräftemangel macht sich beim Glasfaserausbau bemerkbar: Unternehmen finden nur selten qualifizierte Fachkräfte, die Kenntnisse darüber haben, wie die Glasfaserinfrastrukturen ordnungsgemäß und schadenfrei verlegt werden. Die DKE geht diese Herausforderungen an. Expertinnen und Experten aus der Praxis kommen in Normungsgremien zusammen, um an mittel- und langfristigen Lösungen zur Beschleunigung des Glasfaserausbaus zu arbeiten:

  • Arbeitskreis 412.0.2 „Qualität der Verlegung von Kabelschutzrohren, Mikrorohrverbände und LWL-Kabel“
  • Arbeitskreis 412.6.7 „Materialanforderungen für LWL-Produkte der Netzebene 4“
  • Arbeitskreis 412.6.8 „Dokumentation von LWL-Linientechnik“
  • Arbeitskreis 412.6.9 „LWL-Trasseninstandsetzung“
  • Informationstechnische Gesellschaft (Fachbereich 5)
  • Initiative Gremienverbund Breitband in VDE, rbv und ZVEH

Normenreihe VDE 0800: „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband“

Der Glasfaserausbau erfolgt seit Jahren aber immer noch nutzen Planer, Hersteller und Betreiber zu wenig das mittlerweile durchgängige System aus Normen und Standards. Es gibt viele Produktstandards für Glasfaserkabel, Steckverbinder, Verteiler, Muffen und Röhrchen bis hin zu Teilnehmeranschlussdosen. Die Normenreihe VDE 0800 fasst diese zusammen.

Anwendbar für den Ausbau der Netzebene 3 vom zentralen Point-of-Presence (POP) bis zum Hausanschlusspunkt ist VDE 0800-720. Alle Produktstandards werden mit einer funktionalen und qualitativen Beschreibung dargestellt. 

  • VDE 0800-720 „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband - Teil 720: Leitlinie zu Materialanforderungen für FTTx-Breitband-Netze“ 

In Arbeit sind noch die beiden Normen, die zum einen die Druckprüfung von gelegten Rohrtrassen für die Glasfaserinfrastrukturen der Netzebene 3 beschreiben, sowie die Legung von Mikrorohrverbänden, bei der zurzeit noch die häufigsten Schäden im Ausbau vorkommen. Die Arbeiten daran erfolgen im Normungsgremium DKE/AK 412.0.2.

  • DIN VDE V 0800-740 „Druckprüfung von gelegten Mikrorohren“
  • DIN VDE V 0800-735 „Legen und Prüfen von Mikrorohrverbänden“

Zur Prüfung der Ein- und Ausblasfähigkeit von Glasfaserkabeln in Mikrorohre existieren zwei Normen, die gegenwärtig in das internationale Normenwerk der IEC überführt werden:

  • VDE-AR-E 2888-100-24 „Prüfverfahren für die Bewertung des Ein- und Ausblasverhaltens von LWL-Kabeln und Mikrorohren in FTTx-Netzen“
  • DIN VDE V 0888-100-38 „Lichtwellenleiterkabel Teil 100-38: Fachgrundspezifikation – Grundlegende Prüfverfahren für Lichtwellenleiterkabel – Mechanische Prüfverfahren – Prüfverfahren für die Bewertung des Ein- und Ausblasverhaltens von LWL-Kabeln und Mikrorohren in Inhouse-Netzen“

Der Hausanschluss wird in folgenden Normen beschrieben:

  • VDE-AR-N 4223 „Bauwerksdurchdringungen und deren Abdichtung für erdverlegte Leitungen“
  • VDE 0800-710 „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband Teil 710: Anforderungen an den Hausübergabepunkt“

Im Normungsgremium DKE/AK 412.6.8 entsteht aktuell die erste Norm zur systematischen Dokumentation von Glasfasertrassen der Netzebene 3. Analog zur existenten Anwendungsregel VDE-AR-N 4201 „Netzdokumentation“ des VDE FFN und dem wortgleichen Arbeitsblatt des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW-Arbeitsblatt GW 120) entsteht folgende Norm:

  • VDE 0800-710 „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband Teil 750: Netzdokumentation von LWL-Linien in der Netzebene 3“

Ein wichtiges Arbeitsgebiet des Normungsgremiums DKE/AK 412.6.7 ist die Erarbeitung von Materialanforderungen für LWL-Produkte der Netzebene 4 (Inhouse-Netze). Die Glasfaserverkabelung in Wohn- und Geschäftsgebäuden inklusive der Installationsproblematiken und dem Brandschutz sind ein wesentlicher Aspekt der Norm:

  • VDE 0800-730 „Leitlinien und Qualifizierungsmuster Breitband - Teil 730: Leitlinie zu Materialanforderungen für FTTH-Glasfaser-Netze“.

Das Normungsgremium DKE/AK 412.6.9 beschäftigt sich mit dem Problem der Beschädigung von Glasfasertrassen. Nahezu täglich kommt es im Straßenbau, dem Hochbau, bei Bahntrassen oder dem Legen von Strom- und Gastrassen zur Beschädigung von Glasfaserinfrastrukturen. Neben der schnellen Wiederherstellung der Diensteverfügbarkeit geht es häufig im Nachgang vor Gericht darum, wer für den entstandenen Schaden aufkommt und welche Instandsetzung technisch wirklich sinnvoll ist. Alle bisherigen Standards ließen Raum für juristische Interpretation – hier setzt folgende Norm an:

  • DIN 40409 „Reparatur von Schäden an LWL-Trassen“

Basierend auf den verschiedensten Szenarien wird jeweils die Möglichkeit der Fehlerdiagnose, der vorläufigen und der endgültigen Reparatur beschrieben.


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Fachkräftemangel im Glasfaserausbau erfolgreich begegnen

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften sowie Verzögerungen oder Stopp bei Planung und Bau der Netze durch mangelnde Kenntnis, Kapazität und Ausstattung der Genehmigungsbehörden behindert den Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland.

Bisher werden einfache Einweisungen für Personal für einen Großteil der handwerklichen Arbeiten beim Breitbandausbau als ausreichend erachtet. Ein weiteres Problem – insbesondere bei kleineren Betrieben – betrifft die Schwierigkeiten bei der Finanzierung von geeigneten Weiterbildungsmaßnahmen sowie die hierfür notwendige Freistellung des Fachpersonals. 

Anfang 2025 erfolgte hierbei der Durchbruch: Der branchenweite Leitfaden „Infrastruktur­fachkräfte für Glasfasertechnik“ enthält umfassende Informationen zur Qualifikation von Arbeitskräften, die für den Ausbau von Glasfasernetzen erforderlich sind. Der Leitfaden, herausgegeben vom Gigabitbüro des Bundes, richtet sich an Personen, die eine Karriere in diesem Bereich anstreben sowie Unternehmen, die Mitarbeitende einstellen oder vermitteln möchten.

Jedes Profil beschreibt die spezifischen Zugangsvoraussetzungen, Lernziele und die Dauer der Weiterbildung. Somit bietet der Leitfaden einen umfassenden Fahrplan für die Qualifizierung und die Karrierewege in diesem Bereich und hebt das Wachstums- und Innovationspotenzial der Branche hervor.

Inhalte aus dem Leitfaden „Infrastruktur­fachkräfte für Glasfasertechnik“:

  • Einstiegsqualifikationen für eine Karriere in der Glasfasertechnik
  • Basisqualifikation für weitere Fort- und Weiterbildungen in der Glasfasertechnik
  • Vertiefungsqualifikationen: Leitungstiefbau, Montage Netzebene 3, Installation Netzebene 4 und 5, Planung, Betrieb und Instandhaltung, Bauüberwachung

Qualifizierte Fachkräfte bedeuten mehr Qualität im Glasfasernetz

VDE ITG, der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und der Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv) haben die Initiative „Gremienverbund Breitband“ gegründet, um die Entwicklung eines einheitlichen Weiterbildungskonzeptes für Fachkräfte im Glasfaserausbau zu orchestrieren.

Analog zum erwähnten Leitfaden existieren für jede Infrastrukturfachkraft Eingangsqualifikationen, Lernziele und Ausgangqualifikationen. Auf Basis von VDE Leitlinien der Normenreihe VDE 0800 bieten regionale Qualifizierungsinstitutionen entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen für Quereinsteiger, Menschen mit Berufsausbildung oder Studienabschluss an, um in der Glasfaserbranche durchzustarten.

Die Erarbeitung von Qualifikationsleitlinien entsprechender Kompetenzprofile für Fachkräfte im Glasfaserausbau findet in der „Initiative Gremienverbund Breitbandausbau“ der ITG im VDE statt. Die Initiative wird getragen von VDE, DKE, rbv und ZVEH.


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