Teilnehmende des STS Pitch 2026 bei der DKE

Teilnehmende des STS Pitch 2026 bei der DKE

| Jonas Kron / VDE
21.10.2026 Veranstaltungsrückblick

Wissenschaft trifft Normung: Fünf STS-Studierende präsentieren ihre Forschung beim STS Pitch 2026

Fünf Studierende, fünf innovative Forschungsansätze und eine zentrale Frage: Wie gelangen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis der Normung? Beim STS Pitch 2026 präsentierten die Teilnehmenden des Science-to-Standards-Programms (STS) der DKE ihre Abschlussarbeiten vor Fachpublikum und Jury. Die Veranstaltung bot nicht nur spannende Einblicke in aktuelle Forschungsarbeiten aus Elektro- und Energietechnik, sondern zeigte auch, welchen Beitrag junge Talente zur Weiterentwicklung der elektrotechnischen Normung leisten können.

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Anuschka Wojciechowski
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DKE Geschäftsführer Michael Teigeler begrüßt die Anwesenden

DKE Geschäftsführer Michael Teigeler begrüßt die Anwesenden

| Jonas Kron / VDE

Der diesjährige STS Pitch fand am 9. Oktober 2026 bei der DKE in Offenbach statt. Insgesamt fünf STS-Studierende stellten ihre Abschlussarbeiten zu aktuellen Fragestellungen aus Elektrotechnik, Energietechnik und Normung vor. Eröffnet wurde die Veranstaltung von DKE Geschäftsführer Michael Teigeler, während Stefan Heusinger durch das Programm und die anschließende Preisverleihung führte. Alle Vorträge überzeugten durch ihr hohes fachliches Niveau und regten einen intensiven Austausch zwischen Studierenden, Hochschulvertretern und DKE Expertinnen und Experten an. Besonders die zahlreichen Rückfragen und Diskussionen machten deutlich, wie wertvoll der direkte Dialog zwischen Wissenschaft und Normung für beide Seiten ist.

Networking in der Pause des STS Pitch 2026

Networking in der Pause des STS Pitch 2026

| Jonas Kron / VDE

Neben den Fachvorträgen bot der STS Pitch 2026 zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch. Einen Einblick in die Angebote der Initiative Next Generation DKE gab Anuschka Wojciechowski und zeigte auf, welche Möglichkeiten sich jungen Fachkräften für eine aktive Mitwirkung in der Normung eröffnen. Auch die enge Verbindung zwischen Hochschulen und Normung wurde sichtbar, durch Dozenten, die Teilnehmende begleiteten. Beim gemeinsamen Mittagessen und in den Pausen nutzten Studierende, Hochschulvertreterinnen und -vertreter sowie DKE Mitarbeitende die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse für die weitere Zusammenarbeit zu gewinnen.

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Auszeichnung der besten Präsentation. Die Jury bewertete neben der wissenschaftlichen Qualität der Arbeiten insbesondere die Verständlichkeit, den Praxisbezug und die Darstellung der Ergebnisse. Nach intensiven Beratungen stand die Gewinnerin des STS Pitch 2026 fest.

Die Siegerin des STS Pitch 2026

Gewinnerin des STS Pitch 2026 Sabrina Deck mit Dr. Stefan Heusinger

Gewinnerin des STS Pitch 2026 Sabrina Deck mit Dr. Stefan Heusinger

| Jonas Kron / VDE

Mit ihrer Masterarbeit „Untersuchung der Möglichkeiten zur Beeinflussung der Ionenpaarerzeugungsrate“ überzeugte Sabrina Deck von der Technischen Universität (TU) Darmstadt die Jury des STS Pitch 2026. Die Arbeit befasst sich mit einer Fragestellung von hoher Relevanz für die Hochspannungstechnik: der gezielten Untersuchung und Beeinflussung der Ionenpaarerzeugungsrate, die einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten von Gasentladungen und die Reproduzierbarkeit von Stoßspannungsprüfungen haben kann.

Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. sc. Myriam Koch am Fachgebiet Hochspannungstechnische Betriebsmittel und Anlagen der TU Darmstadt. Als Gewinnerin des STS Pitch 2026 erhielt sie einen Sonderpreis im Wert von 500 Euro. Wir gratulieren Sabrina Deck herzlich zu diesem Erfolg und wünschen ihr für ihren weiteren beruflichen und wissenschaftlichen Weg alles Gute.

Die eingereichten Abschlussarbeiten der Studierenden

Jubilee Josekutty, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Simulation of Microgrid Reliability with Intermittent Renewable Energy Generation

Exposé: The increasing integration of intermittent renewable energy sources such as photovoltaic and wind power creates new challenges for ensuring reliable electricity supply. This thesis investigates the reliability of an isolated microgrid combining photovoltaic generation, wind turbines and battery energy storage using Monte Carlo Simulation and Markov modelling. The study evaluates the effects of seasonal renewable variability, intelligent load prioritization, different generation and storage capacities, and component failures using the reliability indices Loss of Load Expectation (LOLE), Loss of Load Probability (LOLP) and Expected Energy Not Supplied (EENS). The results show that the hybrid PV–wind–battery configuration provides the best overall reliability, while intelligent load prioritization can further improve the reliability of critical loads such as hospitals. The failure and repair analysis demonstrates high overall system availability and highlights the importance of considering component reliability and repair times when designing resilient renewable-based microgrids.

Betreut durch Prof. Dr.-Ing. Thomas Leibfried, IEH, und Prof. Dr. Sanja Lazarova-Molnar, AIFB.

Sabrina Deck, Technische Universität (TU) Darmstadt

Untersuchung der Möglichkeiten zur Beeinflussung der Ionenpaarerzeugungsrate 

Exposé: Die statistisch variierende Startelektronenbereitstellung beeinflusst maßgeblich das Auftreten von Gasentladungen und kann insbesondere bei Stoßspannungsprüfungen zu Schwankungen der Prüfergebnisse führen. Da die Startelektronenbereitstellung unter anderem durch die Ionenpaarerzeugungsrate beeinflusst wird, ist deren experimentelle Untersuchung von besonderem Interesse. Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer zylindrischen Ionisationskammer zur Bestimmung der natürlichen Ionenpaarerzeugungsrate sowie die Untersuchung von Möglichkeiten zu ihrer gezielten Beeinflussung. Hierzu wurde eine zylindrische Ionisationskammer ausgelegt und ein Messaufbau für Ionisationsströme im fA-Bereich realisiert, wobei aufgrund der hohen Störempfindlichkeit die Ionenpaarerzeugungsrate nicht experimentell bestimmt werden konnte. Durch die Identifikation und gezielte Reduktion von Störquellen konnte die Störgröße von 0,2 μA auf 562 fA reduziert und ein Konzept zur gezielten Beeinflussung der Ionenpaarerzeugungsrate mittels UV-Strahlung entwickelt werden, das eine Grundlage für weiterführende experimentelle Untersuchungen bildet.

Betreut durch Prof. Dr. sc. Myriam Koch, Fachgebiet Hochspannungstechnische Betriebsmittel und Anlagen, Technische Universität Darmstadt

Andi Simaku, Technische Universität (TU) Darmstadt

Entwicklung einer vereinfachten Berechnungsmethode des DC-Dauerkurzschlussstroms eines HGÜ-Netzes 

Exposé: Der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsanlagen infolge der Energiewende stellt neue Anforderungen an die Übertragung großer elektrischer Leistungen über weite Entfernungen, wobei Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) einen geeigneten Lösungsansatz für zukünftige Stromübertragungsnetze darstellt. Neben einzelnen HGÜ-Verbindungen werden künftig auch vermaschte HGÜ-Netze unter Beteiligung mehrerer Hersteller erwartet (Multi-Vendor-Systeme), für deren sichere thermische Auslegung insbesondere die im Kurzschlussfall auftretenden hohen DC-Kurzschlussströme zuverlässig bestimmt werden müssen. Die Berechnung der DC-Kurzschlussströme ist bei Multi-Vendor-Systemen aufgrund der fehlenden herstellerübergreifenden Stromrichtermodelle nur eingeschränkt möglich. Daher werden vereinfachte Berechnungsmethoden benötigt, mit denen bereits in frühen Planungsphasen die wesentlichen Kenngrößen des DC-Kurzschlussstroms abgeschätzt werden können, analog zur Kurzschlussstromberechnung in AC-Netzen. Im Rahmen dieser Arbeit wird ein vereinfachtes Berechnungsverfahren zur Abschätzung des DC-Dauerkurzschlussstroms entwickelt und anhand detaillierter Simulationen für verschiedene HGÜ-Netzkonfigurationen validiert, wobei die Ergebnisse eine gute und konservative Abschätzung zeigen.

Betreut durch Dipl.-Ing. Jakob Leide, Technische Hochschule Darmstadt

Florian Freidinger, Technische Universität (TU) Darmstadt

Einfluss der DC-Voltage-Droop-Regelung auf die Momentanreserve von Grid-Forming-Umrichtern in Multiterminal-DC-Netzen

Exposé: Im Zuge der Energiewende sinkt durch die Abschaltung von Großkraftwerken und den damit verbundenen Synchrongeneratoren die Trägheit des elektrischen Energieversorgungssystems, wodurch die Frequenzstabilität zunehmend gefährdet ist. Gleichzeitig werden zur Verteilung der Energie aus erneuerbaren Energiequellen verstärkt leistungselektronische Umrichter in das Netz integriert und perspektivisch DC-seitig in Multi-Terminal-DC-Netzen (MTDC) zusammengeschaltet. Während die Umrichter über eine DC-Spannungs-Droop-Regelung zur Spannungshaltung im MTDC-Netz beitragen, können sie mittels Grid-Forming-Regelung (GFM) zusätzlich virtuelle Trägheit und somit Momentanreserve zur Stabilisierung der AC-Frequenz bereitstellen. In dieser Arbeit wird untersucht, wie die DC-Spannungs-Droop-Regelung die durch die GFM-Regelung bereitgestellte Momentanreserve beeinflusst. Dabei konnte ein quadratischer Zusammenhang zwischen der Parametrierung des DC-Droop-Reglers und der tatsächlich bereitgestellten Momentanreserve festgestellt werden, der in der aktuellen Normung bislang nicht berücksichtigt wird und dadurch zu Fehleinschätzungen des Trägheitsverhaltens zukünftiger elektrischer Energieversorgungssysteme führen kann.

Betreut durch Herrn Siyuan Li, M.S., Technische Hochschule Darmstadt

Niklas Sturm, Technische Universität (TU) Darmstadt

Zusammenspiel von Frequenz und DC-Spannungsregelung netzbildender HGÜ-Umrichter in eingebetteten MTDC-Netzen unter Einbindung von Offshore-Windparks

Exposé: Der zunehmende Anteil leistungselektronisch gekoppelter Erzeugungsanlagen reduziert die mechanische Trägheit des Energiesystems und stellt neue Anforderungen an die Frequenz- und Spannungsstabilität zukünftiger AC/MTDC-Netze. Diese Arbeit untersucht, wie netzbildende Regelungsverfahren von VSC-HGÜ-Stationen, die auf der Virtuellen Synchronmaschine (VSM) basieren, und frequenzabhängige Wirkleistungsbereitstellung von Offshore-Windparks zur Kompensation dieses Verlusts beitragen können. Die Ergebnisse zeigen, dass die DC-Kapazitäten eines HGÜ-Systems innerhalb weniger Millisekunden signifikante Energie zur virtuellen Trägheit bereitstellen und damit die RoCoF wirksam dämpfen können. Während die VSM mit autonomer Frequenzregelung die DC-Spannungsstabilität verbessert, bietet die VSM Vorteile bei Leitungsausfällen, sodass eine Kombination beider Ansätze besonders geeignet erscheint. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Regelungsparameter systemspezifisch auszulegen sind und liefern wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Ausgestaltung technischer Anschlussregeln und Normen für spannungseinprägende HGÜ-Systeme.

Betreut durch Prof. Dr.-Ing. Jutta Hanson, bzw. ihrem Mitarbeiter Aaron Hebing, Technische Hochschule Darmstadt

Die Beiträge der Studierenden waren allesamt herausragend und eine Bereicherung der für die elektrotechnische Normung! Unser Dank gilt allen Teilnehmenden, ihren Professor*innen und Betreuer*innen der Universitäten und Hochschulen, sowie den betreuenden Expert*innen und Kolleg*innen der DKE!


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