Nahaufnahme der Hand eines Geschäftsmannes, der seinem Kollegen im Büro einen goldenen Staffelstab übergibt.
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02.03.2026 Fachinformation

Stabübergabe bei IECRE

Jonathan Colby übernimmt den Vorsitz von IECRE, dem IEC System for Certification to Standards Relating to Equipment for Use in Renewable Energy Applications. Er ersetzt Alistair Mackinnon, der den Posten in den vergangenen sechs Jahren innehatte.

In diesem Interview sprechen die beiden über die Vergangenheit und die Zukunft von IECRE.

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Raymond Puppan
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Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Einblicke in die Erfolge und Herausforderungen der letzten IECRE‑Amtszeit
  • Pläne für Wachstum, neue Leistungen und eine stärkere globale Teilnahme
  • Ausblick auf hybride Technologien und künftige Entwicklungen im IECRE‑System

Interview mit Jonathan Colby und Alistair Mackinnon

Jonathan Colby & Alistair Mackinnon

Jonathan Colby & Alistair Mackinnon

| Alistair Mackinnon

e-Tech: Alistair, was hat Ihnen an Ihrer Arbeit als Vorsitzender von IECRE am besten gefallen?

Mackinnon: Die Besten der Branche zu treffen – ob im Bereich Meeres-, Wind- oder Solarenergie. Mit diesen Expert*innen aus den verschiedensten Regionen der Welt zu arbeiten, war eine ungemein positive und inspirierende Erfahrung.

China ist beispielsweise eine große Wachstumsregion für uns, genauso der afrikanische Kontinent mit seinem Schwerpunkt auf Elektrifizierung.

Mit Menschen von verschiedenen Kontinenten zusammenzuarbeiten, war unglaublich bereichernd.

PV-Zertifizierung und COVID-Umstellung als große Herausforderungen

e-Tech: Gab es auch Herausforderungen in der Zeit?

Mackinnon: Die größte Herausforderung war wahrscheinlich, ein Konformitätsbewertungssystem für PV-Solarkraftwerke und -anlagen einzuführen. Damit hatten wir echt zu kämpfen, besonders da IECEE, das IEC System of Conformity Assessment Schemes for Electrotechnical Equipment and Components, bereits ein erfolgreiches Zertifizierungssystem für PV-Solarmodule bzw. -elemente von Solaranlagen hatte.

Aber der Konformitätsbewertungsausschuss (CAB) der IEC hat vor kurzem das Konzept für die Einstufung von PV-Anlagen als eine potentielle neue Leistung anerkannt. Jetzt ist es an Jonathan, die Sache voranzubringen. Eine weitere große Herausforderung war die Arbeit während COVID – es veranlasste uns dazu, entsprechende Werkzeuge für Online-Meetings zu nutzen, wodurch wir als Organisation tatsächlich flexibler geworden sind, was am Ende eigentlich eine gute Sache ist.

Konsolidierung und Stabilität für IECRE geschaffen

e-Tech: Auf was sind Sie besonders stolz?

Mackinnon: Mein Vorgänger, Sandy Butterfield, der IECRE ins Leben gerufen hat, war ein kreativer Mensch mit Tatkraft und Weitblick. Ich würde ihn mit einem Schmetterling vergleichen, der von einem Projekt zum nächsten Projekt fliegt und jedes davon bestäubt.

Ich bin eine ganz andere Persönlichkeit, die lange und stabile Verpflichtungen schätzt, und ich glaube, dass ich zur Konsolidierung von IECRE als tragfähiges System beigetragen habe und Jonathan hoffentlich eine relativ stabile Plattform für seine Arbeit übergeben kann.


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Finanzielle Stabilität und sektorübergreifendes Wachstum als wesentliche Prioritäten

e-Tech: Das ist ein perfekter Übergang zu meiner ersten Frage für Jonathan. Wenn Sie 2026 den Vorsitz übernehmen, was werden Ihre Prioritäten für IECRE sein?

Colby: Zunächst einmal möchte ich die hervorragende Arbeit von Alistair in Bezug auf die Realisierung eines ausgeglichenen Haushalts hervorheben. Wir sind jetzt in einer guten finanziellen Situation – was bei seiner Amtsübernahme vor sechs Jahren nicht der Fall war. Ich würde sagen, dass mein erstes Ziel darin besteht, diesen Weg weiterzugehen und die finanzielle Stabilität aufrechtzuerhalten. Dann würde ich gerne sicherstellen, dass das IECRE-System weltweit möglichst breite Anwendung findet. Mein Ziel ist, dass es das führende System für die Zertifizierung erneuerbarer Energieanlagen ist. Wir müssen sicherstellen, dass Windzertifikate weiterhin ausgestellt werden und dass wir den Löwenanteil dieses Zertifizierungsmarkts bekommen. Wir müssen den Meeressektor weiter ausbauen, der in IECRE große Fortschritte erzielt hat, aber das Ziel ist jetzt, auch wirklich Zertifikate auszustellen. Den Rahmen dafür haben wir geschaffen. Ich glaube wirklich, dass der Meeressektor erfolgreich sein wird, sobald er von konsensbasierten internationalen Normen und externer Verifizierung der Einhaltung dieser Normen in IECRE gestützt wird. Mit Blick auf den Solarsektor wollen wir neue Leistungen entwickeln bzw. die bestehenden weiter ausbauen, um sicherzustellen, dass sie marktgerecht sind und dass der Solarsektor ein tragfähiger Teil des IECRE-Systems bleibt.

Neue Leistungen: Grid‑Compliance und aufstrebende Technologien

e-Tech: Sind neue Leistungen geplant?

Colby: Wir planen tatsächlich, neue Leistungen anzubieten, da wir neue Anforderungen im Markt erkannt haben, die von einer Konformitätsbewertung profitieren würden. Eine mögliche Leistung, die wir im Auge haben, sind Zertifikate zur Erfüllung der Netzanschlussbedingungen, sog. Grid Code Compliance. Wir haben bereits ein operatives Dokument (OD) in diesem Bereich erstellt, aber es ist noch mehr Arbeit erforderlich. Microgrids, Batteriespeicher und Wasserstoff sind alles Bereiche, die uns interessieren. Außerdem würden wir es gern sehen, wenn neue Sektoren Teil des Systems werden, wie beispielsweise Solarthermie.

Integration von Wind, Wellen und Solar

e-Tech: Erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Meer beginnen zu verschmelzen. Ist das etwas, das Sie verfolgen?

Colby: Ja, wir haben diese hybriden Systeme definitiv im Auge. Ein gutes Beispiel ist schwimmende Solarenergie, ein Hybrid aus PV-Energie und im Meer schwimmender Technologie. Dieser Bereich ist gerade sehr im Kommen. Dazu könnte auch die Integration von Meeresenergieumwandlern in schwimmende Solarmodule gehören. Wir befassen uns auch mit interessanten Offshore-Projekten, die auf der Integration von Wind-, Wellen- und Wasserstoffenergie beruhen, um ein Beispiel zu nennen. Hybrid ist ein Schwerpunkt, den wir in unserem Strategiepapier aufgeführt haben.


Foto einer Landschaft, die erneuerbare Energiequellen wie Sonnenkollektoren, Windturbinen und Wasserkraftwerke
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IECRE: Konformitätsbewertung für erneuerbare Energien

Große Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder Wasserkraftsysteme bedeuten Investitionen, die nicht nebenbei getätigt werden. Hohe Lebensdauer und stabile Leistung spielen eine ebenso große Rolle wie die Sicherheit der Systeme. IECRE ermöglicht es, Produkte, Anlagen und Projekte zu zertifizieren und Risiken zu minimieren. Dabei rückt zunehmend der gesamte Lebenszyklus in den Blick – und die Bereitstellung realistischer Simulationen, vor allem in der Windenergie.

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Fokus setzen und Expertise nutzen

e-Tech: Alistair, haben Sie einen Ratschlag für Jonathan in Bezug auf seine neue Funktion als Vorsitzender von IECRE?

Mackinnon: Versuche nicht, alles auf einmal zu machen. Gestalte die Position als Vorsitzender nach deinen Vorstellungen. Und verlasse Dich auf die Expertise von Wolfram Zeitz, dem IECRE Executive Secretary. Er ist ein toller Diskussionspartner und verfügt über umfangreiches Wissen, nicht nur in Bezug auf IECRE, sondern in Bezug auf Konformitätsbewertung insgesamt. Er ist ebenso der Executive Secretary von IECEE, was ein Plus ist.

Colby: Kann ich hinzufügen, dass wir eine wunderbare Mentor-Mentee-Beziehung haben und dass ich unglaublich gerne mit Alistair zusammenarbeite; es waren tolle Monate der Vorbereitung auf diese Übergabe und ich fühle mich wirklich geehrt, den Staffelstab von ihm zu übernehmen. Er hinterlässt große Fußabdrücke!

Digitale Tools und OSD als Zukunft des Systems

e-Tech: Jonathan, Sie waren immer daran interessiert, neue Technologien auszuprobieren, besonders als Sie das Technische Komitee TC 114 geleitet haben, das Normen für Meeresenergie-Umwandlungsanlagen erstellt. Was sind Ihre Pläne für IECRE?

Colby: Das stimmt. TC 114 war eines der ersten Technischen Komitees der IEC, das OSD-Normen entwickelt hat, und unser gesamtes Arbeitsprogramm erfolgt beispielsweise im Rahmen von OSD. Ich versuche, wann immer möglich, digitale Technologien zu nutzen. Es gibt eine ganze Reihe digitaler Werkzeuge, darunter die Möglichkeit zur Fernüberwachung, die wir in der Praxis nutzen können. Außerdem bin ich sehr an der Maximierung der Leistung des Systems interessiert. Wir fänden es gut, wenn OSD für die Zertifizierung verwendet wird; wir fänden es großartig, wenn wir nicht länger Word für unsere operativen Dokumente (ODs) nutzen würden!

Ausbau der globalen Teilnahme und Laboreinbindung

e-Tech: Was können Sie uns zum Thema Mitglieder sagen?

Colby: Ich möchte auf jeden Fall mehr Mitglieder gewinnen. Es fehlen ein paar Mitgliedsorganisationen bzw. -länder. Wenn man die Technischen Komitees betrachtet, die in IECRE involviert sind, TC 82, TC 88 und TC 114, dann gibt es stimmberechtigte Mitgliedsländer (P-Members), die sich nicht an IECRE beteiligen, und wir wollen sie dazu ermutigen, teilzunehmen. Dadurch werden mehr Länder Teil von IECRE. Wir möchten alle Länder umfassender einbinden – selbst, wenn sie nicht in den Technischen Komitees sind. Wir möchten mehr Testlabore, mehr Zertifizierungs- und Prüfstellen und mehr Expert*innen einbinden.


Containerfrachtschiff im Ozean
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Konformitätsbewertung: Freier Warenfluss weltweit

Der Begriff „Konformitätsbewertung“ (engl. „Conformity Assessment“) ist weitläufig bekannt, in vielen Fällen jedoch nicht greifbar. Im Wesentlichen sorgt Konformitätsbewertung für einen freien Warenfluss innerhalb eines oder auch zwischen verschiedenen Märkten der Welt. Zur Bewertung von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen gelten sowohl nationale Gesetze als auch internationale Richtlinien und Verordnungen. Unser Fachbeitrag zur Konformitätsbewertung fasst die wichtigsten Aspekte zusammen und gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen.

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Kreislaufwirtschaft: Lifecycle‑Ansätze werden wichtiger

e-Tech: Wie wichtig sind Aspekte der Kreislaufwirtschaft, also die Wiederverwendung und Wiederverwertung von Teilen, für IECRE?

Colby: Ich war Mitglied von ACEA, dem IEC Advisory Committee on Environmental Aspects, ein horizontales Gremium, das sich mit Kreislaufwirtschaft in der IEC beschäftigt, deshalb bin ich mir dieser Aspekte sehr bewusst. TC 114 befasst sich mit Lifecycle Assessment, also der Bewertung der Umweltauswirkungen eines Produkts, Prozesses oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus, aber hat diesbezüglich noch keine Normen verfasst. Letztendlich sind Lifecycle Assessment, Wiederverwendbarkeit und Wiederverwertbarkeit alles Bereiche, die für IECRE von Interesse sind.

Alistair: Wir machen das bis zu einem gewissen Grad bereits in IECRE innerhalb des Windsektors. Wir haben zwei Systeme, festgelegt in OD 501 und OD 502, bei einem geht es um Komponenten- und Typenzertifizierung und beim anderen um Projektzertifizierung. Bald wird es noch OD 503 und OD 504 geben, bei einem geht es um das Asset Management von großen Projekten und bei dem anderen um Through-Life Management, also die Steuerung eines Produkts, Systems oder einer Anlage über die gesamte Lebensdauer, und Recycling. TC 88 hat entsprechende Normen dazu verfasst, IEC 61400-28-1 und IEC 61400-28-2.

Abschalten: Familie, Tauchen und Fliegen als Ausgleich

e-Tech: Sie haben beide faszinierende, aber auch mit viel Druck verbundene Positionen bei IEC. Wie schalten Sie ab?

Colby: Ich habe zwei kleine Kinder und ein weiteres ist auf dem Weg. Ich bekomme vielleicht nicht viel Schlaf, aber sie helfen mir dabei, abzuschalten und zu erkennen, was wichtig ist und was nicht. Daneben bleibt mir momentan nicht viel Zeit für anderes, aber ich möchte es nicht anders haben.

Mackinnon: Ich habe einen 94-jährigen Vater, der immer noch gerne ein Gläschen Whisky trinkt! Er hält mich auf Trab! Ansonsten habe ich zwei Hobbys, eines hat mit dem Meer zu tun und das andere mit der Luft: Tauchen – ich bin Tauchlehrer – und Kleinflugzeuge fliegen und Menschen Schottland von oben zeigen. Ich spiele auch in Bands – jede Art von Musik, aber schlecht! Ich bin ein frustrierter Rockstar!

Redaktioneller Hinweis:

Der englischsprachige Originalartikel von Catherine Bischofberger erschien erstmals auf etech.iec.ch in der Ausgabe 06/2025 unter:
https://etech.iec.ch/issue/2025-06/passing-the-torch-in-iecre

Die Antworten entsprechen den persönlichen Ansichten und Meinungen der Interviewpartner und müssen nicht mit denen der DKE übereinstimmen.


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