Fabrikarbeiter beobachtet Roboterarme über einen Computerbildschirm
miss irine / stock.adobe.com
17.11.2025 Fachinformation

Ein neues Zertifizierungsprogramm für die Kompetenz von Personal

Bei Sicherheit am Arbeitsplatz geht es nicht nur um sichere Geräte und Infrastruktur, sondern auch um Menschen. Mit der neuen Zertifizierung für die Kompetenz von Personal, der sogenannten Certification of Personnel Competence (CoPC), soll Arbeitskräften das Vertrauen und die Sicherheit gegeben werden, dass sie über die erforderlichen Kenntnisse und die Fähigkeiten verfügen, um ihre Aufgaben in einem bestimmten Bereich effektiv und sicher auszuführen.

Kontakt
Raymond Puppan

Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Industry 5.0 stelt den Menschen in den Fokus
  • IECEE CoPC orientiert sich an IECEx CoPC
  • Eines der Ziele: kollaborative Sicherheit

Während es bei Industry 4.0 darum ging, sich neue Technologien zu eigen zu machen, um Herstellungsprozesse im Betrieb zu digitalisieren, bewegen wir uns nach Meinung einiger Fachleute nun in Richtung einer fünften industriellen Revolution, in der es um uns geht. Also zumindest größtenteils. Industry 5.0 steht für die Nutzung von Verfahren, die stärker auf den Menschen ausgerichtet und nachhaltiger sind. Die Technologien und der digitale Wandel aus Industry 4.0 werden dazu genutzt, Unternehmenspraktiken zu verbessern und eine nachhaltigere Welt zu fördern.

Dazu gehört, die Fähigkeiten und die Kreativität von Menschen ebenso zu wertschätzen wie die von Maschinen und ein Umfeld zu schaffen, in dem beide zusammenarbeiten können. Mit Blick auf die Arbeit mit elektromechanischen Betriebsmitteln bedeutet das sicherzustellen, dass Arbeitskräfte über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um ihre Arbeit sicher und effektiv auszuführen.

Den Arbeitskräften die richtigen Fertigkeiten vermitteln

Eine wichtige Priorität angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr knapp drei Millionen Arbeitnehmende an den Folgen von Arbeitsunfällen oder durch arbeitsbedingte Krankheiten sterben, eine Zahl, die deutlich höher ist als die Anzahl von Todesfällen aufgrund von Verkehrsunfällen oder Krieg, ganz zu schweigen von den 374 Millionen Arbeitskräften, die Arbeitsunfälle erleiden, die nicht tödlich enden. Im Zuge der Entwicklung von Smart Manufacturing und der zunehmenden Nutzung von Technologien wie Internet der Dinge (IoT) und künstliche Intelligenz (KI) sind Produkte und Geräte in der Industrie komplexer und vernetzter geworden. Um Sicherheit zu gewährleisten, braucht es daher auf den Menschen ausgerichtete Lösungen, die der Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen Rechnung tragen.

Die kürzlich eingeführte Zertifizierung von IECEE, die Certification of Personnel Competence (CoPC), ist ein Schritt in diese Richtung. IECEE steht für IEC System for Conformity Assessment Schemes for Electrotechnical Equipment and Components. Die Konformitätsbewertungen von IECEE adressieren die Sicherheit, Qualität, Effizienz und allgemeine Leistung von Komponenten, Geräten und Anlagen, die zuhause, im Büro, in Werkstätten, Gesundheitseinrichtungen etc. zum Einsatz kommen. IECEE deckt insgesamt 23 Kategorien an elektrischen und elektronischen Geräten und Prüfungen ab. 

Das neue Programm beurteilt und zertifiziert Arbeitskräfte, um einen Beleg dafür zu erbringen, dass diese über die entsprechenden Kompetenzen im Hinblick auf wichtige Belange der Handhabung und Sicherheit in bestimmten Funktionsbereichen verfügen. Auf diese Weise liefert es Nachweise für branchenübergreifende Kompetenzen, die für die Arbeit in verschiedenen Bereichen und in mehreren Ländern erforderlich sind.

Der erste Bereich, der im Rahmen des Programms bewertet wird, ist die Maschinensicherheit. Es werden entsprechende Kompetenzen über den gesamten Lebenszyklus der Produktion, einschließlich Management Awareness, Bauweise von Anlagen, Auswahl von Geräten, Installation, Überprüfung, Wartung und Instandsetzung zertifiziert.


Moderne Küchengeräte
New Africa / stock.adobe.com

IECEE: Konformitätsbewertung für elektronische und elektrische Produkte

Hersteller haben es mit einer stetig steigenden Menge an Regularien, Vorschriften und Gesetzen zu tun. Wer global Handel betreibt, stößt immer wieder auf Herausforderungen beim Marktzugang.

IECEE bietet die Möglichkeit, elektronische und elektrische Produkte daraufhin zu überprüfen, ob sie die Anforderungen aus über 3.000 Normen einhalten. Das gilt auch bei aktuellen Themen wie Cybersecurity, Internet der Dinge (IoT) & Co.

Mehr erfahren

Orientierung an IECEx

Das Programm basiert auf ISO/IEC 17024 Konformitätsbewertung – Allgemeine Anforderungen an Stellen, die Personen zertifizieren. Es orientiert sich an denselben Prinzipien wie das seit langem bestehende CoPC-Programm im Rahmen von IECEx, dem IEC System for Certification to Standards Relating to Equipment for Use in Explosive Atmospheres. Es liefert eine unabhängige Bestätigung, dass eine Person über die Fähigkeiten, das Wissen, die Qualifikation und Erfahrung verfügt, um in explosionsgefährdeten Bereichen in Übereinstimmung mit entsprechenden internationalen Normen sicher zu arbeiten.

Die Kompetenz der Personen, die sich der Prüfung unterziehen, wird von der nationalen Zertifizierungsstelle (National Certification Body, NCB) bewertet, die ein Peer Assessment für das CoPC-Programm absolviert hat. Claudia Sirch ist Chief Engineer, Global Engineering bei Intertek, einem führenden Anbieter von Qualitätssicherungsprogrammen, und Mitglied des IECEE Peer Assessment Committee (PAC), das die Peer-Assessment-Programme überwacht und für die entsprechenden internen IECEE-Dokumente, die sog. Operational Documents (OD), verantwortlich ist.

Sie führt aus, dass das Programm aus der Notwendigkeit heraus entstanden ist, dass Hersteller sicher sein müssen, dass ihre Mitarbeiter über die richtigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz während des gesamten Lebenszyklus der Maschinen zu gewährleisten. Dafür braucht es bei jedem Schritt entsprechend qualifiziertes Personal, das nachweislich über das notwendige Wissen verfügt. „Das CoPC-Programm gibt allen Beteiligten Sicherheit, wodurch Produktionsanlagen sicherer werden und Mitarbeitende sehen können, was erforderlich ist und sich gegebenenfalls weiterbilden können“, fügt sie hinzu.

Dazu gehört auch, verschiedenste Normen zu kennen, wie unter anderem solche zu Sicherheit, wie die Normenreihe IEC 60204 zu Maschinensicherheit und die Normenreihe IEC 60947 zu Niederspannungsschaltgeräten. Die Arbeitnehmenden selbst profitieren ebenfalls von der Zertifizierung, da sie dadurch einen international anerkannten Beleg über ihre Fähigkeiten und Erfahrung haben.


DKE Newsletter-Seitenbild
sdx15 / stock.adobe.com

Mit unserem DKE Newsletter sind Sie immer top informiert! Monatlich ...

  • fassen wir die wichtigsten Entwicklungen in der Normung kurz zusammen
  • berichten wir über aktuelle Arbeitsergebnisse, Publikationen und Entwürfe
  • informieren wir Sie bereits frühzeitig über zukünftige Veranstaltungen
Ich möchte den DKE Newsletter erhalten!

Von national zu international

Es gibt bereits eine Reihe nationaler Programme zur Beurteilung von Kompetenz, an denen sich die IECEE-Zertifizierung CoPC orientiert, beispielsweise das Safety Assessor Certification System zu Maschinensicherheit der japanischen Organisation NECA oder die TÜV-Zertifizierung in Deutschland. Wohl wissend, dass es nicht nur nationale, sondern internationale Lösungen braucht, haben Fachleute beider Organisationen zur IECEE-Zertifizierung beigetragen.

Sirch erklärt, dass es in Japan Belege für einen deutlichen Rückgang der Zahl an Unfällen in Produktionsstätten in den Jahren nach Einführung des Safety Assessor Certification System gibt, während gleichzeitig die Produktivität gestiegen ist. „Der Erfolg dieser nationalen Programme ist ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit eines international anerkannten Äquivalents“, sagt sie.

Wolfram Zeitz, Executive Secretary von IECEE, sagt, dass viele Organisationen über Schulungsprogramme verfügen, um sicherzustellen, dass ihr Personal über die Fähigkeiten und das Wissen verfügt, um die eigene und die Sicherheit von anderen zu gewährleisten. Doch ihre Kunden erwarten, dass das Personal von einer unabhängigen Stelle bewertet wird. „Es geht darum, Schulungen und Kenntnisse auf die tatsächlichen Bedürfnisse einer Organisation abzustimmen und sie gleichzeitig dabei zu unterstützen, die gesetzlichen Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu erfüllen. Die Interaktionen zwischen Mensch und Maschine haben sich verändert und wir brauchen eine zukunftssichere Methode, um zu gewährleisten, dass Sicherheit weiterhin höchste Priorität hat, unabhängig von technologischen Entwicklungen“, fügt er hinzu.

Vorreiter bei Vertrauensbildung

Ikuo Maeda, Convenor der Arbeitsgruppe von IECEE, die das Programm entwickelt hat, sagt, dass es die sich wandelnden Sicherheitsanforderungen am Arbeitsplatz adressiere, während es Mitarbeitenden gleichzeitig eine Karrieremöglichkeit eröffne. „Mitarbeitende können ihr Wissen und ihre Fähigkeiten im Laufe des Programms erweitern und so noch mehr Kompetenz erlangen“, erklärt er. „Es wird außerdem das Vertrauen sowohl von Arbeitgebern als auch von Arbeitnehmenden stärken, da es auf neue technologische Entwicklungen reagiert und dazu beiträgt, zukünftige Normen und Konformitätsbewertungsverfahren zu verbessern.“

Das Programm ist aktuell auf Maschinensicherheit begrenzt, aber es wird bereits an der Dokumentation gearbeitet, um es im Einklang mit IEC 61508 auf funktionale Sicherheit und im Einklang mit der Normenreihe IEC 62443 auf Cybersecurity auszuweiten. Das CoPC-Programm trägt außerdem zu dem Ziel einer „kollaborativen Sicherheit“ bei, wie im White Paper Safety in the Future der IEC dargelegt, und wird bei der Umsetzung zukünftiger Technologien eine wertvolle Hilfe sein.


Relevante News und Hinweise zu Normen