Erneuerbare Energien, ein Windpark an der Kueste
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08.09.2025 Fachinformation

Konsensbildung in der Zertifizierung

Zu den Endnutzern des IEC-Konformitätsbewertungssystems für die Zertifizierung von Anlagen und Geräten für erneuerbare Energien gehören bspw. Versorgungsunternehmen und sogar große Energie- und Ölkonzerne. Ihre Rückmeldungen sind für die Verbesserung der Dienstleistungen und den Aufbau eines globalen Konsenses im System unerlässlich.

IECRE bietet Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen an, die die Windindustrie während ihrer rasanten Entwicklung begleitet haben. Dies ist der Einbeziehung der Akteure zu verdanken, die das System nutzen und deren Feedback entscheidend ist.

e-tech sprach mit Carolin Wachholz, die die Arbeitsgruppe WG 501 Rules of Procedure innerhalb von IECRE leitet, ein Forum, in dem Erstausrüster (OEMs), Zertifizierungsstellen und Endnutzer ihre Ansichten äußern und Verbesserungen und Ideen für neue Programme einbringen.

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Raymond Puppan
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Das erwartet Sie in diesem Artikel:

  • Wie wird IECRE in der Praxis genutzt?
  • Welche Anliegen haben die Nutzer?
  • Wie fließt Nutzer-Feedback ein?

Interview mit Carolin Wachholz

e-Tech: Welchen Background haben Sie und was sind Ihre Aufgaben in IECRE?

Wachholz: Ich bin Ingenieurin und arbeite in Hamburg. Ich bin Mitglied des deutschen IEC-Nationalkomitees und seit 2010 in der Offshore-Windindustrie tätig. Ich habe zuerst für einen OEM gearbeitet, bevor ich 2017 auf die Nutzerseite zu Vattenfall wechselte. 2023 fing ich bei bp in Deutschland an. Hier unterstütze ich die Entwicklung der für eine Zertifizierung benötigten Kompetenzen.

Bei IECRE engagiere ich mich seit 2019. Zu dem Zeitpunkt arbeitete ich als Projektmanagerin für Zertifizierungen und betreute drei verschiedene Offshore-Windparks in dänischen Gewässern, die nach IECRE-Anforderungen zertifiziert werden sollten. Ich musste mir ein Bild davon machen, wie die Projektzertifizierung funktioniert und wie sie sicherstellt, dass technische Risiken durch eine Verifizierung anhand von Normen gemindert werden. Ich wollte direkt involviert sein und einen aktiven Beitrag dazu leisten, dass eine Zertifizierung nach Normen funktioniert. Ich wollte Informationen aus erster Hand erhalten und mich nicht nur auf Sekundärquellen verlassen. Das hat schließlich dazu geführt, dass ich eine Arbeitsgruppe innerhalb von IECRE leite, die sich mit Regeln und Verfahren auseinandersetzt.

e-Tech: Wie nutzt bp, Ihr Arbeitgeber, IECRE?

Wachholz: Ich arbeite in der Abteilung Offshore-Wind bei bp und wie bei allen Unternehmen in diesem Bereich basiert unsere Arbeit auf Normen. Wir wollen das Rad nicht neu erfinden und Normen helfen uns dabei. Normen sind der Ausgangspunkt für alle Unternehmen im Windenergiesektor, sie repräsentieren Best Practices der Branche. bp wendet diese an und unterstützt sie. IECRE hilft uns dann dabei, zu belegen, dass wir die Normen korrekt genutzt und angewandt haben.


Foto einer Landschaft, die erneuerbare Energiequellen wie Sonnenkollektoren, Windturbinen und Wasserkraftwerke
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IECRE: Konformitätsbewertung für erneuerbare Energien

Große Photovoltaik- und Windkraftanlagen oder Wasserkraftsysteme bedeuten Investitionen, die nicht nebenbei getätigt werden. Hohe Lebensdauer und stabile Leistung spielen eine ebenso große Rolle wie die Sicherheit der Systeme. IECRE ermöglicht es, Produkte, Anlagen und Projekte zu zertifizieren und Risiken zu minimieren. Dabei rückt zunehmend der gesamte Lebenszyklus in den Blick – und die Bereitstellung realistischer Simulationen, vor allem in der Windenergie.

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e-Tech: Wie wichtig ist das Feedback der Nutzer für IECRE?

Wachholz: Die Arbeitsgruppe, die ich bei IECRE leite, ermöglicht uns, einen konstruktiven Dialog zu führen. Wir sind ein Forum, in dem diskutiert und Best Practices ausgetauscht werden. Dieser Dialog ist wichtig, um einen Konsens zu finden, was mitunter anfangs schwierig sein kann, da unterschiedliche Stakeholder unterschiedliche Interessen haben. Die Arbeitsgruppe ermöglicht uns, die Motive und Anliegen der unterschiedlichen Stakeholder zu verstehen. Mir ist wichtig, dass niemand benachteiligt wird, egal von welcher Organisation jemand kommt, jede und jeder findet Gehör und hat das Recht, ihre bzw. seine Ansichten zu äußern, davon profitieren am Ende alle.

e-Tech: Was sind die wichtigsten Anliegen der Nutzer?

Wachholz: Ein Anliegen ist, dass die Risiken bewertet werden müssen. OEMs beispielsweise müssen sich sicher sein können, dass die Sicherheits- bzw. Fehlerrisiken nicht steigen, wenn sie ein neues Produkt einführen. Zusammen mit Normen hilft IECRE dabei, diese Risiken zu senken. Transparenz ist ein weiteres großes Anliegen. Unternehmen müssen verstehen, wie ein Produkt im Detail funktioniert und es ist wichtig, dass alle Informationen so transparent wie möglich sind. IECRE arbeitet daran, alles noch transparenter zu machen, insbesondere durch die kostenlose Verfügbarkeit von Eignungsprüfungen.

e-Tech: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie das Feedback von Nutzern IECRE beeinflusst hat?

Wachholz: Meine Gruppe arbeitet an einem neuen Programm, das sich mit dem Betrieb von Windturbinen auseinandersetzt. Es gibt Zertifizierungen für Windturbinen und größere Projekte, aber wir müssen uns darüber hinaus auch um die operative Seite kümmern. Es gibt eine Nachfrage von den Betreibern selbst, die für den Betrieb von Windturbinen zertifiziert werden möchten, um ein echtes Zertifikat für ihre Arbeit zu haben. Eine Möglichkeit wäre etwa die Einführung jährlicher Aktualisierungen in Bezug auf die Energieerzeugung von Turbinen, die bereits in Betrieb sind und für deren Typenzertifikat die Gültigkeitsdauer abgelaufen ist. Dieses neue Programm ist aktuell in Entwicklung. Es ist eine Gewährleistung für den sicheren Betrieb der Windparks auf lange Sicht und kann Behörden vorgelegt werden. Durch die Berücksichtigung ihres gesamten Lebenszyklus kann die Instandhaltung von Windparks verifiziert werden.

e-Tech: Gibt es noch weitere Neuerungen?

Wachholz: Ich bin Systemingenieurin und ich glaube, es wäre nützlich, einen breiteren Ansatz zu wählen und sich anzusehen, wie Windparks als Teil eines komplexen Systems arbeiten. Das würde bedeuten, neue Stakeholder von der Übertragungs- und Verteilerseite an Bord zu holen, zum Beispiel Übertragungsnetzbetreiber. Sie können eine Menge Erfahrung einbringen und unsere Programme noch weiter verbessern. Ich würde auch gerne Nutzer aus dem Versicherungsbereich und Investoren einbeziehen, und wir brauchen zudem die Teilnahme von mehr Mitgliedern von Regulierungsbehörden. Wir haben jemanden von der dänischen Regulierungsbehörde, aber wir brauchen mehr, die aktiv teilnehmen und das Programm nutzen. Eine Zusammenarbeit würde die Effizienz für alle beteiligten Parteien erhöhen.


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e-Tech: Was mögen Sie an Ihrer Arbeit?

Wachholz: Da gibt es viele Dinge, aber an erster Stelle steht vielleicht, dass die Windindustrie das Potential hat, zur Dekarbonisierung des Energiesystems beizutragen, die weltweiten Emissionen zu senken und unseren Planeten zu einem besseren Ort zu machen. Als ich in dem Sektor anfing, sagte ein Kollege zu mir: „Du wirst sehen, in fünfzehn Jahren wirst du immer noch in diesem Sektor arbeiten, weil die Arbeit in diesem Bereich so wertvoll und interessant ist.“ Und er hatte absolut recht! Es ist so toll, zu sehen, wie weit sich der Sektor entwickelt hat und wie viel er über die Jahre verändert hat. So viel Innovation in so kurzer Zeit! Deshalb brauchen wir Konformitätsbewertungen, weil sich der Sektor so schnell entwickelt. Wir brauchen ein Konzept, um die Risiken zu minimieren und die Sicherheit der Energieversorgung zu erhöhen. Normen und Konformitätsbewertungen der IEC haben sich im Laufe der Jahre mit der Branche weiterentwickelt und konnten mit den raschen Veränderungen wirklich Schritt halten.

e-Tech: Was würden Sie zu anderen Frauen sagen, um sie dazu zu bewegen, sich in dem Bereich und bei IECRE zu engagieren?

Wachholz: Ich würde sagen: „Zögert nicht, euch zu beteiligen!“ Wir brauchen unterschiedliche Perspektiven und wir müssen unsere aktuelle Konversation manchmal unterbrechen, um uns neue Bereiche und Themen anzusehen. Die Beteiligung von Frauen ist in dieser und in jeder anderen Hinsicht von unschätzbarem Wert.

Als Leiterin einer Arbeitsgruppe innerhalb von IECRE fühle ich mich in jeder Hinsicht respektiert und man schätzt meine Fähigkeiten und was ich einbringe. Es hat auch geholfen, dass bp es mir ermöglicht hat, diese Rolle zu übernehmen, ich habe die volle Unterstützung von meinem Arbeitgeber. Ich denke, dass mehr Unternehmen Frauen, die Verantwortung bei der Normung übernehmen möchten, aktiv unterstützen müssen.

Über Carolin Wachholz

Carolin Wachholz hat einen Abschluss als Bauingenieurin mit den Schwerpunkten Hydraulik, Bauleitung und Geotechnik.

Sie begann ihre berufliche Laufbahn in der Windenergieabteilung von Siemens. Zu ihren Aufgaben gehörte die Entwicklung und Integration von Projektzertifizierungsprozessen in das Qualitätsmanagementsystem von Siemens sowie die Steuerung von Projektzertifizierungsbereichen, die Koordinierung mit Zertifizierungsstellen und die Erarbeitung von Lösungen zur Erfüllung der Kundenerwartungen. Anschließend wechselte sie zu Vattenfall Europe Windkraft, um den Zertifizierungsprozess der Offshore-Windparks von Vesterhav North & South und Danish Kriegers Flak zu entwickeln und umzusetzen. Unter ihrer Führung entstand und wuchs das Zertifizierungsteam von Vattenfall Europe Windkraft und sie sorgte dafür, dass die Verankerungszertifizierung als Ingenieurdisziplin eingeführt wurde. Sie entwickelte zudem Lebenszyklus- und Portfolio-Zertifizierungsstrategien und beeinflusste die Denkweise von Teammitgliedern und Stakeholdern hinsichtlich dieser Themen. Vor etwa einem Jahr wechselte sie zu bp, wo sie Zertifizierungskompetenzen, -werkzeuge und -prozesse innerhalb von Offshore-Wind über relevante Offshore-Märkte und -Parks hinweg entwickelt.


Redaktioneller Hinweis:

Der englischsprachige Originalartikel von Catherine Bischofberger erschien erstmals auf etech.iec.ch in der Ausgabe 06/2024 unter:
https://etech.iec.ch/issue/2024-06/building-consensus-in-certification

Die Antworten entsprechen den persönlichen Ansichten und Meinungen der Interviewpartnerin und müssen nicht denen der DKE entsprechen.


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