Die DMH Goldmedaillen-Gewinner 2023

Die Goldmedaillen-Gewinner 2023 (v. l. n. r.) mit dem DMH-Schirmherrn, Christopher Mennekes (l.), und ZVEH-Präsident Stefan Ehinger (r.): Daniel Heintz, Eike Meisel, Johannes Gollwitzer, Pascal Büschel, Maik Wagner, Patrick Bail und Kevin Schmider.

| ZVEH / Jessica Franke
04.09.2025 Kurzinformation

E-Handwerk, Kampfgeist und Normungsfragen: Ein Coburger auf dem Weg zur EuroSkills 2025

Pascal Büschel wurde die Leidenschaft für das Handwerk in die Wiege gelegt: Zuhause in Coburg (Bayern) führt die Familie in sechster Generation einen Zimmereibetrieb. Büschel selbst bog schon in seiner Schulzeit in Richtung Elektrotechnik ab. Inzwischen hat der 22-Jährige seine Ausbildung abgeschlossen, ein Unternehmen gegründet und ein Ticket für die EuroSkills 2025 – die europäischen Meisterschaften im Handwerk –  in der Tasche.

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Michael See

Wie es dazu kam, was er für die Zukunft plant und warum seiner Meinung nach Normen in der Ausbildung stärker eingebunden werden sollten – Einblicke in eine spannende, junge Karriere. Außerdem drei Fragen an Andreas Habermehl (ZVEH) zu EuroSkills, Normung & Co.

In diesem Artikel erfahren Sie …

  • Wie ein junges Handwerkstalent sich seinen Weg zum deutschen Meister im E-Handwerk und zu den europäischen Meisterschaften bahnt
  • Wie Normen im Alltag eines Elektrikers wirken und warum sie wichtig sind 
  • Welche Rolle Normung im E-Handwerk und bei digitalen Zukunftslösungen in diesem Bereich spielt

Der Sog des Elektrohandwerks

Wer Pascal Büschel reden hört, spürt jede Menge Energie und Entschlossenheit. Auch scheint sich sein beruflicher Werdegang ziemlich plangemäß zu entwickeln. „Ich war schon als Kind viel auf Baustellen unterwegs, und das Elektrohandwerk hat mich von Anfang an fasziniert“, erinnert er sich. „Mit zwölf oder dreizehn Jahren wusste ich, dass ich die Ausbildung im E-Handwerk machen möchte.“ Pascal Büschel ist der erste in der Familie, der sich für ein anderes Gewerk entschied. Der familieneigene Zimmereibetrieb ging derweil von seinem Opa an seinen Onkel über, auch ein Cousin ist inzwischen dabei.


E-Learning, Unterricht und Online-Webinar. Person, die an einem Online-Unterricht auf einem digitalen Bildschirm teilnimmt
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Vom Innungsbesten zum Deutschen Meister im E-Handwerk

Seine Ausbildung im E-Handwerk machte Büschel beim ortsansässigen Fachbetrieb Kirchner Elektrotechnik GmbH. Womit er trotz Engagement und Fleiß nicht gerechnet hatte, war der Abschluss als Innungsbester der Handwerkskammer Oberfranken im Ausbildungsberuf Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik. Danach ging es Schlag auf Schlag: Es folgte der Sieg in der Bayerischen Landesmeisterschaft, und auch bei der Deutschen Meisterschaft in den E-Handwerken 2023 (DMH, Anm. d. Red.), bei dem alle Landessieger und Landessiegerinnen aus sieben elektrohandwerklichen Berufen antreten, holte sich Büschel den ersten Platz. „Als ich mit der Ausbildung angefangen habe, hatte ich das so nicht vorhergesehen“, schmunzelt der deutsche Meister im E-Handwerk. „Aber natürlich freue ich mich über diesen Erfolg.“
 

Vorbereitung auf die EuroSkills 2025

Mit dem Sieg bei der DMH 2023 qualifizierte sich Büschel automatisch für die EuroSkills 2025. Die europäische Meisterschaft der Handwerksberufe findet alle zwei Jahre statt und wird vom ZVEH (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke ) als Austragungsinstanz der deutschen Vorqualifikation unterstützt. „Als klar war, dass ich teilnehmen werde, war ich platt“, erzählt Büschel. „2025 klang zu dem Zeitpunkt noch ganz weit weg, aber im Nachhinein betrachtet verging die Zeit wie im Flug.“

Technisch und mental fit werden

Die Vorbereitungen auf den großen Wettbewerb begannen im Frühjahr 2025. Auf zwei KNX-Lehrgänge (standardisiertes Bussystem für die Gebäudeautomation, Anm. d. Red.) beim BFE in Oldenburg (Bundestechnologiezentrum für Elektro- und Informationstechnik e.V., Anm. d. Red.) folgte ein Praxistraining der Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Manche Kollegen müssen für die Veranstaltungen ihren Urlaub investieren, ich war freigestellt und bin dafür sehr dankbar.“ Besonders gefiel dem Coburger auf dem Schweizer Trainingscampus die gute Zusammenarbeit mit allen Kandidatinnen und Kandidaten. „Wir haben uns gegenseitig unterstützt und Tipps gegeben, das war wirklich toll.“ 

Neben der praktischen Vorbereitung gab es regelmäßig mentale Trainings, um das nötige Nervengerüst für den großen europäischen Wettbewerb aufzubauen. Zudem baute sich Büschel zuhause eine Trainingswand auf, um regelmäßig zu üben. Bleibt da noch viel Zeit für anderes? „In diesem Jahr investiere ich eine Woche pro Monat, das ist schon intensiv – aber es lohnt sich.“ Die EuroSkills findet statt am 08. bis 13. September 2025 im dänischen Herning, wo sich Teilnehmende aus insgesamt 38 Gewerken – sogenannten Skills – miteinander messen werden. 

Wofür das alles?

Würde Büschel empfehlen, diesen Weg zu gehen und so viel Zeit zu opfern? „Auf jeden Fall. Ich lerne sehr viel über mich selbst, wie ich in Drucksituationen reagiere und wie ich ruhig bleiben kann. Das ist auch für den Alltag wertvoll.“ Außerdem schätzt Büschel die vielen interessanten Menschen sehr, die er im Laufe der Zeit kennenlernen konnte und mit denen er in einem kontinuierlichen Austausch steht.
 

Auf dem Weg zur eigenen Firma, und was Normung damit zu tun hat

Noch vor der Teilnahme an der ersten Meisterschaft hatte Büschel bereits die Weichen für die eigene Selbstständigkeit gestellt. 2019 meldete er sein Nebengewerbe gemeinsam mit einem Kollegen an, um einen ersten kleinen Kundenstamm aufzubauen. „Bei meinem Arbeitgeber konnte ich parallel dazu sehr viel Erfahrung bei unterschiedlichen Kunden sammeln, das ist als Basis sehr wichtig.“ 

Immer wieder hatte Büschel in seinem Tun Berührungspunkte zur Normung, speziell während der Planung großer Anlagen für die Industrie, wo die Einhaltung relevanter Normen besonders wichtig ist. Allerdings hätte der Jungunternehmer auch an diesem Punkt Hunger auf mehr. „Normen sind die Theorie dahinter, aber in der Ausführung habe ich wenig damit zu tun – der Schaltschrank kommt fertig, dann geht es nur noch ums Kabelziehen.“ 

Einfacheren Zugang schon in der Ausbildung schaffen

Büschel wünscht sich mehr Einblicke in die Normungswelt schon in der Ausbildung. Zwar gibt es bereits vergünstigte Angebote des VDE Verlags für Berufs- und Meisterschülerinnen und -schüler, doch er hat darüber hinausgehende Ideen: „Der Sinn dahinter müsste tiefergehend erklärt werden. Außerdem würde ein einfacherer Zugang helfen, zum Beispiel über ein kostenfreies Azubikonto, das Zugriff bietet auf die VDE 0100.“ Wenn zumindest Interessierte sich damit auseinandersetzen könnten, was genau in der Norm steht, entstünden aus seiner Sicht insgesamt mehr Akzeptanz und mehr Konsequenz in der Umsetzung.

Die Anwendung des Stands der Technik bringt Rechtssicherheit für den Betrieb

Aus seiner Sicht ist es für den einzelnen Elektriker, aber auch für einen gesamten Betrieb sehr wichtig, dass die gesamte Belegschaft fit ist in der Normung und normenkonform arbeitet. Auch für seinen eigenen Betrieb, mit dem er zum 1. September voll durchstarten wird: „Selbst wenn manches Detail in einer Norm vielleicht an der Realität vorbei formuliert ist, haben wir als Betrieb Rechtssicherheit, wenn wir uns am Stand der Technik orientieren und diesen anwenden.“ 


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Drei Fragen an Andreas Habermehl, Geschäftsführer Technik und Berufsbildung ZVEH

Welche Bedeutung hat die EuroSkills für Sie?

Habermehl: Die EuroSkills ist eine fantastische Veranstaltung, die im Wechsel mit der WorldSkills alle zwei Jahre stattfindet. Ich bin immer wieder fasziniert von der Atmosphäre, wenn alle möglichen Berufe zeigen, was sie können. Metzger, Bäcker, Stuckateure, Elektrotechniker, alle stehen in einem fairen Wettkampf miteinander und wollen erfolgreich sein. An dieser Stelle auch ein Dank an die DKE, die uns dieses Jahr dabei finanziell und organisatorisch unterstützt. 2027 übrigens kommt die EuroSkills nach Deutschland, da freuen wir uns drauf.

Wie wichtig ist die Normung für das E-Handwerk?

Habermehl: Normen spiegeln den technischen Stand wider. Sie sind aber keine Gesetze, die Anwendung ist also freiwillig. Allerdings muss ich als Betrieb, wenn ich mich nicht daran halte, selbst den Nachweis erbringen, dass meine Lösung dem Stand der Technik entspricht. Insofern ist es für uns als E-Handwerk – auch mit Blick auf die Rechtssicherheit – sehr wichtig, mit der VDE 0100er-Reihe arbeiten zu können. Zumal unsere Themen nicht einfacher, sondern komplexer werden.

Was sind aus Ihrer Sicht künftig die wichtigsten Themen?

Habermehl: Es ist wichtig, dass wir Normungslücken schließen, beispielsweise in der DC-Technik, um auch hier Orientierung für die Praxis zu schaffen. Außerdem bleibt es für mich zentral, dass wir als Handwerk uns engagieren, mit ehrenamtlichen Experten, die ihr Praxiswissen in die Normungsgremien einbringen. Einige hadern damit, dass dort viele Beteiligte einen Konsens aushandeln, der nicht immer dem entspricht, was wir als Handwerk vorschlagen. Wer aber aus diesem Grund gar nicht mitredet, der kann am Ende das Ergebnis nur zur Kenntnis nehmen.

Ein anderer Punkt ist, dass oft die Zeit fehlt für mehr Engagement. Das ist aber aus meiner Sicht nicht zu Ende gedacht. Wenig praktikable Normen im Alltag umzusetzen, kostet sehr viel mehr Zeit – oder ich wende sie gar nicht an und muss mit einer rechtlichen Unsicherheit leben. 

Was uns in Zukunft die Arbeit erleichtern wird, ist die Digitalisierung. Wenn mir zum Beispiel eine App am Einsatzort die wesentlichen Inhalte einer Norm erklärt, hilft mir das in der Anwendung. Auch der digitale Produktpass oder Programme wie ConstructX (Forschungs- und Entwicklungsprojekt von Handwerk, Bauindustrie, Softwarebranche, Forschungs-/Entwicklungsinstituten und Verbänden, Anm. d. Red.) werden dazu führen, dass Informationen einfacher und schneller zugänglich sind.

Pläne für die Zukunft? – Na klar

Dass Pascal Büschel die Möglichkeit hat, per Eingabe oder Gremienarbeit auf die Normung Einfluss zu nehmen, weiß er. Wie immer, würde er so ein Vorhaben aber nur anpacken, wenn er einen kompetenten Beitrag leisten oder einen Lösungsvorschlag beisteuern kann. „Ich kann mir gut vorstellen, später in der Normung aktiv zu werden – aber eins nach dem anderen. Jetzt kommt erst einmal die EuroSkills,“ schmunzelt er. 

Für 2027 plant Büschel bereits seine Ausbildung zum Meister. In fünf Jahren sieht er sich mit Meisterbrief in der Tasche und einem guten Kundenstamm in einem Team mit seinem Partner und mindestens zwei Mitarbeitenden. Seine Philosophie? „Ich werde nie alles wissen, und ich werde nie ausgelernt haben. Genau das ist es, was unsere Arbeit so interessant macht. Und den Austausch mit anderen, die ebenso für ihr Tun brennen wie ich.“

Redaktioneller Hinweis:
Die Antworten entsprechen den persönlichen Ansichten und Meinungen der Interviewpartner und müssen nicht denen der DKE entsprechen.

Wir bedanken uns für diese spannenden Einblicke bei

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Pascal Büschel

Der Elektroniker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik startete Anfang September mit einer eigenen Firma in die Selbstständigkeit. Als Bester seines Jahrgangs und als Gewinner der Deutschen Meisterschaft im Handwerk 2023 qualifizierte er sich in seinem Feld für die europäischen Meisterschaften 2025.

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Der Elektroniker im Bereich Energie- und Gebäudetechnik startete Anfang September mit einer eigenen Firma in die Selbstständigkeit. Als Bester seines Jahrgangs und als Gewinner der Deutschen Meisterschaft im Handwerk 2023 qualifizierte er sich in seinem Feld für die europäischen Meisterschaften 2025.

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Andreas Habermehl

Seit 2017 ist er Geschäftsführer Technik und Berufsbildung beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Hier engagiert er sich unter anderem für die Vertretungen des Handwerks in den Gremien der DKE.

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Seit 2017 ist er Geschäftsführer Technik und Berufsbildung beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Hier engagiert er sich unter anderem für die Vertretungen des Handwerks in den Gremien der DKE.


Junger lächelnder Elektriker mit Bündel Drähten über der Schulter
Africa Studio / stock.adobe.com

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