- Sichere Wasserstofftechnik durch IECEx‑Verfahren
- Nachhaltige Technologien im Fokus von IECEx
- Mehr Vielfalt und Förderung in der Normungswelt
Die Entwicklung von IECEx
Interview mit Katy Holdrege
e-Tech: Was sind die größten Herausforderungen für Normen zu Wasserstofferzeugung und -speicherung, und was tut IECEx, um diese zu bewältigen?
Holdrege: IECEx stellt im Rahmen des Certified Equipment Scheme seit mehr als 20 Jahren Konformitätszertifikate für Produkte aus, die für den Einsatz in potenziell explosionsgefährdeten Bereichen vorgesehen sind, darunter auch Wasserstoff. Wir verfügen über eine durchdachte und transparente Infrastruktur für die Bewertung von Prüflaboren und Zertifizierungsstellen, die den Anforderungen der Wasserstoffindustrie Rechnung trägt.
Grundsätzlich ist IECEx gut aufgestellt, um auf neue Anforderungen zu reagieren. Zu den größten Herausforderungen in der Wasserstoffindustrie gehören unklare, fehlende und unterschiedliche regulatorische Anforderungen. IECEx hat vor vielen Jahren erfolgreich mit der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) zusammengearbeitet, um einen einheitlichen Regulierungsrahmen für Produkte, die in explosionsgefährdeten Umgebungen zum Einsatz kommen, zu entwickeln.
Im Mai 2025 veröffentlichte das IECEx Sekretariat eine Stellungnahme zu einem neuen UNECE-Entwurf zu einem gemeinsamen regulatorischen Rahmen (CRA) für Produkte zum Transport und zur Handhabung von Wasserstoff und Wasserstoffgemischen und verwies auf den langjährigen CRA-Umgang mit explosionsgefährdeten Bereichen. Die CRAs können von nationalen Regulierungsbehörden genutzt werden, um der Industrie zu helfen, Konformitätsbewertungsverfahren und Normen grenzüberschreitend anzugleichen.
e-Tech: Können Sie etwas zu kommenden IECEx-Initiativen sagen, die die Sicherheit von Projekten im Bereich kohlenstoffarmer Wasserstoff erhöhen sollen?
Holdrege: Eine unserer Arbeitsgruppen des Management Committee, die für die Anwendung von IECEx in der Wasserstoffwirtschaft verantwortlich ist, arbeitet an dem Thema. Zur Arbeit dieser Gruppe gehört die Aktualisierung eines Dokuments, das einheitliche Verfahren für die IECEx-Zertifizierung von Produkten, Komponenten und Systemen in Verbindung mit der Erzeugung, Betankung und Verwendung von gasförmigem Wasserstoff festlegt. Diese Aktualisierung unterstützt die jüngste Veröffentlichung von ISO 19880-2, die sich mit Zapfsäulen und Betankungsanlagen für gasförmigen Wasserstoff in Tankstellen befasst. Die Gruppe wird außerdem sämtliche Maßnahmen prüfen, die erforderlich sind aufgrund der Normungsarbeit von ISO/TC 197/SC 1: Hydrogen at scale and horizontal energy systems, und IEC/TC 105: Fuel cell technologies.
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e-Tech: Wenn die Konformitätsbewertung weggelassen würde, was wären die Risiken für den Sektor?
Holdrege: Wenn keine externe Konformitätsbewertung innerhalb des Sektors genutzt wird, gibt es viele mögliche Risiken. Hersteller und Importeure haben unter Umständen nicht die notwendige Expertise oder die Ressourcen, um die potenziellen Gefahren einer Entzündung in Verbindung mit ihren Produkten zu verstehen, was zu tödlichen Explosionen und hohen materiellen Verlusten führen kann.
e-Tech: Industrien setzen zunehmend auf nachhaltigere Ansätze. Wie beeinflusst das die strategische Vision von IECEx?
Holdrege: IECEx hat durch die Arbeit im Wasserstoffsektor gezeigt, dass es in der Lage ist, seine Strategie und Ressourcen mit den Bedürfnissen des Markts in Einklang zu bringen. Wir sind im Conformity Assessment Board (CAB) der IEC vertreten und werden weiter mit anderen Konformitätsbewertungssystemen zusammenarbeiten und von diesen lernen, besonders im Hinblick auf die Identifizierung neuer nachhaltiger Bereiche oder Technologien, die heute und in Zukunft eine weltweite Konformitätsbewertung benötigen können. Wir beteiligen uns auch an der Festlegung der globalen CAB-Richtlinien und Strategie.
e-Tech: Nachhaltigkeit war das Thema des kommenden IEC General Meetings im September. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Arbeit von IECEx in den nächsten zehn Jahren entwickeln, um den Anforderungen einer umweltfreundlicheren Wirtschaft gerecht zu werden?
Holdrege: IECEx muss die Bedürfnisse der Hersteller, die nach wie vor Produkte im Bereich der fossilen Brennstoffwirtschaft herstellen, in Einklang bringen mit den Bedürfnissen von Unternehmen, die innovative Produkte auf der Grundlage vollständiger Elektrifizierung entwickeln. Ich gehe davon aus, dass IECEx eine wichtige Rolle bei der Sicherheit von Brennstoffzellen auf dem Markt spielen wird, aber sich auch mit der Sicherheit und Security von Produkten, die künstliche Intelligenz nutzen, befassen wird.
e-Tech: Wie hat Ihre Erfahrung als Ingenieurin in der Energy and Industrial Automation Group bei UL Solutions Ihre Vision von der Konformitätsbewertung geprägt?
Holdrege: UL Solutions ist seit über 130 Jahren führend in der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsbranche und arbeitet vor allem daran, eine sicherere Welt zu schaffen. Ich habe mehr als 28 Jahre als Ingenieurin in der Branche für explosionsgefährdete Bereiche gearbeitet und das beeinflusst meinen Fokus innerhalb von IECEx, ob es um die Berücksichtigung von Anforderungen für neue Industrien oder die Peer Assessments der Zertifizierungsstellen oder Prüflabore geht. Dazu beizutragen, die Welt sicherer zu machen, ist meine Leidenschaft.
IECEx: Konformitätsbewertung für Einsätze in explosionsgefährdeten Umgebungen
Ob es um die Verwendung von Industriesaugern in Großbäckereien geht oder um den sicheren Transport von Wasserstoff: Für Technik und Menschen herrschen in explosionsgefährdeten Umgebungen immer besondere Anforderungen. IECEx schafft die Möglichkeit, Produkte, Dienstleistungen und Personen dafür zu zertifizieren und potenzielle Risiken auf diese Weise so weit wie möglich zu reduzieren. Wichtigstes Zukunftsthema: Initiativen rund um Wasserstoffsicherheit.
e-Tech: IECEx arbeitet in technischen Bereichen, die traditionell von Männern dominiert sind. Sehen Sie eine Veränderung hinsichtlich Geschlechterinklusion innerhalb von IECEx?
Holdrege: Es gibt heute definitiv ein größeres Bewusstsein als noch vor 12 Jahren, als ich zum ersten Mal an IECEx-Meetings teilnahm. Ich glaube, das hat ganz wesentlich mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN zu tun und mit der Arbeit innerhalb der Normung, um die Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen der Normung zu erhöhen, und ganz wichtig, um sicherzustellen, dass Normen den Bedürfnissen aller Geschlechter Rechnung tragen.
e-Tech: Was muss noch getan werden, um mehr Frauen zu ermutigen, eine Führungsrolle in der Normung und Sicherheit anzustreben?
Holdrege: Mentorship ist ein wichtiges Instrument, um Frauen zu ermutigen, Führungsrollen anzustreben. Das United States National Committee (USNC) hat eine fantastische Arbeit mit seinem Young and Emerging Professionals (YEP) Mentoring Programme geleistet. Ich hatte das Glück, die letzten zwei Jahre als Mentorin in diesem Programm zu arbeiten und ich würde gern mehr formelles Mentoring innerhalb von IEC, besonders in der Konformitätsbewertung, sehen.
e-Tech: Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die eine Führungsrolle in einem technischen oder regulatorischen Bereich anstreben?
Holdrege: Ich würde Frauen ermutigen, auch dann neue Aufgaben zu übernehmen, wenn sie denken, sie seien keine Expert*innen. Ich habe zum ersten Mal eine IECEx-Arbeitsgruppe geleitet kurz nachdem ich dieser beigetreten war, als ein anderes Mitglied unerwartet eine Auszeit nehmen musste. Ich habe festgestellt, dass es viele Menschen innerhalb der IEC-Community gibt, die einen unterstützen, wenn man neugierig ist, bereit ist Fragen zu stellen und zu lernen.
Redaktioneller Hinweis:
Der englischsprachige Originalartikel von Priyanka Dasgupta erschien erstmals auf etech.iec.ch in der Ausgabe 04/2025 unter:
https://etech.iec.ch/issue/2025-04/the-evolution-of-iecex
Die Antworten entsprechen den persönlichen Ansichten und Meinungen der Interviewpartnerin und müssen nicht mit denen der DKE übereinstimmen.