Junger Elektriker in Berufskleidung prüft eine Anlage und notiert sich etwas
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18.03.2026 Normauslegung

Hinweis zur Norm DIN VDE 0105-100:2015-10 zu einer Arbeitsmethode bei Arbeiten an Kabelanlagen

Das Komitee DKE/K 224 „Betrieb elektrischer Anlagen“ wurde gebeten, zum Thema auftretende hohe Beeinflussungsspannungen bei Arbeiten an geerdeten Kabelanlagen für Betriebsspannungen von 380 kV und einer möglichen Arbeitsmethode zur Unterbindung gefährlicher Berührungsspannungen an der Arbeitsstelle Stellung zu beziehen.

Kontakt
Dominika Radacki
Zuständiges Gremium
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Hintergrund:

Leiter oder leitfähige Teile in der Nähe von unter Spannung stehender Teile werden elektrisch beeinflusst. Dies kann dazu führen, dass auch in freigeschalteten und geerdeten Kabelanlagen im Einflussbereich von parallelen stromführenden Kabeln (insbesondere bei Einzelleitern) oder Freileitungen hohe Beeinflussungsspannungen auftreten.

Für Arbeiten im spannungsfreien Zustand an Kabelanlagen muss daher sichergestellt werden, dass es durch Beeinflussungsspannungen zu keiner Gefährdung von Arbeitenden Personen aufgrund einer gefährlichen Körperdurchströmung kommen kann. Eine derartige Gefährdung liegt vor, wenn eine Arbeitende Person leitfähige Teile mit unzulässig hoher Berührungsspannung nach Bild 101 der DIN VDE 0105-100:2015-10 berührt. 

Bei parallelverlaufender, stromdurchflossener Leitungsinfrastruktur (Freileitung oder Kabel) zu Kabelanlagen, kommt es zu einer gegenseitigen, elektromagnetischen Beeinflussung zwischen der entsprechenden Infrastruktur und der Kabelanlage und damit bei Arbeiten an dieser zu möglicherweise unzulässig hohen Beeinflussungsspannungen. Dies tritt bei Kabelanlagen im Einflussbereich von AC-Infrastrukturen im Normalbetrieb und Fehlerfall, im Einflussbereich von DC-Infrastrukturen hingegen maßgeblich im Fehlerfall, auf. 

Nach DIN VDE 0105 100:2015-10, Absatz 6.2.5.3.103 ist daher bei Kabelarbeiten beim Übergang von Kabel auf Freileitung an der Übergabestelle zu erden. Wenn möglich, ist das Kabel direkt an der Arbeitsstelle zu erden (siehe Bild 1). 

Schema "Vorbereitung der Kabelarbeiten"

Bild 1: Vorbereitung der Kabelarbeiten

| DKE/K 224

Da für Arbeiten an Kabelanlagen das Erden an der Arbeitsstelle jedoch nicht für jeden Arbeitsschritt möglich ist, erlaubt DIN VDE 0105-100:2015-10, Absatz 6.2.5.3.103, das Aufheben der Erdungs- und Kurzschließmaßnahmen an der Arbeitsstelle.  

In der Folge tritt die induzierte Beeinflussungsspannung als Berührungsspannung an der Arbeitsstelle auf. Bei einer Berührung eines leitfähigen Teils der Kabelanlage an der Arbeitsstelle, kommt es über die Arbeitende Person zu einem geschlossenen Stromkreis über das Erdreich und die Erdungs- und Kurzschließmaßnahme am Anfang und Ende des Kabels.  

Geeignete Methode: 

Die Anwendung des Montageverfahrens „Earthed working without currents“ (siehe: Cigrè TB 801, IEEE Std. 1727) schließt die Gefährdung durch eine gefährliche Körperdurchströmung dadurch aus, dass auf Erdungs- und Kurzschließmaßnahmen an leitfähigen Teilen am Anfang und Ende des Kabels verzichtet wird, sodass es zu keinem geschlossenen Stromkreis über die Arbeitende Person zum Erdreich kommen kann (Siehe Bild 2).  

Schema "Während der Kabelarbeiten"

Bild 2: Während der Kabelarbeiten

| DKE/K 224

Wird es arbeitsschrittbedingt erforderlich, die Erdungsmaßnahme an der Arbeitsstelle aufzuheben, befindet sich das Kabel zwar auf freiem Potential, sodass kein galvanisch geschlossener Stromkreis über das Erdreich vorliegt, jedoch aufgrund von Beeinflussungsspannungen kann sich über die Isolierung des Kabels und dessen Kontakt zum Erdreich wieder ein Stromkreis mit kapazitiven Ableitungen ergeben. Damit die Arbeitende Person bei Berührung der leitenden Teile des Kabels keine Verbindung zum Erdpotential herstellt und so Teil eines kapazitiven Stromkreises wird, muss diese zusätzlich isolierende PSA, z. B. in Form von Isolierhandschuhen, tragen. 

Empfehlung: 

Zur Umsetzung des Montageverfahrens „Earthed working without currents“ bei Arbeiten an Kabelanlagen für Betriebsspannungen von 110 kV und höher darf auf das Erden und Kurzschließen des Kabels an der Übergangsstelle von Kabel auf Freileitung in Richtung Kabel nach DIN VDE 0105-100:2015-10, Absatz 6.2.5.3.103 verzichtet werden, sofern das Kabel durch den mechanischen Rückbau aller angrenzenden Anlagenteile für die Durchführung der Arbeiten an den Übergabestellen getrennt ist.

Ausblick: 

Im neuen Entwurf zur DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2026, der für Herbst 2026 vorgesehen ist, wird der Normtext an den entsprechenden Stellen angepasst und durch einen nationalen informativen Anhang ergänzt. 

Redaktioneller Hinweis:

Die im Text aufgeführten Normen und Standards können Sie beim VDE VERLAG erwerben.

Zum VDE VERLAG

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