Kleine Solarzellenplatten im Garten
meboonstudio / stock.adobe.com
20.05.2020 Fachinformation

Mini-PV-Anlage: Strom auf dem eigenen Balkon erzeugen – nachhaltig und für jeden möglich

Steckerfertige PV-Anlagen – auch „Mini-PV-Anlagen“ und „Balkonkraftwerke“ genannt – bieten jedem die Möglichkeit, eigenen Strom zu erzeugen. Bei der Installation und Inbetriebnahme gibt es allerdings vieles zu beachten. Konkrete Anforderungen finden sich in Normen und Standards wieder. Wir geben Antworten zu den wichtigsten Fragen zum Betrieb von Mini-PV-Anlagen.

Die Mini-PV-Anlage ist eine sehr verbraucherfreundliche Idee, schließlich würde die Sonnenenergie auf diese Weise von jedermann genutzt werden können – und damit für einen Großteil der Bevölkerung.

Tatsächlich ist die Idee der Mini-PV-Anlage – auch „Balkonkraftwerk“ genannt – in den letzten Jahren immer populärer geworden. Bereits seit 2016 beschäftigt sich VDE DKE daher mit diesem Thema, sodass jeder Bürger auf diese Weise seinen eigenen Beitrag zur Energiewende leisten kann.

Kontakt

Alexander Nollau

Wie funktioniert eine Mini-PV-Anlage?

Technisch funktioniert eine Mini-PV-Anlage genauso wie ihr großer Bruder, die Photovoltaikanlage, die bereits zum Standard moderner Energiegewinnung zählt. Solarzellen fangen einen Teil der Sonnenstrahlung ein und wandeln diese in elektrische Energie um. Wechselrichter verwandeln den im Prozess entstehenden Gleichstrom in Wechselstrom, der anschließend in unser Stromnetz eingespeist werden kann.

Durch den steigenden Anteil an grüner Energie im Stromnetz, der aus den Solarzellen gewonnen wird, kann die Energiegewinnung aus den Braunkohle- und Atom-Kraftwerken Schritt für Schritt abgeschaltet werden. Dem Ziel des Winterpakets der EU von 2016 kann durch diese Balkon-PV-Anlagen so maßgeblich entgegengegangen werden.

Der Unterschied zwischen einer Mini-PV-Anlage und einer klassischen Photovoltaikanlage besteht in der Anzahl und Größe der Solarmodule und auch dem Anschluss ans Stromnetz. Die Mini-PV-Anlage ist im übertragenen Sinne also die kleine Version der großen PV-Anlage. Diese einfache Form der dezentralen Stromerzeugung und Stromversorgung hat den Vorteil, dass sie wirklich von jedermann – und somit nicht nur von Eigentümern – genutzt werden kann. Fällt Schatten auf das Hausdach, kann eine Mini-Solaranlage zum Beispiel im Garten, auf der Terrasse, dem Balkon oder auch an der Hauswand betrieben werden.

Muss ich für den Anschluss einer Mini-PV-Anlage einen Elektriker beauftragen?

Ja.

Sofern die Mini-PV-Anlage an einen bestehenden Stromkreislauf angeschlossen werden soll, muss ein Elektriker mit Kenntnissen in der Gebäudeinstallation und PV-Anlagentechnik prüfen, ob die Leitung für eine Stromeinspeisung ausgelegt ist. Unter Umständen ist es erforderlich, die bereits vorhandene Sicherung auszutauschen. Wird eine Sicherung verwendet, die nicht für die Stromeinspeisung ausgelegt ist, können Überlastung und – im schlimmsten Fall – ein Brand die Folge sein.

Es gibt in Deutschland daher die Niederspannungsanschlussverordnung. Darin ist geregelt, dass nur Elektriker, die in das Installateurverzeichnis eines Stromnetzbetreibers eingetragen sind, an elektrischen Anlagen arbeiten dürfen. Die gängige Meinung, dass man als Heimwerker selbstverständlich eine Leuchte in seinem Wohnzimmer anschließen oder eine Steckdose wechseln darf, ist falsch.

Nach der genannten Verordnung darf nur ein Elektriker Arbeiten am öffentlichen elektrischen Versorgungsnetz durchführen, an das die Wohnzimmerleuchte und Steckdose ja tatsächlich angeschlossen sind. Allerdings wird Sie niemand zur Rechenschaft ziehen, wenn Sie es doch selbst erledigen.

Problematisch wird es allerdings, wenn durch Fehler bei der Installation von Leuchten und Steckdosen ein Brand oder ein Personenschaden entsteht. Hausrat- und Gebäudeversicherungen zahlen nicht bei Fahrlässigkeit oder Vorsatz. Fahrlässigkeit liegt dann vor, wenn sich herausstellt, dass die Schadensursache vom engagierten Heimwerker durch eine unsachgemäße elektrische Installation ausgelöst wurde.

Was darf laut § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung nur ein Elektriker ausführen?

  • Leuchten anschließen
  • Steckdosen austauschen
  • einen Elektroherd anschließen
  • die Elektrik am Küchenherd reparieren
  • elektrische Arbeiten am Sicherungskasten
  • Installationsarbeiten am Hausanschlusskasten
  • Hausinstallationen neu verlegen

Was darf der Heimwerker selbst erledigen?

  • die elektrische Anlage für einen Hausneubau planen und mit dem ausführenden Elektrikerfachbetrieb abstimmen
  • Schlitze in die Wand stemmen, damit der Elektriker die Stromleitungen unter dem Putz verlegen kann
  • bei Stromausfall die Sicherungen und die FI-Schalter überprüfen und bei Bedarf wieder einschalten
  • einen Kinderschutz an Steckdosen anbringen
  • Glühbirnen auswechseln

Mini-PV-Anlage: Grüner Strom vom eigenen Balkon

Kann ich als Verbraucher in den Baumarkt gehen, mir eine Mini-Solaranlage kaufen und zu Hause ganz einfach an eine vorhandene Steckdose anschließen? Muss ich meine Mini-Solaranlage eigentlich auch anmelden? Wie viel Strom lässt sich im Jahr mit einer solchen Mini-PV-Anlage einsparen? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Alexander Nollau von VDE DKE in der Sendung "alle Wetter!".

Quelle: hr - alle Wetter! - Sendung vom 22.05.2019


Wie hoch ist die Leistung einer Mini-PV-Anlage und wie viel Strom erzeugt sie?

Kleines Solarpanel für zu Hause
Ioan Panaite / stock.adobe.com

Aus Verbrauchersicht stellt sich häufig die Frage, wie viel Strom ein solches Balkonkraftwerk eigentlich erzeugen kann.

Hierzu eine Beispielrechnung:

  • Mini-PV-Module haben unter Testbedingungen eine Leistung von 150-300 Watt
  • Pro Jahr ist durchschnittlich ein Ertrag von 70-85 kWh pro 100 Watt Nennleistung zu erwarten
  • Eine 500-Watt-Anlage erzeugt demnach beispielsweise ca. 350-425 kWh pro Jahr
  • Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt ca. 3.000 kWh Energie pro Jahr

Fazit: Ein Vier-Personen-Haushalt könnte über zehn Prozent weniger Strom vom Netzbetreiber beziehen.

Aber nicht nur der finanzielle Aspekt erweist sich als Vorteil: Insbesondere im Hinblick auf die Energiewende und die von Deutschland und der EU angestrebten energiepolitischen Ziele, leistet die Mini-PV-Anlage einen bedeutenden Beitrag.

Das EU Winterpaket 2016 zielt beispielsweise darauf ab, dass der Strommarkt neu gestaltet wird und in naher Zukunft nicht mehr nur national, sondern grenzüberschreitend vernetzt wird. Dieser Entwurf zum internationalen Strommarkt stellt den Verbraucher in den Vordergrund, denn durch die zunehmende Vernetzung würden auch weniger Kraftwerke benötigt werden – und würde automatisch auch geringere Kosten für den Verbraucher bedeuten.

Darüber hinaus wird eine konstante Versorgungssicherheit gewährleistet. Die Mini-PV-Anlage als kleine Schwester der großen PV-Anlage öffnet somit aber auch die Tür für den privaten Verbraucher, seinen eigenen Beitrag zur Energiewende und zur Einsparung von CO2 beizutragen. Als Verbraucher wird auf diese Weise ein Beitrag zu Deutschlands Spitzenposition/Zukunft möglich.

In einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren amortisiert sich bereits der energetische Aufwand, der für die Herstellung benötigt wurde. Nach acht bis 15 Jahren begleichen sich dann auch die Anschaffungskosten mit den ersparten Stromkosten. Die Amortationszeit hängt letztlich stark davon ab, wie viel Strom die Mini-Solaranlage erzeugt - und hier spielen viele Faktoren eine Rolle:

  • In welche Himmelsrichtung ist die Mini-Solaranlage ausgerichtet?
  • Ist der Einstrahlungswinkel der Sonne optimal?
  • Fällt Schatten auf die Solarmodule?

Energiewende: Normen und Standards für eine saubere und dezentrale Zukunft

Der Klimawandel ist gesellschaftlich ein relevantes Thema – und das nicht erst seit der Fridays-for-Future-Bewegung. Aber was konkret tun wir gegen den ansteigenden Meeresspiegel, die weltweit immer häufiger auftretenden Wetterextreme und den stetig wachsenden Energiebedarf und -verbrauch?

Als nationale Normungsorganisation bieten wir allen interessierten Kreisen eine gemeinsame Plattform und erarbeiten zusammen mit Vertretern aus Politik, Unternehmen und Bürgern die Grundlagen im Energiesektor.

Die DKE schafft europaweit Rahmenbedingungen für ein stabiles Stromnetz, entwickelt Kommunikationsstandards für smartes Energiemanagement und fördert damit nicht nur den Ausbau des flexiblen Energiemarkts der Zukunft, sondern unterstützt so auch den Ausbau erneuerbarer Energien.

Wir schaffen die Energiewende. Gemeinsam!


Wie erfolgt der Anschluss einer Mini-PV-Anlage an den Endstromkreis?

Während der Beratungen und Sitzungen hatten sich die Experten in der praktischen Umsetzung eine ganz entscheidende Frage gestellt: Wie kann die Mini-PV-Anlage angeschlossen werden und welche Voraussetzungen sind notwendig, damit sie sicher mit dem bestehenden Leitungsnetz betrieben werden kann?

Mit der Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) ist es gelungen, einen Kompromiss zwischen allen interessierten Kreisen im Konsens zu erzielen. Zu diesen interessierten Kreisen gehören beispielsweise

  • Handwerkswirtschaft,
  • industrielle Hersteller,
  • Verbraucher,
  • Prüfinstitute,
  • Sachversicherer,
  • Wissenschaft und
  • Technische Überwacher

Diese Norm stellt zum einen Leitungsschutzbedingungen auf und regelt, wie die Anlage in den Endstromkreis eingebunden werden kann. Somit ist es in Europa erstmals möglich, die Module in den Endstromkreis zu installieren – entweder fest angeschlossen oder über eine Energiesteckvorrichtung.

Stromerzeugung mit einer Mini-PV-Anlage und Einspeisung ins öffentliche Stromnetz

Stromerzeugung mit einer Mini-PV-Anlage und Einspeisung ins öffentliche Stromnetz

| VDE DKE

Unter welchen Bedingungen ist der Betrieb einer Mini-PV-Anlage zulässig?

In der europäischen Norm HD 60364-5-551:2010 ist eindeutig beschrieben, unter welchen Bedingungen „ein Parallelbetrieb der Stromerzeugungseinrichtung mit anderen Stromquellen einschließlich einem Stromverteilungsnetz zulässig ist“. Eine Verbindung „mittels eines Steckers und einer Steckdose mit dem Endstromkreis“ ist hier ausdrücklich verboten. Daher ist der gefundene Kompromiss auf nationaler Ebene ein wichtiger Schritt um Mini-PV-Anlagen sicher zu betrieben, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.

Muss ich meine Mini-PV-Anlage anmelden?

Ja.

Gemäß der Niederspannungsanschlussverordnung und der VDE Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ (VDE-AR-N 4105), ist eine Anmeldung beim zuständigen Netzbetreiber erforderlich. Der Hintergrund ist einfach erklärt: Netzbetreiber müssen wissen, wo Mini-PV-Anlagen im Netz angeschlossen sind.

Treten beispielsweise unzulässige Netzrückwirkungen auf, die sich unter Umständen auf benachbarte Netzkunden auswirken, erleichtert die Kenntnis über vorhandene Mini-Solaranlagen dem Netzbetreiber die Ursachensuche und beschleunigt die Problembehebung.

Die Neufassung der VDE Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 (VDE-AR-N 4105) ermöglicht eine vereinfachte Inbetriebnahme von steckerfertigen PV-Anlagen unter festgelegten Bedingungen.

Weiterhin ist festgelegt, dass steckerfertige PV-Anlagen den gleichen Anmeldeprozess zu durchlaufen haben wie klassische Photovoltaikanlagen. Die Anmeldung erfolgt über das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.

Benötige ich für den Betrieb meiner Mini-PV-Anlage einen neuen Stromzähler?

Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten – es kommt hierbei auf den bereits vorhandenen Stromzähler an.

Ist nur ein „normaler“ Zähler, also ein Wechsel- und Drehstromzähler nach dem Ferraris-Prinzip (Einrichtungszähler ohne Rücklaufsperre), vorhanden, muss er gegen einen Zweirichtungszähler ausgetauscht werden. In ihrem Monitoringbericht 2018 zählte die Bundesnetzagentur noch ca. 80 Prozent dieser Einrichtungszähler. Die Kosten für einen Zweirichtungszähler in Höhe von ca. 50 Euro pro Jahr müssen selbst getragen werden.

Aber welche Gründe sprechen für den Zweirichtungszähler?

Wird im Privathaushalt der Strom mittels Mini-PV-Anlage ins öffentliche Stromnetz eingespeist, dreht sich ein Einrichtungszähler ohne Rücklaufsperre rückwärts. Konkret würde ein Fall von Manipulation vorliegen, der zur Strafanzeige wegen Betrugs durch den Messstellenbetreiber führen kann. Gleichzeitig erfolgt ein Verstoß gegen das Steuerrecht aufgrund von Steuerhinterziehung bzw. Steuerverkürzung.

Gründe gegen einen „Einrichtungszähler ohne Rücklaufsperre“ bei Mini-PV-Anlagen:

  • Manipulation des Stromzählers
  • Verstoß gegen das Steuerrecht

Newsletter in Tablet liegt auf einer Tastatur
Coloures-Pic / stock.adobe.com

Mit dem DKE Newsletter sind Sie immer am Puls der Zeit!

In unserem monatlich erscheinenden Newsletter ...

  • fassen wir die wichtigsten Entwicklungen in der Normung kurz zusammen
  • berichten wir über aktuelle Arbeitsergebnisse, Publikationen und Entwürfe
  • informieren wir Sie bereits frühzeitig über zukünftige Veranstaltungen
Ich möchte den DKE Newsletter erhalten!

Gibt es technische Risiken beim Einspeisen ins öffentliche Stromnetz?

mini-pv-anlagen

Otmar Smit / Fotolia

| Otmar Smit - Fotolia

Neben der Gewährleistung des Sicherheitsstandards möchte der VDE auf die Problematik des Leitungsschutzes hinweisen. Die grundsätzliche Lösung hierfür ist die Einspeisung vor der Sicherung, sodass der Leitungsschutz stets den Gesamtstrom bewertet und die Leitungen vor Überlastung schützt. Dies gilt vor allem für Kabel- und Leitungsschutz. Hier kann ein üblicherweise am Anfang eines Stromkreises installierter Leitungsschutzschalter einen zusätzlichen Strom, der in diesen Stromkreis eingespeist wird, nicht erkennen, wenn dieser Strom an Verbraucher abgegeben wird, die an denselben Stromkreis angeschlossen sind.

Das spiegelt sich wieder in HD 60364-5-551, Abschnitt 551.7.2, Aufzählung i). Zusätzlich besteht die Gefahr der Leitungsüberlastung bei Verwendung mehrerer Modulen und der Einbindung in den Endstromkreis über eine Mehrfachsteckdose.

Ebenso noch in Diskussion ist der Schutz gegen einen elektrischen Schlag. Es gibt bereits seit langem eine Vereinbarung, dass „Steckdosen und Stecker im Leitungszug in einer solchen Reihenfolge angebracht sein müssen, dass die Steckerstifte in nicht gestecktem Zustand nicht unter Spannung stehen“ – siehe VDE Anwendungsregel VDE-AR-E 2100-550 (VDE-AR-E 2100-550). Über die Sinnhaftigkeit dieser Anforderung ist wohl nicht zu diskutieren und kann im Falle einer Mini-PV-Anlage höchstens durch eine Konstruktion „ausgehebelt“ werden, die sicherstellt, dass derartige Steckerstifte nicht berührbar sind.

An dieser Stelle ein Verweis auf die Norm DIN EN 61140 (VDE 0140-1), die auch von den hier besprochenen Geräten zu berücksichtigen ist: „Gefährliche aktive Teile dürfen nicht berührbar sein und berührbare leitfähige Teile dürfen nicht gefährlich aktiv sein, weder unter normalen Bedingungen (bei bestimmungsgemäßer Verwendung ohne Fehler), noch unter Einzelfehlerbedingungen.“

Das bedeutet, Steckdosen und Stecker müssen so errichtet sein, dass berührbare Steckerstifte in nicht gesteck­tem Zustand nicht unter Spannung stehen.

Besteht während des Betriebs meiner Mini-PV-Anlage eine Brandgefahr?

Wurde die Mini-Solaranlage normgerecht in Betrieb genommen, besteht grundsätzlich keine Brandgefahr. Die entsprechenden Anforderungen an die Leitungsdimensionierung, Anschlussart und Schutzeinrichtungen sind in der Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) aufgeführt.

Darf ich meine Mini-PV-Anlage einfach an eine Haushaltssteckdose anschließen?

Nein.

Zum Anschluss einer steckerfertigen PV-Anlage ist eine Energiesteckdose erforderlich. Die konkreten Anforderungen sind beispielsweise in der Vornorm DIN VDE V 0628-1 (VDE V 0628-1) aufgeführt. Typische Haushaltssteckdosen (Schutzkontaktstecker) sind für den Anschluss einer Mini-PV-Anlage in Deutschland – laut Norm – nicht zulässig.

Betrachtet man ein Gerät mit einem Netzstecker, wie etwa einen Wasserkocher oder einen Staubsauger, ist jedem klar, dass von den beiden blanken Steckerstiften keine Gefahr ausgeht. Schließlich liefern solche Geräte keinen Strom, sondern sie benötigen welchen.

Anders sieht es jedoch am Netzstecker einer steckbaren Mini-PV-Anlage aus: Ihre Aufgabe ist ja gerade die Erzeugung von Strom und dessen Netzeinspeisung über den Netzstecker. Der genannten Anforderung kann im Falle der steckbaren Mini-PV-Anlage höchstens durch eine Konstruktion entsprochen werden, die sicherstellt, dass derartige Steckerstifte nicht berührbar sind.

In diesem Zusammenhang sei auf die Norm DIN EN 61140 (VDE 0140-1) hingewiesen, die insbesondere bei der noch zu erarbeitenden Produktnorm zu berücksichtigen ist: „Gefährliche aktive Teile dürfen nicht berührbar sein und berührbare leitfähige Teile dürfen nicht gefährlich aktiv sein, weder unter normalen Bedingungen (bei bestimmungsgemäßer Verwendung ohne Fehler), noch unter Einzelfehlerbedingungen.“

Das bedeutet, es darf zu keiner Zeit (weder im fehlerfreien Betrieb noch im Einzelfehlerfall) eine gefährliche Berührungsspannung an den Steckerstiften anliegen.

Wichtiger Hinweis zum Betrieb von mehreren Mini-PV-Anlagen:

Wird mehr als nur eine Mini-PV-Anlage betrieben, dürfen die einzelnen Module niemals über eine Mehrfach-Verteilsteckdose an eine Haushaltssteckdose angeschlossen werden! Es kann in der Folge zu einer Überlastung der Stromleitung und – im schlimmsten Fall – zu einem Brand kommen.

Hinweis zur Anwendung von Normen:

Die Anwendung einer Norm ist grundsätzlich freiwillig.

Das bedeutet, man kann grundsätzlich von den technischen Vorgaben einer Norm abweichen. Wird eine andere Lösung als der in der Norm beschriebene Sachverhalt umgesetzt, liegt im Schadensfall die Beweislast bei dem Verantwortlichen. Er muss darlegen können, dass die von ihm gewählte technische Ausführung gleich oder besser als die Festlegungen der Norm ist.

Eine Anwendungspflicht für Normen und Standards kann sich nur aufgrund von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften oder aufgrund von geschlossenen Verträgen ergeben. Allerdings schreiben staatliche Stellen selten die Anwendung von Normen direkt vor, sondern geben meist Sicherheitsziele vor, die man auch auf andere Weise erreichen kann.

Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für sein eigenes Handeln. Auch wenn bei sicherheitstechnischen Festlegungen in DIN bzw. DIN VDE Normen juristisch eine tatsächliche Rechtsvermutung dafür besteht, dass sie fachgerecht, das heißt, dass sie „anerkannte Regeln der Technik“ sind, muss sich der Hersteller von Produkten oder der Errichter einer Anlage über neue technische Entwicklungen informieren und sein Handeln darauf abzielen.

Wie unterscheidet sich eine Energiesteckvorrichtung von einer einfachen Steckvorrichtung?

Eine Energiesteckvorrichtung besteht immer aus einem Stecker und einer Steckdose. Wie bereits erwähnt, müssen Stecker und Steckdose so konstruiert sein, dass berührbare Steckerstifte in nicht gesteck­tem Zustand nicht unter Spannung stehen.

Für eine Energiesteckvorrichtung verweist DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1) beispielhaft auf DIN V VDE 0628-1 (VDE V 0628-1).

Werden die in der Norm DIN EN 61140 (VDE 0140-1) aufgeführten Schutzziele erreicht, sind aber auch andere technische Lösungen zulässig.

Beispiel:

Ein typischer Schuko-Stecker würde die aufgeführten Schutzziele der Norm DIN EN 61140 (VDE 0140-1) nicht erreichen!

Würde dieser Schuko-Stecker aber beispielsweise über eine Plastikvorrichtung verfügen, die beide Steckerstifte verdeckt und sich manuell auch nicht zusammenschieben lässt, sondern erst dann, wenn beispielweise der Stecker in der Steckdose einrastet, wären die Anforderungen erfüllt, denn

► die ggfs. noch unter Spannung stehenden Steckerstifte können im nicht gesteckten Zustand nicht berührt werden! ◄

Bis zu welcher Leistung ist eine Mini-PV-Anlage mit Energiesteckvorrichtung zulässig?

Die maximal anschließbare Leistung einer steckerfertigen PV-Anlage ist abhängig vom Leiterquerschnitt der vorhandenen Zuleitung und von der Strombelastbarkeit der Energiesteckvorrichtung. Gemäß der Vornorm DIN VDE V 0628-1 (VDE V 0628-1) ist

  • die Energiesteckvorrichtung für maximal 16 A (3,68 kVA) zugelassen und
  • pro Energiesteckvorrichtung ist nur eine Erzeugungsanlage zulässig.

Gibt es in Deutschland eine Bagatellgrenze für die maximale Leistung bei Mini-PV-Anlagen?

Nein.

In Deutschland gibt es aktuell keine Bagatellgrenze.

Die Neuregelung der VDE Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 (VDE-AR-N 4105) ermöglicht es Verbrauchern, ihre steckerfertigen PV-Anlagen zur privaten Stromerzeugung bis zu einer Gesamtleistung von 600 Watt unter festgelegten Bedingungen selbst beim Netzbetreiber anzumelden, statt wie bisher über einen Elektroinstallateur. (siehe Kap. 5.5.3 VDE-AR-N 4105:2018).

Häufig gehen bei VDE DKE Fragen ein, weil Gerüchte kursieren, dass steckerfertige PV-Anlagen bis zu einer Grenze von 600 Watt oder sogar 800 Watt nicht angemeldet werden müssen, weil sie mit dieser Leistung als Stromerzeugungsanlagen als nicht signifikant gelten.

Zur Aufklärung:

In der VERORDNUNG (EU) 2016/631 DER KOMMISSION vom 14. April 2016 zur Festlegung eines Netzkodex mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger steht unter Artikel 5 geschrieben:

(2) Stromerzeugungsanlagen der folgenden Kategorien gelten als signifikant:

(a) Netzanschlusspunkt unter 110 kV und Maximalkapazität von mindestens 0,8 kW (Typ A);

Es handelt sich bei der Verordnung (EU) 2016/631 also um eine europäische Verordnung. Das ist wichtig zu wissen, da diese europäische Verordnung auf nationaler Ebene durch die Elektrotechnische-Eigenschaften-Nachweis-Verordnung (NELEV) umgesetzt ist. Die NELEV regelt die Verfahren zum Nachweis der Einhaltung der allgemeinen technischen Mindestanforderungen i.S.d. § 19 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) für den Netzanschluss von Erzeugungsanlagen und Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie regelt.

Der Erlass der NELEV ist aufgrund des nationalen Gestaltungsspielraums möglich, welcher den Mitgliedstaaten in Artikel 15, 16, und 32 der EU-Verordnung 2016/631 eingeräumt wird.

Zusammengefasst:

In Deutschland gibt es keine Bagatellgrenze, da die Verordnung (EU) 2016/631 hierzulande durch die NELEV umgesetzt ist, die keine Bagatellgrenze vorsieht. Steckerfertige PV-Anlagen sind in Deutschland demnach immer anzumelden!

Relevante Normen für die Installation und Inbetriebnahme von Mini-PV-Anlagen

Gerätesicherheit

  • DIN VDE V 0126-1-1 (VDE V 0126-1-1)

Selbsttätige Schaltstelle zwischen einer netzparallelen Eigenerzeugungsanlage und dem öffentlichen Niederspannungsnetz

  • DIN EN 62109-1 (VDE 0126-14-1)

Sicherheit von Wechselrichtern zur Anwendung in photovoltaischen Energiesystemen – Teil 1: Allgemeine Anforderungen

  • DIN EN 62109-2 (VDE 0126-14-2)

Sicherheit von Leistungsumrichtern zur Anwendung in photovoltaischen Energiesystemen – Teil 2: Besondere Anforderungen an Wechselrichter

Elektromagnetische Verträglichkeit

  • DIN EN 61000-6-1 (VDE 0839-6-1)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-1: Fachgrundnormen - Störfestigkeit für Wohnbereich, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe

  • DIN EN 61000-6-2 (VDE 0839-6-2)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-2: Fachgrundnormen - Störfestigkeit für Industriebereiche

  • DIN EN 61000-6-3-100 (VDE 0839-6-3-100)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-3: Fachgrundnormen - Störaussendung für Wohnbereich, Geschäfts- und Gewerbebereiche sowie Kleinbetriebe

  • DIN EN 61000-6-4-100 (VDE 0839-6-4-100)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 6-4: Fachgrundnormen - Störaussendung für Industriebereiche

  • DIN EN 61000-3-2 (VDE 0838-2)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 3-2: Grenzwerte für Oberschwingungsströme (Geräte-Eingangsstrom <= 16 A je Leiter)

  • DIN EN 61000-3-3 (VDE 0838-3)

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) – Teil 3-3: Begrenzung von Spannungsänderungen, Spannungsschwankungen und Flicker für Geräte mit einem Bemessungsstrom <= 16 A, die keiner Sonderanschlussbedingung unterliegen

Netzkopplung

  • VDE-AR-N 4105 (VDE-AR-N 4105)

Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz – Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz

  • E DIN VDE V 0124-100 (VDE V 0124-100)

Netzintegration von Erzeugungsanlagen – Niederspannung - Prüfanforderungen an Erzeugungseinheiten vorgesehen zum Anschluss und Parallelbetrieb am Niederspannungsnetz

  • DIN EN 50438 (VDE 0435-901)

Anforderungen für den Anschluss von Klein-Generatoren an das öffentliche Niederspannungsnetz

Systeme

  • DIN VDE V 0100-551-1 (VDE V 0100-551-1)

Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-55: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel - Andere Betriebsmittel - Abschnitt 551: Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen - Anschluss von Stromerzeugungseinrichtungen für den Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Stromverteilungsnetz

  • DIN VDE 0100-712 (VDE 0100-712)

Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-712: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art - Photovoltaik-(PV)-Stromversorgungssysteme

Stecker

  • DIN VDE V 0628-1 (VDE V 0628-1)

Energiesteckvorrichtungen – Teil 1: Einspeisung in separate Stromkreise

Redaktioneller Hinweis:

Die im Text aufgeführten Normen können Sie beim VDE VERLAG erwerben.

Zum VDE VERLAG

Interessiert an weiteren Inhalten zu Energy?

Fokusbild Energy

In der alltäglichen und gesellschaftlichen Diskussion ist sie ein ebenso großes Thema wie in der DKE – die Rede ist von der Energie. Unsere Normungsexperten bringen ihr Wissen aber nicht nur ein, um die Energieversorgung und -verteilung zukünftig „smart“ und dezentral zu machen, sondern leisten einen ebenso hohen Beitrag für den Betrieb elektrischer Anlagen und bei der flächendeckenden Verbreitung erneuerbarer Energien. Weitere Inhalte zu diesem Fachgebiet finden Sie im

DKE Arbeitsfeld Energy

Relevante News und Hinweise zu Normen