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Holzbloecke mit der Beschriftung SMART
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31.03.2026 Veranstaltungsrückblick

Meilensteine für die digitale Wirtschaft: Rückblick auf das 15. IDiS Plenum

Am 17. März 2026 versammelte sich die Community der Initiative Digitale Standards (IDiS) online zu ihrem 15. Plenum. Organisiert von der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) und dem DIN (Deutsches Institut für Normung), richtet sich diese zweimal jährlich stattfindende Veranstaltung an die Teilnehmer der IDiS-Netzwerkgruppe sowie an alle, die sich für den aktuellen Stand der SMART-Standards und deren wirtschaftliche Vorteile interessieren.

IDiS als nationaler Knotenpunkt mit internationaler Strahlkraft

Die Initiative Digitale Standards (IDiS), getragen von DIN und DKE, ist das Herzstück der digitalen Transformation der Normung in Deutschland. Das Ziel ist klar definiert: Normen sollen künftig als intelligente Datenpakete direkt in technische Systeme fließen, statt als einfache PDF-Texte gelesen zu werden. Unter der Moderation von Andreas Wernicke (DIN Solutions GmbH) und Janos Koschwitz (VDE) wurde deutlich, dass IDiS international bereits als „Best Practice" gilt. Die enge Abstimmung mit ISO und IEC stellt sicher, dass deutsche Innovationen bei der Entwicklung von SMART Standards weltweit anschlussfähig bleiben.

ReqIF: Von der SPEC 99200 zum PDF-Konverter

Referent: Andreas Wernicke (DIN Solutions GmbH)

Diese Fachgruppe konzentriert sich darauf, Normanforderungen so aufzubereiten, dass sie fehlerfrei und automatisiert in die Software-Systeme der Industrie übertragen werden können. Ein zentraler Meilenstein war hierbei die Fertigstellung der DIN-DKE-SPEC 99200. Dieses Regelwerk definiert erstmals präzise, wie Norminhalte technisch strukturiert sein müssen, um sie verlustfrei über das Austauschformat ReqIF (Requirements Interchange Format) zu transportieren.

Da aktuell noch rund 93 % aller normativen Dokumente als einfache PDF-Dateien vorliegen, wurde zudem das Pilotprojekt „PDF-to-ReqIF" vorgestellt. Ziel ist die Entwicklung eines Konverters, der diese statischen Dokumente automatisiert in intelligente, maschinenlesbare Anforderungen verwandelt. Dies senkt die Hürde für Unternehmen massiv, ihren gesamten Normenbestand ohne manuellen Aufwand zu digitalisieren.

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AI Requirements: 13 Use Cases für die Praxis

Referent: Andreas Müller (Schaeffler Technologies AG & Co. KG)

Die Gruppe analysiert, wie komplexe regulatorische Vorgaben – wie etwa der EU AI Act – technisch so aufbereitet werden können, dass sie für die Industrie einfach handhabbar und automatisiert prüfbar sind. Es wurden 13 konkrete Anwendungsfälle (Use Cases) präsentiert, die zeigen, wie Künstliche Intelligenz als digitaler Assistent im Engineering fungieren kann.

In Kooperation mit dem Projekt „Mission KI" wurde demonstriert, wie KI komplexe Querverbindungen zwischen Normen erkennt und automatisch prüft, ob Anforderungen für ein spezifisches Produkt konsistent sind. Der Fokus für die nächste Phase liegt auf der rechtssicheren Anwendung dieser KI-Werkzeuge in der industriellen Praxis, um die Effizienz bei der Einhaltung von Sicherheitsvorgaben massiv zu steigern.

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Der Digitale Redaktionsleitfaden: Das Fundament für Level-3-Normen

Referent: Andreas Wernicke (DIN Solutions GmbH)

Dieses Projekt definiert die methodischen Regeln für die Erstellung von Normen, damit diese von vornherein so strukturiert sind, dass Computer sie ohne menschliche Interpretation verarbeiten können. Im Plenum wurde der aktuelle Stand dieser „Editorial Directives" vorgestellt, die eine präzise Syntax für das Schreiben digitaler Standards festlegen.

Das Ziel ist das Erreichen von „Level 3" der Normung: Inhalte, die für Maschinen direkt technisch ausführbar sind. Um die Rückmeldungen aus der Industrie vollständig zu integrieren, wurde die Erarbeitungsphase bis zum 30. Juni 2026 verlängert. Langfristig soll dieser Leitfaden als Standard für die digitale Normerstellung auch bei ISO und IEC etabliert werden.

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Digitale Services für die Elektrotechnik: VDE Solutions

Referent: Damian A. Czarny (VDE Solutions Interfaces Services GmbH)

Dieser Bereich widmet sich der Überführung von digitalen Forschungsergebnissen in marktreife Produkte und Dienstleistungen für die elektrotechnische Industrie. Am 1. Januar 2026 wurden diese Aktivitäten in der neu gegründeten VDE Solutions Interfaces und Services GmbH (VDE SIS) gebündelt.

Das Kernangebot umfasst das sogenannte VDE CAAS-System (Content-as-a-Service). Unternehmen können darüber strukturierte Normdaten direkt über moderne technische Schnittstellen (APIs) beziehen und in ihre eigenen Prozesse integrieren, statt Dokumente manuell verwalten zu müssen. Zudem wurde ein Pilotprojekt mit der IEC vorgestellt, das den sicheren Zugriff von KI-Systemen (wie Company-Chatbots) auf das elektrotechnische Normenwerk über Vektordatenbanken ermöglicht.

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KI-Integration und Compliance-Tools: DIN Solutions

Referent: Sven Bergander (DIN Solutions GmbH)

Der Fokus hier liegt auf der Entwicklung von KI-basierten Software-Lösungen, die Unternehmen dabei helfen, ihre internen Anforderungen automatisiert mit dem weltweiten Normenwerk abzugleichen. Ein Highlight war die Vorstellung des OSD-Smart-Plugins, das Autoren bereits während der Erstellung von Normen dabei unterstützt, formal korrekt und maschinenlesbar zu schreiben.

Zudem wurde das Tool Nautos Compliance AI präsentiert. Es ermöglicht einen Massenabgleich von Dokumenten sicher hinter der firmeneigenen Firewall. Unternehmen können damit heterogene interne Dokumentquellen direkt mit den aktuellen Normen von DIN und anderen Regelsetzern verknüpfen, um Verweise und Abweichungen sofort zu identifizieren.

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Roadmap 2026: Einladung zur aktiven Mitgestaltung

Zum Abschluss skizzierten die Moderatoren die Roadmap 2026. Der Fokus liegt nun auf der internationalen Standardisierung und der Skalierung der Pilotprojekte in die breite Anwendung. IDiS lebt von der aktiven Mitarbeit seiner Community. Unternehmen und Experten sind herzlich dazu eingeladen, eigene User Stories einzureichen und in Fachgruppen Verantwortung zu übernehmen, um die digitale Zukunft der Normung aktiv mitzugestalten.

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