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Mitteilungen der DKE-Geschäftsstelle 

69. IEC-Generalversammlung in Kapstadt (Südafrika) 

22.11.2005 

 

Allgemeines

Die IEC richtete in ihrer nunmehr 99-jährigen Geschichte ihre Generalversammlung zum zweiten Mal in der Südafrikanischen Republik und damit auch zum zweiten Mal in Afrika aus. Nach Durban 1995 war diesmal Kapstadt der Gastgeber. Das neue "Cape Town International Convention Centre", direkt am Hafen gelegen, war ein ausgezeichneter Tagungsort, und die Gastgeber erwiesen sich als gute Organisatoren. Das Sicherheitsniveau in Kapstadt ist dem anderer Weltstädte durchaus vergleichbar; es kam auch am Rande der mehr als einwöchigen Sitzungen zu keinerlei Zwischenfällen. Kapstadt hat damit Maßstäbe für die nächstjährige Generalversammlung in Berlin gesetzt.

Insgesamt tagten 45 Technische Komitees und Unterkomitees und eine Vielzahl von Arbeitsgruppen. 1421 Delegierte nahmen an der Generalversammlung teil. Dies ist vom Umfang her fast doppelt so hoch wie im Vorjahr in Seoul und ist vergleichbar mit den Planungen für Berlin 2006. Neben 131 Teilnehmern aus Südafrika stellten Japan mit 150, Deutschland mit 122, China mit 116 und Großbritannien und die USA mit je 98 Teilnehmern die stärksten Delegationen. Von den 65 Mitgliedsländern der IEC (51 Vollmitglieder und 14 assoziierte Mitglieder) waren 56 auf der IEC-Generalversammlung vertreten.

Neben den technischen Gremien tagten in Kapstadt auch alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsausschuss, Exekutivkomitee, Managementausschuss für Normung und Konformitätsbewertungsausschuss). Das Programm wurde mit einer öffentlichen Sitzung des Rates zum Thema „Grundkonzepte und Status des Entwurfs für den IEC Masterplan 2006“ abgerundet.
Die 70. Generalversammlung und gleichzeitig die 100 Jahr-Feier der IEC wird vom 25. bis zum 29. September 2006 in Berlin stattfinden.

Im nachfolgenden Bericht werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Einzelschriftstücke, die offiziellen Tagungsberichte und der genaue Wortlaut der Beschlüsse liegen in der DKE-Geschäftsstelle vor und können bei Bedarf angefordert werden. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht.

 

Sitzung des Managementausschusses für Normung (Standardization Management Board - SMB) am 17. Oktober 2005 

Der Managementausschuss für Normung ist das höchste technische Lenkungsgremium der IEC. Ihm gehören fünfzehn vom Rat gewählte Mitgliedsländer an, wobei die fünf so genannten „Gruppe A-Länder“, darunter Deutschland, einen ständigen Sitz inne haben. Das SMB tagt jährlich drei Mal; normalerweise zweimal in Genf und einmal während der Generalversammlung.

Berichte der Technischen Komitees

Die Technischen Komitees haben nach jeder Sitzung dem SMB einen Bericht vorzulegen und dabei ihr aktualisiertes Arbeitsprogramm und ihr Strategiekonzept (Strategic Policy Statement – SPS) bestätigen zu lassen. Seit der letzten Generalversammlung wurden auf diese Weise insgesamt 60 Berichte geprüft. Die Qualität dieser Berichte hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert; so dass sich das SMB stärker als früher auf die nachfolgenden strategischen Themen konzentrieren kann.

Von weitreichender Bedeutung kann ein Beschluss des SMB werden, die Struktur der rund 80 Technischen Komitees und der rund 120 Unterkomitees der IEC insgesamt zu überprüfen. Durch die technische Entwicklung überlappen sich die Arbeitsgebiete dieser Gremien immer mehr, so dass die historisch überkommenen Abgrenzungen an vielen Stellen nicht mehr gerechtfertigt sind. Eine deutliche Reduzierung der Anzahl der Komitees würde auch ein effizienteres technische Management ermöglichen.

Es wird allgemein davon ausgegangen, dass sich die Diskussion über das Zusammenlegen von TCs und SCs über einige Jahre hinziehen wird. Die bereits bestehende SMB-Arbeitsgruppe zur Stärkung des Systemaspekts in der elektrotechnischen Normung - unter deutscher Leitung - wird hier eine wichtige Rolle spielen.

Zeitmanagement

Der Zeitrahmen für die Bearbeitung von Normungsprojekten wurde weiter gestrafft. Alle Vorhaben, die um mehr als vier Monate gegenüber dem Projektplan verzögert sind, werden vom SMB hinsichtlich der Sinnhaftigkeit einer Weiterführung bewertet. Allein auf der Sitzung in Kapstadt wurden 16 Projekte gestoppt oder auf das sogenannte "preliminary stage" zurückgesetzt. Für Projekte, die länger als 5 Jahre laufen, wird nur in Ausnahmefällen eine Weiterführung genehmigt.

Eine Arbeitsgruppe - wie bei allen Arbeitsgruppen des SMB mit deutscher Beteiligung - soll Kriterien entwickeln, nach denen die Leistungsfähigkeit von TC/SC-Sekretariaten objektiv beurteilt werden kann. Dies hat erhebliche normungspolitische Bedeutung, denn damit können erstmals "Amtszeiten" für Sekretariate eingeführt werden, die bei mangelnder Leistung zur Abwahl des Sekretariats und zur Übergabe an ein anderes Land führen könnten. Das Deutsche Komitee ist bereit, sich diesem Wettbewerb zu stellen.

Weltweite Anwendbarkeit ("Global Relevance") von IEC-Normen

Bereits auf der Generalversammlung 2003 in Montreal hatte der Ratsauschuss zugelassen, dass unterschiedliche Anforderungen in IEC-Normen aufgenommen werden, wenn sie klimatisch oder durch nicht veränderbare Unterschiede in der technischen Infrastruktur bedingt sind. Nach wie vor bestehen erhebliche Meinungsunterschiede darüber, in welchen Fällen die Aufnahme sogenannter "Essential Differences in Requirements (EDR)" in den normativen Teil von IEC-Normen tatsächlich gerechtfertigt ist. Die Versuchsperiode für dieses Verfahren wurde deshalb um ein Jahr auf Oktober 2006 verlängert. Es zeichnet sich ab, dass auch zu diesem Zeitpunkt noch kein Normungsprojekt mit EDR abgeschlossen sein wird.

Ein Ausdruck für die Schwierigkeiten einer Konsensfindung ist die andauernde Diskussion, was überhaupt in diesem Zusammenhang unter "technischer Infrastruktur" zu verstehen ist. Für die Mehrzahl der Europäer gehören Installationen innerhalb von Gebäuden nicht dazu, während China, Japan, Korea und die USA diese einbezogen wissen wollen. Da man sich nicht einigen konnte, soll nun unter Bezugnahme auf die Definitionen in einschlägigen Wörterbüchern von Fall zu Fall entschieden werden.

ACET aufgelöst

Das "Advisory Committee on Electronics and Telecommunication (ACET)" soll wie jedes "Advisory Committee" der IEC dem SMB als Beratergremium für die technische Koordinierung auf seinem Fachgebiet zur Seite stehen. Aus der Sicht des Deutschen Komitees hatte ACET schon seit Jahren keine konkreten Aufgaben mehr, da die einschlägigen Technischen Komitees weitgehend problemlos zusammenarbeiten und die reine Telekommunikationsnormung kein IEC-Arbeitsgebiet mehr ist. Die notwendige Zweidrittelmehrheit für einen Beschluss zur Auflösung kam aber erst zustande, als auch von den Befürwortern für ein Weiterbestehen dieses Gremiums keine Themen für das Arbeitsprogramm genannt werden konnten.

Gemeinsame Sitzungen mit dem ISO TMB

Das Technical Management Board der ISO hat dem SMB eine gemeinsame halbtägige Sitzung im Februar 2006 vorgeschlagen, um ausgewählte beide Seiten interessierende Themen und die Zusammenarbeit zwischen beiden Lenkungsgremien im Allgemeinen zu besprechen. Die Mehrheit der SMB-Mitglieder hielt eine Vollsitzung beider Gremien - mit dann über 80 Teilnehmern - für ineffizient und schlug im Gegenzug vor, dass sich jeweils spezifische Personenkreise zu spezifischen Themen treffen sollten, wenn dies erforderlich wird. Bereits seit längerem nehmen die Technischen Direktoren und seit neuerem auch die Vorsitzenden an den Sitzungen des jeweils anderen Gremiums teil, so dass aus SMB-Sicht eine ausreichende Koordinierung gegeben ist. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass das ISO/IEC Joint Advisory Board als oberstes Schiedsgremium in technischen Fragen seit der Generalversammlung 1998 in Houston nicht mehr zusammentreten musste.

Zusammenarbeit mit CENELEC

Die Zusammenarbeit mit der europäischen elektrotechnischen Normungsorganisation verläuft auf der Grundlage des Dresdener Abkommens nahezu reibungslos. 76% der 2004 von CENELEC veröffentlichten Europäischen Normen sind mit IEC-Normen identisch oder ihnen äquivalent. CENELEC hat seine Verfahren so angepasst, dass auch in Fällen, wo die IEC auf die Veröffentlichung eines FDIS verzichtet und sofort nach der Abstimmung über einen CDV die Internationale Norm veröffentlicht, ohne weitere Abstimmung in CENELEC die zugehörige EN veröffentlicht werden kann.

Schwierigkeiten hat CENELEC noch bei der Übernahme von IEC-Normen, die im Datenbankformat veröffentlicht werden. Aus rechtlichen Gründen müsste über jedes einzelne Datenblatt abgestimmt werden, damit die Norm zum Beispiel unter der Niederspannungsrichtlinie im Offiziellen Journal der Europäischen Kommission gelistet werden kann. Hier sind offensichtlich noch weitere Verhandlungen zwischen CENELEC und Vertretern der Europäischen Kommission erforderlich. Dieses Problem ist bei den CENELEC-Mitgliedsländern auch auf nationaler Ebene noch ungelöst.

Sitzung des Konformitätsbewertungsausschusses (Conformity Assessment Board - CAB) am 10. Oktober 2005

Der Konformitätsbewertungsausschuss tagte unter dem Vorsitz von IEC-Vizepräsident Don Gray (Australien).

Die IEC bietet folgende drei Konformitätsbewertungssysteme an:

    • IECEE-Verfahren: IEC-System für die Konformitätsprüfung elektrischer Betriebsmittel nach Sicherheitsnormen

    • IECQ-System: IEC-Qualitätsbewertungssystem für Bauelemente der Elektronik

    • IECEx: IEC-System zur Zertifizierung nach Nomen für Geräte für explosionsgefährdete Umgebung.

Alle drei Systeme erfreuen sich hoher Akzeptanz im Markt. Insbesondere das IECEE-System unterstreicht mit allein im letzten Jahr erteilten 36000 Zertifikaten seine Marktbedeutung.

Eine der wesentlichen Diskussionen rankte sich um die Einführung von Zertifizierungsaktivitäten auf dem Gebiet der gefährdenden Stoffe. Das IECQ-System und das IECEE-Verfahren planen Prüfungen und Zertifizierungen in diesem - in Europa durch die Direktive zur Beschränkung der Verwendung gefährlicher Stoffe (ROHS-Direktive) abgedeckten - Bereich anzubieten. Während IECQ das Managementsystem des Herstellers zertifizieren möchte, denkt IECEE an Produktprüfungen und Zertifikate auf Basis von Normen, die bei IEC/TC 111 „Umweltbezogene Normung für elektrische und elektronische Produkte und Systeme“ entstehen.

Die Ansichten der einzelnen CAB-Mitglieder lagen dazu weit auseinander. Während einige Länder gar keinen Handlungsbedarf sahen und andere die Ansätze beider Konformitätsbewertungssysteme unterstützten, gab es einen Kompromissvorschlag, das Managementsystem nach ISO 14001 zu erweitern. Letztendlich wurde beschlossen, die Nationalen Komitees nach dem Marktbedarf zu befragen, um dann auf der nächsten Sitzung des CAB eine Entscheidung herbeizuführen.

Weiterhin wurde beschlossen, die Idee der Einführung eines IEC-Konformitätsbewertungszeichens nicht mehr weiterzuverfolgen, jedoch auf dem Gebiet der explosionsgeschützten Geräte ein sektorspezifisches Zeichen (IECEx-Zeichen) anzubieten, da für Letzteres ein ausgewiesener Marktbedarf besteht.

Sitzung des Ratsausschusses (Council Board - CB) am 19. Oktober 2005 

Der Ratsausschuss umfasst den Präsidenten, die beiden Vizepräsidenten, den Schatzmeister, den Generalsekretär und fünfzehn Persönlichkeiten, die von den IEC-Mitgliedern vorgeschlagen werden, aber als unabhängige Funktionsträger und nicht als Vertreter ihrer Nationalen Komitees wirken. Der Ratsausschuss nimmt die Funktion des Rates im Zeitraum zwischen den jährlichen Ratstagungen wahr.

Entsprechend dem an die Ratstagung gegebenen Bericht hat sich das Council Board auf seinen beiden Sitzungen im Jahr 2005 mit den folgenden Hauptthemen beschäftigt.

IEC-Masterplan 2006

Der IEC-Masterplan 2000 soll im nächsten Jahr durch den neuen IEC-Masterplan 2006 ersetzt werden. Vier Arbeitsgruppen des Ratsausschusses haben zu den Themen "Positionierung der IEC", "Qualität und Effizienz", "Produkte und Dienstleistungen" und "finanzielle Stabilität" Vorarbeiten geleistet und neue Strategien entwickelt. Die Schwerpunkte der IEC-Aktivitäten sollen in den nächsten Jahren auf die weitere Erhöhung der Marktrelevanz und der weltweiten Anwendbarkeit der IEC-Normen und auf die Entwicklung neuer Dienstleistungen und Produkte mit "added value" für den Markt gelegt werden. Die Nationalen Komitees der IEC sind in die weitere Ausarbeitung des Masterplans einbezogen.

Auch die öffentliche Sitzung des Rates am Nachmittag der Ratstagung war ganz diesem Thema gewidmet. Hier wurde in der Diskussion ein weiterer Schwerpunkt herausgearbeitet, nämlich die verstärkte Aufnahme von Normungsthemen in den akademischen Unterricht. Damit soll nicht nur der Wissensstand von Hochschulabgängern auf diesem Gebiet verbessert werden, sondern man verspricht sich auch eine bessere Altersstruktur der an der Normung Beteiligten.

Zusammenarbeit ISO-IEC

Die Zusammenarbeit mit der ISO ist ein ständiges Thema der Sitzungen des Ratsausschusses. Er bestätigte erneut seine Absicht einer weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit mit ISO und ITU. Möglichkeiten der Kostenreduzierung und der Nutzung von Synergieeffekten werden unter anderem in der Entwicklung einer gemeinsamen Plattform zur Ausarbeitung von Standardisierungsprodukten mit eingeschränktem Konsens, in der Nutzung gemeinsamer Applikationen auf dem IT-Gebiet  und in einem gemeinsamen Angebot an Entwicklungs- und Schwellenländer zur Beteiligung an der internationalen Normung unter geringst möglichen Kosten gesehen.

Der Ratsausschuss bleibt aber bei seiner Überzeugung, dass der elektrotechnischen Industrie am besten gedient ist, wenn sich die IEC weiterhin als starke und unabhängige Organisation auf die spezifischen Interessen dieser Industrie konzentriert.

Regionale Zentren

Die regionale Basis der IEC wird weiter verbreitert und entspricht damit einer Empfehlung der WTO. Der Ratsausschuss beschloss, neben den bereits bestehenden Zentren in Boston (USA) und Singapur im Frühjahr 2006 ein weiteres Regionalzentrum in Brasilien zu eröffnen. Dieses soll in erster Linie den Beitritt südamerikanischer Länder fördern, denn von dieser Region sind trotz einer teilweise entwickelten elektrotechnischen Industrie nur Argentinien und Brasilien Vollmitglieder der IEC.

Spanisch als offizielle Sprache

COPANT, die panamerikanische Normungsorganisation, hat parallel bei ISO und IEC den Antrag gestellt, Spanisch als offizielle Sprache zuzulassen. Die Auswirkungen dieses Antrags sind unklar; denn beide Organisationen werden sicher weiterhin Englisch als Arbeitssprache verwenden und ihre Normen zweisprachig in Englisch und Französisch veröffentlichen. Die Generalsekretäre wurden beauftragt, den Antrag koordiniert zu behandeln und einen abgestimmten Vorschlag zur Entscheidung vorzulegen.

Sitzung des Rates (Council - C) am 21. Oktober 2005

Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Im Mittelpunkt der Sitzungen des Rates stehen die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Tagungen des IEC-Rates teil.

Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft der IEC hat sich erneut gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Durch die Aufnahme von Kenia und Mazedonien als assoziierte Mitglieder umfasst die IEC jetzt  51 Vollmitglieder, 14 assoziierte Mitglieder und 69 Länder, die am „affiliates country programme“ teilnehmen. Nach dem Bericht der Weltbank 2004 bestreiten die IEC-Mitgliedsländer 91 % und die Affiliates 4% des Welthandels an elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnissen. Die IEC ist somit weltumfassend, allerdings bestehen hinsichtlich der aktiven Mitarbeit weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den Vollmitgliedern und den anderen Mitgliedern.

Wahlen

Der Vorsitzende des CAB, Don Gray (Australien), wurde ohne Gegenkandidaten für eine dreijährige Amtsperiode wiedergewählt. Eine gewisse Überraschung gab es bei der Wahl des Schatzmeisters, bei der sich der Schatzmeister von CENELEC, Olivier Gourlay (Frankreich), gegen den bisherigen IEC-Schatzmeister Mathias Fünfschilling (Schweiz) durchsetzte. Fünfschilling hat sich als Präsident und als Schatzmeister der IEC über einen Zeitraum von 15 Jahren hohe Verdienste erworben.

Für die turnusgemäß frei werdenden drei Sitze im SMB bewarben sich vier Länder. Dabei wurden Korea und Spanien wiedergewählt, während Kanada nach zweijähriger Pause anstelle von Schweden in das SMB aufgenommen wurde. Die Wahl Kanadas erscheint aufgrund der Bedeutung der elektrotechnischen Industrie dieses Landes nur logisch, aber die Abwahl Schwedens stellt aufgrund der aktiven und konstruktiven Rolle der Vertreter dieses Landes im SMB einen Verlust dar.

Für fünf frei werdende Plätze im Council Board hatten sich fünf Kandidaten beworben bzw. wiederbeworben. Weitere Wahlen standen nicht an.

Bericht des Generalsekretärs an den Rat

Der ausführliche Bericht von Generalsekretär Aharon Amit an den Rat über die seit der letzten Generalversammlung erzielten Ergebnisse ist inzwischen zu einer guten Tradition geworden. Er gibt durch eine Vielzahl von Zahlen und Fakten eine sehr gute Übersicht über den aktuellen Leistungsstand der Organisation und kann auch für den Zeitraum Okt. 2004 bis Okt. 2005 als Erfolgsstory gewertet werden. Der 123-seitige Bericht kann bei Bedarf in der DKE-Geschäftsstelle angefordert werden.

Die Anzahl der neu herausgegebenen Normen ist mit 418 nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr wieder auf das seit Jahren ungefähr gleiche Niveau gestiegen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit konnte um weitere zwei Monate auf jetzt 38 Monate gesenkt werden. Nur noch 8% der neu herausgegebenen Normen haben einen Entwicklungszeitraum von mehr als 5 Jahren erfordert, im Vorjahr waren dies noch 18%.

Die aktivsten Technischen Komitees der IEC waren im Berichtszeitraum TC 86 "Lichtwellenleiter" mit 31, TC 61 „Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke“ mit 24 und  TC 100 „Audio-, Video- und Multimedia-Systeme und  Geräte“ und TC46 "Kabel, Drähte, Wellenleiter, HF-Steckverbinder" mit je 23 Normen. Das Verhältnis von Neuausgaben bestehender Normen zu neuen Normen ist seit Jahren konstant bei etwa 1:1.

Die Anzahl neuer Normungsprojekte ist gegenüber dem Vorjahr erneut zurückgegangen (von 208 im Jahr 2003 über 140 im Jahr 2004 auf voraussichtlich 130 im Jahr 2005). Diese Entwicklung ist bedenklich; es stellt sich erneut die Frage, ob die von der IEC festgelegten hohen Hürden für die Neuaufnahme von Normungsprojekten noch marktgerecht sind. Das Deutsche Komitee hat hier allerdings seinen Beitrag geleistet; es liegt mit 15 neuen Normungsvorschlägen an der Spitze aller Komitees, gefolgt von den USA und Japan.

Das Deutsche Komitee war im Berichtszeitraum Gastgeber für 17 IEC/TC-/SC-Sitzungen und liegt damit wie im Vorjahr an zweiter Stelle hinter den USA.

Finanzen

Das Budget der IEC ist in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt nahezu konstant geblieben. Die Gesamtausgaben lagen im Jahr 2004 mit 19,4 Millionen Schweizer Franken um ca. 2% unter denen des Vorjahres. Nach wie vor bilden die Beiträge der fünf großen Mitgliedsländer (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA) mit je 8,4 % der Gesamtbeiträge den wesentlichen Grundstock für den IEC-Haushalt.

Die IEC konnte ihren Haushalt 2004 mit einem Überschuss von 184.000 CHF abschließen. Dieser Betrag wird dem Spezialfonds für Zukunftsinvestitionen zugeführt.

Für das Jahr 2006 werden die Mitgliedsbeiträge im Prinzip beibehalten. Die Summe der Mitgliedsbeiträge steigt um 0,3%. Aufgrund der Anwendung der Dünner-Formel für die Mitgliedsbeiträge, in der unter anderem das Bruttosozialprodukt und der Verbrauch an elektrischer Energie berücksichtigt werden, haben sich für einzelne Nationale Komitees geringfügige Veränderungen ergeben, wodurch sich für die fünf großen Mitgliedsländer sogar ein geringfügiges Absinken der Mitgliedsbeiträge um 0,2% ergibt.

Lord-Kelvin-Award 2005

Der „Lord-Kelvin-Award" ist die höchste Auszeichnung der IEC für Persönlichkeiten, die sich um die elektrotechnische Normung verdient gemacht haben, aber keine hauptamtlichen Normer sind. Unter sechs vorgeschlagenen Bewerbern wurde Hans Nagel (Harting KGaA, Espelkamp) als einziger Preisträger ausgewählt. Nach Karl-Ludwig Orth (1996) und Otto Ulrichs (2003) ist Nagel bereits der dritte Deutsche, der diese Auszeichnung erhält.

Maßgeblicher Verdienst Nagels war die Herstellung einer engen Verbindung der Normungsaktivitäten der IEC mit den Konformitätsbewertungsaktivitäten. Er wirkte über Jahrzehnte als Experte und Vorsitzender im TC48 "Elektrisch-mechanische Bauelemente und Bauweisen für elektronische Einrichtungen" und im Konformitätsbewertungssystem für elektronische Bauelemente (IECQ) mit und war auch maßgeblich am Zusammenschluss des IECQ-Systems mit dem europäischen CECC-System beteiligt.

   
   Dipl.-Ing. Hans Nagel
   HARTING KGaA, Espelkamp

IEC Centenary Challenge

Aus Anlass ihrer 100-Jahrfeier hat die IEC einen Wettbewerb für Akademiker ausgeschrieben, in dem die beste Arbeit über den wirtschaftlichen und sozialen Einfluss Internationaler Normen ausgezeichnet werden soll. Das Bewusstsein der Öffentlichkeit über die gesellschaftliche Bedeutung der internationalen Normung soll damit weiter gefördert werden. Die IEC richtet diesen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit IEE (Institution of Electrical Engineers, UK), IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers, USA) und dem VDE aus. Als Juroren konnten vier hervorragende Persönlichkeiten aus Japan, Großbritannien, den USA und Deutschland (Prof. Wucherer, Siemens München) gewonnen werden.

Zukünftige IEC-Generalversammlungen

Die 70. Generalversammlung vom 25. bis 29.September 2006 in Berlin dürfte allein aus Anlass des dann zu begehenden hundertsten Jahrestages der Gründung der IEC ein besonderer Meilenstein in der Geschichte dieser Organisation werden. Prof. Wucherer sprach als Vorsitzender des Deutschen Komitees der IEC eine herzliche Einladung an alle Delegierten aus und versicherte, dass das Deutsche Komitee alles tun werde, um die Versammlung zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Ein kurzer Film gab einen ersten Vorgeschmack auf Berlin. Auf einem Informationsstand konnten die Delegierten während der gesamten Generalversammlung Informationen über "Berlin 2006" entgegennehmen.

Als Ausrichter der IEC-Generalversammlungen 2007 bzw. 2008 stehen Frankreich bzw. Brasilien fest. Israel und die USA haben ihre Absichten zur Ausrichtung der Generalversammlungen 2009 und 2010 bereits angekündigt.