Nach drei Mal Japan und je zwei Mal China und Indien war Südkorea das vierte südostasiatische Land, das eine IEC-Generalversammlung ausrichtet. Mit acht Generalversammlungen in den letzten vierundvierzig Jahren der nunmehr fast hundertjährigen Geschichte der IEC zeigt sich die Bedeutung der Länder dieser Region in der IEC und im gewissen Sinne auch die Schwerpunktverlagerung, die in diesen einhundert Jahren in der elektrotechnischen und insbesondere in der elektronischen Industrie stattgefunden hat. Obwohl die Teilnehmerzahl deutlich niedriger war als bei vorhergehenden Generalversammlungen, wurde dieses Ereignis von der breiten Öffentlichkeit Südkoreas deutlich wahrgenommen. Der koreanische Minister für Handel, Industrie und Energie hielt die Eröffnungsrede. Staatspräsident Moo-hyun Roh empfing eine IEC-Delegation. Überall im Stadtbild von Seoul fanden sich Hinweise auf "IEC Seoul 2004".
Die DKE nutzte die Gelegenheit, um die Kontakte mit dem koreanischen Normungskomitee (Korean Agency for Technology and Standards - KATS) weiter auszubauen. Am Rande der Generalversammlung wurde zwischen DKE und KATS ein Abkommen unterzeichnet, in dem eine intensivere Zusammenarbeit auf beiderseitig interessierenden Normungsgebieten vereinbart wurde. Der VDE hatte nur zwei Wochen zuvor ein Büro seiner "Global Services GmbH" in Seoul eröffnet.
Die Generalversammlung fand vom 17. bis 22. Oktober 2004 im neuen, hochmodernen Lotte-Hotel im Zentrum von Seoul statt. Insgesamt tagten 24 Technische Komitees und Unterkomitees und eine Vielzahl von Arbeitsgruppen. 852 Delegierte nahmen an der Generalversammlung teil. Neben 205 Teilnehmern aus Korea stellten Japan mit 129, China und Deutschland mit je 50 und die USA mit 49 Teilnehmern die stärksten Delegationen. Von den 63 Mitgliedsländern der IEC (51 Vollmitglieder und 12 assoziierte Mitglieder) waren 55 auf der IEC-Generalversammlung vertreten.
Neben den technischen Gremien tagten in Seoul auch alle Lenkungsgremien der IEC (Rat, Ratsausschuss, Exekutivkomitee, Managementausschuss für Normung und Konformitätsbewertungsausschuss). Das Programm wurde mit einer öffentlichen Sitzung des Rates zum Thema "Die Rolle Internationaler Normen für die Sicherung der Kompatibilität und Interoperabilität von Multimediaausrüstungen" abgerundet.
Die 69. IEC-Generalversammlung wird vom 17. bis zum 21. Oktober 2005 in Kapstadt (Südafrika) stattfinden.
Im nachfolgenden Bericht werden die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen der Lenkungsgremien in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Sitzungen abgehandelt. Einzelschriftstücke, die offiziellen Tagungsberichte und der genaue Wortlaut der Beschlüsse liegen in der DKE-Geschäftsstelle vor und können bei Bedarf angefordert werden. Über die Ergebnisse der Sitzungen der Technischen Komitees und Unterkomitees werden gesonderte Berichte veröffentlicht.

Der Managementausschuss für Normung ist das höchste technische Lenkungsgremium der IEC. Ihm gehören fünfzehn vom Rat gewählte Mitgliedsländer an, wobei die so genannten "Gruppe A-Länder", darunter Deutschland, einen ständigen Sitz inne haben. Das SMB tagt jährlich drei Mal, somit war die Sitzung in Seoul die dritte unter dem neuen Vorsitzenden Frank Kitzantides (USA).
Die Handschrift des neuen Vorsitzenden ist deutlich zu erkennen. Es wurde eine so genannte "consent agenda" eingeführt, aus der nur die Themen behandelt werden, zu denen ein SMB-Mitglied ausdrücklich eine Diskussion wünscht. Die Empfehlungen zu allen anderen unter dieser Agenda geführten Tagesordnungspunkten gelten als automatisch angenommen. Dies führt zu einer beträchtlichen Zeiteinsparung. Weiterhin wurde ein ständiger Tagesordnungspunkt "new technologies" eingeführt, um rechtzeitig den Normungsbedarf auf neuen Technologiefeldern zu identifizieren. Neu ist auch die Entwicklung spezifischer strategischer Zielstellungen für das SMB, die sich natürlich nahtlos in die Strategie des IEC-Masterplans einfügen müssen. Mit diesen Veränderungen hat das SMB einen weiteren Schritt weg vom Mikromanagement hin zu einem effizienten Lenkungsgremium für die technische Normungsarbeit getan.
Berichte der Technischen Komitees
Die Technischen Komitees haben nach jeder Sitzung dem SMB einen Bericht vorzulegen und dabei ihr aktualisiertes Arbeitsprogramm und ihr Strategiekonzept (Strategic Policy Statement - SPS) bestätigen zu lassen. Alle Berichte, einschließlich der SPS, wurden ohne weitere Diskussion unter der "consent agenda" angenommen. Gleiches gilt für Entscheidungen über verspätete Normungsprojekte.
Die Anzahl der neu veröffentlichten IEC-Publikationen ist von 531 im Zeitraum August 2002 bis August 2003 auf 340 im Zeitraum August 2003 bis August 2004 zurückgegangen, das ist seit über zehn Jahren die geringste Produktionsquote. Dieser Rückgang von immerhin 36 % ist offensichtlich durch eine Vielzahl von Faktoren bewirkt. Die seit einigen Jahren praktizierte Konzentration auf marktrelevante Normungsprojekte wirkt sich hier aus, außerdem werden Projekte, deren Laufzeit die geplanten Meilensteine signifikant überschreitet, vermehrt abgebrochen.
Verhältnis Horizontalnormen - Produktnormen
IEC-Guide 108:1994 beschreibt die Zusammenarbeit der Komitees mit Horizontalfunktion mit den Produktkomitees. Die Produktkomitees werden verpflichtet, in ihren Normen auf Horizontalnormen zu verweisen oder unvermeidliche Abweichungen mit dem zuständigen Komitee mit Horizontalfunktion abzustimmen.
Die Anzahl der Horizontalnormen ist inzwischen auf nahezu 1.000 angewachsen; es kann von einem Produktkomitee nicht mehr erwartet werden, alle diese Normen zu kennen und bei der Ausarbeitung seiner eigenen Normen zu berücksichtigen. Das SMB will hier eingreifen und die Anzahl der Horizontalnormen drastisch reduzieren. Dazu soll der Guide 108 mit der Zielrichtung überarbeitet werden, dass neuen und überarbeiteten Normen nur dann eine Horizontalfunktion zuerkannt wird, wenn dazu die Anerkennung der betroffenen Produktkomitees vorliegt.
Neues Technisches Komitee über Umweltnormung
Das SMB beschloss, eine neues Technisches Komitee 111 "Umweltnormung für elektrische und elektronische Produkte und Systeme" zu gründen. Für das Sekretariat hatten sich Italien und Japan beworben. Für Italien stimmten acht europäische SMB-Mitglieder, während alle sechs außereuropäischen SMB-Mitglieder und Dänemark für Japan stimmten. Das Sekretariat geht damit an Italien. Diese weitgehend unterschiedliche Meinungsbildung zwischen Europäern und Nichteuropäern in der IEC ist untypisch, sie ist wohl auf die Besonderheiten der europäischen Umweltgesetzgebung zurückzuführen, die es wünschenswert erscheinen ließ, das Sekretariat dieses TC in Europa anzusiedeln.
Der Aufgabenbereich des neuen TC muss noch exakt definiert werden, um eine klare Aufgabenabgrenzung zu dem seit langem bestehenden Beratungskomitee für Umweltaspekte (Advisory Committee on Environmental Aspects - ACEA) herzustellen. Das neue Komitee wird sich auf die Ausarbeitung von Normen für die Materialdeklaration, für umweltbewusstes Design und für Prüfverfahren zum Nachweis gefährlicher Substanzen konzentrieren und soll dabei insbesondere die europäische Direktive über die Beschränkung des Gebrauchs gefährlicher Substanzen in elektrischen und elektronischen Geräten (ROHS-Direktive) berücksichtigen.
Nanotechnologie
Sowohl auf elektrotechnischem und elektronischem als auch auf nichtelektrotechnischem Gebiet gerät die Nanotechnologie immer mehr in das Blickfeld der Normung. Das SMB wird zu seiner Sitzung im Februar 2005 einen Experten einladen, der in einer Präsentation die Möglichkeiten für zukünftige Normungsarbeiten, die diese Industrie unterstützen könnten, darlegen soll. Daran anknüpfend sollen Entscheidungen über die eventuelle Aufnahme von Normungsaktivitäten getroffen werden. Die DKE wird versuchen, für diese Präsentation einen deutschen Experten zu gewinnen, um bei der eventuellen Bildung eines neuen Technischen Komitees gute Chancen für die Übernahme der Sekretariatsfunktion zu haben.
Weltweite Anwendbarkeit ("Global Relevance") von IEC-Normen
Bereits auf der Generalversammlung 2003 in Montreal hatte der Ratsauschuss zugelassen, dass unterschiedliche Anforderungen in IEC-Normen aufgenommen werden, wenn sie klimatisch oder durch nicht veränderbare Unterschiede in der technischen Infrastruktur bedingt sind. Inzwischen hat das US-Komitee zwei Vorschläge für die Aufnahme sogenannter "Essential Differences in Requirements (EDR)" im SC23H "Industrie-Steckverbindungen" eingebracht. Die Vorschläge wurden abgelehnt, weil die gegebenen Begründungen als nicht ausreichend angesehen wurden. Das US-Komitee will seine Vorschläge neu formulieren.
Es zeigt sich, dass die Hürden zur Aufnahme von EDR in Internationale Normen hoch gesteckt sind und dass in den nächsten Jahren offensichtlich nicht mit einer Vielzahl von derartigen IEC-Normen zu rechnen ist.
Zusammenarbeit mit CENELEC
Vertreter des IEC-Generalbüros in Genf und des CENELEC-Generalsekretariats in Brüssel haben gemeinsame Vorschläge entwickelt, wie zukünftig im Rahmen des Dresdener Abkommens neue Normungsprojekte von CENELEC bei der IEC eingebracht werden können. Es wurde ein vereinfachtes Verfahren vereinbart, mit dem neue Normungsvorschläge in CENELEC frühzeitig von den IEC/TCs auf ihre Eignung als Internationale Normen geprüft werden. Das Technische Büro von CENELEC und jetzt auch das SMB der IEC haben diesen Vorschlägen zugestimmt. Einzelheiten des vereinfachten Verfahrens sollen den Technischen Komitees der IEC in einem Administrativen Rundschreiben bekannt gemacht werden.

Der Konformitätsbewertungsausschuss tagte unter dem Vorsitz von IEC-Vizepräsident Don Gray (Australien).
Eine der wesentlichen Diskussionen rankte sich um die Implementierung eines IEC-Prüfzeichens, dessen Einführung grundsätzlich schon beschlossen war. Jedoch gestalten sich die praktischen Detailfragen schwieriger als erwartet, insbesondere hinsichtlich des finanziellen Risikos für die IEC und die weltweite Marktüberwachung gegen missbräuchliche Verwendung. Deutschland hält unverändert an den Randbedingungen fest, dass ein IEC-Prüfzeichen nur eingeführt werden darf, wenn die relevanten IEC-Normen unverändert angewendet werden und der Marktbedarf für den betreffenden Sektor eindeutig nachgewiesen wurde.
Durch die grundsätzliche Möglichkeit, wesentliche Anforderungsunterschiede (Essential Differences in Requirements) in IEC-Normen einzuführen, kam es inzwischen zu unterschiedlichen Auffassungen, ob solche Normen für die Vergabe eines IEC-Prüfzeichens herangezogen werden dürfen. Deutschland konnte sich mit seiner Meinung durchsetzen, dass diese Normen keine Prüfgrundlagen sein können, da ansonsten das IEC-Prüfzeichen in einzelnen Ländern unterschiedliche Aussagen hätte. Aus Sicht Deutschlands wurde bisher lediglich vom IECEx-System (für explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel) der Marktbedarf eindeutig nachgewiesen. Da es sich auf dem Exschutzgebiet um einen strengregulierten Bereich handelt und die Hersteller durchwegs Zertifikate für das Inverkehrbringen erwerben müssen, versprechen sich die Betroffenen durch ein weltweit anerkanntes Prüfzeichen erhebliche Kosten- und Zeitersparnisse.
Das CAB hat zudem beschlossen, zukünftig stärker auf die Schwellen- und Entwicklungsländer, die keine IEC-Mitglieder sind, zuzugehen, um sie an die IEC-Konformitätsbewertungssysteme heranzuführen, damit deren Prüfergebnisse auch in diesen Ländern uneingeschränkt anerkannt werden.
Ingesamt wurde mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen, dass sich die drei IEC-Konformitätsbewertungssysteme im Markt bewähren. Den größten Zuspruch erfährt das CB Verfahren für elektrische Betriebsmittel. Inzwischen wurden über 34.000 CB-Zertifikate ausgestellt, ein Zuwachs von über 23 % gegenüber dem letzten Jahr. Zudem wurde beschlossen, den Aufgabenbereich des CB-Systems um das Thema elektromagnetische Verträglichkeit zu erweitern.
IECEx als das jüngste IEC-Konformitätsbewertungssystem (für exgeschützte elektrische Betriebsmittel) hat trotz der national unterschiedlichen, restriktiven gesetzlichen Anforderungen bereits über 120 Zertifikate ausgestellt.
Weiterhin ist zu erwähnen, dass die IEC zukünftig stärker mit der ILAC (Organisation für die Akkreditierung von Prüfstellen) und der IAF (Organisation für die Akkreditierung von Zertifizierungsstellen) kooperieren wird, damit die Begutachtungen der in den IEC-Konformitätsbewertungssystemen anerkannten Prüf- und Zertifizierungsstellen gemeinsam, nach harmonisierten Begutachtungsbausteinen, durchgeführt werden können.

Der Ratsausschuss umfasst den Präsidenten, die beiden Vizepräsidenten, den Schatzmeister, den Generalsekretär und fünfzehn Persönlichkeiten, die von den IEC-Mitgliedern vorgeschlagen werden, aber als unabhängige Funktionsträger und nicht als Vertreter ihrer Nationalen Komitees wirken. Der Ratsausschuss nimmt die Funktion des Rates im Zeitraum zwischen den jährlichen Ratstagungen wahr.
Entsprechend dem an die Ratstagung gegebenen Bericht hat sich das Council Board auf seinen beiden Sitzungen im Jahr 2004 mit den folgenden Hauptthemen beschäftigt.
Zusammenarbeit ISO - IEC
Das Council Board hat mehrfach und ausführlich das Angebot der ISO diskutiert, mögliche Synergieeffekte durch die gemeinsame Nutzung von Diensten, einschließlich des gemeinsamen Umzugs in ein anderes Gebäude, zu untersuchen. Die ISO muss wahrscheinlich aus dem bisher gemeinsam genutzten Gebäude in der Rue de Varembé in Genf ausziehen. Die IEC hat den von ihr genutzten Teil des Gebäudes erst kürzlich für über eine Million Schweizer Franken renovieren lassen und müsste bei einem eventuellen Umzug wesentlich ungünstigere Mietbedingungen akzeptieren. Das CB kam zu dem Schluss, dass ein Umzug zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit erheblichen Nachteilen für die IEC verbunden wäre. Mit den modernen Kommunikationsmitteln ist eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen auch bei getrennten Standorten möglich. Die IEC bot der ISO die gemeinsame Nutzung der IEC-Ressourcen an, bei denen eine Nutzung auch durch die ISO möglich ist, zum Beispiel im Informations- und Telekommunikationsbereich.
Dass die räumliche Trennung durch den Auszug der ISO dennoch die Zusammenarbeit erschwert, liegt auf der Hand. Die IEC wird die Zusammenarbeit mit der ISO auch im neuen Masterplan mit höchster Priorität behandeln.
Neue Ausgabe des IEC-Masterplans
Die Arbeiten zur Fortschreibung des IEC-Masterplans 2000 sind voll im Gange. Ein von einer Arbeitsgruppe des CB unter Führung von Horst Gerlach (Deutschland) ausgearbeiteter Entwurf einschließlich einer SWOT-Analyse liegt vor. Der neue Masterplan wird sich auf vier Hauptthemen konzentrieren: "Positionierung der IEC im internationalen Normungssystem", "Qualität und Effizienz", "Dienstleistungen", "Finanzielle Stabilität". Die Zielstellungen und Maßnahmen auf diesen Gebieten sollen von vier Arbeitsgruppen, in die die Industrie, die Nationalen Komitees und Vertreter des Ratsausschusses einbezogen sind, ausgearbeitet werden.
Es ist vorgesehen, dass der neue Masterplan auf der Generalversammlung 2005 in Kapstadt verabschiedet wird.
Einhundertster Jahrestag der Gründung der IEC
Auf einer Veranstaltung am 22. und 23. September 2004 würdigte das Nationale Komitee der USA den auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis gefassten Beschluss, eine internationale Kommission für elektrotechnische Normung zu gründen. Gemäß diesem Beschluss wurde die IEC 1906 in London aus der Taufe gehoben. Die IEC-Generalversammlung 2006 in London wird den einhundertsten Jahrestag festlich begehen.
Bereits im Vorfeld dieses Ereignisses wird der einhundertste Jahrestag der IEC in einer Vielzahl von Veranstaltungen weltweit gewürdigt werden. Ein Element ist der neu geschaffene "IEC 1906 Award", mit dem verdiente international tätige Normungsexperten ausgezeichnet werden. Der Preis wurde an insgesamt 87 Experten, darunter 17 Deutsche, vergeben. Deutschland nimmt damit nach Japan (18 Preisträger) die zweite Stelle ein.
Das Deutsche Komitee plant unter anderem im Juni 2006 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Berlin ein Kolloquium zur Würdigung des einhundertsten Jahrestages. Auf dem VDE-Kongress im Oktober 2006 in Aachen wird ein Workshop dem Thema "Trends und Perspektiven der internationalen elektrotechnischen Normung" gewidmet.

Der Rat ist das höchste Gremium der IEC, in ihm haben alle Vollmitglieder gleichen Sitz und Stimme. Im Mittelpunkt der Sitzungen des Rates stehen die Wahlen wichtiger Funktionsträger sowie Fragen der Mitgliedschaft, der Statuten, der Finanzen und der Beziehungen zu anderen Normungsorganisationen. Traditionell nehmen auch die Präsidenten und Generalsekretäre der ISO und des CENELEC als Gäste an den Tagungen des IEC-Rates teil.
Mitgliedschaft
Die Mitgliedschaft der IEC hat sich gegenüber dem Vorjahr praktisch nicht verändert. Kasachstan ist als zwölftes assoziiertes Mitglied aufgenommen worden, sodass die Mitgliedschaft mit 51 Vollmitgliedern und 67 Ländern, die am "affiliates country program" teilnehmen, auf insgesamt 130 Länder angewachsen ist. Die IEC-Mitgliedsländer bestreiten 91 % des Welthandels an elektrotechnischen und elektronischen Erzeugnissen, die Affiliates weitere 4 % (Bericht der Weltbank 2003). Die IEC ist somit weltumfassend, allerdings bestehen hinsichtlich der aktiven Mitarbeit weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen den Vollmitgliedern und den anderen Mitgliedern.
Wahlen
In Abänderung der Statuten wurde beschlossen, die Amtszeiten der beiden Vizepräsidenten einmalig so zu verkürzen oder zu verlängern, dass bei einer dreijährigen Amtsperiode in jedem Jahr entweder der Präsident oder einer der Vizepräsidenten neu gewählt wird. Damit soll eine höchstmögliche Stabilität und Kontinuität in der IEC-Führung sichergestellt werden. Für 2004 stand eine solche Neuwahl nicht an.
Für die turnusgemäß frei werdenden drei Sitze im SMB bewarben sich fünf Länder. Dabei wurden die Niederlande und Ungarn wiedergewählt, während anstelle von Mexiko Brasilien in das SMB aufgenommen wurde. Bei den Wahlen für das CAB wurden die Niederlande durch Russland ersetzt, während Australien, Frankreich und die USA wiedergewählt wurden.
Bericht des Generalsekretärs an den Rat
Der ausführliche Bericht von Generalsekretär Aharon Amit an den Rat über die seit der letzten Generalversammlung erzielten Ergebnisse ist inzwischen zu einer guten Tradition geworden. Er gibt durch eine Vielzahl von Zahlen und Fakten eine sehr gute Übersicht über den aktuellen Leistungsstand der Organisation und kann in den letzten Jahren als Erfolgsstory gewertet werden.
Obwohl die Mitgliedszahl der IEC praktisch unverändert geblieben ist, hat sie ihre weltweiten Aktivitäten weiter ausgebaut. Das nordamerikanische Regionalzentrum in Boston (USA) hat bereits vom IEC-Zentralbüro in Genf die Betreuung von 20 Technischen Komitees übernommen, das asiatisch-pazifische Regionalbüro in Singapur wird ab 2005 ebenfalls technische Komitees betreuen. Der Aufbau eines Regionalzentrums in Lateinamerika ist vorgesehen. In insgesamt zwölf Ländern Lateinamerikas und der asiatisch-pazifischen Region hat die IEC Workshops zu elektrotechnischen Normungsthemen veranstaltet. Mehr und mehr der 67 Länder aus dem "affiliates program" übernehmen IEC-Standards als Nationale Normen. Die teilweise der IEC nachgesagte eurozentrische Ausrichtung verliert damit mehr und mehr an Glaubwürdigkeit.
Von besonderem Interesse ist auch in jedem Jahr der Leistungsnachweis über die Ausarbeitung Internationaler Normen. Mit der reduzierten Anzahl neu herausgegebener Normen war eine weitere deutliche Reduzierung der Bearbeitungszeiten verbunden. 28 der 360 neuen Normen wurden in weniger als einem Jahr herausgegeben, 84 Normen benötigten zwischen ein und zwei Jahren und 248 wurden zwischen zwei und drei Jahren Bearbeitungszeit fertig gestellt. Es gab aber auch noch 29 Normen, die nach einem Bearbeitungszeitraum von sieben bis acht Jahren herausgegeben worden sind. Dies wird zukünftig nicht mehr möglich sein, weil alle IEC-Projekte automatisch nach fünf Jahren Laufzeit gestoppt werden.
Die durchschnittliche Bearbeitungszeit der neu herausgegebenen Normen liegt jetzt bei 40 Monaten. Die IEC ist damit ihrem Ziel einer durchschnittlich dreijährigen Bearbeitungszeit von Normungsprojekten schon sehr nahe gekommen. In den Arbeitsgruppen zweier Technischer Komitees ist die Testphase für "elektronische Komitees" angelaufen, die zukünftig einen Teil der körperlichen Sitzungen ersetzen sollen. Damit sollen Reisezeiten und Reisekosten reduziert werden.
Die drei aktivsten Technischen Komitees der IEC waren im Berichtszeitraum TC 15 "Feste Isolierstoffe" mit 21, TC 100 "Audio-, Video- und Multimedia-Systeme und Geräte" mit 21 und TC 86 "Lichtwellenleiter" mit 19 Normen. Das Verhältnis von Neuausgaben bestehender Normen zu neuen Normen ist seit Jahren konstant bei etwa 1:1.
Nicht nur die Anzahl der fertig gestellten Normen, sondern auch die Anzahl neuer Normungsprojekte ist gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen (von über 208 im Jahr 2003 auf etwa 150 im Jahr 2004). Deutschland liegt mit acht eingebrachten Normungsvorschlägen wieder an dritter Stelle, allerdings mit weitem Abstand hinter Japan (30) und den USA (18).
Das Deutsche Komitee war im Berichtszeitraum Gastgeber für neun IEC/TC-/SC-Sitzungen und liegt damit an zweiter Stelle hinter den USA.
Finanzen
Das Budget der IEC ist in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt nahezu konstant geblieben. Die Gesamtausgaben lagen im Jahr 2003 bei 19,8 Millionen Schweizer Franken. Nach wie vor bilden die Beiträge der fünf großen Mitgliedsländer (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, USA) mit je 8,4 % der Gesamtbeiträge den wesentlichen Grundstock für den IEC-Haushalt.
Die IEC konnte ihren Haushalt 2003 mit einem Überschuss von 390.000 CHF abschließen. Davon mussten 300.000 CHF für ausgefallene Mitgliedsbeiträge eingesetzt werden. Der Rest wurde dem Spezialfonds für Zukunftsinvestitionen zugeführt.
Der ursprünglich für die Renovierung des IEC-Gebäudes vorgesehene Betrag von 2 Mio. CHF wurde nur zu 1,5 Mio. ausgeschöpft. Die nicht verwendeten Mittel sollen für Aktionen im Zusammenhang mit der Hundertjahrfeier der IEC verwendet werden.
Die Vermögenswerte der IEC überschreiten die Verbindlichkeiten um 25,2 Mio. CHF, das sind 1,3 Mio. CHF mehr als im Vorjahr. Dies unterstreicht die solide Finanzbasis der IEC.
Für das Jahr 2005 wurden die Mitgliedsbeiträge im Prinzip beibehalten. Aufgrund der Anwendung der Dünner-Formel für die Mitgliedsbeiträge, in der unter anderem der Verbrauch an elektrischer Energie berücksichtigt wird, haben sich für einzelne Nationale Komitees geringfügige Veränderungen ergeben, sodass die Summe der Mitgliedsbeiträge gegenüber dem Jahr 2004 um 0,2 % niedriger liegen wird.
Lord-Kelvin-Award
Der "Lord-Kelvin-Award" ist die höchste Auszeichnung der IEC für Persönlichkeiten, die sich um die elektrotechnische Normung verdient gemacht haben, aber keine hauptamtlichen Normer sind. Der jährlich maximal an drei Personen zu vergebende Preis wurde in diesem Jahr an Antonio Bossi (Italien) und William Radasky (USA) vergeben.
Bossi hat seit über dreißig Jahren als Vorsitzender oder Sekretär in den IEC-Komitees TC 14 "Transformatoren", SC 32A "Hochspannungssicherungen", TC 33 "Leistungskondensatoren" und TC 38 " Messwandler" gewirkt.
Radasky ist langjähriges Mitglied des TC 77 "Elektromagnetische Verträglichkeit" und Vorsitzender des SC 77C "Störfestigkeit gegen exoatmosphärischen nuklear elektromagnetischen Impuls (HEMP)". Er ist Vorsitzender des beratenden Komitees für elektromagnetische Kompatibilität (ACEC), das als beratendes Komitee des SMB die Normungsaktivitäten der Produktkomitees zur elektromagnetischen Verträglichkeit koordiniert.
Zukünftige IEC-Generalversammlungen
Obwohl die Organisation einer IEC-Generalversammlung mit normalerweise über 1.000 Teilnehmern für jedes Nationale Komitee eine Herausforderung darstellt, hat die IEC keine Schwierigkeiten, Gastgeber für ihre Generalversammlungen zu finden. Bereits jetzt liegen Einladungen für 2005 (Südafrika), 2006 (Großbritannien), 2007 (Frankreich) und 2008 (Brasilien) vor.
