DKE_jahresbericht_2016_Industry
05.05.2017 Publikation 197 0

ZDKI-Konferenz 2016 – Funksysteme für die Vernetzung

Das Förderprogramm „Zuverlässige drahtlose Kommunikation in der Industrie (ZDKI)“ adressiert die Erforschung von Funktechnologien für industrielle Anwendungen – insbesondere im Kontext von Industrie 4.0. Über 50 Partner aus Industrie und Wissenschaft haben sich in acht Projekten organisiert, um bis 2018 technologische Lösungen zu erarbeiten. Unterstützt werden sie dabei von dem aus fünf Partnern bestehenden Begleitforschungsprojekt BZKI, koordiniert von VDE|DKE. Die unter ZDKI zusammengefassten Projekte werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Projekte adressieren zwei zentrale Forderungen für kabellose Kommunikation in der Industrie: Zuverlässigkeit und geringe Latenzzeiten. Damit legen sie die Grundlage für Industrieanwendungen der Zukunft.

„Die Digitalisierung braucht eine drahtlose Kommunikation, die Echtzeitanwendungen ermöglicht“, so lautet die Botschaft der ZDKI-Konferenz 2016 in Renningen.

Sven Hamann, Vice President im Bereich Corporate Research bei Bosch, begrüßte die rund 100 Teilnehmer und erläuterte eindrucksvoll, wie Industrie 4.0 im Unternehmen umgesetzt wird. Bosch bietet als weltweiter Lieferant eine sehr breite Palette an Industrieprodukten an und ist gleichzeitig mit über 250 eigenen Fabriken auch Nutzer von Industrieausrüstung. Stefan Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, betonte zur Eröffnung der Konferenz: „Deutschland ist der Fabrikausrüster der Welt, doch es wäre riskant und kurzsichtig, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.“ Er fordert für Deutschland eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie dies bereits in den ZDKI-Projekten der Fall ist. Die deutsche Industrie müsse die Chancen wahrnehmen und sich in diesem wettbewerbskritischen Umfeld platzieren. Daher hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit ZDKI ein 40 Millionen Euro schweres Forschungsprogramm auf die Beine gestellt, um die Wertschöpfung im Bereich der Industriekommunikation zu fördern.

BZKI-Konferenz

von links: Gastgeber Sven Hamann (Bosch) mit Stefan Müller (PStS im BMBF) und Ansgar Hinz (VDE)

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Mit der Industriekommunikation treffen zwei unterschiedliche Fachgebiete mit ihren verschiedenen Begriffswelten, Sichtweisen und Erfahrungen aufeinander: die Telekommunikation und die Industrieautomation. Es sei daher sehr wichtig, zunächst „eine gemeinsame Sprache zu entwickeln“, so Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE. „Roboter, die durch die Werkshallen streifen, Anlagen, die sich selbst organisieren, oder Bauteile, die sich autonom zu ihren Bearbeitungsmaschinen bewegen, können dies nicht mithilfe von Kabeltechnik tun“, ergänzte Hinz. „Kommunikation ist ein zentrales Element von Industrie 4.0“, sagte Bernd Kärcher, Forschungsleiter für Mechatronik bei Festo. Doch um die Versprechungen von Industrie 4.0 wahr werden zu lassen, bedarf es – verglichen mit heute – einer deutlich höheren Vernetzung, insbesondere durch neue drahtlose Kommunikationslösungen zur Steigerung der Flexibilität und Mobilität.

Auf der Tagung präsentierten die Verantwortlichen aus den einzelnen Projekten ihre verschiedenen Ansätze, die von der Modifizierung der WLAN-Technik bis zur Entwicklung komplett neuer Funksysteme reichten. „Die Leistungsfähigkeit der Funktechnologien muss dabei mindestens der von drahtgebundenen Systemen entsprechen – wie zum Beispiel CAN, PROFIBUS oder PROFINET“, fordert Kärcher. Eine wichtige Rolle wird der zukünftige Kommunikationsstandard 5G spielen, der ein Zusammenspiel aus verschiedenen Technologien darstellt. Dazu zählt zellulare Mobilfunktechnik ebenso wie WLAN. So kann für den jeweiligen Anwendungsfall immer die Funkkommunikation mit den passenden Eigenschaften ausgewählt werden. Immerhin: Trotz der Herausforderungen bei der drahtlosen Kommunikation in den Werkshallen arbeiten bereits viele Unternehmen an Industrie-4.0-Projekten. Dazu zählt zum Beispiel der Aufbau einer virtuellen Werkstatt für den Werkzeugbau beim Autohersteller Daimler, wie Dr. Sama Mbang, Industrie-4.0-Experte im Daimler- Werk in Sindelfingen, berichtete. Auch Zulieferer Bosch ist bereits in die Industrie-4.0-Ära gestartet. Dort werden unter anderem Werkstücke autonom zu den Fertigungslinien transportiert.

Eines der gemeinsamen Ziele der Projekte ist es außerdem, in Zukunft diese Technologien in einem für die Industrie 4.0 zugewiesenen Frequenzspektrum einzusetzen.

„Es ist wichtig, dass der Industrie ein eigenes Frequenzband zur Verfügung gestellt wird“, meinte Professor Armin
Dekorsy von der Universität Bremen auf der Konferenz. Das zeige seiner Meinung nach aber auch, dass neben der Forschung in den ZDKI-Projekten noch viel strategische und politische Arbeit zu verrichten sei. Grundsätzlich reiche Technik allein nicht aus. Auch Standardisierung, Regulierung und patentrechtliche Aspekte spielten wichtige Rollen, wenn es darum gehe, die drahtlose Kommunikation für die Fabrik der Zukunft zu gestalten. Zudem hat das Förderprogramm auch große Bedeutung für den Standort Deutschland. Dies ist die einhellige Meinung aller an der ZDKI-Forschung beteiligten Experten.

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