DKE_jahresbericht_2016_Industry
05.05.2017 Publikation 153 0

Digitaler Zwilling

Mit Industrie 4.0 und der Digitalisierung der produzierenden Industrie wachsen reale und virtuelle Welt zusammen und stellen die Normung vor neue Herausforderungen. Es wird davon ausgegangen, dass jedes reale physische Produkt in Zukunft einen „digitalen Zwilling“ haben wird, der bereits mit der Produktidee geboren wird. Er dient bei der Fertigung als Vorlage und wird während des Produktentstehungsprozesses immer aktualisiert. Das Projekt Digitaler Zwilling widmet sich dem Ziel, an eben solchen digitalen Zwillingen, die während ihrer gesamten Lebenszyklen mit dem Produkt untrennbar verbunden bleiben, eine digitale Vorprüfung zur Normenkonformität vorzunehmen.

Eine der Herausforderungen besteht darin, Normen zukünftig in maschinell interpretierbare, formalisierte Formen zu überführen, um die Qualität der Normungserstellung und ihre Anwendung zu steigern. Ein intelligentes Softwaresystem, wie in der Vision der DKE angestrebt, wäre in der Lage, technische Aspekte des digitalen Zwillings bereits während des Engineerings zu prüfen. Mögliche Probleme des physischen Endprodukts können so bereits frühzeitig entdeckt und ausgeschlossen werden.

Die digitale Beschreibung von Industriekomponenten, Maschinen, Fertigungsanlagen und Fabriken hilft hierbei nicht nur, den Bauartnachweis und die EG-Konformitätsbewertung zu erbringen und zu optimieren, sondern reduziert auch den Arbeitsaufwand, der für die Hersteller nach der ersten Prüfung am physischen Produkt entstehen kann. Manuelle Arbeitsaufwände lassen sich reduzieren, Probleme werden frühzeitig erkannt und können einfacher und kostengünstiger behoben werden. Bereits heute werden Projektierungsarbeiten während des Engineerings durch moderne Tools, die an Normen angelehnte Prüffunktionen anbieten, kontrolliert. Dennoch kann der Anwender bislang nicht davon ausgehen, dass diese Kontrollen auch wirklich den Anforderungen der Richtlinien und Normen vollständig genügen. Das Ziel des Projekts ist, die digitale Vorprüfung produkt- und domänenübergreifend und mit Fokus auf Normenkonformität zu realisieren. Die Grenzen hierfür sind nicht bei Engineering Tools erreicht. Denkbar sind auch selbständige Programme oder Web-Service-Anwendungen.

Entsprechend wird ein einheitliches und standardisiertes Austauschformat benötigt, wie beispielsweise das Datenformat AutomationML. Die in einem solchen Format hinterlegten Daten des digitalen Zwillings werden von der Anwendung gegen die maschinell interpretierbare und formalisierte Form der Norm geprüft.

Am Beispiel von Schaltgerätekombinationen – also Schaltschränken – ließe sich die Zugänglichkeit von Komponenten und Bedienelementen prüfen, eine syntaktische Kontrolle der Betriebsmittelkennzeichnungen vornehmen und ein Nachweis der Erwärmung sowie der Einhaltung von Luft- und Kriechstrecken erbringen. Wurde das Produkt digital vorgeprüft, müssen lediglich am Endprodukt die fehlenden Prüfungen vollzogen werden. Zentrale Voraussetzung hierfür ist, dass Normen zukünftig keinen Interpretationsspielraum zulassen und automatisiert angewendet werden können. Das Projekt Digitaler Zwilling strebt die Weiterentwicklung und Realisierung dieser Vision als treibende Kraft für diese zukunftsweisende Veränderung des Normerstellungsprozesses an.

General Meeting - TC of the Future

General Meeting – TC of the Future

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Kontakt

Robert Schmieder

Normungserfolge