UCMR Waben
05.01.2017 Seite 394 0

Use Cases im Bereich Smart Energy

Use Cases (Anwendungsfälle) beschreiben Akteure, Vorgänge und Aktivitäten aus Sicht der Aufgabenstellung und abstrahieren technische Details.
Aus den jeweiligen Use Cases werden technische Anforderungen abgeleitet, die dann in den betroffenen Bereichen in Normen und Standards umgesetzt werden. Use Cases bilden so in einem frühen Stadium der Normung und Standardisierung Vorgänge und Umsetzungspläne ab, die dann noch systemisch umzusetzen sind.

Gehörte der Begriff „Use Cases“ bis vor Kurzem ausschließlich zum Vokabular von IT-Architekten und Software-Entwicklern, werden nun auch Mitarbeiter in der Normung und Standardisierung damit konfrontiert. Der Ansatz, Anwendungsfälle (engl.: use cases) einer Technologie zu beschreiben und zu sammeln, hat sich für diese Bereiche als sehr praktikabel erwiesen, wobei die Erstellung einer Bibliothek von Use Cases einigen Regeln genügen muss.

Wieso aber werden die Use Cases gerade jetzt in der Normung entdeckt?

In der „klassischen Normungsarbeit“ werden Anforderungen an eine bestimmte Produktkategorie von einem dedizierten Produktgremium bzw. einem diesem untergeordneten Arbeitskreis erarbeitet. Diese Form der Normungsarbeit spiegelt sich in den Organisationsstrukturen der jeweiligen Normungsorganisationen (IEC und ISO, CENELEC und CEN sowie DKE und DIN) wider. Sie sind in Produktgremien gegliedert und weisen damit nur wenige horizontale Einheiten auf, die Querschnittsaufgaben erfüllen.

Kontakt

Jessica Fritz

Gremienübergreifende Themen, wie z. B. umrichtergesteuerte Antriebe, werden durch Liaisons zwischen den beteiligten Komitees – im genannten Beispiel das IEC/TC 2 und IEC/SC 22G – behandelt. Jede Erweiterung der Betrachtung erfordert eine weitere Liaison, beispielsweise durch Komitees für Pumpen und Ventilatoren als getriebene Anwendungen.

Der Ansatz, Liaisons der beteiligten Gremien einzurichten, stößt spätestens bei der Behandlung von Querschnittsthemen wie Smart Grid, Elektromobilität und AAL definitiv an seine Grenzen. An Stelle des alten Schemas ist eine alternative Form der Zusammenarbeit erforderlich, die insbesondere gremienübergreifend ein gemeinsames Verständnis der Technologie – zumindest bis zu einem bestimmten Detaillierungsgrad – gewährleisten muss. Darüber hinaus muss diese Form der Kollaboration auch international verschiedene Sichtweisen unter Anwendung einer gemeinsamen Methodik vereinigen.

Bedingungen für Use Cases

Die Anforderungen an diese Methodik sind eine einheitliche Terminologie, eine gemeinsame Notation und die innere Vernetzung von zunächst getrennt voneinander betrachteten Sachverhalten, die die Konsistenz der abgeleiteten Normen sicherstellt. Eine solche Methodik ist dargestellt in der IEC/PAS 62559 „IntelliGrid Methodology for Developing Requirements for Energy Systems“, die im Bereich Smart Grid erfolgreich Anwendung findet. Diese Spezifikation beschreibt die Dokumentation der Sachverhalte in Form von Use Cases auf Basis einer terminologischen Datenbank, dem sogenannten Repository. In ihm sind Bezeichnungen für Aktoren, Domänen, Rollen etc. abgelegt. Die Beschreibung eines Use Case geht im Allgemeinen von einem abstrakten generischen Anwendungsfall aus und umfasst mehrere Detaillierungsschritte bis zu einer Granularität, die normungsrelevante Anforderungen an die Interoperabilität der Systemkomponenten oder Geschäftsmodelle sichtbar macht. Die Notation der Use Cases erfolgt durch Textbausteine, Abbildungen und Diagramme auf Basis der Unified Modeling Language (UML).

Die Forderung nach Konsistenz der Use Cases durch ein datenbankgestütztes Repository legt nahe, die Erstellung, Sammlung und Administration von Use Cases in einer dedizierten IT-Umgebung zu handhaben. Die DKE hat diesen Bedarf früh erkannt und mit Projektpartnern eine Umgebung entwickelt, die zunächst die oben beschriebene Mindestfunktionalität bereitstellt und aktuell von Mitarbeitern verschiedener nationaler, europäischer und internationaler Gremien getestet wird. Mit dem Ziel, dieses Werkzeug dann auch bei CENELEC und IEC zu etablieren, soll es in einem weiteren Schritt in eine professionelle Lösung überführt werden.

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