Zwei Kabel mit Funkenschlag
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18.12.2014 161 0

Artikel 4 – Sicherheit in Gleichstromanwendungen

Die Ergebnisse des DCSich-Projekts

Wie an dieser Stelle bereits berichtet, führten das Forschungs- und Transferzentrum Leipzig e.V. (FTZ), der VDE-Ausschuss Sicherheits- und Unfallforschung sowie die DKE  Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Untersuchung „Auswirkungen von Gleichstrom (DC) auf den menschlichen Körper im Rahmen der Elektromobilität und versorgender DC-Infrastruktur – DCSich“ durch. Zum 30. November 2014 lagen die Ergebnisse vor. Auf diese soll nun weiter aufgebaut werden.

Im Abschlussworkshop am 17. November 2014 in Frankfurt am Main wurden sowohl die Ergebnisse des Projektes vorgestellt und diskutiert als auch der Startschuss für die Normungsroadmap „Gleichstrom im Niederspannungsbereich“ gegeben.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschreibungen der Wirkungsbereiche in den Normen überarbeitet werden sollten. Die für die praktischen Anwendungen wichtigen Kurven der Flimmerschwelle (Kurven c1, c2 und c3 nach Bild 22 der DIN IEC/TS 60479-1 (VDE V 0140-479-1) von Mai 2007) können dagegen bestätigt werden.

DC-Sich Artikel 2 Bild 1

Auch bei Gleichstrom kann nicht nur im Einschaltmoment Herzkammerflimmern auftreten. Die bisher unter der Bezeichnung „andere Wirkungen“ angegebenen Effekte können nun ebenfalls unterlegt werden. Noch zu klären ist, ob auch bei Gleichstrom eine Loslassschwelle zu berücksichtigen ist. Falls eine derartige Schwelle nicht existiert, können die Grenzwerte stark vereinfacht werden. Lange Durchströmungsdauern sind in diesem Fall nur in besonderen Fällen, z. B. bei eingeklemmten oder bewusstlosen Person, zu berücksichtigen.

Nach Projektende werden durch das FTZ weitere Detailuntersuchungen zur Loslassschwelle und elektrochemischen Wirkungen erfolgen. Für letztere werden auch kleine Ströme im Bereich der Kurven a und b nach Bild 22 der DIN IEC/TS 60479-1 (VDE V 0140-479-1) bei langen Durchströmungsdauern untersucht.

Die zukünftig zu erwartende steigende Anzahl von DC-Niederspannungsinstallationen in verschiedensten Anwendungsbereichen erfordert eine intensivere Betrachtung. Da die bisherigen Lücken in den normativen Festlegungen durch die wissenschaftlichen Basisuntersuchungen nicht gänzlich ausgeräumt werden konnten, wurde in mehreren Expertenworkshops der Bedarf nach einem Dokument, das sowohl den heutigen Stand der Normung als auch neue Entwicklungen bezüglich der Gleichstromanwendungen darstellt, thematisiert.

Diese von der DKE zu erarbeitende Normungsroadmap „Gleichstrom im Niederspannungsbereich“ soll als Wegweiser für die Berücksichtigung der Gleichstromaspekte in den betroffenen Normungsgremien dienen. Insbesondere sind hierbei die Ergänzung von Gleichstromanforderungen in den Normen zur Errichtung von Niederspannungsanlagen sowie die Diskussionen zur Notwendigkeit der Erstellung spezieller Normen für Gleichspannungs-Schutz- und -Schaltgeräte zu nennen. Es ist vorgesehen, die Normungsroadmap nach der Freigabe durch die einbezogenen Gremien Ende 2015 zu publizieren und auf der DKE-WebSite www.dke.de zum kostenfreien Download anzubieten.

Wie die große internationale Beteiligung an den im Rahmen des Projekts DCSich durchgeführten Workshops zeigt, ist das Thema „Sicherheit in Gleichstromanwendungen“ kein rein nationales Projekt. Es bedarf vielmehr des internationalen Austauschs unter anderem der Bereiche Informationstechnik, Elektromobilität, Energietechnik und Gebäudeinstallation, um grenzüberschreitend ein gleiches Verständnis der Gefährdungen und Schutzmaßnahmen sicherzustellen.

Alle an einer Mitwirkung an der Roadmap interessierten werden gebeten, sich kurzfristig bei Henriette.boos@vde.com anzumelden. Lediglich an den Ergebnissen interessierte können den DKE-Newsletter abonnieren und so sicherstellen, dass sie allmonatlich über die neuen Bekanntmachungen der DKE informiert werden.

Zusätzlich wurde ein weiteres Projekt angestoßen. Im Rahmen dieses Projekts (IsKoNeu) untersucht die DKE zusammen mit Fa. Bender GmbH & Co. KG, Grünberg (Hessen), die Bemessung von Luft- und Kriechstrecken unter Umgebungsgesichtspunkten in neuen Anwendungen näher. Über die Ergebnisse dieses Projekts wird ebenfalls auf der DKE-WebSite www.dke.de berichtet werden.

 

Kontakt

Henriette Boos
Dirk Barthel