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Praktikum in der Normung – ein Erfahrungsbericht

Interview mit Wolf-Christian Winkler

Wolf-Christian Winkler

Praktikum kann jeder. Aber in der Normung? Muss man dafür nicht besonders viele Akten wälzen und das Einhalten von Standards überwachen? Iwo, sagt Wolf-Christian Winkler, der an der FH Aachen Elektrotechnik mit Vertiefung Fahrzeugelektronik studiert. Als erster angehender Student der Elektroingenieur-Wissenschaften hat er ein Praktikum bei der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE in Frankfurt absolviert. Mit einem eindeutigen Ergebnis: „Ich würde es sofort wieder tun!“. Im Interview spricht der 25-Jährige über Erfahrungen und Erlebnisse aus seiner rund fünfmonatigen Praktikumszeit.

Hallo Wolf-Christian, zu Beginn eine eher allgemeine Frage: Was fasziniert Sie eigentlich an Elektrotechnik?

Ich bin mit ihr aufgewachsen! Mit meinem Elektrobaukasten habe ich schon früh erste Experimente durchgeführt. Und von meinem alten, höllisch lauten Nadeldrucker bin ich heute noch begeistert. Ich wollte damals wissen, wie es dieser höllisch laute Apparat schafft, die Inhalte von Bildschirmen auf Papier zu bringen. Letztlich war es also nur konsequent, dass ich bei einem Studium der Elektrotechnik gelandet bin.

Aber Ihre Neugierde und Ihr Interesse für elektronische Prozesse passen nicht so recht zu Ihrem heutigen Interesse an der Normungsarbeit.

Warum nicht? Wer glaubt, dass Spaß an Technik und Interesse für Normung ein Widerspruch sind, der irrt sich gewaltig. Beides sind Seiten derselben Medaille. Wenn ich einen Drucker an den Computer anschließen möchte, brauche ich genau definierte Schnittstellen. Ohne Normen funktioniert das nicht. Normen sind also die Grundlage für das Funktionieren elektrotechnischer Prozesse. Das wurde mir spätestens klar, als ich eine Vorlesung zur Automobilelektronik gehört hatte. Dabei habe ich einiges über Industrienormen, nationale, europäische und internationale Normen erfahren: Wie werden sie entwickelt? Wie sind die aufgebaut? Welche Interessen spielen in die Normungsarbeit hinein? Und: Welchen Einfluss haben Normen auf die Entwicklung von Fahrzeugen und wie recherchiert man Normen?

Das hat Sie beeindruckt?

Ein Stück weit. Aber Normen gehören natürlich nicht unbedingt zu den spannendsten Wissensgebieten der Elektrotechnik. Zumindest solange nicht, bis man begreift, dass es nicht nur um Vorgaben geht, die eingehalten werden müssen. Sondern, dass man diese Vorgabe auch mitgestalten und beeinflussen kann.

War das der Grund, warum Sie sich für ein Praktikum in der Normungsarbeit entschieden haben?

Ein wenig war es auch der Reiz des Besonderen: Ein Praktikum in der Industrie kann schließlich jeder. Dort entwickelt man dann eine Platine und schreibt einen Bericht darüber. Ich aber wollte das Pferd von hinten aufzäumen und wissen, wie industrielle Entwicklung „tickt“, wie die Wirtschaft Initiativen vorantreibt. Und das erfährt man, wenn man sich für die Hintergründe der Normungsarbeit interessiert. Auch wenn meine Kommilitoninnen und Kommilitonen immer wieder alte Klischees bemüht haben. Da hieß es zum Beispiel, dass das Praktikum sicherlich trocken und deshalb langweilig würde und dass meine Kollegen altersmäßig – naja – sagen wir mal: deutlich über dem Schnitt liegen würden. Wie lächerlich diese Meinung mittlerweile ist, merkt man sofort, wenn man mit den Leuten der DKE spricht. Viele „da draußen“ haben offensichtlich nicht mitbekommen, dass mittlerweile sehr viele junge Leute für die Normung arbeiten. Hier hat ein Umbruch stattgefunden.

Was hat Sie so fasziniert?

Die Vielfalt an Menschen und Aufgaben. Bei der DKE in Frankfurt arbeiten ja nicht nur Elektrotechniker. Ich habe beispielsweise Chemiker oder Informatiker kennengelernt. Allein die Unterschiedlichkeit der Berufe führt dazu, nicht im eigenen Saft schmoren zu müssen, sondern über den Tellerrand hinaus sehen zu dürfen. Letztlich kann Normung eben nur funktionieren, wenn die Teams interdisziplinär besetzt sind. Hinzu kommt, dass wir uns meist mit Themen auseinandergesetzt haben, die aktuell sind oder sogar erst in Zukunft zu elektrotechnischen „Hypes“ werden. Das an sich ist schon spannend.

Von der Fachhochschule ins „Berufsleben“: Wie groß war die Umstellung?

Die ersten Tage waren wirklich ungewohnt – was letztlich aber wohl auch daran liegt, dass man als Student anders arbeitet. Vor allem zu anderen Uhrzeiten. Aber genau deshalb gibt es ja Praktika. Was mich in den ersten Tagen besonders gefordert hat, war die Flut von Abkürzungen. Anfangs musste ich ständig nachfragen. Für meine Nachfolger habe ich deshalb einen Tipp: Im Intranet der DKE gibt es eine Liste für Leute, die auch nicht alle Abkürzungen kennen.

Was war Ihr erstes Projekt, an dem Sie beteiligt waren?

Es ging um die Umsetzung der deutschen Normungs-Roadmap zur Elektromobilität. Sie ist eine Art Wegbeschreibung, um die Vorreiterrolle Deutschlands im Bereich der Elektromobilität im weltweiten Wettbewerb zu erlangen und weiter auszubauen sowie die Technologieentwicklung und die Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Dafür haben wir verschiedene Milestones entwickelt und Unterprojekte wie etwa zu Batterie-Management-Systemen definiert. Viel mehr kann ich aber nicht sagen, denn die Umsetzung einer Roadmap hat letztlich auch viel mit Unternehmensstrategien zu tun.

Dann lassen Sie uns über ein anderes Projekt sprechen, an dem Sie beteiligt waren.

Auch da ging es um Elektromobilität. Aufgabe war es, einen technischen Leitfaden zur Errichtung von Ladeinfrastruktur zu erstellen. Wir haben uns damit beschäftigt, was einzelne Bürger oder ganze Stadtverwaltungen bei der Planung von kleineren oder groß angelegten Ladestationen berücksichtigen sollten.
Allerdings ist es mir wichtig klarzumachen, dass ich nicht nur an ausgewählten Projekten wie diesen beteiligt war. Häufig sind einzelne Mitarbeiter auf mich zugekommen, um mich zu fragen, ob ich Zeit und Lust hätte, in ein anderes, laufendes Projekt hineinzuschauen. Als Praktikant der DKE war ich also in einer sehr angenehmen Position. Hinzu kommt, dass ich verschiedene Veranstaltungen besuchen konnte. Beispielsweise den „Innovations(t)raum Elektromobilität Stuttgart“, die DKE-Tagung oder die Nationale Konferenz Elektromobilität in Berlin.

War das Praktikum eigentlich bezahlt?

Ja. Ich habe zumindest so viel bekommen, dass ich meine Unterkunft in Frankfurt gut bestreiten konnte.

Wenn Sie jetzt im Nachhinein sich wieder mit Normen auseinandersetzen, inwieweit hat sich der Bezug geändert?

Ich weiß jetzt, wo und wie Normen entstehen. Und das nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher und industriepolitischer Hinsicht. Diese politischen „Schlachten“, die manchmal geschlagen werden, machen die Normungsarbeit besonders kniffelig und interessant. Beispielsweise saßen wir in einer Sitzung und haben uns fast eine halbe Stunde damit auseinandergesetzt, ob wir eine Soll- oder Kann-Formulierung wählen sollten. Es ging also nur um ein kleines Wort. Und es war „nur“ ein Empfehlungsschreiben. Daran sieht man vielleicht, dass es bei der Normungsarbeit nicht nur um technische, sondern auch um kommunikative Finesse geht. Die Elektrotechnik ist eine Leitbranche, die so wichtig sein kann, dass manchmal auch Worte auf die Goldwaage gelegt werden müssen.

Würden Sie Ihren Kommilitonen ein Praktikum im Bereich Normung empfehlen?

Ich würde es Leuten empfehlen, die sich nicht im klassischen Sinn als Bastler verstehen und die am Ende des Tages beispielsweise Platinen entwickeln wollen. Die Normungsarbeit ist meiner Ansicht nach für Ingenieurinnen und Ingenieure prädestiniert, die den Steuerknüppel in der Hand haben möchten und eines Tages im Management arbeiten wollen.

Gibt es etwas, was Sie bedauern?

Bedauern ist das falsche Wort. Aber je mehr ich Einblick gewonnen habe in das nationale Normungsgeschehen, desto spannender finde ich es, künftig auch die internationale Ebene kennenzulernen. Dafür will ich meine Kontakte nutzen, um vielleicht zu einem Treffen der International Electrotechnical Commission (IEC) reisen zu können. Dafür wäre zum Beispiel die Next Generation DKE ein guter Einstieg, die besonders Studierende und Young Professionals beim Einstieg in die Normung unterstützt. Ziel ist es unter anderem, Berufseinsteigern aus verschiedenen Branchen einen Einblick in die internationale Normung zu ermöglichen.

Danke für dieses Gespräch.