Brandenburger Tor in Berlin
TTstudio / Fotolia
03.06.2019

Normungsstrategie – Normungspolitik

Die Digitalisierung schreitet voran und die Welt wächst zusammen. Dem tragen wir Rechnung, indem wir unterschiedliche Stoßrichtungen ins Leben gerufen haben.

Kontakt

DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE
Dr. Junji Nomura und Dr. Bernard Thies

Dr. Junji Nomura und Dr. Bernard Thies

| DKE

Normungspolitik international: Stärkung der Zusammenarbeit zwischen IEC und CENELEC

Mit der Unterzeichnung des Präsidenten der IEC, Dr. Junji Nomura, und des CENELEC, Dr. Bernhard Thies, wurden die Arbeiten zum Frankfurt Agreement während der IEC-Generalversammlung 2016 in Frankfurt abgeschlossen. Die Vereinbarung regelt die enge Zusammenarbeit zwischen der internationalen Normungsorganisation IEC und dem europäischen Pendant CENELEC.

Jetzt über das Frankfurt Agreement informieren

Heute haben über 80 % aller europäischen elektrotechnischen Normen internationalen Ursprung und entsprechen den IEC-Normen. „Das Frankfurt Agreement bekräftigt nochmals den Vorrang der internationalen Normung. Die Vereinbarung ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Harmonisierung von europäischen Normen mit der internationalen Welt. Es fördert die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie auf dem globalen Markt“, so Dr. Bernhard Thies. Das Abkommen hilft außerdem, Doppelarbeit zu vermeiden, Zeiten für die Ausarbeitung von Normen zu verringern sowie das Wissen europäischer und IEC-Experten effektiv zu nutzen.

Die wesentliche Neuerung des Frankfurt Agreement ist die Einführung der Abkürzung „IEC“ bei der Benennung aller europäischen Normen, die mit IEC-Normen identisch sind. Des Weiteren wurden die Änderung des Europäischen Rechtsrahmens (europäische Verordnung Nr. 1025/2012) sowie die digitalisierten Arbeitsplattformen angepasst.

FAQ zum Frankfurt Agreement

CENELEC und IEC bieten Einblicke in ihr gemeinsames Arbeiten

Die beiden Normungsorganisationen haben eine Liste der "Frequently Asked Questions" zu dieser Vereinbarung herausgegeben. Sie soll die Umsetzung des Frankfurt Agreement unterstützen und der Öffentlichkeit eine Vorstellung von der Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen CENELEC und IEC geben.

Download FAQ zum Frankfurt Agreement

Frankfurt Agenda

Ein Ergebnis der IEC-Generalversammlung 2016

Grundlegende Aspekte sowie die Ergebnisse der Diskussionen aus dem Reinvention Laboratory wurden als „Frankfurt Agenda“ zusammengefasst und an die IEC weitergegeben. Unter dem Motto „Connecting Communities – Reinvent Standardization“ entstanden, will die Frankfurt Agenda einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft der Normung leisten.

Weiterführende Details zur Frankfurt Agenda

1. Erweiterung unserer Organisationsstruktur

Die IEC sollte offene Plattformen für die Netzwerkbildung interessierter Gruppen schaffen und die Zusammenarbeit mit anderen Standardisierungsorganisationen und Konsortien organisieren, um in der Normung von zukünftigen bereichsübergreifenden Themen eine führende Rolle spielen zu können.

Die IEC sollte offene Plattformen für die Netzwerkbildung interessierter Gruppen schaffen und die Zusammenarbeit mit anderen Standardisierungsorganisationen und Konsortien organisieren, um in der Normung von zukünftigen bereichsübergreifenden Themen eine führende Rolle spielen zu können.

Durch die fortschreitende Digitalisierung wird unsere Welt stets stärker vernetzt und verbunden. Dies führt zu einer größeren Konvergenz der Technologien in vielen unterschiedlichen Gebieten und Anwendungsbereichen. Technologien, die ursprünglich nicht in unserem Industriebereich lagen, werden für unsere Stakeholder immer wichtiger. Dies bedeutet auch, dass wir mit unseren Normungsaktivitäten verstärkt bereichs- und sektorübergreifend tätig werden müssen. Wir müssen mit neuen Gruppen von Stakeholdern kooperieren, mit denen wir noch nie zuvor zusammengearbeitet haben. Die IEC ist gegenwärtig weithin als eine internationale Normungsplattform anerkannt, die nahezu alle Stakeholder einbezieht. Nichtsdestotrotz müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass für viele der Internettechnologien, die wir in der Zukunft erwarten, Standardisierungsaktivitäten häufig innerhalb Industrieforen und -konsortien durchgeführt werden. Damit wir weiterhin das Zuhause für unsere Industrie bleiben, müssen wir Wege finden, die Bedürfnisse unserer Stakeholder in diesen Organisationen widerzuspiegeln.

Darüber hinaus verfolgen viele der IEC/TC noch immer einen produktbezogenen Ansatz. Der Fokus der Hersteller liegt – sowohl heute als auch in der Zukunft – eher auf Systemen als auf Produkten und sie benötigen ein kohärentes Normenportfolio. Unterschiedliche Plattformen werden nicht nur unweigerlich zu einer Fragmentierung von Normen/Spezifikationen führen, sondern auch zu der großen Schwierigkeit, die durch die Systeme kreierte Komplexität zu verwalten. Um die Marktanforderungen erfüllen zu können, müssen produktorientierte IEC-Silos niedergerissen und alle IEC-Experten in neue Strukturen eingebunden werden, die einen Systemansatz unterstützen.

Auf ihrer Generalversammlung in Frankfurt wurde die IEC daher ermutigt, die zentrale Stelle für eine bereichsübergreifende Moderationsplattform zu werden, die all ihre internen und externen Experten mit Fachleuten von Foren, Konsortien und Forschungsinstituten zusammenbringt und auch außerhalb der Organisationsgrenzen der IEC in Standardisierungsorganisationen, Foren und Konsortien Normungsaktivitäten für unsere Stakeholder organisiert.

Offenkundig ist die zeitgerechte Markteinführung eine Kernforderung der Industrie, weshalb die anzuwendenden Normen bereits früh möglichst zur Verfügung gestellt werden müssen. Daher muss sich die IEC stets der neuesten Technologietrends bewusst sein und diese frühzeitig, systematisch identifizieren.

2. Weiterentwicklung unserer Werkzeuge und Prozesse

Als Zuhause der Industrie sollte die IEC zukunftsorientierte digitale Normungsprozesse und -werkzeuge zur Verfügung stellen.

Als Zuhause der Industrie sollte die IEC zukunftsorientierte digitale Normungsprozesse und -werkzeuge zur Verfügung stellen.

Wie wir bereits bei mehreren Gelegenheiten während der 80. IEC Generalversammlung vernommen haben, muss die Normung schneller werden beziehungsweise sogar in Echtzeit passieren. „Ein digitales Jahr sind nur 100 Tage“ lautete eine der Aussagen. Die Normung darf nicht nur ein Mitläufer, sondern muss der Innovationstreiber sein.

Analog zur Beschleunigung von Produktzyklen muss auch die Normung schneller werden. Da die Weiterentwicklung von Produkten ein kontinuierlicher Prozess ist, muss sich auch die Normung dahingehend weiterentwickeln, dass sie Echtzeitprozesse beinhaltet. Somit muss die Normung zu einem einzigen kontinuierlichen Prozess werden, anstatt weiterhin aus einer Vielzahl auf einander folgender einzelner Prozesse zu bestehen.

Zu diesem Zweck sollte die IEC offene Plattformen für die zeitnahe Erarbeitung digitaler Produkte wie Normen, Ergebnisberichte oder Tagesordnungen bereitstellen. Alle bestehenden Werkzeuge und Verfahren der IEC sollten in Frage gestellt und Folgendes von der IEC eingeführt werden:

  • • neue Werkzeuge für kollaboratives Onlinearbeiten und
  • • neue Kommunikationsformate wie Social Media.

Die rechtzeitige Markteinführung neuer Normen, die wirklich die Kundenerwartungen erfüllen, kann nur erzielt werden, wenn die normativen Anforderungen bereits während des Erarbeitungsprozesses der einzelnen Normen getestet werden.

Die IEC sollte daher parallel zur Erarbeitung von Normen eng mit externen Testplattformen (in Testzentren) als effiziente und zuverlässige Feedbackschleife zusammenarbeiten.

3. Innovation unseres Portfolios

Die IEC und ihre gesamte Community sollten sich weiterentwickeln, um der führende Anbieter von digitalen Normen und Dienstleistungen zu werden.

Die IEC und ihre gesamte Community sollten sich weiterentwickeln, um der führende Anbieter von digitalen Normen und Dienstleistungen zu werden.

Wir benötigen Strategien, um Normen zu digitalen Normen und Dienstleistungen zu wandeln. Noch heute schreiben wir Normen auf die gleiche Weise wie im Jahr 1906. Die einzigen Änderungen waren, dass Papier durch Textverarbeitungsprogramme und PDF sowie Schreibmaschinen durch Laptops ersetzt wurden. Gleichzeitig können wir in unserem alltäglichen privaten als auch beruflichen Umfeld beobachten, wie traditionelle Arbeitsweisen von einem Tag auf den anderen durch neue, disruptive Geschäftsmodelle ersetzt werden können. Der Erfolg neuer Geschäftsmodelle basiert hauptsächlich auf den folgenden zwei Kerneigenschaften:

  • eine konsistente digitale Transformation, die komplett neue Herangehensweisen ermöglicht und
  • die konsistente Entwicklung digitaler Dienstleistungen aus der Sicht des Kunden.

Die Anpassung an Kundenbedürfnisse wird durch eine einfache Anforderung an die Normung deutlich, die während der Frankfurter IEC-Generalversammlung 2016 im Reinvention Laboratory ausgesprochen wurde: „Ich möchte eine Norm herunterladen.“ Das Ziel ist es daher, Normeninhalte direkt anwendbar zu machen – z. B. in Entwicklungswerkzeugen oder Prüfständen.

Die IEC muss sich bei der Entwicklung einer Norm auf Kundenbedürfnisse konzentrieren. Daher muss die IEC effiziente und zeitgemäße digitale Produkte und Dienstleistungen mit einem hohen praktischen Wert entwickeln, die für unsere Normenanwender einfacher zu finden, lesen und anzuwenden sind.

Um dies zu erreichen, muss die IEC einen Weg finden, datenbankorientierte und Code-basierte Normen zu entwickeln. Weiterhin muss die IEC Open-Source- und Open-Community-Ansätze einbringen, um nicht nur menschenlesbare, sondern auch „Fast-to-use“-Normen bereitzustellen, in Form von Referenzsoftware oder formal beschriebenen und maschinenlesbaren Normen.

4. Entwicklung unserer Geschäftsmodelle

Die IEC sollte eng mit ihren Nationalen Komitees zusammenarbeiten, um gemeinsam neue Geschäftsmodelle für die profitable Vermarktung von digitalen Normen und Dienstleistungen zu entwickeln.

Die IEC sollte eng mit ihren Nationalen Komitees zusammenarbeiten, um gemeinsam neue Geschäftsmodelle für die profitable Vermarktung von digitalen Normen und Dienstleistungen zu entwickeln.

Unterschiedliche Nutzer haben auch unterschiedliche Anforderungen an Normen. Flexible und modulare Normeninhalte können entsprechend den aktuellen Kundenbedürfnissen digital in unterschiedlichen Normenprodukten geliefert werden. Zahlreiche Beispiele wie maschinenlesbare Normen und „Requirements Engineering“, Dienstleistungen wie Referenzsoftware für sofortige Tests bereits während der Entwicklung (ähnlich zum Open-Source-Ansatz) oder eine Leitlinie durch die Normungswelt wurden im Reinvention Laboratory vorgestellt.

Diese Ideen können auch als „Normen als Dienstleistung“ bezeichnet werden, analog „Software als Dienstleistung“. Sie liefern einen Einblick in die zukünftige Entwicklung unserer Produkte und Dienstleistungen, die im Gegenzug neue Geschäftsmodelle erfordern – genauso, wie wir es derzeit in zahlreichen Fällen der digitalen Transformation erleben.

Daher sollte die IEC zusammen mit ihren Nationalen Komitees neue, profitable Geschäftsmodelle erarbeiten, um die Weiterentwicklung der Normung fortzuführen und zur Finanzierung der Erstellung von im Konsens festgelegten Normen beizutragen.

5. Stärkung unserer Konformitätsbewertungsdienstleistungen

Die IEC sollte in enger Zusammenarbeit mit internationalen und regionalen Regulierern wie der WTO, UNECE, der EU-Kommission und weiteren, ihre Plattform für weltweit anerkannte Konformitätsbewertungssysteme ausbauen.

Die IEC sollte in enger Zusammenarbeit mit internationalen und regionalen Regulierern wie der WTO, UNECE, der EU-Kommission und weiteren, ihre Plattform für weltweit anerkannte Konformitätsbewertungssysteme ausbauen.

Die IEC beheimatet sowohl die elektrotechnische Normung als auch die Konformitätsbewertung. Dies sind zwei miteinander verbundene Säulen, die den Forderungen der Industrie gerecht werden. Die IEC betreibt bereits vier anerkannte Konformitätsbewertungssysteme, die international anerkannte Zertifikate für Produkte, Personal und Dienstleistungen anbieten, die auf internationalen Normen (hauptsächlich IEC-Normen) basieren.

Auf der IEC Generalversammlung in Frankfurt waren sich alle einig, dass die IEC ihre Plattform für weltweit anerkannte Konformitätsbewertungssysteme ausweitet.

Zur Erreichung dieses Ziels sollte die IEC-Gemeinschaft folgende Maßnahmen ergreifen:

1) Kooperation mit Regulierern

Am effizientesten können Hersteller die Einhaltung von Gesetzen/Vorschriften nachweisen, indem sie Konformitätsbewertungsverfahren nutzen, die auf internationalen Normen basieren, die von nationalen Regulierern anerkannt sind. Das Ziel ist: „Eine Norm, eine Prüfung, überall anerkannt“. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten Regulierer ermutigt werden, ihre nationalen Gesetze/Vorschriften soweit wie möglich sowohl auf IEC-Normen als auch auf den IEC-Konformitätsbewertungssystemen basieren zu lassen. Daher sollte die IEC ihre Zusammenarbeit mit internationalen und regionalen Regulierern wie der WTO, UNECE und der EU-Kommission vertiefen. Des Weiteren sollten sich die Nationalen Komitees an ihre nationalen Regulierer wenden, um diesen Dialog zu unterstützen.

2) Internationale Zusammenarbeit

2.1 Da Konformitätsbewertungssysteme der IEC auf IEC-Normen basieren, sollten alle nur möglichen Bemühungen unternommen werden, um sicherzustellen, dass IEC-Normen auch für Konformitätsbewertungssysteme geeignet sind. Derzeit gibt es viele Konformitätsbewertungsdokumente, die IEC-Normen ergänzen. Daher sollte die IEC zwischen ihren zwei Säulen der Normung und der Konformitätsbewertung enge Verbindungen und entsprechende Verfahren für eine engere Zusammenarbeit etablieren, um die Konformitätsbewertungsdokumente auf ein Minimum zu reduzieren.

2.2 Die zeitgerechte Produkteinführung ist eines der Kernthemen für die Industrie.
Effiziente und ressourcensparende Prüfverfahren können durch einheitliche (grundlegende) Prüfungen unterstützt werden. Dies würde verhindern, dass mehrere Prüfungen für den gleichen Sachverhalt nach verschiedenen IEC-Normen durchgeführt werden müssen. Die IEC sollte ihre Technischen Komitees ermutigen, einen Werkzeugkasten für grundlegende Prüfungen zu schaffen, die dann direkt in den IEC-Normen angewendet werden können.

2.3 Derzeit werden IEC-Normen manuell in Prüfverfahren übertragen. Um die Zeit zur Produkteinführung zu reduzieren, sollte die IEC (zusätzlich zu menschenlesbaren Normen) maschinenlesbare Normen anbieten, die direkt in die Prüfausrüstung integriert werden können. Ein erster vielversprechender Ansatz hierfür wurde mit dem „Digitalen Zwilling“ im Reinvention Laboratory vorgestellt.

6. Erhaltung unserer Grundwerte

Die Digitalisierung wird die traditionellen Werte der Normung nicht in Frage stellen. Die Erstellung internationaler Sicherheitsnormen ist eine Kernaufgabe der IEC und wird es auch zukünftig bleiben.

Die Digitalisierung wird die traditionellen Werte der Normung nicht in Frage stellen. Die Erstellung internationaler Sicherheitsnormen ist eine Kernaufgabe der IEC und wird es auch zukünftig bleiben.

Eine vollständige Digitalisierung ist unentbehrlich, wenn die IEC weiterhin bestehen und die Erwartungen ihrer Stakeholder erfüllen soll.

Dennoch sollte die IEC nicht ihre Geschichte und ihre Kernaufgabe vergessen, die ihren weltweiten Ruf und die Akzeptanz unter ihren Stakeholdern, insbesondere den Regulierern, sichern. Sicherheitsnormen waren einer der Grundsteine der IEC und werden es auch in Zukunft bleiben.

Sicherheitsnormen können nicht im „Schnellverfahren“ erarbeitet werden, sondern müssen auf der Einbindung aller betroffenen Kreise basieren. Zu diesem Zweck müssen das Nationale Delegationsprinzip eingehalten und die Sicherheitsnormen im vollständigen Konsens erarbeitet und angenommen werden.


Spezifische Aspekte des New Approach & Harmonisierte Normen

New Approach – Anwendungsbereiche

Die Richtlinien des New Approach behandeln große Produktfamilien (z. B. Gasgeräte, Spielzeug, Maschinen, Druckgeräte). Produktbezogene Richtlinien definieren die zu behandelnden Risiken für Produktgruppen, bevor diese Produkte auf den Markt gebracht werden können. Die Richtlinien des neuen Konzepts können aber auch horizontale Risiken wie elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) betreffen.

Es ist durchaus möglich, dass Produkte durch mehr als eine Richtlinie definiert werden. Dies ist kein juristischer Fehler („Überlappung“), sondern eine Konsequenz aus der Tatsache, dass mit unterschiedlichen Risiken unter verschiedenen Richtlinien anders umgegangen werden muss. Ein leicht nachvollziehbares Beispiel ist die gleichzeitige Anwendung der Richtlinien für Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) und der für Maschinen: Die Aspekte der EMV einer Maschine werden von der EMV-Richtlinie abgedeckt, während mechanische Risiken von der Maschinenrichtlinie abgedeckt werden können.

New Approach – Wesentliche Anforderungen

Wesentliche Anforderungen sind diejenigen, die die Produkte erfüllen müssen, um auf dem Markt zugelassen zu werden. Sie sind obligatorisch.

Diese Anforderungen definieren die zu erzielenden Ergebnisse oder die zu behandelnden Risiken. Jedoch führen sie nicht die hierfür nötigen technischen Lösungen an: Anbietern steht es frei, zu wählen, wie diese Anforderungen erfüllt werden sollen.

Wesentliche Anforderungen sind daher so verfasst, dass sie über die Zeit gültig bleiben und nicht durch den technischen Fortschritt veralten. Bewertungen, ob Anforderungen erfüllt sind, sollten auf dem jeweils aktuellen Stand des technischen Know-hows basieren.

Dies bedeutet nicht, dass die Wesentlichen Anforderungen vage sind. Sie wurden so verfasst, dass sie ausreichend Informationen enthalten, um bewerten zu können, ob sie von Produkten erfüllt werden.

Harmonisierte Normen – Was ist das?

Die Richtlinien des New Approach sehen nach einer Normungsanforderung der Europäischen Kommission vor, dass die Europäischen Normungsorganisationen (z. B. CENELEC) Europäische Normen (EN) erarbeiten oder auf bereits bestehende ENs zurückgreifen, die technische Lösungen aufzeigen, welche den Wesentlichen Anforderungen entsprechen.

Die Verweisungen und Titel dieser Normen – sogenannte Harmonisierte Normen – werden von der Europäischen Kommission im Amtsblatt der Europäischen Union bekannt gegeben. Nach der Umsetzung in identische Nationale Normen durch die Nationalen Normungsgremien (NSB) in den Mitgliedstaaten, liefern sie Herstellern und Serviceanbietern eine Konformitätsvermutung, die sich auf die betreffenden Wesentlichen Anforderungen bezieht.

Der Umsetzungsprozess durch alle NSBs muss noch nicht stattgefunden haben, damit die Konformitätsvermutung gültig ist, wobei die Nationalen Gremien selbstverständlich verpflichtet sind, alle neuen oder überarbeiteten ENs umzusetzen.

Normen bleiben freiwillig. Daher besteht unter dem neuen Konzept keinerlei Verpflichtung, ENs anzuwenden.
Wenn eine andere Technologie angewendet wird, um die Wesentlichen Anforderungen zu erfüllen, oder in Ermangelung von Normen, liegt die Beweislast, dass das Produkt die Wesentlichen Anforderungen erfüllt, bei der Person, die die CE-Kennzeichnung anbringt (z. B. der Hersteller, sein autorisierter Vertreter in der Gemeinschaft oder der Importeur des Produkts).

Die Europäische Kommission veröffentlicht Verweisungen von Harmonisierten Normen, sobald sie der Europäischen Kommission durch die Europäischen Normungsorganisationen zur Verfügung gestellt werden.


Digitalisierung der Normung

Vor rund fünf Jahren wurde das Programm Normung 2020 für die Identifizierung und Initiierung erster Digitalisierungsprojekte ins Leben gerufen.

Mit dem erfolgreichen Programmabschluss ist das Thema der Digitalisierung der Normung für die DKE noch lange nicht abgeschlossen – im Gegenteil!

Wir haben eine klare Vision zur Rolle der DKE bei der Digitalisierung der Normung. Unsere digitale Agenda ist der Kompass auf unserem Weg durch den weiteren Transformationsprozess.

Mehr zur Digitalisierung der Normung

Die INTEC-Initiative

Weltkugel Illustration Internetverbindungen
Julien Eichinger / Fotolia
01.10.2020

Parallel zu unserer internationalen Normungsarbeit bauen wir mit der Initiative INTEC (International Technology Cooperation) unsere bilateralen Beziehungen weiter aus.

Mehr erfahren

Informationen + Services für Sie

Jetzt sind Sie dran.

Machen Sie mit!

Neue Ideen sind bei uns immer willkommen.

Stellen Sie Ihren Normungsantrag. Neue Ideen und Vorschläge sind uns immer willkommen!

Normungsantrag stellen
Hände mit Tablet

Nehmen Sie Stellung zu Norm-Entwürfen

Der Norm-Entwurf ist ein vorläufiges Arbeitsergebnis eines Komitees. Er ist öffentlich zugänglich und jeder hat das Recht, innerhalb der mindestens zweimonatigen Einspruchsfrist zum Inhalt des Norm-Entwurfs begründete Änderungs- und Ergänzungsvorschläge, kurz Stellungnahmen, abzugeben.

Jetzt Stellung nehmen
Meeting im Konferenzraum

Mitgestalten und Mitentscheiden

Die fachliche Arbeit in den Normungsgremien von DIN und DKE wird von technischen Experten geleistet. Call for Experts rufen zur spezifischen Teilnahme auf. Werden auch Sie technischer Experte und arbeiten Sie mit!

Antrag stellen
Werden Sie Normungsexperte

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit, damit wir Ihnen den bestmöglichen Service bieten können. Egal ob Anregungen, Lob oder Kritik, wir sind für jegliches Feedback dankbar!

Jetzt Feedback geben
Tastatur mit Händen

Jetzt noch mehr erfahren