VDE
11.09.2017 Seite 2397 0

Normung und Standardisierung

Normung und Standardisierung setzen bereits in der Forschung und Entwicklung an. Sie helfen, die Marktreife zukünftiger Produkte und Dienstleistungen voranzutreiben.

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DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE

Wir nehmen die Interessen aller wahr

Standards
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Unsere technischen Experten erarbeiten die Normen gemeinsam. Sie kommen aus den Bereichen Verbraucher, Dienstleister, Wissenschaft oder staatliche Organisation. Im Dialog berücksichtigen sie sämtliche Anliegen. Ihr gemeinsames Ziel sind konsensbasierte, allgemein anerkannte, marktorientierte, technisch aktuelle Regeln und Richtlinien.

Jedermann kann Normen und Standards beantragen. Experten entwickeln Normen in einem mehrstufigen Verfahren auf demokratische Weise, um sie dann endgültig zu verabschieden. In den Gremien wird mehrmals abgestimmt, bis Fachzeitschriften im letzten Schritt den Norm-Entwurf veröffentlichen. Ab diesem Zeitpunkt hat jeder Bürger das Recht, innerhalb einer vorgegebenen Frist einzusprechen. Gibt es Einwände von Personen, muss das Gremium ihnen die Möglichkeit geben, ihre Kritik vorzutragen.

Erarbeitung von Normen

Normen werden grundsätzlich in einem mehrstufigen Verfahren in demokratischer Weise und unter Einbeziehung aller betroffenen Kreise im Konsens erarbeitet. Vom Antrag bis zur Verabschiedung der Norm ist es zu bestimmten Zeitpunkten möglich, Einspruch gegen die geplante neue Regel einzulegen. Ein öffentliches Einspruchsverfahren mit fest vorgeschriebenen Fristen entscheidet zu Beginn , ob einem Norm-Antrag stattgegeben wird, sodass am Ende des Prozesses eine allgemein „anerkannte Regel der Technik“ (Paragraph 49, Energiewirtschaftsgesetz) stehen wird.

Beschleunigte Veröffentlichung

Normung
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Bis zur Veröffentlichung einer Norm vergeht manchmal viel Zeit. Für besonders dynamische Zukunftsmärkte wie die Elektromobilität und die Informations- und Telekommunikationstechnologie (IKT) bieten wir deshalb Veröffentlichungsformen, in denen Normen in einer kurzen Zeitspanne entstehen und der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie werden Spezifikationen genannt und nach definierten Regeln erarbeitet. Zu ihnen zählen Leitfäden und VDE-Anwendungsregeln. Sie genügen den hohen Ansprüchen des VDE-Vorschriftenwerkes und ermöglichen einen deutlich schnelleren Veröffentlichungsprozess.

FAQ – Was Sie schon immer über Normung und Standardisierung wissen wollten

Gibt es einen Unterschied zwischen VDE-Vorschriften und VDE-Bestimmungen?

Mit Herausgabe der ersten Sicherheitsvorschriften für elektrische Starkstromanlagen vor mehr als 100 Jahren wurde der Grundstein für das VDE-Vorschriftenwerk gelegt. Seit dieser Zeit ist im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff VDE-Vorschrift üblich. Jedoch sind auch Begriffe, wie VDE-Normen, VDE-Richtlinien, VDE-Bestimmungen und viele mehr zu hören. Welche Bezeichnung ist nun die richtige und worin besteht der Unterschied?

Spektrum des VDE-Vorschriftenwerks

Das VDE-Vorschriftenwerk umfasst folgende Publikationen:

VDE-Bestimmungen: Sie stellen den allgemein anerkannten Stand der Technik dar und bilden zur Zeit ihrer Aufstellung einen Maßstab für einwandfreies Handeln.

VDE-Leitlinien: Sie enthalten sicherheitstechnische Festlegungen mit einem im Vergleich zu VDE-Bestimmungen wesentlich erweiterten Ermessensraum für eigenverantwortliches sicherheitstechnisches Handeln. VDE-Leitlinien spielen mit weniger als 1% der Anzahl der Publikationen im VDE-Vorschriftenwerk jedoch nur eine untergeordnete Rolle.

VDE-Vornormen: Sie sind die Ergebnisse von Normungsarbeiten, die wegen bestimmter Vorbehalte zum Inhalt oder wegen eines von VDE-Bestimmungen oder VDE-Leitlinien abweichenden Aufstellungsverfahrens oder mit Rücksicht auf die europäischen Rahmenbedingungen vom VDE nicht als solche gekennzeichnet werden. Eine VDE-Vornorm ist nach spätestens 3 Jahren, danach jährlich, zu überprüfen, ob sie nicht in eine Norm überführt werden kann.

VDE-Anwendungsregeln: Sie sind das Ergebnis von Standardisierungsarbeiten durch DKE-Arbeitsgremien oder anderen Gremien des VDE oder auch durch Übernahme veröffentlichter Arbeitsergebnisse von Institutionen außerhalb des VDE, das Festlegungen mit Empfehlungen für spezielle Anwendungsgebiete zusammenfasst.

Beiblätter: Beiblätter zu VDE-Bestimmungen oder VDE-Leitlinien enthalten Informationen, jedoch keine zusätzlichen Festlegungen mit normativem Charakter.

VDE-Vorschriftenwerk und Deutsches Normenwerk

Die DKE wurde 1970 mit Vertrag zwischen DIN Deutsches Institut für Normung e.V. und VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. gegründet und fasste die bis dahin getrennten Aktivitäten im DIN (Fachnormenausschuss Elektrotechnik), VDE (VDE-Vorschriftenstelle für Sicherheitsnormung) und die beim VDE angesiedelten Deutschen Komitees für die internationale Mitarbeit in IEC, CENEL und CENELCOM (beide heute CENELEC) und CEE (europäische Sicherheitsnormung) zusammen. Sie ist also in Deutschland die nationale Organisation, die für die elektrotechnische Normungsarbeit sowie die Pflege des VDE-Vorschriftenwerkes zuständig ist. Sie vertritt die deutschen Interessen in IEC, CENELEC und anderen einschlägigen Organisationen. Die DKE ist ein Geschäftsbereich des VDE und zugleich ein Normenausschuss des DIN und damit folglich ein gemeinsames Organ des VDE und des DIN.

Die Arbeitsergebnisse der DKE werden, wie nachstehend erläutert, grundsätzlich als DIN-Normen herausgegeben. Sofern der Sachinhalt der Normen der DKE sicherheitsrelevante Festlegungen enthält oder EMV-Aspekte behandelt, werden die Normen zusätzlich VDE-klassifiziert, d. h. mit einer VDE-Klassifikation versehen.

VDE-Bestimmungen und VDE-Leitlinien werden als DIN-Normen in das Deutsche Normenwerk aufgenommen.

VDE-Vornormen werden nicht als "Norm", sondern als "Vornorm" gekennzeichnet. Sie sind daher nicht Bestandteil der Deutschen Normenwerks. VDE-Anwendungsregeln sind keine Normen und als solche nicht Bestandteil des Deutschen Normenwerks. Da Beiblätter keine normativen Festlegungen enthalten, werden sie ebenfalls nicht in das Deutsche Normenwerk übernommen.

Welche Bezeichnungen können verwandt werden?

Die Normen der DKE mit sicherheitsrelevanten bzw. EMV-spezifischen Festlegungen werden im DIN-Normenwerk als DIN-Normen mit VDE-Klassifikation bezeichnet. Sie können jedoch vereinfacht auch kurz DIN-VDE-Normen genannt werden. Bezieht man sich auf das VDE-Vorschriftenwerk, dann sind die Bezeichnungen VDE-Bestimmungen bzw. VDE-Leitlinien zutreffend. Die frühere Bezeichnung VDE-Vorschrift wird nicht mehr verwendet, da das Erstellen von Vorschriften allein dem Gesetzgeber vorbehalten ist.

Aus Gründen der Tradition wird das Gesamtwerk der VDE-Publikationen dennoch weiterhin als VDE-Vorschriftenwerk bezeichnet.

Den Ursprung erkennen

Eine wesentliche Voraussetzung für die Realisierung des Europäischen Binnenmarktes war das Beseitigen der nicht-tarifären Handelshemmnisse. In diesem Zusammenhang mussten die unterschiedlichen nationalen technischen Normen harmonisiert werden. Dies geschieht durch einheitliche Europäische Normen, die unverändert als nationale Normen Gültigkeit haben. Der Anteil der rein national durchgeführten Normungsarbeit bewegt sich heute deutlich unter 5 %. Europäische Normen als wesentliches Element zur Verwirklichung des Binnenmarktes beruhen zu über 80 % ebenfalls auf Arbeiten der IEC oder sind mit diesen identisch.

Anmerkung: Die korrekte Bezeichnung der EN ist "Europäische Norm" und nicht "Euronorm" oder "Europanorm". Euronorm betrifft lediglich die alten Stahl-/Eisennormen der früheren Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montan-Union).

Zur leichteren Anwendung des VDE-Vorschriftenwerkes im supranationalen Geschäftsverkehr wird die Ursprungsbezeichnung in den Nummern der nationalen Publikationen mit angegeben, z. B:

  • Übernahme einer Europäischen Norm (EN): DIN EN xyz (VDE 0abc)
  • Übernahme einer Europäischen Technischen Spezifikation DINCLC/TS xyz (VDE V 0abc)
  • Übernahme einer ETS (erstellt von ETSI): DIN ETS xyz (VDE 0abc)
  • Übernahme einer Internationalen Norm (IEC), die nicht als EN europäisch harmonisiert ist: DIN IEC xyz (VDE 0abc)
  • Rein nationale Norm und Übernahme von Harmonisierungsdokumenten (CENELEC): DIN VDE 0xyz (VDE 0abc).

Siehe hierzu auch nachfolgend die „Nummerierungssystematik Europäischer Normen der Elektrotechnik“.

Für weitergehende Informationen sei an dieser Stelle auf VDE 0022 "Satzung für das Vorschriftenwerk des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.", Ausgabe August 2008 hingewiesen, die den gesamten Sachverhalt ausführlich darstellt.

Verwendete Abkürzungen:

CEE:   Commission on Rules for the Approval of Electrical Equipment jetzt:
IECEE:   IEC System for Conformity Testing to Standards of Electrical Equipment
CENEL:   European Committee for the Coordination of Electrotechnical Standards
CENELCOM:   European Committee for the Coordination of Electrotechnical Standards in the Common Market Countries
CENELEC:   European Committee for Electrotechnical Standardization
ETSI:   European Telecommunications Standards Institute
IEC:   International Electrotechnical Commission

Funktioniert die Nummerierung europäischer Normen der Elektrotechnik nach einem bestimmten System?

Entsprechend einer Vereinbarung der Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI sind europäische Normen durch Nummern gekennzeichnet.

Festlegungen für die elektrotechnischen Normenwerke

Nummernbereich = Ursprung des Dokuments:

  • EN 40 000 – gemeinsames Arbeitsergebnis von CEN und CENELEC
  • EN 50 000 – Arbeitsergebnis des CENELEC
  • EN 60 000 – von CENELEC übernommenes Arbeitsergebnis der IEC
  • EN 80 000 – von CEN/CENELEC übernommenes Arbeitsergebnis, das von ISO und IEC erarbeitet wurde 
  • EN 100 000 – von CENELEC erstelltes Arbeitsergebnis auf dem Arbeitsgebiet elektronische Bauelemente und Komponenten
  • EN 300 000 – Arbeitsergebnisse des ETSI

 
Der Zusatz A (für Amendment) und eine Zählnummer nach der Bezeichnung der geänderten Norm kennzeichnen einzeln veröffentlichte Änderungen zu bestehenden Normen.

Änderungen bei von der IEC erstellten Dokumenten werden in der Regel einstellig gezählt, also A1, A2 usw. Nach den Regularien von IEC erscheint nach der zweiten Änderung eine neue Ausgabe der Norm.

Zusätzliche Änderungen von CENELEC erhalten Änderungsnummern größer 10, also A11, A12 usw. 

Beispiel: EN 60730-1/A15 ist die von CENELEC erstellte Änderung 15 zur EN 60730-1

Entwürfe für europäische Normen erhalten das Kürzel „pr“ (projet, französisch für Entwurf) vor den Buchstaben EN; dieses Kürzel wird bei der Veröffentlichung eines Europäischen Norm-Entwurfes als Entwurf für eine DIN-Norm nicht übernommen.

Beispiel: CENELEC-Entwurf prEN 53111 wird als Entwurf E DIN EN 53111 veröffentlicht.

Bei Entwürfen zur Änderung einer Europäischen Norm wird das Kürzel "pr" vor die Änderungskennzeichnung gestellt. Von CENELEC erarbeitete Änderungsentwürfe werden häufig mit einem Zählbuchstaben nach dem Buchstaben "A" für Amendment versehen, der nach der Annahme und Ratifizierung der Änderung dann auf eine numerische Bezeichnung umgestellt wird, um so mehrere Entwurfsfragmente (prAA, prAB usw.) unter einer Amendment-Nummer zusammenzufassen.

Beispiel: Aus dem CENELEC-Entwurf prAE:2005 für eine Änderung der EN 60730-1 wurde EN 60730-1/A15:2007.

Wie schreibt man die VDE-Nummer?

Wie spielen DIN-VDE-Normen und Fachliteratur zusammen?

Fachliteratur kann das Studium der Normen im Original nicht ersetzen, aber bei Praxisproblem wertvolle Tipps zur Anwendung der Normen geben.

Normen

  • schreiben den anerkannten Stand der Technik fest,
  • definieren Anforderungen oder Prüfverfahren und
  • legen Kriterien für den Nachweis der Erfüllung dieser Anforderungen fest.

Fachliteratur

  • baut Normen auf,
  • beschreibt die Umsetzung der normativen Anforderungen für ein bestimmtes Praxisproblem,
  • bezieht sich immer auf einen ganz bestimmten Stand des Normenwerks und
  • gibt die Auslegung des Autors wieder, nicht eine unter Fachleuten abgestimmte Meinung.

Bei der Suche im Buchprogramm des VDE VERLAG erhalten Sie in der Detailansicht der Bände der VDE-Schriftenreihe einen Hinweis auf die betreffenden DIN-VDE-Normen. In umgekehrter Richtung verweist der VDE VERLAG in der Detailansicht der Normenrecherche auf die gleiche Information.

Weitere Informationen zum Bezug der DIN-VDE-Normen erhalten Sie telefonisch beim VDE VERLAG unter 030/348001-220 oder Sie senden eine E-Mail.

Welchen Vorteil bringt die IEC 60617-2 bis -13 Schaltzeichen-Datenbank?

Zugriff auf die Datenbank via Internet weltweit 24/7

Die Datenbank der internationalen Schaltzeichen ist immer auf dem neuesten Stand: Sobald das zuständige Gremium ein einzelnes neues Symbol freigibt und als genormtes Symbol erklärt, wandert es in die Datenbank und steht Ihnen zur Verfügung.

Für einen Zeitraum von wahlweise 12 oder 24 Monate bei entsprechend gestaffelter Gebühr haben ein oder meherere Nutzer Zugriffsrechte auf alle Informationselemente.

Sie erstellen mit Hilfe international genormter Schaltzeichen (graphische Symbole für Schaltpläne) effektive, verständliche Dokumentationen für Produkte und Anlagen

Haben Sie Interesse? Ausführliche Informationen und die Zugangsberechtigung bekommen Sie beim VDE VERLAG.

Richtlinie 98/34/EG, Instrument der Transparenz im Dienst des Binnenmarktes – Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften – wie funktioniert das?

Mit der Richtlinie 89/189/EWG des Rates vom 28.03.1983 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften (Amtsblatt C 78 vom 12.03.1997, Seite 4) ist ein Instrument in Kraft gesetzt worden, das der Harmonisierung von Warenbewegungen im Binnenmarkt dienen soll. Dieses Informationsverfahren flankiert die eigentlichen technischen Normungs- und Harmonisierungsverfahren und soll nationale Alleingänge und Sonderregelungen im Bereich der Normen und technischen Vorschriften verhindern bzw. transparent machen um drohende Handelshemmnisse erkennbar zu machen.

Das Instrument des Informationsverfahrens verpflichtet die EU-Mitgliedsstaaten, alle geplanten Regelungen zu technischen Vorschriften und Normen der Kommission mitzuteilen (Notifizierung).

Die Kommission informiert dann ihrerseits die anderen EU-Mitgliedsstaaten und bittet um Stellungnahme. Im Rahmen von bestimmten Fristenregelungen müssen dann die EU-Mitgliedsstaaten auf die Notifizierung reagieren und ggf. konkrete Stellungnahmen bzw. Gegenargumente bei der Kommission einreichen, mit denen sie auf drohende Handelshemmnisse hinweisen. Der betroffene Mitgliedsstaat hat dann die Möglichkeit, die angegriffenen Regelungspassagen oder die gesamte Regelung zurückzuziehen oder nachzubessern oder aber nach Ablauf bestimmter Fristen die umstrittene Regelung in Kraft zu setzen.

An diesem Punkt enden dann die Regelungsmechanismen des Informationsverfahrens und es steht zu entscheiden, ob tatsächlich durch die in Kraft gesetzte technische Regelung oder Norm ein Handelshemmnis entstanden ist.

Sofern Handelshemmnisse erzeugt werden, hat die Kommission das Recht, im Rahmen des Verfahrens gemäß Art. 169 a. F. EGV ein Verfahren wegen Vertragsverletzung vor dem EuGH anhängig zu machen. Ebenfalls können betroffene Mitgliedsstaaten gemäß Art. 170 a. F. EGV gegen das Handelshemmnis vorgehen und vor dem EuGH Klage hiergegen erheben.

Wird eine technische Regelung in Kraft gesetzt, ohne dass eine Notifizierung durchgeführt wurde, darf diese Regelung von den nationalen Gerichten in der EU nicht berücksichtigt werden.

Da die vorgenannte Richtlinie 89/189/EWG im Laufe der Zeit mehrmals verändert und insbesondere ergänzt worden ist, ist im Amtsblatt der EG L 204/37 vom 21.07.1998 eine konsolidierte, d. h. eine neue Gesamtfassung als Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 22.06.1998 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften veröffentlicht worden.

Lässt der Grundsatzbeschluss zur Festlegung von Übergangsfristen in Europäischen Normen Ausnahmen zu?

Die Europäische Kommission legt Wert darauf, dass die festgelegten Übergangsfristen in harmonisierten Europäischen Normen grundsätzlich 3 Jahre nicht überschreiten. Die 97. BT-Sitzung  (BT= Bureau Technique des CENELEC) fasste daher folgenden Beschluss:

Grundsätzlich beträgt die Übergangsfrist für alle europäischen Normen dow = 36 Monate nach Ratifizierung mit folgenden Ausnahmen

  • Wenn eine Abweichung vom Grundsatz, dass die Übergangsfrist 36 Monate nach Ratifizierung beträgt, notwendig ist, formuliert das Technische Gremium (z. B. TC, SR, BTTF) die notwendige Begründung für eine kürzere oder längere Übergangsfrist. Diese Übergangsfrist muss auf dem Abstimmformular für die Schluss-Abstimmung des europäischen Norm-Entwurfs angegeben werden.
  • Im Falle des parallelen Abstimmungsverfahrens wird zunächst immer "dow" mit "dor + 36 Monaten" auf dem Abstimmformular für den europäischen Norm-Entwurf vorgeschlagen. Jedoch wird BT das endgültige "dow" unter Berücksichtigung der eingegangenen Kommentare und des Ratschlages des zuständigen Berichtersekretariates bei der Ratifizierung der Europäischen Norm festlegen.

Das Zentralsekretariat wurde beauftragt, die Einzelheiten dieses Verfahrens in einem "Standing Document" niederzulegen.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die durch "dow" festgelegten Übergangsfristen auch für rein nationale Normen, die durch Europäische Normen ersetzt werden, gelten. Ob eine rein nationale Norm eine Vermutungswirkung hinsichtlich der Erfüllung der wesentlichen Anforderungen von EG-Richtlinien nach Artikel 100 bzw. 100a EG-Vertrag bis zum Zeitpunkt ihrer Zurückziehung hat, ist für jede EG-Richtlinie gesondert festzustellen. Der "Ersatz" der rein nationalen Norm durch eine Europäische harmonisierte Norm ist kein Indiz dafür, dass die nationale Norm während der Übergangszeit eine Vermutungswirkung hat.

Übergangsfristen über 3 Jahre sind in begründeten Einzelfällen weiterhin durchaus möglich

Die Europäische Kommission gibt bei Listung der harmonisierten Normen im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften das Ende der Vermutungswirkung der Vorgängernorm durch "doc" (date of cessation of presumption of conformity) angeben. Dabei orientiert sich die Europäische Kommission an "dow" und legt grundsätzlich "doc = dow" fest. Die Europäische Kommission behält sich ausdrücklich vor, auch von "dow" abzuweichen, wenn z. B. die Übergangsfrist (dow) aus ihrer Sicht zu lange ist. Daher ist es wichtig, dass die Technischen Komitees und die Nationalen Komitees Anträge auf eine Festlegung des dow länger als 3 Jahre fundiert begründen.