Ein kleines Maedchen berührt eine virtuelle Welt mit multimedialen Verbindungen
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05.12.2022 Fachinformation

Fair Trade Champion

In einem Interview lobt Stina Wallström von der schwedischen Normungsorganisation SEK die konsensbasierte Arbeit in der IEC und die Möglichkeit durch Normen weltweite Lösungen für globale Probleme zu schaffen und damit die Zukunft zu gestalten.

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Ein Artikel von Catherine Bischofberger

Stina Wallström ist Public Affairs Manager bei Ikea und engagiert sich seit vielen Jahren in der IEC. Begonnen hat sie als Young Professional, inzwischen ist sie Vorstandsvorsitzende von Svensk Elstandard (SEK), dem schwedischen IEC-Nationalkomitee, und ein wichtiges Mitglied des IEC-Vorstands. Sie spricht mit e-tech über ihre Leidenschaft für gleichberechtigten Handel und ihre Bewunderung für die Arbeit der IEC.

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Alena Widder

Ein Interview mit Stina Wallström

e-tech: Warum haben Sie an an der #WomenatIEC-Kampagne teilgenommen?

Wallström: Es ist wichtig, zu zeigen, dass es bei der IEC Frauen gibt. Außerdem ist es extrem wichtig, mehr Frauen dazu zu motivieren, sich in der IEC zu engagieren. Als ich dann teilgenommen habe, fand ich es wirklich bereichernd und es hat mich unglaublich gefreut, so viele Videos von verschiedenen Frauen von überall auf der Welt zu sehen. Ich glaube, die Dinge ändern sich und es wird in den kommenden Jahren immer mehr Frauen geben, die im Bereich Elektrotechnologie tätig sind. Das ist notwendig, denn die Elektrifizierung ist ein wesentlicher Treiber für unsere Gesellschaften und wir können es uns nicht erlauben, Talente zu verschwenden, weil keine Frauen eingestellt werden. Wenn wir nur mit einer Hälfte der Menschheit arbeiten, dann werden wir unweigerlich verlieren. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich dazu entschieden habe, an dem Programm teilzunehmen.


Unterschrift Diversity Declaration

Michael Teigeler, Geschäftsführer der DKE, unterzeichnet die UNECE Declaration for Gender Responsive Standards and Standards Development

| DKE

Geschlechtergerechtigkeit in der Normung – DKE unterzeichnet UNECE-Deklaration

Unsere Welt wird durch Normen und Standards entscheidend geprägt. Indem Normen die Eigenschaften von Produkten bestimmen, auf die wir tagtäglich angewiesen sind, beeinflussen sie unser Leben in fast allen Bereichen. Sie unterstützen das wirtschaftliche Wachstum, erleichtern den Handel und spielen eine Rolle beim Schutz von Gesundheit und Sicherheit. Aus dem Grund ist es umso wichtiger, dass Normen und Standards die Bedürfnisse von Frauen und Männern stets abbilden und allen gleichermaßen Nutzen bringen.

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e-tech: Sind Sie sich bewusst, dass Sie – als Mitglied des IEC-Vorstands – anderen Frauen den Weg in Führungspositionen weisen?

Wallström: Meiner Ansicht nach ist die Tatsache, dass ich die einzige Frau im IEC-Vorstand bin, noch kein ausreichendes Zeichen für Fortschritt, auch wenn es ein ermutigender Schritt nach vorne ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich glaube wirklich nicht, dass die IEC etwas gegen weitere Veränderungen auf dieser Ebene hat. Ich glaube, das Problem kommt von der Basis, da Elektrotechnologie traditionell von Männern dominiert war. In den vergangenen Jahren gab es daher nur sehr wenige Möglichkeiten für Frauen, an die Spitze der IEC aufzusteigen. Aber ich finde es sehr erfreulich, einen echten Wandel in einigen technischen Komitees zu sehen. Hier gibt es inzwischen deutlich mehr weibliche Convenor und Expert*innen als noch vor wenigen Jahren. Immer mehr Frauen haben die notwendige Qualifikation, um Führungspositionen innerhalb der IEC zu übernehmen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich die Dinge in eine positive Richtung verändern.

e-tech: Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit im IEC-Vorstand?

Wallström: Die Förderung eines globalen und fairen Handels war von Anfang an eine Herzensangelegenheit für mich. Das ist das, was mich in meiner Vorstandsarbeit am meisten antreibt: Fragen dazu, wie diese außergewöhnliche Organisation, die weltweite Lösungen für globale Probleme bietet, zum Aufbau eines fairen, gleichberechtigten und nachhaltigen Handels sowie einer Gemeinschaftlichkeit beitragen kann. Das ist wirklich notwendig, besonders in dem aktuellen Umfeld, in dem es Nationen zunehmend schwerfällt, einen Konsens zu finden. Bei der IEC einigen wir uns auf globale Normen und jede bzw. jeder am Tisch hat dabei ein Mitspracherecht. Wir helfen dabei, die Welt zu elektrifizieren und gleichzeitig die Armut zu bekämpfen, und das möchte ich wirklich fördern. Es gibt wenige Organisationen, die das schaffen: konsensbasierte Vereinbarungen zu bieten, die wirklich dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.


Normungsprozess

Normungsprozess

Alles rund um den Normungsprozess

Der Begriff „Norm" findet in vielen Lebensbereichen wieder: als soziale Norm, Rechts- oder Arbeitsnorm sowie im technischen Bereich als „anerkannte Regel der Technik". Normung beschreibt in dem Fall die Formulierung, Herausgabe und Anwendung von Regeln, Leitlinien oder auch Merkmalen durch eine anerkannte Organisation. Aber wie genau funktioniert der Normungsprozess eigentlich?

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e-tech: Was sind die größten Herausforderungen für das SEK in der Zukunft?

Wallström: Elektrifizierung und Digitalisierung. Wir haben eine riesige Herausforderung vor uns, nicht nur in Schweden, sondern weltweit, uns von fossilen Brennstoffen zu verabschieden und überall sauberen Strom zu verwenden, und wir glauben, dass wir auf IEC- und SEK-Ebene zu beidem beitragen können. Wir müssen uns auch mit Digitalisierung befassen, ähnlich wie alle anderen, die in der Normung tätig sind. Wir müssen neue Ertragsströme finden und Kapital aus unserem Wissen ziehen, um sicherzustellen, dass wir relevant bleiben. Ein Problem, das für ein kleines Nationalkomitee wie unseres schwieriger zu bewerkstelligen ist, ist das zunehmende politische Interesse an Normen. Es ist zwar positiv, dass die Gesetzgeber die Wichtigkeit von Normen verstehen, aber dadurch entsteht auch mehr Bürokratie. Es gibt mehr Meetings und Veranstaltungen, an denen wir unserer Meinung nach teilnehmen sollten, aber da wir nur 14 Mitarbeitende haben, bringt uns das an unsere Grenzen.

e-tech: Wie schaffen Sie es, die jüngere Generation dafür zu begeistern, sich in der Normungsarbeit zu engagieren?

Wallström: Das gehört zu den Dingen, die bei uns im SEK ganz oben auf der Agenda stehen. Wir haben eine solide Basis an Fachleuten, aber jüngere Teilnehmende stellen nicht die Mehrheit dar. Wir gehen das Problem dahingehend an, dass wir generell mehr Fachleute für unsere Arbeit gewinnen wollen. Da die Welt immer komplexer wird, werden auch die Bereiche, in denen wir tätig sind, immer vielfältiger. Neue Technologien müssen genormt werden und wir müssen Experten und Expertinnen aus aufstrebenden und High-Tech-Unternehmen für unsere Sache gewinnen. Wir brauchen ausgewiesene Fachleute, die in diesen Bereichen über Fachkompetenz verfügen und eine andere Art von Hintergrund haben als den eher traditionellen Ingenieurshintergrund. Wir haben verschiedene Systeme und Programme, die uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe helfen.


Next Generation DKE – Lerne uns kennen!

Die Next Generation DKE ist eine Community für Young Professionals und Studierende zu allen Themen rund um die Zukunft der Normung und Standardisierung bei der DKE. Als Mitglied bekommt man viele Einblicke in die spannende nationale und internationale Welt der Normung und Kontakt zu Experten auf vielen Fachgebieten, verbunden mit dem Ziel, den Einfluss von jungen Leuten in der DKE zu stärken.

Ich möchte die Next Generation DKE kennenlernen!

e-tech: Können Sie uns ein Beispiel dafür geben?

Wallström: Wir haben festgestellt, dass es sehr schwierig ist, einfach Unternehmen zu besuchen und zu erklären, warum Normen wichtig sind. Wir gehen selektiver vor. Bevor wir ein Unternehmen kontaktieren, sehen wir uns genau an, welche Bedürfnisse es hat. Wir möchten dann ganz spezifisch aufzeigen, wie das jeweilige Produkt von Normen profitieren kann. Das bedeutet, dass wir weniger Unternehmen kontaktieren und dass es eine Weile dauern kann, ein Verhältnis aufzubauen, aber die Ergebnisse sind langfristig viel besser.

e-tech: Sind die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) ein Treiber für das SEK?

Wallström: Absolut. Ihr Beitrag ist meiner Meinung nach eher der eines politischen Instruments als der eines praktischen Leitfadens. Sie ermöglichen es, Menschen mit einer ähnlichen Einstellung zusammenzubringen und sicherzustellen, dass sie in die gleiche Richtung blicken. Wenn alle an einem Strang ziehen und es Einigkeit bezüglich der Ziele gibt, können wir gemeinsam Fortschritte erzielen. Die UN-Nachhaltigkeitsziele sind die Treiber für Wandel in Politik, Kultur und Denken.


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