Junge Frau, die ein Buch in einem autonomen Auto liest
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06.03.2019 Fachinformation 259 0

Trend auf der CES 2019: Intelligente Fahrzeuge

Die neuesten Fortschritte bei der Technologie für autonomes Fahren auf der CES. Die Bedeutung von Edge Computing nimmt zu, ethische Aspekt spielen bei der weiteren Entwicklung eine ganz entscheidende Rolle und die Stimmung des Fahrerss soll als Grundlage sowohl für Komfort auch für Sicherheit dienen.

IEC-Logo

Von Catherine Bischofberger

Künstliche Intelligenz (KI) macht aus Fahrzeugen freundliche Roboter. Auf der Technikmesse in Las Vegas, die im Januar stattfand, wurden zahlreiche Einblicke in die Zukunft von Kraftfahrzeugen geboten.

Kritiker glauben, dass sie zu sehr hochgespielt wird, aber autonomes Fahren wurde in nur wenigen Jahren zu einem der wichtigsten Zugpferde auf der CES. Die Organisatoren der Veranstaltungen rühmen sich damit, die größte Automobilausstellung zu sein und dieses Jahr sind etwa 170 verschiedene Aussteller zusammengekommen, um ihr Know-how im Bereich autonomes Fahren vorzuzeigen. Dabei reichte das Angebot von vernetzten Fahrzeugen bis zu futuristischen Konzeptfahrzeugen. Auch wenn vollautonome Fahrzeuge noch weit von der Straßentauglichkeit entfernt sind, hat sich das autonome Fahren im letzten Jahr auch dank komplexerer Analysealgorithmen in Riesenschritten weiterentwickelt.

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Dr. Ralf Petri

Ständiger Fortschritt

Die meisten Straßenfahrzeuge verfügen über irgendeine Art von Fahrerassistenzsystem, das dem Fahrer zum Beispiel beim Einparken hilft. Auf der CES beherrschten fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme die Schlagzeilen, darunter auch Fahrgast- und Straßenranderkennung sowie automatische Notbremsung. Auffahrwarnsysteme, einschließlich der Fahrgasterkennung, sollen Fahrern helfen und sie benachrichtigen, wenn ein Hindernis im Weg ist. Diese Systeme vereinen Software mit Sensoren, Kameras und in einigen Fällen Radaren zur Erkennung von Objekten bei oder vor dem Fahrzeug.

Noch ausgeklügeltere Algorithmen sind für vollautonome Fahrzeuge erforderlich. Forscher des MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory haben an einem neuen Spurwechselalgorithmus gearbeitet, der es automatischen Fahrzeugen ermöglicht, sich wie Menschen zu verhalten und Entscheidungen zum Wechseln oder Verbleiben in einer Spur in Millisekunden zu treffen. Die Forscher prüften ihren Algorithmus in einer Simulation mit bis zu 16 autonomen Fahrzeugen, die ohne Zusammenstöße in einer Umgebung mit mehreren hundert anderen Fahrzeugen gefahren sind. Der Aufstieg des Edge Computing hat Fahrzeugen eine besser Verarbeitung von und Mustererkennung in den Daten von den Sensoren ermöglicht. Die Daten werden im Fahrzeug selbst und nicht in einer zentralen Cloud gespeichert, sodass sie schneller und einfacher zu verarbeiten sind. Zudem ist es schwerer, sie zu hacken.

Kopf und Körper

Es ist jedoch noch ein weiter Weg, bevor autonome Fahrzeuge es mit dem menschlichen Gehirn aufnehmen können. Laut Tigran Shaverdyan, einem der Erfinder eines selbstfahrenden Kastenwagens, der auf der CES 2019 vorgestellt wurde, „ist es noch immer ziemlich schwer, einen Algorithmus zu finden, der es einem autonomen Fahrzeug ermöglichen würde, die richtige Wahl bei einem unwahrscheinlichen Szenario zu treffen. Es ist wie mit dem Huhn, das über die Straße geht.“ Ihr Kastenwagen, eine Art Supermarktroboter, wird momentan vor allem aus Sicherheitsgründen ferngesteuert. „Wir werden nächstes Jahr eine erweiterte Autonomie prüfen. Die Technologie wird jedoch weiterhin irgendeine Art von Überwachung aus der Ferne brauchen. Es müssen eine Reihe Sicherheitsprobleme behandelt werden, bevor wir ein vollautonomes Fahrzeug auf den Markt bringen können. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir diese Probleme langfristig lösen können.“

IEC bereitet den Weg für die gestiegene Anwendung von KI-Technologie in unserem Alltag: Das gemeinsame technische Komitee der Internationalen Organisation für Normung und der Internationalen Elektrotechnischen Kommission (ISO/IEC JTC 1) sowie einige seiner Unterkomitees (SC) erstellen Internationale Normen, die zur Entwicklung von Verfahren mit künstlicher Intelligenz beitragen. Zum Beispiel wurde das SC 42 eingerichtet, um für Normung im Bereich KI sowie Anleitungen für andere Komitees, die KI-Anwendungen entwickeln, zu sorgen.

IEC ist zudem ein Gründungsmitglied der Open Community for Ethics in Autonomous and Intelligent Systems (OCEANIS). Dieses globale Forum bringt Organisationen zusammen, die sich für die Entwicklung und Verwendung von Normen als Mittel zur Behandlung ethischer Fragen bei autonomen und intelligenten Systemen interessieren.

Eine vom TC 47 veröffentlichte Normenreihe, IEC 62969, legt die allgemeinen Anforderungen an Stromversorgungsschnittstellen für Fahrzeugsensoren für die Automobilindustrie fest. Das TC 100 veröffentlichte zahlreiche Normen zu Multimediasystemen in Fahrzeugen. Eine der neuesten Veröffentlichungen ist die Technische Spezifikation IEC TS 63033. Darin wird das Modell zur Erzeugung der visuellen Umgebungsdarstellung eines Fahrüberwachungssystems festgelegt, das ein zusammengesetztes 360°-Bild aus Außenkameras zusammensetzt. Dadurch wird eine korrekte Positionierung eines Fahrzeugs in Bezug auf seine Umgebung unter Zuhilfenahme eines Rückfahrmonitors für die Einparkhilfe sowie Monitoren für tote Winkel und Vogelperspektive ermöglicht.

Bereiche verknüpfen

Vernetzte Fahrzeuge waren einer der großen Trends auf der CES 2019. Verbesserte Funktionen und Technologien wurden im Rahmen der neuen 5G-Netzwerke angepriesen. Die Verbindungsgeschwindigkeit dieser neuesten Generation mobiler Kommunikationssysteme ist wesentlich größer und sorgt für zuverlässigere Signale als in früheren Netzwerken. Dies ist zum Beispiel für hochwertige VR-Anwendungen extrem hilfreich. Eine der Neuigkeiten auf der Ausstellung war, dass sich Content Producer mit Fahrzeugherstellern, Chipherstellern und Smartphone-Unternehmen zusammengetan haben, um Fahrgästen immersive VR-Erlebnisse anzubieten. ISO/IEC JTC 1/SC 24 erstellt derzeit Normen im Bereich erweiterte und virtuelle Realität.

5G wird auch bei der Implementierung von Verkehrsvernetzung (V2X, en: vehicle to everything) zwischen selbstfahrenden und anderen Fahrzeugen, Geräten oder Hindernissen, wie Verkehrslichtzeichen und Fußgängern, helfen. Die vom TC 106 veröffentlichte Norm IEC 62232 bietet Verfahren zur Bestimmung der HF-Feldstärke in der Nachbarschaft von Funkkommunikations-Basisstationen. In dieser Norm werden auch Frequenzen für 5G zur Bewertung der menschlichen Exposition behandelt. TC 106 hat eine neue gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) gegründet, um bis 2020 Internationale Normen für die Prüfung von 5G-Geräten zu erarbeiten.

In Fahrstimmung

Zahlreiche Konzeptfahrzeuge auf der CES haben Sprach- und Bilderkennungssysteme gezeigt, mit denen die Stimmung des Fahrers eingeschätzt werden soll. Ein bekanntes Spracherkennungs-Tool wurde in viele Fahrzeuge integriert, in denen es zahlreiche, unterschiedliche Aufgaben übernimmt, darunter als Sicherheitsassistent und zur Warnung vor möglichen Gefahren auf der Straße.

Das Konzeptfahrzeug eines koreanischen Herstellers verfügt über eine Gesichtserkennungstechnologie, die Künstliche Intelligenz zur Bewertung der Gemütslage der Person am Steuer einsetzt. Die Software kann die Innenbeleuchtung des Fahrzeugs ändern, zum Beispiel um den Fahrer zu warnen, wenn es Anzeichen für Müdigkeit bei ihm erkennt.

Bevor sie vollautonom werden, entwickeln sich die Fahrzeuge zu freundlichen Robotern, die gerne helfen und dienen, während die Fahrer ein Minimum an Kontrolle behalten. Dies könnte das Beste aus beiden Welten vereinen – die Gefahr eines menschlichen Versagens senken und dabei den Fahrspaß erhalten.

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