Cloud Computing mit POV-Bewegungsunschärfe der abstrakten Hochgeschwindigkeitstechnologie
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12.03.2019 Kurzinformation

Sicherheits- und Prozessleittechnik in der Cloud

Am 26. und 27. März 2019 dreht sich in Erfurt alles um Funktionale Sicherheit. Sonja Steffens ist Projektleiterin für die Entwicklung einer neuen Safety-Plattform bei der Siemens Mobility GmbH. Wir haben im Vorfeld zu den Erfurter Tagen mit Sonja Steffens unter anderem über wesentliche Herausforderungen, Datenhoheit und potenzielle Märkte der Cloud-Technik gesprochen.

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Holger Lange

Interview mit Sonja Steffens

Sonja Steffens

Sonja Steffens

Lange: Neben der Verlagerung von Technik in die Cloud wird in der Industrie auch das Thema „Edge Computing“ – also die Verlagerung von Steuerungsfunktionen direkt in die Sensoren oder Aktoren – diskutiert. Sind das sich gegenseitig ausschließende Konzepte?

Steffens: Nein, solche Konzepte ergänzen sich. Durch die Schaffung einheitlicher Standardschnittstellen für den Datenaustausch, zum Beispiel gemäß EULYNX, haben wir in der Signaltechnik einen Wandel in der streckenseitigen Systemarchitektur zu zentralisierter Sicherungslogik mit standardisierten IP-basierten Schnittstellen zu dezentralen Steuerungsfunktionen.

Lange: Wo liegen die Vorteile bei der Verlagerung in die Cloud? Kann hier ein bessere Verfügbarkeit erreicht werden?

Steffens: Die Standard Multicore Technologie bietet höchste Performance für den Betrieb von zentralisierten Sicherungslogiken mit vielen Kommunikationsverbindungen zu dezentralen Steuerungsfunktionen. Ein flexibles Konzept zur Nutzung der Multicore Standard Technologie ermöglicht höchste Verfügbarkeit, beispielsweise auch geographische Redundanz von sicheren Systemen.

Lange: Macht man sich dann nicht vom Cloud-Anbieter abhängig und verliert (teilweise) die Hoheit über die eigenen Daten?

Steffens: Diese Frage ist individuell für den konkreten Anwendungsfall beim konkreten Kunden zu betrachten und die jeweils optimale Lösung anzuwenden. Die technologischen Vorteile der Multicore Technologie sind natürlich auch bei kundenseitiger Hoheit über die eigenen Daten („private Cloud“) verfügbar.


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Lange: Ist dies auch für zeitsensitive Anwendungen möglich (Stichworte: Zugriffszeiten, Verfügbarkeit der IT-Netze zur Cloud, Probleme durch Latenz)?

Steffens: Die wesentliche Herausforderung ist die Definition einer Safety-Software-Plattform, die sowohl den Betrieb von Sicherungslogiken auf Multicore Standard Technologie ermöglicht als auch maximale Flexibilität zur Nutzung dieser Technologie erreicht. Grundvoraussetzung für eine IP-basierte Architektur in der Signaltechnik sind natürlich hoch verfügbare IT-Netze mit äußerst geringen Latenzzeiten.

Lange: Brauchen wir hierfür neue Technologien, wie beispielsweise 5G, oder ist das auch mit der heutigen Technik schon möglich?

Steffens: Der Betrieb von Sicherungslogiken auf Multicore Standard Technologie kann mit heutiger Technologie gelöst werden. Inwiefern für die Kommunikation zum Datenaustausch zwischen zentraler Sicherungslogik und dezentralen Steuerungsfunktionen neue Technologien wie 5G zur Anwendung kommen werden, ist ein ergänzendes eigenes Thema.

Lange: Wo sehen Sie den Markt für diese Technik – eher bei großen Betreibern oder kleineren Unternehmen?

Steffens: Beides, denn diese Technik ergänzt das „digitale Stellwerk“ und ist für alle Märkte und Kunden vorteilhaft. Nicht nur der „DataCentre“-Gedanke großer Anlagenbetreiber, beispielsweise Fernverkehrs-Bahngesellschaften, wird unterstützt, sondern auch kleinere Unternehmen profitieren von der Verwendung standardardisierter Technologie.

Lange: Sehen Sie hier die Möglichkeit, dass (speziell im Silicon Valley ansässige) Firmen, die bisher keinen Bezug zur Industrie haben, aber stark im Cloud-Geschäft sind, in diesen Markt vorstoßen?

Steffens: Die technischen Anforderungen für das Betreiben von Sicherungslogiken auf Standard Technologie sind sehr Domänen-spezifisch und nicht mit allgemein bekannten Cloud-Anwendungen vergleichbar. Das gilt auch weiterhin für die Sicherungslogik selbst.

Wir bedanken uns für dieses Interview bei

Sonja Steffens

Sonja Steffens

Projektleiterin für die Entwicklung einer neuen Safety-Plattform, Siemens Mobility GmbH

Sonja Steffens

Projektleiterin für die Entwicklung einer neuen Safety-Plattform, Siemens Mobility GmbH

Holger Lange

Holger Lange

Referent/Senior Specialist für Funktionale Sicherheit und Engineering in der Prozesstechnik, VDE DKE

Holger Lange

Referent/Senior Specialist für Funktionale Sicherheit und Engineering in der Prozesstechnik, VDE DKE


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