Elektroroller mit Fahrer
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05.08.2019 Fachinformation 384 0

Normen machen E-Scooter sicherer

E-Scooter halten immer mehr Einzug in neue Länder, Städte und somit auch in unseren Alltag. Auf internationaler Ebene wurde das Expertengremium IEC/TC 125 gegründet, um die Entwicklung im Markt mit Normen zu begleiten und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Auf nationaler Ebene wird die Arbeit im Expertengremium DKE/K 354 gespiegelt.

IEC-Logo

Von Natalie Mouyal

Seit kurzem bekommen es Fußgänger in den Innenstädten mit einem neuen Phänomen zu tun: Auf Bürgersteigen und Radwegen sind Elektro-Tretroller unterwegs, die von Pendlern als beliebtes Transportmittel entdeckt worden sind. Diese bieten eine bequeme Möglichkeit, Strecken zurückzulegen, die für die fußläufige Fortbewegung als zu weit betrachtet werden, ohne auf öffentliche Transportmittel oder ein Privatfahrzeug zurückgreifen zu müssen.

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Ninmar Lahdo
Zuständiges Gremium
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Und angesichts der Tatsache, dass 46 % der mit dem Auto zurückgelegten Strecken kürzer als 5 km sind, könnte dieses auch als „E-Scooter“ bezeichnete Transportmittel tatsächlich zur Lösung der zunehmenden Verkehrsstaus in vielen Städten beitragen.

Im vergangenen Jahr wurden die Innenstädte mit E-Scootern geradezu überschwemmt, die von einer Vielzahl von E-Scooter-Vermietungen angeboten werden. Da auf diese Weise ein bequemer und kostengünstiger Zugang zu E-Scootern geboten wird, haben diese bei Stadtpendlern und Touristen großen Anklang gefunden. Und diese Vermietungen haben sich als so erfolgreich erwiesen, dass einer der Anbieter die Zahl von 26 Millionen Fahrern innerhalb des ersten Jahres zu vermelden hatte. Bei einem anderen Anbieter wurde der Unternehmenswert nach 15 Monaten bereits auf mehr als 1 Milliarde US-Dollar beziffert.


Mobilität – Elektrisch & urban unterwegs mit Normen und Standards

Die Mobilität der Zukunft lautet: flexibel, ökologisch, effizient. Die Lösung: vernetzt, elektrisch, autonom.

Mobility erstreckt sich bereits heute über eine Vielzahl von Branchen und Technologien. Normen und Standards stellen die notwendige Kompatibilität, Interoperabilität und vor allem die Sicherheit der Mobilitätssysteme her, um für den Nutzer ein ganzheitliches Mobilitätserlebnis zu erschaffen.

Vor allem für die Kopplung der Sektoren Energy, Mobility und Information Technology sind Normen und Standards unverzichtbar.

Um die deutsche Wirtschaft erfolgreich im Bereich Mobility zu positionieren, ist es wichtig, die positiven Effekte von Normen und Standards von Beginn an in den Entwicklungsprozess miteinzubeziehen und voll auszuschöpfen.


Lauernde Gefahren

Aber E-Scooter sind auch nicht ganz ungefährlich. Krankenhäuser melden eine steigende Anzahl von Verletzten aufgrund der weitverbreiteten Nutzung von E-Scootern. Nach Angaben der medizinischen Zeitschrift JAMA Network Open verletzten sich mehr Menschen beim Fahren mit E-Scootern als beim Fahrradfahren oder als Fußgänger. Das ergab eine Studie, bei der ein Jahr lang die Daten von zwei Notaufnahmen in Los Angeles ausgewertet wurden.

Gefahren gehen außerdem von Fehlfunktionen bei E-Scootern aus. In Zürich berichtete ein E-Scooter-Verleiher von Fällen, in denen E-Scooter während der Fahrt plötzlich abrupt anhielten, wodurch sich die Fahrer verletzten. Ein dramatischer Fall ereignete sich auch in den Niederlanden, wo die Bremsen eines elektrischen Lastenrades versagten, mit dem Kinder befördert wurden, so dass dieses von einem Personenzug erfasst wurde.

Manche Probleme im Zusammenhang mit der E-Scooter-Nutzung werden durch behördliche Verordnungen gelöst werden können. Einige Stadtverwaltungen haben bereits begonnen, Regeln für E-Sccoter zu erlassen, die deren zulässige Höchstgeschwindigkeit, zugewiesene Abstellflächen und die zu nutzenden Fahrspuren betreffen.


Elektroroller umweltfreundlich
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Expertengremium DKE/K 354 Elektrokleinstfahrzeuge

Das Gremium DKE/K 354 (Spiegelgremium zum TC 125) befasst sich u. a. mit folgenden Themen:

  • Zuverlässigkeit der Geschwindigkeitssteuerung und Lenkung
  • Anforderungen an das Aufladen und für öffentliche Dockingstationen
  • Anforderungen an Beleuchtungseinrichtungen, Hupen und  Reflektoren
Zum Expertengremium DKE/K 354

Normen bringen die Lösung

Um die Sicherheit auf globaler Ebene zu gewährleisten, ist Normungsarbeit erforderlich. Derzeit existieren nur wenige oder gar keine Normen für Transportmittel mit mehreren Rädern und ohne Lenkrad, die zur individuellen Fortbewegung oder zur Beförderung von Personen verwendet werden. Es werden Normen zur Harmonisierung der Regeln für Hersteller und Nutzer sowie zur Gewährleistung der Umsetzung von Sicherheitsmerkmalen benötigt.

Angesichts der zunehmenden Präsenz von individuellen elektrischen Fortbewegungsmitteln und der Notwendigkeit, deren Sicherheit zu gewährleisten, hat die IEC das TC 125 für die Normungsarbeit in den Bereichen Sicherheit, Zuverlässigkeit und Schutz vor Gefährdungen geschaffen. Das Komitee wird auch Normen für Dockingstationen sowie Einrichtungen zum Laden und zum Recyclen der Akkus erarbeiten.

Nach Einschätzung von Luk Van Hecke, dem designierten Assistant Secretary des TC 125, ist die „Arbeit eines Technischen Komitees in der IEC notwendig, um die Entwicklungen in diesem Markt mit Normen zu begleiten und die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, da diese Fortbewegungsmittel in öffentlichen Raum immer häufiger anzutreffen sind.“

Diese Normen werden für elektrisch angetriebene Fortbewegungsmittel mit einem oder mehreren Rädern gelten, deren Geschwindigkeit und/oder Lenkung elektrisch gesteuert wird. Dazu gehören E-Scooter, Monoräder und Segways, nicht aber Elektrofahrräder, elektrische Motorräder und Elektrofahrzeuge, da sich mit diesen bereits andere Technische Komitees beschäftigen. Die Normen werden zudem nur bei Fortbewegungsmitteln Anwendung finden, die auf öffentlichen Straßen und im öffentlichen Raum unterwegs sind.

Das TC 125 wird sich unter anderem mit den folgenden Themen befassen:

  • Begriffsdefinitionen für die verschiedenen individuellen elektrischen Fortbewegungsmittel.
  • Zuverlässigkeit der Geschwindigkeitssteuerung (Beschleunigung und Abbremsen) und Lenkung.
  • Definitionen der verschiedenen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstufen auf Grundlage der Höchstgeschwindigkeit des Fortbewegungsmittels und, infolgedessen, der verschiedenen zu ergreifenden Sicherheitsvorkehrungen. Sollte z. B. die maximale Beschleunigung und Bremsverzögerung vorgegeben werden oder sollte das Gewicht des Fahrers – d. h. die Tatsache, ob es sich dabei um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt – Auswirkungen auf die Höchstgeschwindigkeit des Gefährts haben?
  • Anforderungen bzgl. der Sichtbarkeit abhängig vom Einsatzort des Fahrzeugs, zu denen Anforderungen zur Verwendung von Beleuchtungseinrichtungen, Hupen oder Reflektoren gehören können.
  • Schutz vor Gefährdungen, z. B. durch Feuer und Wasser.
  • Anforderungen an das Aufladen und für öffentliche Dockingstationen.
  • Verfahren zur Überprüfung auf Einhaltung der Sicherheitsanforderungen.

Van Hecke merkt dazu an: „Auch wenn es nicht möglich ist, Unfälle mit elektrischen Fortbewegungsmitteln vollständig auszuschließen (ebenso wenig wie bei allen anderen Straßenfahrzeugen), können wir Mindestsicherheitsnormen festlegen, die einen wertvollen Beitrag dazu leisten, deren Anzahl zu verringern. Und es könnte dabei helfen, Unfälle wie den in den Niederlanden zu verhindern, durch die sowohl die öffentliche Sicherheit als auch die geschäftliche Existenz eines Herstellers gefährdet werden.“

Das Sekretariat des neuen TC wird in Belgien angesiedelt sein. Die erste Zusammenkunft des TC 125 ist für den 23. bis 24. September 2019 in Brüssel geplant.


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Die Elektromobilität ist eine Sprunginnovation, die ein neues, übergreifendes Systemdenken erfordert. Um die deutsche Wirtschaft erfolgreich im Bereich Mobility zu positionieren, ist es wichtig, die positiven Effekte von Normen und Standards von Beginn an in den Entwicklungsprozess einzubeziehen und damit voll auszuschöpfen. Gleiches gilt aber auch für die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Mobilität – die Mikromobilität. Weitere Inhalte zu diesem Fachgebiet finden Sie auf unserer

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Internationale Zusammenarbeit in der elektrotechnischen Normung