Fahrradverleih mit dem Smartphone
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03.05.2019 Fachinformation 1264 0

Mobilität – Transformation der Energiewelt

Der Verkehrssektor ist eines der großen Sorgenkinder der Klimapolitik. Moderne Mobilität bedeutet, unterschiedlichste Verkehrsträger und -bereiche verbraucherfreundlich und möglichst nachhaltig miteinander zu verknüpfen. Normen und Standards sind unerlässlich, um die Vielzahl der involvierten Branchen sowie Technologien zielführend miteinander zu kombinieren.

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Dr. Ralf Petri

Der Verkehrssektor ist für rund 20 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Bundesregierung will diese Emissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent (gegenüber 1990) senken und bis 2050 nahezu klimaneutral sein. Zentrales Element dieser Strategie ist die Elektromobilität. Mit dem Elektromobilitätsgesetz sowie der Ladesäulenverordnung wurde hierfür ein rechtlicher Rahmen geschaffen.

Das im Jahr 2016 in Kraft getretene Förderprogramm der Bundesregierung unterstützt außerdem den Ausbau der Ladeinfrastruktur. In den vergangenen Monaten haben viele Kommunen angefangen, mit Ladestationen zu experimentieren; immer mehr deutsche Hersteller stellen neue Elektroautomodelle vor und die Verkaufszahlen nehmen stetig zu.

Der Erfolg der Elektromobilität hängt allerdings von deutlich mehr als einer Vielfalt bezahlbarer Elektroautomodelle ab. Ein ganz wesentliches Element einer erfolgreichen Verkehrswende ist, dass Nutzer von Anfang an das Gefühl haben, auf eine ausgereifte sowie nachhaltige Technologie zu setzen, deren Infrastruktur und Anwendung auch verbraucherfreundlich ist.

Damit die Transformation des Verkehrssektors gesellschaftlich akzeptiert wird, ist die kooperative Zusammenarbeit von Experten aus der Automobil-, Elektro- und Energietechnik sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie unumgänglich. Normen und Standards sind das Rückgrat eines erfolgreichen Rollouts der Strukturen für die Elektromobilität. Welche Stellschrauben für den Erfolg im Massenmarkt wichtig sind und was bislang erreicht wurde, fasst „Die Deutsche Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020“ zusammen.


Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020
DKE

Die deutsche Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020

stellt die bisherigen Normungsaktivitäten im Bereich Elektromobilität dar und fasst den aktuellen Stand vor allem bei Anforderungen zur Sicherheit, Fahrzeugtechnik und zu Ladeschnittstellen zusammen.

•  Kabelgebundenes Laden
•  Laden mit höheren Ladeleistungen
•  Kabelloses Laden von Elektrofahrzeugen
•  Informations- und Kommunikationstechnologien
•  Empfehlungen für die Zukunft

Zur Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020

Intelligente Verteilung der vorhandenen Energie und Leistung

Elektroautos mögen heute im Design noch herkömmlichen Diesel- und Benzinfahrzeugen gleichen, die Elektromobilität wird aber die Art, wie Mobilität funktioniert, radikal verändern. Ihre Batterien verknüpfen Elektroautos beim Ladevorgang dezentral mit den Verteil- und sogar den Hausnetzen der Verbraucher.

Was die notwendige Energiemenge betrifft, stellt die Elektromobilität keine besonders große Herausforderung dar. Ausgehend von 40 Millionen Elektroautos würde ihr Anteil am Energieverbrauch Deutschlands ungefähr 20 Prozent betragen. Dies entspricht in etwa den derzeitigen Tagesschwankungen im Netz. Um den Klimazielen zu dienen, muss diese zusätzlich benötigte Energie selbstverständlich aus regenerativen Energiequellen stammen. Die eigentliche und größte Herausforderung liegt jedoch darin, die benötigte Energie intelligent zu verteilen.

Li-Ion Elektrofahrzeug Batteriekonzept. Autosymbol mit EV-Batterien auf hölzernem Schreibtisch mit 3D-Rendering.
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Wenn immer mehr Menschen auf Elektroautos umsteigen, könnten viele Niederspannungsnetze an die Grenze ihrer Kapazität geraten, etwa wenn in einer Ortschaft zahlreiche Fahrzeuge abends gleichzeitig geladen werden. Wird ungesteuertes, gleichzeitiges Laden erlaubt, würde dies einen massiven Netzausbau erfordern. Wirtschaftlich effizienter ist es, von Anfang an die Voraussetzungen zu schaffen, dass Elektrofahrzeuge Teil eines modernen Energie-Ökosystems werden. Durch „Smart Charging“ und intelligentes Lastmanagement können sehr viele Netzausbaukosten vermieden werden. Dazu muss eine netzfreundliche Ladeinfrastruktur aufgebaut werden.

Netzbetreiber haben längst damit begonnen, intelligente Ladestrategien für Elektroautos zu entwickeln, welche die Netze möglichst wenig belasten.

Eine Möglichkeit wäre es, die Ladeleistung in den Ladesäulen automatisch abzusenken, sobald es im Netz zu Spannungsabfällen kommt. Mit stationären Batterie- und Heimspeichern, die tagsüber geladen werden, lässt sich gegensteuern, wenn beispielsweise abends mehrere Fahrzeuge gleichzeitig mit leeren Batterien zu ihren Ladestationen kommen. Eine wesentliche Voraussetzung sind steuerbare Lader mit hohen Leistungen, die zuhause, im öffentlichen Raum oder in Parkhäusern installiert werden können.

Auch variable Stromtarife könnten dazu beitragen, das Verbraucherverhalten möglichst netzfreundlich zu steuern. Gleichzeitig ist es denkbar, dass Netzbetreiber Fahrzeugbatterien nutzen, um Netzschwankungen auszugleichen. Hier stellen sich neben technischen vor allem auch zahlreiche juristische Fragen, wenn es zum Beispiel um Garantieansprüche bezüglich der Batterie geht.

Schnelles und sicheres Laden

Die DKE sammelt und strukturiert relevante Topologien sowie Anwenderfälle und identifiziert den Normungsbedarf. Wie Elektroautos netzdienlich ge- und entladen werden können, wird im ad-hoc Arbeitskreis DKE/AK 353.0.401 „Bidirektionales Laden“ erarbeitet. Der DKE/AK 353.0.101 beschäftigt sich zudem mit dem Lastmanagement unter Berücksichtigung bidirektionaler Energieflüsse. Insbesondere die Backend-Kommunikation für die Ladeinfrastruktur ist hierbei von enormer Bedeutung; dazu wurde der DKE/GAK 353.0.11 gegründet. Eine internationale Gesamtlösung wird zurzeit im Rahmen der IEC-Norm 63110 definiert. Hier wird neben dem Backend-Protokoll auch die Schnittstelle der Ladesäule in Richtung Backend dargelegt.

Damit Elektromobilität massentauglich wird, muss vor allem das Laden so einfach wie möglich sein. Dazu gehört, dass die Verbraucher an den Ladesäulen transparente Bedingungen vorfinden. Ansonsten besteht die Gefahr, insbesondere die wichtigen „First Mover“, also jenen Verbrauchern, die sich frühzeitig für den Kauf eines Elektroautos entschieden haben, zu abzuschrecken. Die DKE ermöglicht einen effizienten Prozess durch Anwendungsregeln. Dazu gehört beispielsweise die VDE AR-E 2802-100, dem Standard für IT-sicheres Plug & Charge.

Um Elektrofahrzeuge in ein intelligentes Energienetz einzubinden, ist auch die Auswertung personenbezogener Daten beim Lade- und Abrechnungsvorgang erforderlich. Damit nimmt neben der Netzstabilität auch die IT-Sicherheit auf Fahrzeug- sowie Infrastrukturseite einen hohen Stellenwert ein. Ihre Anforderungen werden in der DIN|DKE Roadmap „IT Sicherheit“ beschrieben.


Interessiert an Mobility?

Fokusbild Mobility

Die Elektromobilität ist eine Sprunginnovation, die ein neues, übergreifendes Systemdenken erfordert. Um die deutsche Wirtschaft erfolgreich im Bereich Mobility zu positionieren, ist es wichtig, die positiven Effekte von Normen und Standards von Beginn an in den Entwicklungsprozess einzubeziehen und damit voll auszuschöpfen. Gleiches gilt aber auch für die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Mobilität – die Mikromobilität. Weitere Inhalte zu diesem Fachgebiet finden Sie auf unserer

DKE-Themenseite Mobility

Zukunftsszenarien mitdenken

Elektroautos privater Nutzer sind nur ein Teil dessen, was Mobilität künftig ausmachen wird. Zukunftsforscher messen insbesondere dem autonomen Fahren eine große Rolle bei, was auch für Ladestrategien Konsequenzen hätte, wenn sich selbstfahrende Autos beispielsweise nach Gebrauch außerhalb der Stadt in spezielle Parkhäuser fahren, um dort nachzuladen. Solche Möglichkeiten müssen bei Normungsverfahren perspektivisch immer mitgedacht werden. Auch wenn Mobilität voraussichtlich stark elektrisch geprägt sein wird, müssen andere Antriebsarten und ihre Integration durch Normung berücksichtigt werden.

Gleiches gilt auch für neue Fortbewegungsstrategien, die im Zuge zunehmender Urbanisierung und einer steigenden Verkehrsdichte in Innenstadträumen von immer mehr Start-ups und Mobilitätsdienstleistern entwickelt werden. Auch der Bahnsektor gewinnt vor dem Hintergrund dieser Problematik zunehmend an Bedeutung. Auf der so genannten „letzten Meile“ rücken zudem als Alternative zum Auto immer mehr elektrische Kleinstfahrzeuge, wie Elektro-Scooter, -Lastenräder, -Roller oder -Floater, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dieser übergreifend als „intermodale Mobilität“ bezeichnete Trend zeigt, dass die meisten Wege zunehmend individuell gestaltet und mit einer Kombination aus unterschiedlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Da sowohl die Elektrifizierung des Verkehrssektors als auch der Anteil erneuerbarer Energien stetig zunimmt, rücken diese Bereiche immer näher zusammen.

Wasserstoff-Brennstoffzelle - Labor
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Die Ergänzung ihrer Potentiale im Zusammenspiel mit anderen Bereichen (Sektorenkopplung) bietet viele Möglichkeiten für eine nachhaltige und effiziente Mobilität. Auch Wasserstoff besitzt das Potential, als umweltfreundliches Antriebsmittel sowie Energiespeichermedium einen großen Beitrag zur Verkehrs- und somit auch Energiewende zu leisten.

Überkapazitäten aus Windkraft- oder auch Photovoltaikanlagen können in Wasserstoff umgewandelt, zwischengespeichert und anschließend entweder für die Betankung genutzt oder bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt beziehungsweise ins Netz eingespeist werden. Die Brennstoffzellentechnologie ermöglicht im Vergleich zu rein batterieelektrischen Fahrzeugen hohe Reichweiten sowie wesentlich kürzere Betankungszeiten und bietet sich dadurch insbesondere für den Schwerlast- und Güterverkehr an.

Im Bereich der Normung stellt die Berücksichtigung individueller Mobilitätsbedürfnisse und verschiedener, innovativer Technologien im Hinblick auf die einzelnen Transport- sowie Verkehrsmittel ein Leitmotiv dar. Der Blick in die Zukunft gehört zu den wichtigsten Aspekten der Normungswelt.

Redaktioneller Hinweis:

Die im Text aufgeführten Normen können Sie beim VDE VERLAG erwerben.

Zum VDE VERLAG

Übersicht der im Artikel aufgeführten Normen und Anwendungsregeln

Norm Titel
E DIN EN 63110-1 (VDE 0122-110-1):2019-02 Protokoll zum Management von Lade- und Entladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge - Teil 1: Grundlegende Begriffe, Anwendungsfälle und Architektur
VDE-AR-E 2802-100-1 (VDE AR-E 2802-100-1):2017-10 Zertifikats-Handhabung für Elektrofahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Backend-Systeme im Rahmen der Nutzung von ISO 15118

Auswahl beteiligter DKE-Gremien an Mobilität

Gremium Bezeichnung
DKE/GAK 353.0.11
Backend Kommunikation für Ladeinfrastruktur
DKE/AK 353.0.101 Lastmanagement beim Laden von Elektrofahrzeugen auch unter Berücksichtigung von bidirektionalem Energiefluss
DKE/AK 353.0.401 ad-hoc AK "Bidirektionales Laden"

Interview mit Roland Bent

Roland Bent ist Chief Technical Officer bei Phoenix Contact, Präsident der DKE und leitet die Arbeitsgruppe 6 (AG 6) „Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Zulassung“ der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM). Nicht nur in seiner Funktion als DKE-Präsident meint der Experte, dass Normung für den Ausbau zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte von elementarer Bedeutung ist.

Im Interview mit Dr. Ralf Petri, VDE Leiter Mobilität und Logistik und DKE Abteilungsleiter Mobility, spricht Roland Bent über den Ausbau der Ladeinfrastruktur, Innovationsförderungen durch Normen und Standards und die Vorteile des autonomen Fahrens.

„Die Kunst liegt darin, die unterschiedlichen Mobilitätsangebote intelligent miteinander zu vernetzen“

Roland Bent

Roland Bent

Dr. Petri: Dieselgate, CO2-Grenzwerte, Fahrverbote: Der Verkehrssektor rückt im Moment fast täglich in den Fokus der Öffentlichkeit und sorgt für erregte Diskussionen. Kommt das zu spät?

Bent: Ich glaube schon, dass es nicht schlecht gewesen wäre, wenn man dieses Thema früher in das Rampenlicht gerückt hätte. Denn es gilt jetzt wirklich, innerhalb des relativ kurzen Zeitraums bis 2030, die Emissionsziele der EU zu erreichen. Die in den letzten Jahrzehnten ergriffenen Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen waren richtig und wichtig, haben aber rückwirkend betrachtet nicht ausgereicht, die mit dem stark angestiegenen Verkehr verbunden Emissionen zu kompensieren. Das heißt, wir müssen jetzt weiter sehr konsequent daran arbeiten. Mit der Reife der Elektromobilität haben wir aber heute die entsprechenden Möglichkeiten, für wirklich nachhaltige Veränderungen zu sorgen. Das war so vor 10 Jahren noch nicht der Fall. Von daher ist es mit Sicherheit nicht zu früh, aber auch nicht zu spät, wenn wir konsequent diese Ziele verfolgen und entsprechende Maßnahmen einleiten.

Dr. Petri: Welche Schritte oder welcher Rechtsrahmen sind denn Ihrer Meinung nach notwendig, um die Verbraucherfreundlichkeit zu erhöhen, um mehr E-Mobile auf die Straße zu bringen?

Bent: Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei natürlich die Förderung des Ausbaus der Ladeinfrastruktur. Dazu gehört, neben einer finanziellen Förderung durch staatliche Institutionen, ein ausreichendes Augenmaß bei der Umsetzung regulatorischer Maßnahmen. Hier gilt es sicherzustellen, dass die im öffentlichen Interesse stehende Umsetzung von Regulierungen im ausreichenden Einklang mit der Verfügbarkeit von Normen und Standards sowie von dann konformen Geräten und Komponenten einher geht.

Ein Beispiel dafür, das ja auch gerade intensiv diskutiert wird, ist sicher das eichrechtskonforme Laden von Elektrofahrzeugen – also die bedarfsgerechte Abrechnung von Energie für den Kunden und Nutzer von Elektrofahrzeugen im Sinne von § 3 Nr. 24b MessEG des Eichrechts.

Ganz konkret denke ich außerdem an eine Überarbeitung des Wohneigentums- beziehungsweise des Mietrechts, um es künftig Eigentümern von Wohnungen und auch Mietern leichter zu machen, Ladesysteme zu installieren. Das Laden am Arbeitsplatz ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Auch hier gilt es, den entsprechenden rechtlichen Rahmen zu schaffen, der es sowohl für den Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmer einfach und auch attraktiv macht, diese Möglichkeiten zu nutzen. Einen guten Überblick, welche Maßnahmen und Anforderungen es im Rahmen der Ladeinfrastruktur zu be- und erarbeiten gilt, wurde in dem gerade veröffentlichten Papier der Arbeitsgruppe 5 „Verknüpfung der Verkehrs- und Energienetze, Sektorkopplung“ der NPM zusammengetragen. Echte Hindernisse, die einer schnellen Umsetzung des Aufbaus der Ladeinfrastruktur im Wege stehen, müssen zügig aus dem Weg geräumt werden.

Standards

Dr. Petri: Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht Normen und Standards, um einen erfolgreichen Markthochlauf von Elektrofahrzeugen zu gewährleisten?

Bent: Normen und Standards sind wirklich essenziell! Und das sage ich nicht nur als DKE-Präsident und Vorsitzender der AG 6 der NPM. Ich betone das immer wieder: Das gesamte Thema Elektromobilität ist ein extrem systemischer Ansatz und künftig, wenn verschiedene Verkehrssysteme miteinander verknüpft werden, wird der Ansatz noch wesentlich systemischer sein. Das heißt, wir brauchen zwingend Vereinbarungen über Kommunikationsschnittstellen und den Datenaustausch. Wir brauchen diese Standards, damit neue Technologien von mehreren Herstellern preisgünstig eingeführt werden können. Erst das führt zu Skaleneffekten.

Wir haben heute europaweit eine einheitliche Ladeinfrastruktur mit dem Combined Charging System (CCS), welches maßgeblich durch die Vorgängerplattform „Nationale Plattform Elektromobilität“ auf den Weg gebracht wurde und die es wirklich ermöglicht, in allen Ländern mit dem gleichem Steckersystem Elektrofahrzeuge zu laden. Trotzdem muss man hier noch sehr viel tun, um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel weiter an den normativen Grundlagen für das Laden mit höheren Ladeleistungen, welche z. B. in der Normenreihe IEC 61851 verankert sind. Zielsetzung ist es in möglichst kurzer Zeit das Fahrzeug nachladen zu können, und das am besten batterieschonend.

Zudem brauchen wir bessere und weitere Standards zum Thema Abrechnungssysteme und Datenroaming, um den Komfort für den Kunden und Nutzer an der Ladesäule weiter zu erhöhen.

Kabelgebundenes Laden, Roadmap Elektromobilität 2020

Normungs-Roadmap Elektromobilität 2020

| DKE

Dr. Petri: Kritiker behaupten, Normen und Standards verlangsamen die Technologieentwicklung beziehungsweise ihre Etablierung.

Bent: Auf keinen Fall. Ohne Normen und Standards wären heute viele Innovationen gar nicht mehr denkbar, weil eben alles systemisch wird und deswegen voneinander abhängt. Deswegen benötigt man in den meisten Fällen frühzeitig, oft noch bevor eine neue Technologie etabliert wird, erste Normen und Standards, um die Technologie zu erproben. Das entbindet natürlich nicht die involvierten Organisationen, die sich um diese Normen und Standards kümmern, von der Verantwortung, ihre Aufgaben schnell zu verrichten und in Zukunft auch viel interaktiver zu arbeiten. Es wird immer wichtiger, in kurzen Zyklen Normen zu überarbeiten und zu erweitern, weil sich die Technik sehr schnell weiterentwickelt.

Innovationen

Dr. Petri: Im Moment gibt es ja unendlich viele Start-ups im Bereich der Mobilität wie etwa Sharingdienste, Angebote für die letzte Meile oder auch zukünftig dreidimensionale Mobilität wie Flugdrohnen, die zum Teil von unterschiedlichen Mobilitäts- und Antriebskonzepten ausgehen und durchaus auch konkurrieren. Halten Sie das für kontraproduktiv?

Bent: Ich denke, da wird sich das Beste durchsetzen. Diese Ideenvielfalt, die wir im Moment beobachten können, ist ein Ausdruck von Kreativität und Innovationskraft, wie wir sie dringend benötigen, um die Mobilitätsanforderungen unserer Gesellschaft zu befriedigen. Natürlich müssen sich die einzelnen Ansätze bewähren und am Markt zeigen, ob sie tauglich sind. Da wird sicher eine Konsolidierung stattfinden.

Wichtig ist in meinen Augen auch hier wieder der systemische Ansatz. Wir müssen die verschiedensten Angebote zu intermodalen Verkehrssystemen verbinden, wo je nach Nutzerbedürfnis der richtige Mobilitätsträger ausgewählt werden kann. Und diese müssen natürlich optimal aufeinander abgestimmt sein, so dass man nicht zum Beispiel in die Situation kommt, dass man aus der Bahn steigt und das nächste autonome Taxi zur Weiterfahrt kommt erst in einer halben Stunde vorbei.


VDE|DKE zu Gast bei Canoo im Silicon Valley

VDE|DKE zu Gast bei Canoo im Silicon Valley

| Sven Doornkaat

Canoo denkt die (Elektro-)Mobilität neu – und setzt auf Standards

Silicon Valley. Das Mekka der Tech-Branche. Apple, Google, Facebook – sie alle haben dort ihren Sitz. Aber auch Tesla, Uber und Lyft. Und Canoo. Ein Start-up, gegründet von ehemaligen Top-Managern deutscher Automobilhersteller. Dr. Karl-Thomas Neumann ist einer von ihnen. Innovative Ansätze, gepaart mit Elektromobilität – ein ideales Umfeld für VDE|DKE.

Michael Teigeler, Geschäftsführer VDE|DKE, und Dr. Ralf Petri, Leiter Mobilität und Logistik im VDE, sind nach L.A. gereist und haben mit ihm über Canoo und die Zukunft der (Elektro-)Mobilität gesprochen.

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Dr. Petri: Stichwort "Autonomes Fahren": Welche Bedeutung hat dieser Bereich im Kontext der Mobilität der Zukunft?

Bent: In unseren Analysen bei der DKE wie auch in der AG 6 der NPM zum Bedarf nach Standardisierung und Normung im Kontext der Mobilität haben wir neben dem großen Feld der Elektromobilität auch automatisiertes und autonomes Fahren als ein ganz zentrales Thema identifiziert. Gerade im Kontext des Klimaschutzes und der Reduzierung von schädlichen Auswirkungen der Mobilität hat automatisiertes Fahren ein großes Potenzial. Persönlich glaube ich, dass automatisiertes und autonomes Fahren zu einer maßgeblichen und nachhaltigen Veränderung unseres gesamten Mobilitätsverständnisses führen wird. Es ermöglicht mehr Sicherheit im Verkehr, einen besseren und effizienteren Verkehrsfluss und bequemeres Fahren wie etwa durch das automatisierte Auffinden von Parkplätzen. Personenkreise, wie z. B. ältere Menschen, die bislang in ihrer Mobilität eingeschränkt oder von anderen abhängig sind, können zusätzlich davon profitieren, da ihnen eine komplett neue Form der individuellen Mobilität ermöglicht werden würde.

Autonomes Fahren

Dr. Petri: Automatisiertes und autonomes Fahren wird zumeist in Verbindung mit dem Thema Elektromobilität diskutiert. Es gibt ja aber auch andere Antriebsenergie. Wo sehen Sie den Schwerpunkt?

Bent: Zunächst einmal: Wir legen als DKE sehr viel Wert darauf, technologieneutral zu agieren. Es gibt in der Tat die verschiedensten Antriebsenergien sowohl im Individualverkehr, wie auch im öffentlichen Verkehr oder im Lastverkehr. Und das wird auch in Zukunft so sein. Die Kunst liegt darin, diese unterschiedlichen Konzepte wirklich intelligent miteinander zu verbinden und für die jeweilige Anwendung das Richtige zu finden. Gleichwohl glaube ich, dass der Elektromotor als Antrieb eine ganz große Zukunft haben wird. Da sprechen einfach sehr viele technologische Gründe für. Aber auch in diesem Bereich wird es unterschiedliche Ansätze geben: Ein Teil wird batterieelektrisch oder mittels Brennstoffzelle und Wasserstoff funktionieren, ein anderer Teil über hybride Konzepte.

Dr. Petri: Sie haben bereits die Herausforderung der Netzintegration angesprochen. Wie beurteilen Sie die Idee, durch bidirektionalen Energiefluss Lastspitzen, die durch die Einspeisung von Solar- und Windkraft entstehen, in Batterien von Elektrofahrzeugen zwischenzuspeichern?

Bent: Batterieenergien von Millionen Elektrofahrzeugen im Sinne einer kurzfristigen Stabilisation zur Verfügung zu haben, hat großes Potenzial und kann für die Energieversorger, Netzbetreiber und den Elektromobilitätsnutzer sehr interessant werden. Dass dieser vielversprechende Ansatz, der natürlich eine extreme Vernetzung der verschiedenen Akteure miteinander bedingt, ist klar. Die NPM bietet dafür aber eine sehr gut geeignete Plattform zum Austausch.

Zusätzlich wird auch Künstliche Intelligenz eine Rolle spielen, da extrem viele Informationen und Daten gesammelt sowie entsprechend verarbeitet werden müssen. Die ausgewogene Balance zwischen ladenden und Energie abgebenden Fahrzeugen unter Berücksichtigung der Nutzeranforderungen wird der zentrale Kernpunkt sein. Eine Einschränkung für den Nutzer von Elektrofahrzeugen möchte niemand.

Das bedeutet für Normungsorganisationen, wie die DKE, dass der bidirektionale Energiefluss ein weiteres Aktivitätsfeld ist und dieses Thema damit auf unserer Agenda steht.

Wir bedanken uns für dieses Interview bei

Roland Bent

Roland Bent

Chief Technical Officer, Phoenix Contact

DKE-Präsident

Vorsitzender der Arbeitsgruppe 6, Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM)

Roland Bent

Chief Technical Officer, Phoenix Contact

DKE-Präsident

Vorsitzender der Arbeitsgruppe 6, Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM)

Dr. Ralf Petri

Dr. Ralf Petri

Leiter Mobilität und Logistik, VDE

Abteilungsleiter Mobility, DKE

Büroleiter des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 6, Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM)

Dr. Ralf Petri

Leiter Mobilität und Logistik, VDE

Abteilungsleiter Mobility, DKE

Büroleiter des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe 6, Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM)


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