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13.02.2019 Kurzinformation

Vom IEC Young Professional zur Präsidentin des schwedischen IEC-Nationalkomitees

Stina Wallström erzählt ihren erfolgreichen Werdegang in der Normung.

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IEC

Von Natalie Mouyal

Im vergangenen April wurde Stina Wallström zur Präsidentin von Svensk Elstandard (SEK), dem schwedischen IEC-Nationalkomitee, gewählt. In dieser Position ist Wallström verantwortlich für die Leitung des Nationalen Komitees und für dessen Beteiligung in internationalen Gremien. Normung war ein Leitmotiv in Wallströms gesamter Karriere. Die Wichtigkeit der Normung wurde ihr erstmals bewusst, als sie ihr Studium in Chemischer Technik abschloss. Seitdem beschäftigt sie sich mit der Normungsarbeit.

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Ihr erster Schritt in die IEC war die Teilnahme am Young Professionals Programm (YPP) im Jahr 2013. In einem Interview mit e-tech erzählt uns Wallström mehr über ihre derzeitige Arbeit in der Normung und ermutigt die nächste Generation von Führungskräften, sich zu engagieren.

Stina Wallström im Interview

Erzählen Sie uns von Ihrem Hintergrund.
Ich habe in Polymer-Technologie an der Königlichen Technischen Hochschule (KTH) mit einer Abschlussarbeit über das Thema Biofilme auf Silikonkautschukmasse für Außen-Hochspannungsisolationssysteme promoviert. Diese Arbeit wurde von ABB Corporate Research finanziert und in enger Zusammenarbeit mit ihnen durchgeführt.
Nach meiner Dissertation begann ich, als Projektleiterin bei einer Schwesterorganisation des SEK, dem Swedish Standards Institute (SIS), zu arbeiten und hierbei ISO-Projekte für das schwedische Sekretariat zu leiten.
Schließlich wurde ich vom Verband der Schwedischen Maschinenbauindustrie als stellvertretende Direktorin für internationalen Handel und Normung angeworben. In dieser Position setzte ich mich für über 4 000 schwedische Maschinenbauunternehmen in Bezug auf Handelsabkommen und Rechtsvorschriften in der Normung, Produktsicherheit und Marktüberwachung ein. Weiterhin repräsentierte ich die europäische Technologiebranche (Orgalime) in mehreren Gruppen und Komitees, einschließlich des CEN Technischen Büros.
Jetzt arbeite ich als Direktorin für Regulatory Affairs bei IKEA Sortiment und Lieferung, dem Bereich, der für das Design, die Produktion und den Vertrieb aller weltweit verkauften Produkte zuständig ist. Für ein globales Unternehmen wie IKEA sind Normen von größter Bedeutung und die Diskussion über Normen und Normung spielen bei meiner täglichen Arbeit eine wichtige Rolle.
Ich bin sehr stolz darauf, zur Präsidentin des SEK gewählt worden zu sein.

Wie hat Ihr Studium in Chemischer Technik Sie zu Ihrer jetzigen Rolle in der Normung geführt?
Das erste Mal kam ich mit Normen in Berührung, als ich im Rahmen meines Doktoratsstudiums neue Prüfverfahren entwickelte. Bald merkte ich, wie nützlich die Normen auf dem aktuellsten Stand der Technik als solide Basis für die Schaffung neuer Innovationen sein können. Wie Sie an meinem Hintergrund erkennen können, zieht sich die Normung seitdem wie ein roter Faden durch meine Karriere.

Erzählen Sie uns mehr über Ihre Rolle beim SEK.
Als Präsidentin des SEK übernehme ich die Führungsrolle für den Chief Executive Officer (CEO). Ich bin für den Vorstand verantwortlich und fungiere durch den CEO als Bindungsglied zwischen dem Vorstand und der Geschäftsführung.

Wie hat das Young Professionals Programm (YPP) Ihr Engagement in der Normungsarbeit auf internationaler Ebene verstärkt?
Abgesehen davon, dass es eine wunderbare Erfahrung war, in der neue Freundschaften und Kontakte mit YPs aus aller Welt entstanden sind, habe ich sehr viel über die IEC gelernt. Diese Informationen sind für mich in meiner Rolle als SEK-Vorsitzende von größter Bedeutung.

Weshalb würden Sie potenzielle YPs ermutigen, an dem Programm teilzunehmen?
Als ich an dem Programm teilnahm, wurden meine bereits hohen Erwartungen sogar noch übertroffen. Das Programm ist gut durchdacht und breit gefächert. Nach Abschluss des Programms verfügt man, wie erwartet, über fundierte Kenntnisse über die Welt und die Arbeitsweise der IEC. Doch darüber hinaus bieten sich ausreichend Gelegenheiten, ein Netzwerk mit Gleichgesinnten aus aller Welt zu bilden, an die man sich für Rat oder auch zum Zweck neuer Geschäftsmöglichkeiten wenden kann. Die IEC stellt auch sicher, dass man erfahrene und einflussreiche Experten innerhalb des IEC-Systems treffen und mit ihnen interagieren kann, um sein professionelles Netzwerk zu erweitern.

Welchen Rat würden Sie jetzigen YPs geben, um sie zum Engagement in der Normungsarbeit zu ermutigen?
In einer Welt mit steigendem Protektionismus und Nationalismus ist die Normung mit ihren Werten der Offenheit und des Konsens ein Lichtblick. Einen weltweiten Einfluss durch die Normungsgemeinschaft zu haben ist einfacher, als man es sich vorstellt. Durch strategische Beteiligung in der Normungsarbeit kann man weltweite Harmonisierung fördern und neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen, während man einige der besten Experten der Welt in seinem Bereich trifft und sich mit ihnen austauscht.

Welches sind die größten Herausforderungen, sofern es welche gibt, denen sich die Normungsorganisationen (standards developing organizations, SDOs) derzeit stellen müssen?
Nationalismus und Protektionismus sind eine Bedrohung für die Welt und auch für die SDOs. Wir stellen beunruhigende Tendenzen fest, eher nationale Normen zu entwickeln, als sich an die IEC und andere globale Normungsorganisationen zu wenden.
Diese kurzsichtige Konzentration auf Rentabilität, die sich viele moderne Unternehmen angeeignet haben, könnte ebenfalls eine Bedrohung sein. Normen, obwohl strategisch äußerst wichtig, bringen nur selten rechtzeitig für den nächsten Quartalsbericht Gewinn. Wir müssen die Unternehmen davon überzeugen, weiter in die Normung zu investieren, das nötige Geld und die Expertise zur Verfügung zu stellen, um marktrelevante und wissenschaftlich fundierte Normen zu gewährleisten.
Die rasche digitale Entwicklung ist ebenfalls eine Herausforderung, aber keine Bedrohung. Ich bin sicher, dass wir sie zu unserem Vorteil nutzen und neue und innovative Wege finden können, um unsere Normen mit der Geschwindigkeit und Zugänglichkeit zu liefern, die moderne Ingenieure erwarten.

Wie werden IEC-Normen bei Ihrer Arbeit bei IKEA angewendet (z. B. Automatisierung, Augmented Reality Anwendungen, usw.)?
Natürlich achten wir immer auf die internationalen Normen, wenn wir neue und coole Technologielösungen entwickeln, wie zum Beispiel das innovative System für intelligente Beleuchtung, das gerade in unseren Geschäften erschienen ist. Doch sollten wir auch nicht die „alten und langweiligen“ Normen vergessen. Die Wichtigkeit der globalen Harmonisierung von Normen, zum Beispiel in Bezug auf elektrische Sicherheit und Verbraucherschutz, darf für ein Unternehmen wie IKEA nicht unterschätzt werden.

Welchen Herausforderungen, falls es solche gab, mussten Sie sich als Frau in der Technologiebranche stellen? Wie würden Sie junge weibliche Führungskräfte in diesem Bereich ermutigen?
Obwohl ich mir der Tatsache bewusst bin, dass wir von einer Geschlechtergleichheit in der heutigen Zeit noch weit entfernt sind, habe ich persönlich wenige Probleme erfahren. Dies verdanke ich den hilfsbereiten Managern, ob männlich oder weiblich, für die ich im Laufe meiner Karriere arbeiten durfte.
Mein Rat an junge weibliche Führungskräfte im Technologiebereich wäre es, sich mit Menschen zu umgeben, die sie ermutigen und inspirieren. Dies wird ihnen das Selbstvertrauen geben, die letzten Dinosaurier zu bewältigen, die immer noch nicht verstanden haben, dass unser Geschlecht nicht unsere Fähigkeiten bestimmt.

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