Falsche Entsorgung von Batterien in der Natur
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24.06.2019 Fachinformation 401 0

Förderung von nachhaltigen Konsum- und Produktionsweisen

Die Vereinten Nationen haben 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Im Bereich der Normung befasst sich das TC 111 der IEC mit der Umweltschutznormung für elektrische und elektronische Produkte und Systeme. Darüber hinaus unterstützt das IECQ HSPM-Programm Hersteller und Lieferanten, die elektronische Komponenten ohne den Einsatz gefährlicher Stoffe produzieren bzw. ausliefern wollen.

IEC-Logo

Von Claire Marchand

In den letzten 50 Jahren hat die Weltbevölkerung mehr Waren und Dienstleistungen konsumiert als alle vorherigen Generationen zusammen. Dadurch wurde das Wirtschaftswachstum gefördert und die Lebensqualität für viele Menschen verbessert; gleichzeitig hatte dies aber auch negative Auswirkungen auf die Umwelt. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Konsummustern von entwickelten Ländern und Entwicklungsländern.

Kontakt

Ingrid Blank
Zuständiges Gremium

Geschichtlicher Überblick

Die nicht nachhaltigen Konsummuster, die viele Jahre lang die Norm darstellten, waren ein wichtiger Faktor für die Zerstörung der Umwelt und die dramatische Dezimierung der natürlichen Ressourcen, die zu sozialen Problemen wie Armut beitrug und Anstrengungen für eine nachhaltige Entwicklung behinderte.

Bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 wurden nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen (sustainable consumption and production – SCP) als „übergreifendes Thema zur Verknüpfung der umwelt- und entwicklungsbezogenen Herausforderungen“ anerkannt.

Im Jahre 1994 definierte das Oslo Symposium SCP als: „Nutzung von Dienstleistungen und entsprechenden Produkten, die auf Grundbedürfnisse eingehen und eine bessere Lebensqualität schaffen, bei gleichzeitiger Minimierung des Einsatzes natürlicher Ressourcen und giftiger Stoffe sowie Minimierung von Abfallmengen und Schadstoffemissionen über den Lebenszyklus der Dienstleistung oder des Produkts mit dem Ziel, die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht zu gefährden“.

Bei mehreren Konferenzen und Gipfeltreffen, z. B. im Rahmen des Marrakesch-Prozesses (Marrakech Process on Sustainable Consumption and Production) 2003 oder bei der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (Rio+20) im Jahre 2012, wurde die Notwendigkeit von Maßnahmen in diesem Bereich bekräftigt.

Und im Jahre 2015 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs), die einen großen Bereich von sozialen, wirtschaftlichen und umweltbezogenen Entwicklungsthemen umfassen und bis 2030 erreicht werden sollen. Die IEC hat 12 der 17 SDGs identifiziert, bei denen die Normungs- und Konformitätsbewertungsarbeit der Kommission Wirkung erzielen kann. Eines dieser Ziele ist SDG 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen.

Arbeit der IEC für SDG 12

Sustainable Development Goals

Sustainable Development Goals

| United Nations

Die IEC kann effektiv zu mehreren der Ziele beitragen, die die UN für SDG 12 festgelegt haben:

  • Erreichung nachhaltigen Managements und effizienter Nutzung der natürlichen Ressourcen (12.2) bis 2030
  • Erreichung eines umweltverträglichen Umgangs mit Chemikalien und sämtlichen Abfallstoffen über deren gesamten Lebenszyklus in Übereinstimmung mit vereinbarten internationalen Rahmenwerken und signifikante Reduzierung ihrer Freisetzung in Luft, Wasser und Boden zur Minimierung der schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt (12.4) bis 2020
  • Erhebliche Verringerung des Abfallaufkommens durch Prävention, Reduzierung, Recycling und Wiederverwertung (12.5) bis 2030
  • Anregung von Unternehmen, insbesondere von großen und transnationalen Unternehmen, nachhaltige Praktiken einzuführen und Nachhaltigkeitsdaten in ihren Berichtszyklus zu integrieren (12.6.)
  • Unterstützung von Entwicklungsländern bei der Stärkung ihrer wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten im Hinblick auf die Einführung nachhaltigerer Konsum- und Produktionsmuster (12A)

Viele Technische Komitees der IEC entwickeln internationale Normen in einer Vielzahl technischer Bereiche, die mit nachhaltigen Produktionsweisen verknüpft sind. Dazu zählen unter anderem:

  • IEC/TC 21 (DKE/K 371): Secondary cells and batteries
  • IEC/TC 35 (DKE/K 372): Primary cells and batteries
  • IEC/TC 59 (DKE/K 513): Performance of household and similar electrical appliances
  • IEC/TC 100 (DKE/K 742): Audio, video and multimedia systems and equipment
  • IEC/TC 105 (DKE/K 348): Fuel cells technologies
  • IEC/TC 108 (DKE/K 711): Safety of electronic equipment within the field of audio/video, information technology and communication technology sowie
  • IEC/TC 113 (DKE/K 141): Nanotechnology for electrotechnical products and systems.

Vereinte Nationen: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die Nachhaltigskeitsziele der Vereinten Nationen (UN) sind ein Aufruf an alle Länder, den Wohlstand zu fördern und gleichzeitig den Planeten zu schützen.

Die SDG erkennen an, dass die Beendigung der Armut Hand in Hand gehen muss mit Strategien, die das Wirtschaftswachstum fördern und eine Reihe sozialer Bedürfnisse abdecken. Hierzu gehören Bildung, Gesundheit, Sozialschutz und Beschäftigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig müssen Klimawandel und Umweltschutz angegangen werden.

Mehr Informationen: https://sustainabledevelopment.un.org/


Kontrolle der Verwendung gefährlicher Stoffe

Die internationalen Normen der IEC können zusammen mit den Konformitätsbewertungssystemen der IEC dazu beitragen, die Verwendung gefährlicher Stoffe im Lebenszyklus von elektrischen und elektronischen Geräten zu kontrollieren.

Im Bereich der Normung befasst sich das TC 111 der IEC mit der Umweltschutznormung für elektrische und elektronische Produkte und Systeme. Seit seiner Gründung 2004 hat das TC eine Reihe ausschlaggebender Normen zum Umweltschutz veröffentlicht. Eine zentrale Veröffentlichung ist die IEC-Norm 62474, in der die Anforderungen für die Meldung von Stoffen und Materialien festgelegt werden, die in elektronischen und elektrischen Produkten enthalten sind. Zudem erleichtert diese Norm die Übertragung und Verarbeitung dieser Daten durch die Festlegung eines gemeinsamen Datenformats für den Austausch innerhalb der Lieferkette. Die Norm beinhaltet eine validierte offene Datenbank mit einer Liste von Stoffen, Stoffgruppen und gängigen Materialklassen.

Eine weitere wichtige Norm, die vom TC 111 herausgegeben wurde, ist die IEC 62430, die Richtlinien zur Minimierung der schädlichen Umweltauswirkungen von Geräten über deren gesamten Lebenszyklus bietet. In der Veröffentlichung wird eine umweltbewusste Gestaltung für alle elektrischen und elektronischen Produkte, z. B. im Hinblick auf die verwendeten Materialien, die für die Produktion verbrauchte Energiemenge und ihre Recyclingfähigkeit, festgelegt.

Ergänzen sich gegenseitig: Normen und Konformitätsbewertung

Was die Konformitätsbewertung betrifft, existieren ebenfalls Programme, die es den Herstellern und Lieferanten der in allen modernen Geräten zum Einsatz kommenden elektronischen Komponenten ermöglichen sicherzustellen, dass ihre Produkte nur äußerst begrenzte Mengen gefährlicher Stoffe enthalten oder sogar gänzlich frei von diesen sind.

Besonders eines dieser Programme, das im Rahmen des IECQ erstellt wurde, dem Qualitätsbewertungssystem der IEC für elektronische Komponenten, bietet die perfekte Lösung für Hersteller und Lieferanten, die elektronische Komponenten ohne den Einsatz gefährlicher Stoffe produzieren bzw. ausliefern wollen: das IECQ Hazardous Substance Process Management (HSPM)-Programm.


Grünes Blatt mit einer Herzform auf einer Computer Schaltplatte
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Umweltschutz in der internationalen Normung

Das IEC/TC 111 (Spiegelgremium: DKE/K 191) arbeitet an horizontalen internationalen Normen, die entscheidend sind, um sicherzustellen, dass Elektro- und Elektronikgeräte umweltgerecht konzipiert werden.

Sie sind unverzichtbare Instrumente im Kampf gegen Elektroschrott und helfen Herstellern dabei, die gesetzlichen Anforderungen an die Schadstoffkontrolle zu erfüllen.

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Eine globale Lösung

Das IECQ HSPM ist ein technisch basierter Managementsystemansatz zur Umsetzung und Aufrechterhaltung von Produkten und Produktionsprozessen, bei denen auf den Einsatz gefährlicher Stoffe verzichtet wird. IECQ HSPM wurde als Reaktion auf die Anforderungen von Komponentenherstellern entwickelt, um Lieferanten die Möglichkeit zu geben, mittels einer Bewertung durch einen Dritten den Nachweis zu erbringen, dass ihre elektrischen und elektronischen Komponenten und Baugruppen bestimmte lokale, nationale und internationale Anforderungen bezüglich des Verzichts auf den Einsatz gefährlicher Stoffe erfüllen.

Viele Unternehmen arbeiten inzwischen daran, die HSPM-Zertifizierung des IECQ nach IECQ QC 080000, IEC Quality Assessment System for Electronic Components (IECQ System) – Hazardous Substance Process Management (HSPM) System Requirements zu erhalten. In der vierten Ausgabe, die im Mai 2017 veröffentlicht wurde, wird erklärt, wie Organisationen IECQ QC 080000 nutzen können, um mit gefährlichen Stoffen umzugehen, ohne eingeschränkte Stoffe vollständig zu entfernen und deren Verwendung in Produkten zu vermeiden.

Die Verwendung der 4. Ausgabe von IECQ QC 080000 bietet zahlreiche Vorteile. Unter anderem:

  • Anpassung an die weltweit zunehmende Gesetzgebung zu gefährlichen Stoffen.

Zum Beispiel zusätzliche kontrollierte Stoffe, Änderungssteuerung, Produktrückruf entsprechend den Vorgaben der REACH-Verordnung, Mitteilung von Informationen innerhalb der Lieferkette und Meldung von besonders besorgniserregenden Stoffen an die Europäischen Chemikalienagentur (ECHA).

  • Verbesserung der Anforderungen in Bezug auf dokumentierte Informationen als Reaktion auf gesetzliche und behördliche Vorgaben.

Zum Beispiel können Anforderungen in den neu gefassten RoHS-Richtlinien wie die Konformitätsbewertung, die Erstellung der technischen Datei, die Erstellung der Selbsterklärung, die Verwendung von Kennzeichnungen usw. ab sofort durch Anwendung von IECQ QC 080000 erfüllt werden.

Chemische Elemente
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Die vierte Ausgabe ist außerdem mit der ISO-Norm 9001:2015, Qualitätsmanagementsysteme – Anforderungen, abgestimmt und hat den ISO-Anhang SL übernommen, in dem eine neue übergreifende Struktur für alle ISO-Managementsystem-Normen festgelegt wird.

Die verwendeten Prozesse zur Identifizierung, Kontrolle, Quantifizierung und Meldung von gefährlichen Stoffen in elektrotechnischen Produkten oder deren Komponenten müssen festgelegt und mit hinreichender Ausführlichkeit verstanden werden, um allen relevanten Parteien, die am HSF-Status eines Produkts interessiert sind, Sicherheit zu bieten. Die Prozesse müssen ordnungsgemäß dokumentiert sowie kontrolliert und konsistent durchgeführt werden, um:

  • die Verifizierung der Übereinstimmung mit den jeweiligen Kundenanforderungen und Bestimmungen zu erleichtern,
  • effiziente und effektive Konformitätsprüfungen zu ermöglichen,
  • die konsistente Implementierung über Organisationsgrenzen hinweg und in der Lieferkette zu erleichtern,
  • die Harmonisierung der Methoden zur Konformitätsherstellung und Durchsetzung zu ermöglichen,
  • zur Senkung technischer Barrieren für den weltweiten Produkthandel beizutragen.

Internationale Zusammenarbeit in der elektrotechnischen Normung