Öl- und Gasverarbeitungsplattform, die Gaskondensat und Wasser produziert
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16.09.2019 Fachinformation 324 0

Energieeffizienz-Normen für Offshore-Einheiten

Das TC 18 von IEC hat die internationale Normenreihe IEC 61892 grundlegend überarbeitet, die insbesondere für die Offshore-Ölindustrie von großer Bedeutung ist. Ein wesentlicher Aspekt bei der Überarbeitung war es, Umweltauswirkungen von Offshore-Plattformen zu begrenzen. Zu den Energieeffizienz-Anforderungen arbeitete das MT 18 eng mit weiteren Gremien zusammen.

IEC-Logo

Von Catherine Bischofberger

Das Expertengremium IEC/TC 18 „Electrical installations of ships and of mobile and fixed offshore units“ hat eine grundlegende Überarbeitung der Normenreihe IEC 61892 veröffentlicht, die Schlüsseldokumente für die Sicherheit von Offshore-Plattformen bereitstellt, die in der Branche und von Gesetzgebern weltweit anerkannt werden.

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Peter Haß
Zuständiges Gremium
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Keine Spannungsbegrenzungen

Die Normenreihe IEC 61892 stellt einen wesentlichen Bestand von Spezifikationen für die Offshore-Ölindustrie bereit, der auch auf andere Sektoren, wie Offshore-Windenergieanlagen, anwendbar ist. Die Reihe wurde grundlegend aktualisiert, um mit den rasanten technischen Veränderungen in der Elektrik und Elektrotechnik von Offshore-Plattformen, wie beispielsweise der fortschreitenden Automatisierung und dem zunehmenden Einsatz alternativer Energiequellen, Schritt zu halten.

„Eine wesentliche Änderung gegenüber der vorherigen Reihe besteht darin, dass wir in diesen Normen keine Spannungsbegrenzungen für Wechselstrom oder Gleichstrom festgelegt haben. So können sich Plattformen in größerer Entfernung zur der Küste befinden oder durch Unterseekabel miteinander verbunden werden“, erläutert Geir Bull-Njaa, der Projektleiter des zuständigen IEC-Überarbeitungsteams (Maintenance Team – MT) MT 18.

Die Normen wurden mit Unterstützung von Branchenvertretern überarbeitet. „Zu unserem Team gehören mehrere Personen aus dem Fertigungsbereich, darunter ein Experte, der bei einem wichtigen Hersteller von elektrischen Ausrüstungen und Systemen tätig ist und von dem wir viele Informationen zu den Marktanforderungen erhielten. Ein anderes Teammitglied ist sehr gut über die Anforderungen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (International Maritime Organization – IMO) im Bilde, da er für einen der wichtigsten Betreiber von beweglichen Offshore-Plattformen tätig ist.“

Spezifikationen für Energieeffizienz

Aspekte des Umweltschutzes wurden ebenfalls berücksichtigt. „Auch wenn es sich nicht um Umweltschutznormen im engeren Sinne handelt, waren wir bei der Normenreihe IEC 61892 sehr darauf bedacht, die Umweltauswirkungen von Offshore-Plattformen zu begrenzen“, so Bull-Njaa. Tatsächlich ist eine Anzahl von Energieeffizienz-Anforderungen in die IEC 61892-1 eingeflossen – die erste Norm aus der Reihe, in der die allgemeinen Anforderungen und Bedingungen für bewegliche und feste Offshore-Einheiten spezifiziert werden – einige davon waren in der vorherigen Ausgabe noch nicht enthalten.

Zu diesen Energieeffizienz-Anforderungen gehören

  • die effiziente Nutzung der erzeugten Energie,
  • die Nutzung von hocheffizienten Motoren und Antrieben mit veränderlicher Drehzahl zur Optimierung des Stromverbrauchs,
  • die Nutzung von verlustarmen Transformatoren und anderen Hochleistungsausrüstungen,
  • die Wiederverwendung von Beleuchtungskörpern mit hocheffizienten Lampen langer Lebensdauer,
  • die energetische Optimierung durch den Einsatz von Bremsenergierückgewinnung und
  • Abwärmeverwertung sowie die Einrichtung eines Energiemanagementsystems.

Erneuerbare Energiequellen werden in der IEC 61892-2 spezifiziert, da sie zur Energieversorgung von kleineren Offshore-Einheiten mit einem geringen Stromverbrauch verwendet werden können. Zu diesen erneuerbaren Energiequellen zählen photovoltaische Zellen und Windgeneratoren, Mikroturbinen, Dampfturbinen mit geschlossenem Kreislauf und thermoelektrische Generatoren.

Das MT 18 arbeitete eng mit dem Expertengremium IEC/TC 31 (Spiegelgremium: DKE/K 241) zusammen. „Wir haben den Rat von IEC/TC 31 insbesondere beim Normenteil IEC 61892-7 eingeholt, die sich mit Gefährdungsbereichen befasst. Die Fachkompetenz der Mitglieder war äußerst hilfreich“, so Bull-Njaa.

Andere Technische Komitees der IEC wurden über die Normungsarbeit auf dem Laufenden gehalten, so zum Beispiel auch das IEC/TC 99 (Spiegelgremium DKE/K 222), das Normen für Starkstromanlagen festlegt, und das IEC/TC 64 (Spiegelgremium DKE/K 221), das Normen für gewerbliche Anlagen erarbeitet. „Wir sind außerdem mit dem IEC/TC 88 (Spiegelgremium DKE/K 383) in Verbindung getreten, um Normungskonflikte im Bereich von Windenergieanlagen auszuschließen.“


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Zukünftige Entwicklungen und die Notwendigkeit personeller Verstärkungen

Die überarbeitete Normenreihe IEC 61892 mit sieben Normen wird in naher Zukunft wahrscheinlich durch weitere Neuveröffentlichungen und Änderungen bereits existierender Normen ergänzt werden müssen. „Derzeit besteht wahrscheinlich die Notwendigkeit zur Erarbeitung einer Norm zu Akkus für Offshore-Anlagen. Neue Anlagen können inzwischen über Hybrid-Kraftwerke auch mit Strom versorgt werden, die über eine Kombination aus großen Akkusätzen und beispielsweise Diesel- oder turbinenbetriebenen Generatoren verfügen. Die technische Entwicklung schreitet rasant voran, und es ist wichtig, dass wir Schritt halten.“

Deshalb würde das Technische Komitee auch gerne neue Experten und Expertinnen für eine Zusammenarbeit gewinnen. „Wir sind ständig auf der Suche nach geeigneten Kandidaten. Was wir benötigen, sind Elektroingenieure mit gutem Überblickswissen, die in Systemen denken können“, fügt er hinzu. Personelle Verstärkungen sind wichtig, um die technischen Herausforderungen unserer Zeit zu meistern und die Normen des IEC/TC 18 weiter zu verbessern, sodass sie auch weiterhin als weltweite Referenz für die Schifffahrts- und Offshore-Branche dienen können, als die sie von der IMO und anderen Aufsichtsbehörden anerkannt werden.


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