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28.03.2019 Kurzinformation 382 0

Das Market Strategy Board blickt in die Zukunft

Innerhalb der IEC wurde das Market Strategy Board gegründet. Es ermittelt Technologietrends und Marktanforderungen in den Arbeitsgebieten der IEC. Für das Jahr 2019 stehen die Themen Resilienz, Digitaler Wandel und Sicherheit bei KI und IoT ganz oben auf der Agenda.

IEC-Logo

Von Natalie Mouyal

Die landläufige Auffassung ist, dass wir in Zeiten rasanter Veränderungen leben. Wenn Veränderung, um Heraklit zu zitieren, die einzige Konstante ist, dann müssen Organisationen vorhersehen, in welchen Bereichen Veränderungen möglich sind, und sich entsprechend vorbereiten.

Innerhalb der IEC wurde das Market Strategy Board (MSB) ins Leben gerufen, um wesentliche Technologietrends und Marktanforderungen in den Arbeitsgebieten der IEC zu ermitteln.

Das MSB mit seinen hochrangigen Branchenführern und IEC-Mitarbeitern bietet Strategien zur besseren Lenkung langfristiger IEC-Aktivitäten. Es gibt der IEC Empfehlungen zu den Bereichen, die zu Umwälzungen führen könnten, aber die dem IEC zukünftig auch Möglichkeiten bieten.

Um einige der wichtigsten Themen besser zu verstehen, hat IEC e-tech mit Peter Lanctot gesprochen, der als Sekretär des Gremiums fungiert.

Eine neue Art der Resilienz

Hurrikans, Hitzewellen und Überschwemmungen sind nur einige der Wetterextreme, die immer häufiger auftreten. Die Auswirkungen auf die Stromversorgung können verheerend sein und zu Stromausfällen führen, die Millionen von Menschen betreffen. Daraus schließt Lanctot, dass „Versorgungsunternehmen eine neue Art der Resilienz benötigen, um den Auswirkungen des Klimawandels standzuhalten“.

Resilienz bezieht sich auf die Eigenschaft eines elektrischen Systems, seine Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, Störungen des Verteilnetzes nach einem extremen Wetterereignis zu verhindern oder so gering wie möglich zu halten. Dies kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass Netze in kleinere Stromkreise aufgeteilt werden oder intelligente Schalter eingesetzt werden, die einen Kurzschluss erkennen, den Stromfluss zu diesem Bereich blockieren und die Elektrizität umleiten können, damit die Nutzer nicht den Zugang verlieren.

Laut Lanctot werden sich die MSB-Mitglieder mit dem Thema der Resilienz bei Versorgungsunternehmen auseinandersetzen. „Alte Netztechnik ist gefährdet, da es vermehrt zu extremen Stürmen und Temperaturen kommen wird. Die Stromverteilungsnetze müssen klimabeständiger gemacht werden, und das kann eine Überarbeitung von Normen mit sich führen.“

Digitaler Wandel

Digitaler Wandel bezieht sich auf die Einbindung digitaler Technologien in organisatorische Abläufe und Zuständigkeiten. Er umfasst Künstliche Intelligenz, Datenverwaltung und intelligente Systeme. Angesichts der Wichtigkeit wird das MSB im Oktober 2019 ein Whitepaper zum Thema Ontologie und Semantisches Web im Zeitalter des digitalen Wandels veröffentlichen.

Laut Lanctot „sind sich die MSB-Mitglieder einig, dass Künstliche Intelligenz die nächste Innovationsphase darstellt und zu einer langfristigen Umwälzung von Markt und Technologie führen wird“. Die IEC könnte sich in der Zukunft mit der Entwicklung von Normen beschäftigen, mit denen die Auswirkungen der sich potenziell aus Algorithmen ergebenden Verzerrungen gemindert werden.

3D Illustration Gehirn Computer
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Daten sind ein wichtiges Element des digitalen Wandels, insbesondere da es immer einfacher und günstiger wird, diese zu sammeln und zu speichern. Dies wirft jedoch Fragen auf bezüglich Datenzugang, -verwaltung, -eigentum und -schutz. Lanctot merkt an, dass „Daten ‚Intelligenz‘ ermöglichen – unter anderem intelligente Energie, intelligente Städte, AAL, intelligente Fertigung. Aber wie nutzen wir die Daten, die von diesen Systemen kommen? Die IEC befindet sich in einer guten Position, um zu diesen Fragen eine gemeinsame Basis zu finden. Mit der Digitalisierung der Wirtschaft kann die IEC helfen, eine Norm für die Nutzung von Daten festzulegen“.

Bezüglich intelligenter Systeme wird das MSB die Integration von Menschen, intelligenten Geräten und Maschinen prüfen. Dies kann auch digitale Partnerschaften umfassen, die laut Lanctot „eine geschäftliche Notwendigkeit werden und als Grundlage dafür dienen, Produkte und Dienstleistungen in der physischen und virtuellen Welt zu verbinden“.

Sicherheit aufrechterhalten

Sicherheit ist einer der Kernaufgabenbereiche der IEC – beginnend mit Normen, die die sichere Übertragung von und Versorgung mit Elektrizität ermöglicht haben. Mit Einführung neuer Technologien entwickelt die IEC Normen zur Sicherstellung, dass die Nutzer sicher sind.

Das MSB hat zwei Technologien ermittelt, bei denen die Sicherheit weiter untersucht werden soll: Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge (IoT, Internet of Things). Im MSB sind unter anderem die Fragen aufgekommen, wie das derzeitige Sicherheitsniveau bei IoT-Geräten aufrechterhalten und die Sicherheit von Heimanwendungen garantiert werden kann, da diese immer mehr auf autonomer Entscheidungsfindung basieren. „Das MSB würde insbesondere gern die Auswirkungen von maschinellem Lernen auf die Funktionale Sicherheit untersuchen.“

Mann arbeitet am Laptop zum Thema IT-Sicherheit
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Auch IT-Sicherheit ist eine größer werdende Bedrohung für Organisationen und Einzelpersonen. Dies ist ein weiterer Schwerpunktbereich, insbesondere weil, wie Lanctot bemerkt, „immer mehr Systeme datengesteuert sind und somit angreifbarer werden. Normen können Lösungen bereitstellen“. Durch die massive Zunahme von IoT-Geräten kommen Sicherheitsfragen bezüglich Hacking, Datenverwaltung und Datenschutz auf. Das MSB hat auch das Thema von Firmware-Upgrades auf IoT-Geräten aufgebracht und wie sichergestellt werden kann, dass diese sicher implementiert werden.

Lanctot merkt außerdem an, dass trotz der guten Position der IEC, verschiedene interessierte Parteien zur Besprechung von Lösungen für Schutz und Sicherheit zusammenzubringen, nicht alle Teilnehmer unbedingt gute Absichten haben. „Wie kontrollieren wir, wer an den Besprechungen zu Themen wie Sicherheit teilnimmt? Und auch wenn einige der Teilnehmer nicht verantwortlich sind, behalten sie dennoch die Schlüssel zu einem funktionsfähigen Sicherheitssystem in der Hand.“ Die Kontrolle der Teilnahme und Verantwortlichkeit von interessierten Parteien könnte ein Bereich sein, mit dem sich die IEC befassen muss.

Risikomanagement wurde auch als potenzielles Thema für weitere Untersuchungen vorgeschlagen. Laut Lanctot sind Regulierungsbehörden daran interessiert, Risikomanagementlösungen für grundlegende Sicherheitsfunktionen umzusetzen. Die Frage bleibt jedoch, wie sie am besten eingesetzt und integriert werden können. Die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden wird ebenfalls weiter in den Fokus rücken. „In jedem Land gelten eigene Regeln und Vorschriften, aber es gibt einige Gemeinsamkeiten. Ich glaube, dass Vorschriften 2019 zu den Themen gehören werden, die das MSB näher betrachtet.“

Weitere Zukunftstrends

Robotik in der Dienstleistungsbranche und batteriebetriebene Düsenflugzeuge sind zwei der Themen, die zur Besprechung auf der Agenda des MSB stehen und wahrscheinlich in den nächsten Jahren zu Schwerpunktbereichen werden.

„Ein wiederkehrendes Thema ist Robotik und welche Auswirkungen sie auf die Dienstleistungsbranche haben wird. Es gibt bereits Roboter, die uns an der Bar Getränke servieren, aber was ist mit Orten, an denen sich viele Leute aufhalten, wie auf Kreuzfahrtschiffen, wo eine geselligere Atmosphäre herrscht?“ Es bleiben die Fragen offen, ob Roboterassistenten als ausreichend nützlich und als akzeptable Alternative zu menschlichem Personal angesehen werden.

Während die Elektrifizierung von Autos und Bussen bereits begonnen hat, gibt es viele Probleme, die die Entwicklung elektronischer Flugzeuge behindern. Das sind zum Beispiel Gewichts- und Platzanforderungen der Batterien, die für den Antrieb eingesetzt werden. Dies ist jedoch, wie Lanctot anmerkt „ein Bereich, in dem die IEC über umfangreiche Kenntnisse verfügt. Es ist ein Bereich, mit dem sich die IEC im Rahmen einer neuen Möglichkeit etwas genauer befassen wird“. Er hat die Branchenaktivitäten verfolgt und beobachtet, dass „Unternehmen und Universitäten beginnen, sich mit diesem Problem zu befassen, obwohl es etwas unkonventionell ist“.

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