VDE DKE zu Gast bei Canoo im Silicon Valley

VDE DKE zu Gast bei Canoo im Silicon Valley

| Sven Doornkaat
25.03.2019 Kurzinformation

Canoo denkt die (Elektro-)Mobilität neu – und setzt auf Standards

Silicon Valley. Das Mekka der Tech-Branche. Apple, Google, Facebook – sie alle haben dort ihren Sitz. Aber auch Tesla, Uber und Lyft. Und Canoo. Ein Start-up, gegründet von ehemaligen Top-Managern deutscher Automobilhersteller. Dr. Karl-Thomas Neumann ist einer von ihnen. Innovative Ansätze, gepaart mit Elektromobilität – ein ideales Umfeld für VDE DKE.

Michael Teigeler, Geschäftsführer VDE DKE, und Dr. Ralf Petri, Leiter Mobilität und Logistik im VDE, sind nach Los Angeles gereist und haben mit ihm über Canoo und die Zukunft der (Elektro-)Mobilität gesprochen.

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Dr. Karl-Thomas Neumann

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| Sven Doornkaat

Wie sieht die Mobilität von morgen aus? Karl-Thomas Neumann muss es wissen. Er kennt die aktuellen Entwicklungen, Diskussionen und Fragen rund um dieses Thema. Neumann hat seine gesamte Karriere in der Automobilbranche verbracht und war bis 2017 als Vorstandsvorsitzender für die Adam Opel AG tätig. Mit seinem Weggang von Opel kehrte Neumann den großen und traditionellen Automobilherstellern zwar den Rücken, blieb der Branche aber weiterhin treu: Im Management-Team von Canoo, einem Start-up aus Kalifornien, das es sich zum Ziel gesetzt hat, (Elektro-)Mobilität neu zu denken – und auf die Straße zu bringen.

Das Auto dient als Smart Device für Mobilitätsservices

„Wir hatten uns die Frage gestellt: Wie kann sich jeder ein Elektroauto leisten?“, so Neumann. Der Ansatz: Canoo will zukünftig keine Autos verkaufen, sondern als Abo-Modell anbieten. Für jeden möglich, ganz individuell. Neumann weiter: „Ein großes Thema wird in Zukunft die Frage sein, ob wir Autos, die überwiegend ungenutzt herumstehen, überhaupt noch besitzen wollen. Gibt es nicht viel bessere Wege?“ Das ist aber nur ein Aspekt, wie sich das Start-up aus dem Silicon Valley von etablierten und neuen Wettbewerbern absetzen möchte.

Entscheidend ist die Sichtweise auf das Fahrzeug selbst: Canoo sieht sich als Mobilitätsdienstleister, bei dem das Auto letztendlich nur ein Werkzeug ist, um Mobilitätsservices darzustellen. Konkret heißt das: Das Fahrzeug selbst wird zu einem Smart Device mit einer perfekten Anbindung an das Internet of Things (IoT). Die herstellerübergreifende Vernetzung ist somit ein wesentlicher Punkt.

Schnittstellen erfordern Interoperabilität – und damit Standards

Ob nun Bluetooth, WLAN oder 5G: Vernetzung steht im Mittelpunkt. Hier stellt sich die dann auch die Frage nach Standards. Insbesondere im Hinblick auf den Austausch oder ein Upgrade von softwarebasierten Services sind standardisierte Schnittstellen unverzichtbar. „Wir haben riesiges Interesse an standardisierten Schnittstellen und werden beispielsweise beim Laden auf Standards setzen und keine eigene Lösung entwickeln“, erläutert Neumann.


Normungsroadmap Elektromobilität 2020

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Die Deutsche Normungsroadmap Elektromobilität 2020

stellt die bisherigen Normungsaktivitäten im Bereich Elektromobilität dar und fasst den aktuellen Stand, vor allem bei Anforderungen zur Sicherheit, Fahrzeugtechnik und zu Ladeschnittstellen, zusammen.

  • Laden mit höheren Ladeleistungen
  • Kabelgebundenes und kabelloses Laden
  • Informations- und Kommunikationstechnologien
Zur Normungsroadmap Elektromobilität 2020

Und welche Schnittstellen im Hinblick auf Standardisierung am interessantesten wären? Da wird Neumann ganz konkret: „Aus meiner Sicht alles, was das autonome Fahren betrifft. Autonomes Fahren wird letztendlich nichts anderes sein als ein Produkt, das man kaufen kann.“ Und weiter: „Ich glaube, das wird in Europa noch falsch gesehen. Wir müssen eigentlich die Städte viel intelligenter machen und die Schnittstellen zur Infrastruktur und zum Auto neu bedenken – und da ist natürlich das Thema der Standardisierung riesig. Es findet schon ein Umdenken statt, das können wir auch hier in Los Angeles sehen. Wir brauchen am Ende viel mehr Infrastruktur und Standardisierung, denn Städte werden sich umgestalten und die Verkehrsräume neu aufteilen. Sowohl die Mikromobilität als auch Robotaxis haben vollkommen unterschiedliche Anforderungen an den Straßenverkehr.“

Am Vorhaben von Canoo, (Elektro-)Mobilität neu zu denken, wird deutlich, wie Normen und Standards zukünftige Planungsvorhaben durch Sicherstellung der Interoperabilität, beispielsweise im Kontext urbaner Mobilität, unterstützen können. Eine wegweisende Initiative in Deutschland ist die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM). Die Arbeitsgruppe 6 beschäftigt sich unter der Leitung von Roland Bent, Vorsitzender von VDE DKE, mit Standardisierung, Normung, Zertifizierung und Zulassung. Ein wesentliches Ziel ist die Erarbeitung der Normungsroadmap „Zukunft der Mobilität“.

Interessante Gedanken und spannende Ansätze? Dann freuen Sie sich auf die April-Ausgabe (02/2019) des VDE dialogs – das Technologiemagazin des VDE. Im vollständigen Interview mit Karl-Thomas Neumann erfahren Sie mehr über die urbanen Mobilitätstrends von morgen, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Automobilhersteller im digitalen Zeitalter und wieso die Blockchain wesentlichen Anteil am Unique Selling Point (USP) von Canoo hat.

VDE DKE im Interview mit Karl-Thomas Neumann von Canoo

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