Senioren
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02.12.2019 Fachinformation 290 0

Aufbau einer altersfreundlichen Welt

Der demografische Wandel schreitet immer weiter voran. Regierungen müssen sich an die sich verändernden Gegebenheiten anpassen. Ein wesentlicher Aspekt hierbei: Der technologische Fortschritt. Internationale Normen und Standards stellen sicher, dass dieser nach strengsten Qualitäts- und Sicherheitsspezifikationen funktioniert.

IEC-Logo

Von Catherine Bischofberger

Verschiedene technologische Durchbrüche, die von Robotern bis hin zu Wearables reichen, helfen älteren Menschen dabei, besser mit den vielen Unannehmlichkeiten, die das Alter mit sich bringt, umgehen zu können.

Internationale IEC-Normen helfen dabei, dass diese neuen Geräte sicher betrieben werden können und die Anforderungen älterer Menschen erfüllen.

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Dr. Klaus Neuder
Zuständiges Gremium
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Technologische Neuerungen sorgen dafür, dass wir bei höherer Lebensqualität länger leben. Nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden ab 2020 Menschen ab 60 Kindern unter fünf Jahren zahlenmäßig überlegen sein. Insbesondere in China steigt die ältere Bevölkerung stark an. Die WHO erwartet, dass die Anzahl der Menschen über 80 in diesem Land ab 2050 rapide auf 120 Millionen ansteigen wird. Regierungen müssen sich mittels neuer Finanz- und Infrastrukturstrategien und -projekte an diesen emporschnellenden Trend anpassen. Viele dieser Maßnahmen ermutigen ältere Menschen, so lange wie möglich so unabhängig wie möglich zu leben. Das Leben zu Hause ist billiger als in einer speziellen Einrichtung, und mit Hilfe neuer Technologien wird es auch als Möglichkeit zur Förderung einer besseren Lebensqualität für ältere Menschen betrachtet.

Alles auf 3D

Medizinische Bildgebung und medizinisches Abtasten verlassen sich immer mehr auf medizinische 3D-Visualisierung. Diese Technologie bietet eine bessere Sicht auf krebsartige Tumore. Leiden, von denen Senioren häufig betroffen sind, können leichter erkannt und frühzeitiger behandelt werden als noch vor einigen Jahren. Im Verbund mit der 3D-Bildgebung kann Künstliche Intelligenz (KI) verlässlich immer genauere Diagnosen liefern. Daher können lange und kostspielige Krankenhausaufenthalte immer häufiger vermieden werden.

IEC/TC 62 (Spiegelgremium: DKE/K 810) erstellt Normen zu elektrischer Ausrüstung in Arztpraxen. Eines der Unterkomitees (SC 62B) erstellt Spezifikationen für Bildaufnahmeeinheiten zur medizinischen Diagnose (z. B. Röntgengeräte und Geräte zur Abbildung durch Kernspinresonanz sowie Computertomografie).

Ältere Menschen können mittels der Telemedizin auch immer häufiger von zu Hause aus Rat von Spezialisten einholen. Mit der Hilfe eines Betreuers können sie über eine Videoverbindung mit einem Spezialisten interagieren, anstatt stundenlang in einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis auf den Termin mit einem Arzt warten zu müssen, was insbesondere für Patienten, die unter Alzheimer leiden, unkomfortabel sein kann. In China hat ein Unternehmen aus Shandong einen auf verschiedenen Technologien basierenden Dienst für ältere Menschen eingeführt: Er umfasst einen sprachaktivierten Assistenten, ein Fernsehgerät mit Webcam, eine Set-Top-Box mit Internetverbindung und sogar einen Begleitroboter.

Das von IEC und ISO gemeinsam ins Leben gerufene Technische Komitee JTC 1 umfasst mehrere SCs, die sich mit diesen verschiedenen Technologien befassen:

  • SC 35 („User Interfaces“) veröffentlicht die Norm ISO/IEC 30122-1, die den Rahmen und allgemeine Richtlinien für Benutzerschnittstellen mit Sprachsteuerung festlegt
  • SC 41 („Internet of Things and related technologies“) erstellt Dokumente in Bezug auf das Internet der Dinge veröffentlicht
  • SC 42 („Artifical Intelligence“) erstellt Normen für Künstliche Intelligenz

IEC TC 100 (Spiegelgremium: DKE/K 742) entwickelt Normen für Audio-, Video- und Multimediasysteme. Das TC hat einen technischen Bereich (TA) zur Behandlung von Aspekten des aktiv betreuten Wohnens (AAL) festgelegt. AAL-Technologien umfassen Systeme und Geräte, die das Wohlergehen und die Pflege von Menschen mit Behinderung und älteren Menschen fördern. Der TA arbeitet mit dem IEC System Committee on Active Assisted Living (SyC AAL) zusammen, dessen Schwerpunkt auf der Normierung von AAL-Produkten, -Dienstleistungen und -Systemen liegt.


Joint Advisory Group beim 83. IEC General Meeting in Shanghai

Joint Advisory Group beim 83. IEC General Meeting in Shanghai

| Volker Blume

Deutschland übernimmt den Vorsitz der neuen Joint Advisory Group von IEC

Innerhalb von IEC wurde eine neue Plattform ins Leben gerufen – die Joint Advisory Group (JAG). Sie soll zukünftig den fachlichen Austausch zwischen verschiedenen Technischen Komitees fördern. Den Vorsitz für diese Gruppe übernimmt Johannes Koch von VDE|DKE.

Im Interview mit der DKE-Redaktion erzählt Johannes Koch mehr über die Hintergründe, Ziele und seine eigenen Aufgaben.

Interview mit Johannes Koch lesen

Passendes Pflaster

Auch Wearables verbessern das Leben von Senioren. Medizinische „Aufkleber“ stellen eine ambulante Option dar, damit ältere Patienten zu Hause bleiben können. Einige Überwachungsgeräte können Stürze feststellen, Alarme auslösen und das medizinische Personal warnen, welches dann eingreifen kann. Die Herztätigkeit kann ebenfalls aus der Ferne bewertet werden. Der Trend geht dahin, dass Überwachungspflaster kleiner und weniger sperrig werden. Zudem entwickeln Wissenschaftler hautähnliche flexible Geräte mit Sensoren, die durch Körperwärme oder Bewegung mit Energie versorgt werden und somit keine sperrigen Batterien mit hohem Energiebedarf mehr benötigen. Mehrere TCs von IEC bereiten für diese Bereiche relevante Normen vor.

IEC/TC 79 (Spiegelgremium: DKE/UK 713.1) veröffentlicht Dokumente zu Alarm- und elektronischen Sicherheitssystemen.

IEC/TC 47 (Spiegelgremium: DKE/K 631) veröffentlicht die Normenreihe IEC 62951 zu flexiblen und dehnbaren Halbleiterbauelementen. Diese Normen sind besonders wichtig dafür, dass elektronische Geräte und Sensoren in flexible Aufkleber integriert werden können. IEC 62951-1 legt beispielsweise einfache und wiederholbare Prüfverfahren für die Bewertung von elektromechanischen Eigenschaften oder der Flexibilität von leitfähigen Dünnschichten auf flexiblen Substraten fest.

IEC/TC 119 (Spiegelgremium: DKE/GUK 682.1) legt Anforderungen an gedruckte Elektronik fest, die die Herstellung zahlreicher elektronischer Geräte oder Bauteile, einschließlich Wearables, durch verschiedene Druckverfahren ermöglicht.

IEC/TC 124 (Spiegelgremium: DKE/K 802) ist auf die Entwicklung von Normen zu tragbaren elektronischen Geräten und Technologien spezialisiert.

Roboter bieten Unterstützung

Während es Regierungen und Gesundheitsexperten weltweit vorziehen, es Senioren zu ermöglichen, dass sie zu Hause bleiben können, besteht einer der Nachteile davon im Risiko der Vereinsamung. Familienbande werden immer flüchtiger und immer mehr ältere Menschen haben keine Verwandten, die sich um sie kümmern. In Japan werden bereits Roboter genutzt, um diese Lücke zu füllen; sie helfen älteren Menschen auch dabei, zu Hause alltägliche Aufgaben zu erledigen. Das von einem japanischen Robotikunternehmen hergestellte Pflegegerät für ältere Menschen, „Dinsow“, agiert als eine Art persönlicher Assistent. Es unterstützt sein menschliches Gegenstück dabei, an die Einnahme von Medikamenten zu denken, überwacht die Gesundheit und beantwortet automatisch eingehende Anrufe von Familienmitgliedern und Ärzten.

All diese Fortschritte sollten auch den stursten Technikfeind davon überzeugen können, dass die Elektrotechnik eine positive Kraft sein kann. Das heißt, so lange internationale IEC-Normen dafür sorgen, dass sie nach strengsten Qualitäts- und Sicherheitsspezifikationen funktioniert.


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