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22.10.2018 Fachinformation 171 0

Schutz des Planeten

Das IEC TC 111 erarbeitet wichtige Normen zur Unterstützung der Industrie bei der Erfüllung ihrer Umweltschutzziele.

IEC-Logo

Von Catherine Bischofberger

Das IEC Technische Komitee (TC) 111 arbeitet an horizontalen internationalen Normen, die entscheidend sind, um sicherzustellen, dass Elektro- und Elektronikgeräte umweltgerecht konzipiert werden. Sie sind unverzichtbare Instrumente im Kampf gegen Elektroschrott und helfen Herstellern dabei, die gesetzlichen Anforderungen an die Schadstoffkontrolle zu erfüllen.

Es ist einfach, nur ein Lippenbekenntnis zum Schutz und Erhalt der Umwelt abzulegen. Heutzutage geht es oft mehr darum, die eigene Umweltfreundlichkeit zu vermarkten, als wirklich etwas zu bewirken. Doch hinter den Kulissen arbeiten zahlreiche Ingenieure, Wissenschaftler und Gesetzgeber intensiv daran, die Umweltbelastung in allen möglichen Bereichen zu verringern. Dazu gehören auch einige Mitglieder des IEC TC 111: Environmental standardization for electrical and electronic products and systems.

Kontakt

Ingrid Blank
Zuständiges Gremium

Wegbereiter für Recycling und Urban Mining

Seit seiner Gründung im Jahr 2004 hat das TC eine Reihe wichtiger internationaler Normen zum Thema Umwelt veröffentlicht. Es bereitet sich auf eine Zukunft vor, in der das Recycling in einer Kreislaufwirtschaft durchaus die Norm werden könnte, während die Rückgewinnung von Seltenerdmetallen – ein als „Urban Mining“ bekannter Vorgang – sich zu einer weit verbreiteten Praxis entwickeln könnte.

Doch bevor sie überhaupt daran denken können, die verschiedenen Materialien zu recyceln, die sie in ihren Waren verarbeiten, müssen Anbieter die Substanzen in ihren Produkten kennen und melden, um den verschiedenen Rechtsvorschriften, die weltweit gelten, zu entsprechen. Eine wesentliche Veröffentlichung ist die IEC 62474, welche die Anforderungen zur Angabe von Stoffen und Materialien in Elektro- und Elektronikgeräten festlegt. Sie vereinfacht auch die Übertragung und Verarbeitung dieser Daten, indem sie ein einheitliches Datenformat definiert, welches für den Austausch in der Lieferkette gilt. Die Norm verfügt über eine validierte offene Datenbank, die eine Liste von Substanzen, Stoffgruppen und gängigen Materialklassen beinhaltet. „Wir haben an einer aktualisierten Fassung der Norm gearbeitet, die noch vor Jahresende veröffentlicht werden soll. Die Datenbank beinhaltet nun Listen von Substanzen aus Branchen, die nicht im Elektrobereich angesiedelt sind“, erklärt Christophe Garnier, Vorsitzender des IEC TC 111.

Eine andere wichtige Publikation ist die IEC 62321-Normenreihe, welche Standardmethoden zur Bestimmung der Ebenen von potenziell giftigen Substanzen in Elektro- und Elektronikgeräten durch verschiedene Messverfahren definiert. „Diese wichtige Normenreihe wird von der Working Group (WG) 3 erarbeitet. Die Publikationen behandeln Möglichkeiten zur Messung verschiedener Substanzen. Eine davon ist zum Beispiel die Spektrometrie. In der WG 3 sind Experten aus verschiedenen Bereichen tätig, doch wir sind noch auf der Suche nach mehr Wissenschaftlern im Testlabor“, so Garnier.

Umweltfreundliches Design und Zusammenarbeit mit der ISO

Das umweltbewusste Produktdesign ist seit vielen Jahren ein brisantes Thema. So wird es zum Beispiel es als eine der Möglichkeiten angesehen, die Umweltverschmutzung durch die Begrenzung von nicht wiederverwertbaren Materialien zu reduzieren.

Eine weitere wichtige Norm, die vom IEC TC 111 herausgegeben wurde, ist die IEC 62430, welche Richtlinien zur Minimierung der schädlichen Umwelteinflüsse von Geräten während ihres Lebenszyklus‘ vorgibt. Die Publikation definiert ein umweltbewusstes Design aller elektrischen und elektronischen Produkte, beispielsweise welche Materialien verwendet werden, welche Energiemenge für ihre Herstellung verbraucht wird oder auch die Höhe ihrer Wiederverwertbarkeit. „Wir haben mit der ISO eine gemeinsame Arbeitsgruppe, die Joint Working Group JWG ECD 62959, gebildet, um eine globale Norm auszuarbeiten, die sich mit der umweltbewussten Gestaltung aller Produkte befasst und nicht nur dem der elektrischen und elektronischen Geräte. Diese neue Norm wird in ein paar Jahren veröffentlicht und soll aus der IEC 62430 und der Arbeit des ISO/TC 207 schöpfen. Sie wird die Logos von sowohl der IEC als auch der ISO tragen“, gibt Garnier preis.

Das IEC TC 111 umfasst 25 teilnehmende Mitgliedsländer sowie zwölf mit Beobachterstatus. „Die aktivsten Länder befinden sich hauptsächlich in der nördlichen Hemisphäre. Ich möchte all unsere Mitglieder ermutigen, sich proaktiv zu beteiligen. Jeder kann seinen Beitrag leisten – wir benötigen auch mehr Feedback von einer größeren Anzahl an Entwicklungsländern, insbesondere in Umweltfragen, da ihre Beiträge entscheidend für unser Vorankommen sind.“

Das TC hält seine Plenarsitzung während des IEC General Meeting (GM) Ende Oktober in Busan. „Wir werden eine Studie über die wichtigsten Initiativen vorstellen, die weltweit auf der Grundlage regenerativer Wirtschaftsmodelle basiert. Die Ergebnisse dieses Berichts werden während der Versammlung diskutiert und es wird eine Empfehlung für eine zukünftige Norm bezüglich der Kreislaufwirtschaft ausgesprochen.“

Eine weitere Gruppe untersucht die unterschiedlichen Umweltsiegel auf der ganzen Welt. „Wir prüfen die Durchführbarkeit einer Harmonisierung der Kriterien, die beispielsweise in verschiedenen Recycling-Labels verwendet werden“, erklärt Garnier. Die Arbeit des IEC TC 111 mag hinter den Kulissen stattfinden, ist aber wichtiger denn je, da die Sorgen über die Umwelt weltweit neue Höchststände erreichen.

Internationale Zusammenarbeit