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30.07.2018 Kurzinformation 290 0

Norm für Verstärker in Kabelnetzen überarbeitet

Verstärker nehmen innerhalb der Multimedia-Infrastruktur eines Kabelnetzbetreibers eine zentrale Rolle ein. Die hierfür relevante Norm DIN EN IEC 60728-3 (VDE 0855-3) wurde daher überarbeitet und an den aktuellen Stand der Technik angepasst.

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Thomas H. Wegmann
Zuständiges Gremium

Bei der Norm DIN EN IEC 60728-3 (VDE 0855-3) handelt es sich um eine Produktnorm für Verstärker mit koaxialen Schnittstellen in einem  Frequenzbereich von 5 MHz bis 3 GHz, welche in Kabelfernseh-, Hausverteil-, und Satellitensignalverteilnetzen eingesetzt werden. Die Norm beschreibt Messverfahren sowie Grenzwerte und spezifiziert weitere Eigenschaften für den Betrieb von Verstärkern in einer Kabelnetzanlage wie beispielsweise die Störfestigkeit gegen Stoßspannungen, Brummmodulation etc.

Verstärker sind aktive Geräte, die eingehende Signale empfangen, verstärken und verteilen, und somit ein wesentlicher Bestandteil der Multimedia-Infrastruktur eines Kabelnetzbetreibers, um den Endverbraucher zu Hause mit Fernsehsignalen, Rundfunksignalen und Internet versorgen zu können. Diese Verstärker werden üblicherweise in koaxialen Kabelstrecken zwischen den Kopfstellen der Netzbetreiber und den Endteilnehmern eingesetzt, je nach Netzwerkarchitektur oft in kurzen oder manchmal auch in längeren Kaskaden hintereinandergeschaltet. Entscheidend ist die Topologie und Planung des Kabelnetzbetreibers sowie die Anzahl der Teilnehmer, die ihre Signale vom selben Verstärker erhalten.

Digitale Signalübertragung erfordert technische Anpassungen

Der Weg hin zu einer rein digitalen Signalübertragung ist längst beschlossen: Analoge Fernseh- und Rundfunkprogramme werden seit einigen Jahren immer weiter abgeschaltet. In einigen Ländern, wie z.B. in den Niederlanden oder auch in Frankreich, ist das bereits geschehen. Noch ist nicht konkret absehbar, wann die vollständige Umstellung von analoger auf digitale Signalübertragung in Deutschland abgeschlossen sein wird. In der gesamten Wertschöpfungskette bedeutet dieser Schritt wesentliche, technische Änderungen, die bereits in der Sendeanstalt beginnen. Der Umstieg von HD auf 4K und 8K erfordert beispielsweise eine komplett neue Technologie, beginnend bei der Aufzeichnungsquelle - Investitionen in Millionenhöhe, die zunächst einmal getätigt werden müssen. Aber nicht alles, was technisch umsetzbar wäre, ist auch wirtschaftlich gleich machbar oder politisch gewünscht. Kleinere Rundfunksender haben beispielsweise oftmals nicht die wirtschaftliche Möglichkeit, digitale Sendelizenzen zu erwerben. Dies ist einer der Gründe, weshalb erst kürzlich auf politischer Ebene die UKW-Laufzeit verlängert wurde.

Und dennoch schreitet die Entwicklung langsam, aber sicher, voran: UKW-Sender fallen plötzlich weg oder bekommen einen neuen Sendekanal, müssen neu gesucht und eingestellt werden. Bei der Umstellung von analog auf digital müssen viele Komponenten angepasst oder ersetzt werden, da sich analoge und digitale Signale vollkommen unterschiedlich verhalten, und in vielen Fällen müssen die Anlagen auch an die erweiterten Frequenzbereiche adaptiert werden. Eine Überarbeitung der Norm DIN EN 60728-3 (VDE 0855-3):2011 war notwendig, um die Inhalte an den aktuellen Stand der Technik anzugleichen. Die Norm enthält darüber hinaus Referenzen und Verweise auf weitere wichtige Normen und Dokumente.

Änderungen der Norm DIN EN IEC 60728-3 (VDE 0855-3) im Überblick:

  • Erweiterung der oberen Frequenzgrenze für Geräte in Kabelnetzen im Vorwärtspfad von 1 000 MHz auf 1 218 MHz (wahlweise bis 1 794 MHz);
  • Erweiterung der oberen Frequenzgrenze für Geräte in Kabelnetzen im Rückwärtspfad von 85 MHz auf 204 MHz;
  • Integration und Aktualisierung der Norm IEC 60728-3-1 "Methods of measurement of non-linearity for full digital channel load with DVB-C signals" (siehe DIN EN 60728-3-1 (VDE 0855-3-1):2013-02);
  • Integration und Aktualisierung der Technischen Spezifikation CLC/TS 50083-3-3 "Methods of measurement of the maximum operating output level in the return path" (siehe DIN CLC/TS 50083-3-3 (VDE V 0855-3-3):2015-06);
  • Löschen von Festlegungen und Prüfverfahren für obsolete analoge Parameter;
  • Aktualisierung der Normativen Verweisungen;
  • Aktualisierung der Begriffe und Abkürzungen.

Kabelnetzbetreiber profitieren von standardisierten Produkten

Die Norm DIN EN IEC 60728-3 (VDE 0855-3) ist in erster Linie für den Kabelnetzbetreiber ein hilfreiches Dokument, der für seine Zwecke ein standardisiertes Produkt mit allen erforderlichen Parametern erhält. Verstärker, die auf dieser Norm basieren, haben für den Kabelnetzbetreiber den entscheidenden Vorteil, dass sie problemlos in einer Kabelnetzanlage eingesetzt werden können. Gleiches gilt auch dann, wenn eine bestehende Infrastruktur von einem neuen Kabelnetzbetreiber übernommen wird. Kabelnetzbetreiber sind außerdem in der Lage, Hersteller von Verstärkern miteinander zu vergleichen, das passende Gerät auszuwählen und in die neue oder übernommene Infrastruktur einzubauen. Die Norm bietet somit ein festgelegtes Qualitätsniveau. Zusätzliche Eigenschaften und Funktionen über die Mindestanforderungen hinaus, dienen der Charakterisierung des Produktes und der Marke.

Und wenn Kabelnetzbetreiber auf Verstärker setzen, die nicht den Anforderungen der Norm entsprechen? Im schlechtesten Fall könnten betroffene Endverbraucher bestimmte Fernseh- oder Rundfunksender nicht mehr empfangen, obwohl sie eigentlich noch ausgestrahlt werden. Kabelnetzbetreiber müssten eigene Spezifikationen definieren und sich einen Hersteller für den Bau des Verstärkers suchen. Sind die Spezifikationen aber nicht auf die Änderungen der Übertragungstechnik abgestimmt, entsteht ein Qualitätsproblem. Nicht auszudenken, wenn es „Liga Live“ am Samstag oder „Dinner for One“ an Silvester aufgrund unterschiedlicher oder gar fehlender Standards nicht mehr in die heimischen vier Wände schaffen würden. Auf der Norm DIN EN IEC 60728-3 (VDE 0855-3) basierende Verstärker reduzieren das Risiko bei der Planung und Investition, wodurch Fehleinschätzungen und -entscheidungen vermieden werden können (Capex). Gleichzeitig nimmt die maximal mögliche Sicherheit der Netzverfügbarkeit im Betrieb zu (Opex).

Redaktioneller Hinweis:
Die im Text aufgeführten Normen können Sie im VDE-Verlag käuflich erwerben:
https://www.vde-verlag.de/normen/suchen.html

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