Abrechnung mit Lupe
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28.06.2018 Kurzinformation 2243 0

Neue VDE-Anwendungsregel zum eichrechtskonformen Laden von Elektrofahrzeugen kann nun kommentiert werden

Der Ladevorgang bei Elektrofahrzeugen kann nun transparenter angezeigt und abgerechnet werden. Dies stellt die VDE-Anwendungsregel E-VDE-AR-E 2418-3-100 "Einheitliche Anforderungen für eichrechtskonforme Ladeeinrichtungen" sicher. Am 29. Juni 2018 wird der Entwurf der neuen VDE-Anwendungsregel veröffentlicht und kann für 3 Monate online kommentiert werden.

Was kostet ein Liter Benzin?

Autofahrer kennen den aktuellen Preis von einem Liter Benzin oder einem Liter Diesel genau. Sie sind es gewohnt, in dieser Volumeneinheit zu rechnen. Ganz selbstverständlich tanken Autofahrer ihren Kraftstoff und bezahlen diesen an der Kasse. Doch können sie sicher sein, für ihr Geld die korrekte Menge zu bekommen? Ja, denn die Zapfsäulen werden regelmäßig vom Eichamt geprüft. Und beim Thema Elektromobilität? Hier sieht es anders aus.

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Alexander Nollau
Elektroauto tankt an Ladestation
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Eine transparente und nachvollziehbare Marktsituation ist auch an Ladesäulen für Elektrofahrzeuge erforderlich. Der wesentliche Teil des Business Cases einer Ladeinfrastruktur beruht auf dem Verkauf von Energie in Form von Strom.

Der Fahrer eines Elektrofahrzeugs bezieht Energie an einer Stromtankstelle und bekommt dafür eine Rechnung gestellt. Im Vergleich zum Tanken von Sprit erfolgt die Bezahlung meist zu einem späteren Zeitpunkt. Die Höhe des Rechnungsbetrages hängt von der geladenen Energiemenge und den Modalitäten des Versorgungsvertrages ab. Dabei muss die Rechnung für den Verbraucher einfach und nachvollziehbar sein. Bei der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität ist die reine Messwerterfassung über einen eichrechtskonformen Zähler nicht ausreichend. Es werden zusätzliche Einrichtungen z. B. zur Übermittlung und Speicherung der Daten benötigt.

In Deutschland gilt, dass überall dort, wo der Ladestrom nicht pauschal, zum Beispiel als Flatrate, abgerechnet werden soll, die Abrechnung verbrauchs- bzw. nutzungsabhängig erfolgt. Die dabei üblichen Fahrstromtarife basieren auf der Messung von Ladeenergie (z. B. kWh).

Das Mess- und Eichrecht schafft die Grundlage für die zuvor genannten Punkte. Der Stromzähler in Ladesäulen ist ein eichpflichtiges Messgerät, und auch die Anzeige des Stromzählers unterliegt als Zusatzeinrichtung im Sinne von § 3 Nr. 24b MessEG dem Eichrecht.

Für Messgeräte im Anwendungsbereich der Elektromobilität wurden am 16.03.2017 mit Veröffentlichung des REA-Dokumentes 6-A „Regeln und Erkenntnisse des Regelermittlungsausschusses nach § 46 des Mess- und Eichgesetzes für Messgeräte und Zusatzeinrichtungen im Anwendungsbereich der E-Mobilität“ Anforderungen an eichrechtskonforme Wechsel- und Gleichstromsysteme festgelegt.

Aus Sicht der Industrie, der Konformitätsbewertungsstellen und Eichdirektionen der Länder reicht der Detaillierungsgrad und Umfang der Anforderungen des Dokumentes 6-A nicht aus, um eichrechtskonforme und interoperable Systeme zu entwickeln und zu zertifizieren. Architekturanforderungen, Datenformate für die Übermittlung eichrechtlich relevanter Daten oder Anforderungen an DC-Messeinrichtungen sind nur einige Beispiele für fehlende Anforderungen an interoperable, eichrechtskonforme Ladeinfrastrukturlösungen.

Erarbeitung des Standards innerhalb nur eines Jahres

Zähler Messtechnik
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Aus dem oben genannten Grund wurde nach der Autorisierung des REA-Dokumentes 6-A ein DKE-Gemeinschaftsarbeitskreis DKE/GAK 461.0.21 „Vorbereitung von elektrizitätsmessgerätebezogenen Normungs- und Standardisierungsvorschlägen für den Regelermittlungsausschuss nach § 46 MessEG“ unter der Leitung von Matthias Hübner (VDE-Institut – Leiter der Konformitätsbewertungsstelle) zusammen mit über 70 Vertretern der Industrie, anderer Konformitätsbewertungsstellen sowie Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) gegründet und mit der Erstellung einer VDE-Anwendungsregel beauftragt.

Mit der Fertigstellung des Entwurfs der VDE-Anwendungsregel E-VDE-AR-E 2418-3-100 „Elektromobilität – Messsysteme für Ladeeinrichtungen“ wurde der erste Schritt, einheitliche Mindestanforderungen an eichrechtskonforme und interoperable Wechsel- und Gleichspannungssysteme zu entwickeln, abgeschlossen. Ab dem 29.06.2018 ist „Jedermann“ für 3 Monate aufgefordert, Stellung zum Ergebnis der DKE-Arbeitsgruppe zu beziehen. Wie die Stellungnahme/Kommentierung durchzuführen ist und wie die eingereichten Einsprüche innerhalb der DKE behandelt werden, ist in den folgenden Abschnitten näher erläutert.

Wo kann die VDE-Anwendungsregel bezogen und kommentiert werden?

Die Veröffentlichung des Entwurfes der VDE-Anwendungsregel erfolgt ab dem 29.06.2018 wahlweise über das DIN-VDE-Entwurfsportal und über den VDE-Verlag.

Benötigen Sie ein eigenes Exemplar der VDE-Anwendungsregel, womit Sie gleichzeitig die Berechtigung zur Speicherung sowie Ausdruck des Entwurfs besitzen, dann ist der kostenpflichtige Bezug über den VDE-Verlag erforderlich. Ergänzend benötigen Sie dann noch das IEC-Kommentierungsblatt.

Die Kommentare über das Formular der IEC sind dabei schriftlich bei Alexander Nollau einzureichen.

Weitere wichtige Punkte zur Kommentierung sind:

  • pro Kommentar eine Zeile verwenden;
  • Kommentarfelder mit den vollständigen Informationen ausfüllen;
  • ausführliche Beschreibung des Verbesserungsvorschlages im Feld „proposed change“  angeben.

Die direkte Kommentierung ohne einen kostenpflichtigen Bezug ist im  DIN-VDE-Entwurfsportal während der Kommentierungsfrist möglich, wobei sich die Kommentierungsmöglichkeit aufgrund interner Prozesse auf 2 Monate d. h. bis zum 29.08.2018 verkürzt. Hierzu müssen Sie sich einmalig unter Angabe Ihrer E-Mail-Adresse registrieren. Die Kommentare werden automatisch an VDE|DKE weitergeleitet.

Wie geht es nach Ende der Kommentierungsfrist weiter?

Nach Abschluss der 3-monatigen Kommentierungsfrist werden alle eingegangenen Kommentare im  erwähnten DKE-Arbeitskreis DKE/GAK 461.0.21 bearbeitet und bewertet. Sind die Arbeiten im Arbeitskreis abgeschlossen, wird das Ergebnis durch die DKE-Geschäftsstelle allen Personen, die kommentiert haben, in einer passwortgeschützten Zip-Datei zum Download zur Verfügung gestellt. In dieser Zip-Datei befinden sich die Zusammenfassung der Stellungnahmen (sortiert nach Abschnitten/Zeilennummern und nach kommentierenden Personen) und die VDE-Anwendungsregel in zwei Fassungen (Änderungs- und Lesefassung).

Alle kommentierenden Personen werden bis zu einem festzulegenden Datum gebeten, mitzuteilen zu welchen ihrer Kommentare sie noch Diskussionsbedarf sehen, wenn sie mit der Bewertung durch den Arbeitskreis nicht einverstanden sind. Hierfür reicht die Nennung der laufenden Nummer des entsprechenden Kommentars aus. Alle nicht zurückgemeldeten Ergebnisse werden als akzeptiert bewertet. Bei Bedarf erfolgt eine öffentliche Einspruchsberatung, deren Termin gesondert bekannt gegeben wird.

Nach Veröffentlichung der VDE-Anwendungsregel als „anerkannte Regel der Technik“ durch das zuständige nationale Komitee DKE/K 461 „Messeinrichtungen und -systeme für Elektrizität“ wird die VDE-Anwendungsregel dem Regelermittlungsausschuss (REA) – in seiner Funktion als regelsetzender Fachkreis in Deutschland – mit Bitte um Ermittlung zu Verfügung gestellt. Weiterhin werden die Inhalte der VDE-Anwendungsregel auf europäischer und internationaler Ebene in die Normung eingebracht, womit Deutschland seiner internationalen Vorreiterrolle gerecht wird.

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Hybrid-Sportwagen nachts
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Die Elektromobilität ist eine Sprunginnovation, die ein neues, übergreifendes Systemdenken erfordert. Um die deutsche Wirtschaft erfolgreich im Bereich Mobility zu positionieren, ist es wichtig, die positiven Effekte von Normen und Standards von Beginn an in den Entwicklungsprozess miteinzubeziehen und damit voll auszuschöpfen.

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