LKWs, die Getreide in einem Lager nach Ernte entleeren. Korn in einer Spur, hintere Ansicht.
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20.01.2020 Fachinformation 385 0

IECEx: Schutz für fast alle Industriesektoren

Explosionsbereiche finden sich in nahezu allen industriellen Sektoren wieder. Risiken lassen sich nicht völlig ausschließen, aber es können Maßnahmen ergriffen werden, um mögliche Risiken zu mindern. IECEx betreibt das einzige weltweite Online-Zertifikatssystem für den Ex-Sektor.

IEC-Logo

Von Claire Marchand

Explosionsgefährdete Bereiche können durch das Vorhandensein entzündlicher Gase, Nebel, Dämpfe oder auch brennbarer Stäube entstehen. Diese befinden sich beispielsweise in der Öl-, Gas- und Bergbauindustrie.

Die meisten Unfälle, die eine breite Medienpräsenz hervorrufen, stehen im Zusammenhang mit Bränden und/oder Explosionen auf Bohrinseln oder im Untertagebergbau.

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Peter Haß
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Explosionsbereiche (Ex-Bereiche) sind (fast) überall

Die Berichterstattung über Ex-Unfälle und -Zwischenfälle in der Fachpresse bietet jedoch ein anderes Bild. Auch in Nahrungsmittelverarbeitungsanlagen, Zuckerraffinerien und Tankstellen, in Anlagen zur Getreideverarbeitung und Getreidelagerung, bei der Herstellung und Reparatur von Automobilen, in der Pharmaindustrie und bei der Möbelherstellung – um hier nur einige Beispiele zu nennen – kommt es zu einer beträchtlichen Anzahl von Vorfällen durch gefährliche Stoffe wie Stäube, Nebel oder Dämpfe.

Tatsächlich sieht es so aus, dass es in den meisten Industriesektoren mindestens einen Bereich gibt, der als Gefährdungsort gelten kann (zum Beispiel bei der Lagerung von Gaskanistern, Pulvern usw.). Dort kommen entzündliche Substanzen in Mengen zum Einsatz, die zu potenziell explosionsfähigen Konzentration führen können, und zwar sowohl im Normalbetrieb als auch bei der Entstehung anormaler Situationen.

Die Risiken sind breitgefächert. Hersteller oder Verkäufer von Betriebsmitteln für den Einsatz in Ex-Bereichen, Personen, die in der Öl-, Gas-, petrochemischen oder pharmazeutischen Industrie tätig sind oder die Ex-Geräte in den Sektoren Planung, Beschaffung und Errichtung liefern, spezifizieren, kaufen oder nutzen oder die Ex-Geräte installieren, warten oder reparieren, sollten sich der Risiken wohl bewusst sein, die mit ihrer Arbeit verbunden sind. Schutz und Sicherheit der Mitarbeiter, der Umgebung und der Betriebsmittel sind von größter Bedeutung.

Ein „Nullrisiko“ gibt es nicht

Risiken lassen sich zwar nicht völlig ausschließen, doch können Maßnahmen ergriffen werden, um Risiken zu mindern und sicherzustellen, dass Mitarbeiter in Ex-Umgebungen möglichst sicher arbeiten können. Dazu gehören die Installation und der Betrieb von Einrichtungen, bei deren Gestaltung und Fertigung eine Explosionsschutztechnik vorgesehen wurde. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter eine entsprechende Schulung erhalten und über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Arbeit in Gefährdungsbereichen verfügen.

Mit ihrem Zertifizierungssystem für Normen zu Geräten für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen (IEC System for Certification to Standards Relating to Equipment for Use in Explosive Atmospheres – IECEx) verfügt die IEC über Mechanismen, die Branchenvertretern, Behörden und Regulierungsstellen dabei helfen, sicherzustellen, dass (elektrische und nicht-elektrische) Geräte, die in Ex-Bereichen eingesetzt werden, der höchsten Sicherheitsstufe entsprechen, so dass auch der bestmögliche Schutz der dort tätigen Personen gewährleistet ist.

IECEx betreibt das einzige weltweite Online-Zertifikatssystem für den Ex-Sektor, das eine sofortige Verifizierung der Konformitätserklärungen zu Bescheinigungen ermöglicht, die von einer der mehr als 100 IECEx-Zertifizierungsstellen (ExCBs) in 35 Mitgliedstaaten ausgestellt wurden.

Die Ausstellung dieser Konformitätsbescheinigungen erfolgt über die folgenden drei Zertifizierungsprogramme:

  • IECEx Certified Equipment Scheme (für Geräte)
  • IECEx Certified Service Facilities Scheme (für Wartungs- und Reparaturbetriebe)
  • IECEx Scheme for Certification of Personnel Competence (für Mitarbeiterkompetenz)

Zusätzlich zum IECEx-Zertifizierungsprogramm für Geräte existiert das Lizenzierungssystem für die Konformitätskennzeichnung (IECEx Conformity Mark Licencing System).

Die von den ExCBs ausgestellten IECEx-Zertifikate sind zentral gespeichert und über das IECEx-Online-Zertifikatssystem öffentlich zugänglich.


Ziegelsteinmauer mit Warnzeichen Warnung vor explosionsfähiger Atmosphäre Graffiti
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Expertengremium DKE/K 241 Schlagwetter- und explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel

Das Expertengremium DKE/K 241 mit seinen Arbeitskreisen beschäftigt sich mit dem Erarbeiten der Bestimmungen und Richtlinien für die Ausführung von Betriebsmitteln für den Einsatz in ExI und ExII-gefährdeten Bereichen für alle Zündschutzarten.

Die normungstechnischen Arbeiten gliedern sich in einen allgemeinen Teil sowie in Zusatzteile entsprechend den einzelnen Zündschutzarten.

Zum Expertengremium DKE/K 241

Schulung für das CoPC

Zur Unterstützung der Antragsteller bei ihrer Vorbereitung auf das Zertifikat für Mitarbeiterkompetenz (Certificate of Personnel Competence – CoPC) wurde vor einigen Jahren ein Programm mit anerkannten Schulungsanbietern (IECEx Recognized Training Provider – RTP) gestartet, das zügig ausgebaut wird.

Die RTPs vermitteln den Kandidaten das Wissen und Verständnis von Begriffen und Schutzkonzepten für elektrische und nicht-elektrische Geräte, die in explosionsfähigen Atmosphären zum Einsatz kommen. Grundlage hierfür sind die internationalen Normenreihen IEC 60079 und ISO/IEC 80079, die vom Technischen Komitee 31 der IEC (Spiegelgremium: DKE/K 241) und deren Unterkomitees erarbeitet wurden.

Mitarbeiterzertifizierung

Die Anzahl der Zertifikate, die in den einzelnen IECEx-Programmen ausgestellt werden, wächst stetig, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Zertifikate für Mitarbeiterkompetenz (CoPCs) gelegt wird. Diese bieten die Gewähr dafür, dass das Wissen und die Kompetenz von Personen, die mit Auslegung, Auswahl, Installation, Instandhaltung und Wartung von Ex-Geräten betraut sind, von unabhängiger Stelle überprüft wurden. Fast 3000 CoPCs wurden bislang ausgestellt.

Nicht-elektrische Geräte

Mit der Veröffentlichung von ISO 80079-36 und ISO 80079-37 Ende 2016 wurde das IECEx-Zertifizierungsprogramm für Geräte um den Bereich der nicht-elektrischen Geräte ergänzt.

Sicherheit ist in Gefährdungsbereichen von größter Bedeutung, und die Geräte müssen feuerbeständig und explosionssicher sein. Bei nicht-elektrischen Geräten stammt die Zündquelle vom Wirken der Maschinen, durch das ein Reibungskontakt entstehen kann, der wiederum zur Erzeugung eines Funkens oder einer heißen Oberfläche führt. Dies kann beispielsweise in Hydraulikpumpen, Getrieben und Brechern vorkommen.

Die Aufnahme der nicht-elektrischen Geräte in das Programm hat zu einer Erhöhung der Anzahl ausgestellter Zertifikate von 17 im Juni 2018 auf 108 im Juni 2019 geführt und kann somit als klarer Erfolg verbucht werden.


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Unterstützung durch die Vereinten Nationen

Seit 2011 unterstützt die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) die Anwendung von Normen der IEC/TC 31, unterstützt von den IECEx-Programmen, als „weltweit bestes Praxismodell für den Konformitätsnachweis im hochspezialisierten Ex-Bereich“ an. Dies fand seinen Widerhall in der gemeinsamen regulatorischen Zielsetzung (Common Regulatory Objective – CRO), die ebenfalls 2011 veröffentlicht wurde. Die Unterstützung durch die UNECE ist für die Anerkennung des IECEx bei Regulierungsbehörden nach wie vor eine große Hilfe, z. B. bei der Anwendung des IECEx durch die US-Küstenwache bei Geräten auf Schiffen unter ausländischer Flagge innerhalb ihres Hoheitsgebiets.

Die CRO der UNECE wird derzeit überprüft, und eine aktualisierte Ausgabe ist für Ende 2019 geplant. Zur Erleichterung der Umsetzung hat das IECEx daher die Arbeitsgruppe WG 8: Regulatory Recognition seines Management Committee (ExMC) reaktiviert.


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