Mann im Rollstuhl benutzt Mikrowellenherd in der Küche
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26.10.2020 Fachinformation

Neue IEC-Norm zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen

Noch immer stoßen im Menschen mit Behinderungen auf Probleme im Umgang mit Produkten. Auf internationaler Ebene hat IEC das Systemkomitee AAL eingerichtet, das unter anderem auch die AAL-Normung innerhalb weiterer Technischer Komitees fördert. Ein gutes Beispiel hierfür ist IEC/TC 59, welches Gebrauchstauglichkeitsnormen für Haushaltsgeräte erarbeitet.

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Von Catherine Bischofberger

Wir leben in einer Welt, in der die Bedürfnisse vieler Menschen mit Behinderungen oftmals nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Zwar werden allmählich Fortschritte erzielt, aber viele der Verbraucherelektronikgeräte, die wir täglich benutzen, sind nicht so konzipiert, dass sie für diesen wachsenden Anteil der Bevölkerung zugänglich sind.

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Man muss nur einmal versuchen, eine Waschmaschine oder einen Kühlschrank mit Händen zu öffnen, die an rheumatoider Arthritis leiden, oder die Angaben auf einem Herd zu lesen, wenn man eine Sehbehinderung hat: Die täglichen Routineaufgaben können schnell zu unüberwindbaren und manchmal gefährlichen Hindernisparcours werden.

Die Gefahr, eine Behinderung zu erleiden, nimmt mit dem Alter zu. Nach Angaben der UN gibt es fast eine Milliarde Menschen auf der Welt, die 60 Jahre oder älter sind, was 13 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl bis 2050 mehr als verdoppeln und bis zum Jahr 2100 sogar verdreifachen wird. Besonders betroffen sind Länder wie China und Japan, aber auch viele Länder Europas, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

Die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen standen bei der Entwicklung internationaler Normen der IEC immer im Vordergrund. Mit dem IEC SyC AAL wurde ein Systemkomitee gegründet, um die Sicherheit, den Schutz der Privatsphäre und die herstellerübergreifende Interoperabilität bei der Nutzung von AAL (Active Assisted Living)-Diensten zu fördern. Diese können als Systeme definiert werden, die Menschen mit Behinderungen dabei helfen, unabhängig zu leben. Auf nationaler Ebene wird die Arbeit vom IEC SyC AAL im Expertengremium DKE/K 801 gespiegelt.


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Active Assisted Living (AAL): Rasante Fortschritte, große Herausforderungen

AAL bietet großes Potenzial, um den demografischen Wandel konstruktiv zu unterstützen und Menschen lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. In der Praxis gilt es jedoch noch diverse Hemmnisse abzubauen – beispielsweise die noch geringe Akzeptanz älterer Personen gegenüber solchen Systemen und die Erstattungsfähigkeit bei AAL-Technologien seitens Pflege-, Sozial- und Krankenversicherungen.

Die Normungsarbeit setzt genau an diesen Punkten an, um die AAL-Entwicklung weiter voranzutreiben.

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Das IEC SyC AAL fördert auch die AAL-Normung auf Ebene der Technischen Komitees. IEC/TC 59 (DKE/K 513) erarbeitet Gebrauchstauglichkeitsnormen für Haushaltsgeräte. Seit einigen Jahren arbeitet das Expertengremium an Normen für die Barrierefreiheit, hauptsächlich auf Wunsch von Verbrauchervertretern innerhalb der IEC, insbesondere vom Verbraucherrat des Deutschen Instituts für Normung (DIN).

IEC 63008 ist eine neue wegweisende Norm, die Prüfverfahren und Anforderungen zur Verbesserung der Zugänglichkeit von Haushaltsgeräten für Menschen mit Behinderungen umfasst. Diese Prüfanforderungen werden unabhängig vom Gerät beschrieben. Das bedeutet, dass sie auf eine sehr breite Auswahl von Haushaltsgeräten sowie auf kleinere Gegenstände wie Eierkocher oder Wasserkocher angewendet werden können. Die Prüfanforderungen betreffen dabei Bedienelemente wie beispielsweise Türgriffe und Schubladen an Waschmaschinen, Druckknöpfe an Mikrowellenherden oder Staubsaugern etc.

Gerhard Fuchs, Leiter der Arbeitsgruppe, in dem die Norm erarbeitet wurde, hierzu: „2015 legten wir schon eine kleinere Veröffentlichung vor, die sich mit der Zugänglichkeit für Toaster befasste und eine Pilotnorm in diesem Bereich darstellte. Die Informationen, die wir für die Entwicklung von IEC 63008 verwendet haben, stammen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, die aus theoretischen Erkenntnissen in der Ergonomie, Produktgestaltung und anderen relevanten Disziplinen abgeleitet wurden."


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Eine der Herausforderungen bestand darin, einen Konsens über die Anforderungen zwischen den verschiedenen Teilnehmern, die an der Norm gearbeitet haben, herzustellen, insbesondere zwischen Vertretern von Verbrauchergruppen und Herstellern. „Eine Frage, über die nur schwer eine Einigung erzielt werden konnte, war zum Beispiel die nach der Größe der Buchstaben auf Geräten", sagt Fuchs und fügt hinzu: „Wir haben Anregungen von Verbraucherorganisationen wie ANEC, Haushaltsgeräteherstellern, aber auch von Prüfinstituten wie Intertek mit Sitz in Großbritannien berücksichtigt.“

Ein nächster Schritt wird die Untersuchung neuer Technologien – zum Beispiel Sprachaktivierung – sein. „Wir wollen einen hochmodernen technischen Bericht erstellen, in dem untersucht wird, was die neuesten Fortschritte und Durchbrüche zur weiteren Verbesserung des Zugangs für Menschen mit Behinderungen bringen können“, erklärt Fuchs.

In der Zwischenzeit sorgt IEC 63008 dafür, dass Haushaltsgeräte für Menschen mit Behinderungen besser gestaltet werden – so wird der Alltag in den eigenen vier Wänden sicherer und komfortabler.


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