autonomer Betreuungsroboter hält zwei Handtücher und gibt sie einer älteren erwachsenen Frau
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28.09.2020 Fachinformation

Ein wirtschaftliches Werkzeug zur Bewertung von AAL-Diensten

AAL-Dienstleistungen werden in Zukunft weiter zunehmen – nicht nur aufgrund der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Isolation im eigenen Zuhause. Menschen werden auch immer älter und eine Pflege durch Angehörige ist oftmals nur schwer möglich. Die IEC hat in diesem Jahr zwei Normen veröffentlicht, um den vollen wirtschaftlichen Nutzen von AAL-Diensten ermitteln zu können.

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IEC

Von Catherine Bischofberger

Während der gesamten COVID-19-Pandemie mussten wir alle mehr als gewöhnlich zu Hause bleiben. Unsere Haushalte wurden zu dem wohl wichtigsten Zufluchtsort vor dem Virus.

Alle fühlten sich in der Isolation sicherer, insbesondere gefährdete Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und einigen bestimmten Behinderungen.

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Janina Laurila-Dürsch
Zuständiges Gremium
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Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dieser ungewöhnlichen Zeit, die wir noch immer durchleben, ist, dass die Dienste des aktiv assistierten Lebens (Active Assisted Living, AAL), die bis vor kurzem als Systeme und Geräte definiert werden konnten, die Senioren oder Menschen mit Behinderungen dabei helfen, unabhängig zu Hause zu leben, viele Leben gerettet haben, während die Kosten für die Pflege gesunken sind.

Die Definition von AAL-Diensten selbst wird als Folge der Pandemie immer umfassender. Zu den Personen, die AAL-Dienste in Anspruch nehmen müssen, gehören jetzt beispielsweise auch alleinerziehende Mütter mit erkrankten Kindern, die von zu Hause aus arbeiten müssen, oder alleinstehende Menschen, die sich in Isolation befinden, sich aber beispielsweise einen Knöchel verstaucht haben.

Wie wir zu unserem großen Entsetzen feststellten, waren ältere Menschen, die in Pflegeheimen lebten, viel stärker durch das Virus gefährdet, da es sich dort wie ein Lauffeuer verbreitete und viele Opfer forderte. Einer der Hauptvorteile von Pflegeheimen, der soziale Aspekt des Zusammenlebens, erwies sich als Achillesferse. Um das Risiko zu verringern, waren unsere Eltern und Großeltern gezwungen, stundenlang in ihren Zimmern zu bleiben – isoliert voneinander und von ihren eigenen Verwandten.

Die Pandemie hat die Probleme aufgezeigt, deren sich die Experten der Gesundheitsberufe und die Regierungen bereits bewusst sind: Für ältere Menschen ist es im allgemeinen – und sofern es sich nicht vermeiden lässt – besser, so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden zu leben, und zwar mit Hilfe spezieller Technologien und Dienste. Dasselbe gilt für Menschen mit Behinderungen. Für die meisten von uns lag es im eigenen Interesse, für den Kontakt mit Ärzten die Möglichkeiten der Telemedizin zu nutzen, um keine Infektion mit dem Virus beim Besuch der Arztpraxis zu riskieren.

AAL-Dienste werden daher für viele von uns zu naheliegenden Alternativen. Es wurde auch deutlich, dass AAL-Dienste soziale Isolation eher verhindern als sie zu begünstigen. Die ältere Generation konnte, wie wir alle, verschiedene Telekonferenz-Tools nutzen, um mit ihren Familien und dem medizinischen Personal in Kontakt zu bleiben. Freunde organisierten Konzerte, es wurden Rezepte ausgetauscht und einige kochten sogar zusammen, während sie sich mehrere Kilometer voneinander entfernt befanden.


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IEC-Fachwissen und wirtschaftliche Bewertung

Die IEC ist führend in der Entwicklung von Normen für AAL-Dienste. Sie hat mit IEC SyC AAL ein Systemkomitee zur Förderung der Sicherheit, des Schutzes der Privatsphäre und der herstellerübergreifenden Interoperabilität bei der Nutzung von AAL-Diensten eingerichtet. Das SyC AAL hat drei innovative Veröffentlichungen vorgelegt, die sich an private oder öffentliche Krankenkassen und an Hersteller von AAL-Geräten richten.

Bei der ersten handelt es sich um eine technische Spezifikation, IEC TS 63134, die Anwendungsfälle von AAL-Diensten beschreibt. „Das Dokument enthält eine Aufstellung von fast fünfzig Anwendungsfällen und beschreibt etwa elf im Detail. Wir haben sehr darauf geachtet, repräsentative Beispiele aufzuzeigen. Die TS legt auch die Terminologie fest, die in unseren Veröffentlichungen verwendet wird“, erklärt Paul Boissoneault, einer der Experten des SyC AAL, der maßgeblich an der Entwicklung der Dokumente beteiligt war.

Bei den beiden anderen Veröffentlichungen handelt es sich um Normen: Die erste, IEC 63234-1, legt einen Rahmen für die wirtschaftliche Bewertung von AAL-Diensten fest, während die zweite, IEC 63234-2, sich speziell mit der Überwachung von Patienten mit chronischen Krankheiten befasst. „Die Idee besteht darin, den vollen wirtschaftlichen Nutzen von AAL-Diensten unter Berücksichtigung verschiedener Variablen, einschließlich der Kosten, zu ermitteln. Wir wollen die Krankenkassen davon überzeugen, dass man mit AAL-Systemen den größten Nutzen für das investierte Geld erhält“, erklärt Boissoneault weiter.


Joint Advisory Group beim 83. IEC General Meeting in Shanghai

Joint Advisory Group beim 83. IEC General Meeting in Shanghai

| Volker Blume

Deutschland übernimmt den Vorsitz der neuen Joint Advisory Group von IEC

Innerhalb von IEC wurde eine neue Plattform ins Leben gerufen – die Joint Advisory Group (JAG). Sie soll zukünftig den fachlichen Austausch zwischen verschiedenen Technischen Komitees fördern. Den Vorsitz für diese Gruppe übernimmt Johannes Koch von VDE|DKE.

Im Interview mit der DKE-Redaktion erzählt Johannes Koch mehr über die Hintergründe, Ziele und seine eigenen Aufgaben.

Zum Interview mit Johannes Koch

Diese Normen sind besonders innovativ, weil sie sich auf die wirtschaftlichen Aspekte erstrecken. „Wirtschaftliche Bewertungen gehören nicht zu den üblichen Aufgaben der IEC, jedoch waren wir der Meinung, dass die Förderung von AAL-Diensten auf diese Weise sehr sinnvoll ist, insbesondere nach der COVID-19-Pandemie“, stimmt die Vorsitzende des IEC SyC AAL, Ulrike Haltrich, zu.

Auch die Beurteilung der Überwachung chronischer Krankheiten ist sehr sinnvoll. Chronische Krankheiten stellen in Gesellschaften, in denen die Menschen viel länger als noch vor fünfzig Jahren leben, einen wachsenden Teil aller Krankheiten dar. Wenn man sich mit der Frage befasst, wie diese am besten überwacht werden können und zu welchen Kosten dies geschieht, kann man den Gesundheitssystemen helfen, in Kenntnis der Sachlage die richtigen Entscheidungen zu treffen“, merkt Boissoneault an.

Für Haltrich ist dies alles Teil der neuen Normalität. „Im Idealfall kann man Dienste für alle Bedürfnisse beantragen und dazu IoT, Künstliche Intelligenz, und ja, durchaus auch Roboter einsetzen. Cybersecurity wird auch für uns ein immer wichtigeres Thema werden. Die technologische Entwicklung schreitet rasant voran und wir werden uns mit allen Möglichkeiten beschäftigen.“


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