Illustration Konzept einer nachhaltigen Welt
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06.07.2020 Fachinformation

Eine grünere Zukunft für die Fertigung

Auch im Jahr 2020 gehen noch immer zahlreiche Unternehmen auf der ganzen Welt sorglos mit ihrer Produktion um – weniger ökonomisch, sondern vielmehr ökologisch. Treibhausgase sowie Energieeffizienz und die Entsorgung von elektronischen Abfallprodukten wirken sich negativ auf Umwelt und Klima aus. Bei der IEC erarbeiten Technische Komitees unterschiedliche Normen. Diese können Unternehmen dabei unterstützen, ihre Produktion ökologischer zu gestalten.

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IEC

Von Catherine Bischofberger

Die Industrie wird sich immer mehr bewusst, dass sie durch den Ausstoß von Treibhausgasen zur globalen Erderwärmung beiträgt. Zudem erzeugt sie Abfälle, die die Umwelt verschmutzen können und teilweise nur schwer zu entsorgen sind.

IEC-Normen helfen Unternehmen, grünere Herstellungsverfahren einzuführen.

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Julia Migenda
Zuständiges Gremium
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Eine wachsende Anzahl an Unternehmen versucht, Waren energieeffizienter, weniger umweltbelastend und mit weniger Abfällen herzustellen. Grünfertigung, was die Erneuerung von Produktionsverfahren und die Gestaltung von umweltfreundlichen Arbeitsabläufen im Bereich der Herstellung bezeichnet, setzt sich durch. Grünere Produktionsverfahren sind nicht nur besser für die Erde, sondern können der Industrie auch dabei helfen, durch die drastische Senkung von Energiekosten und den Gebrauch von weniger Rohstoffen enorme Kosten zu sparen.

Senkung von Treibhausgasemissionen

Es müssen Maßstäbe gesetzt werden, um Unternehmen zu helfen, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Die Science Based Targets Initiative (SBTi) begann 2015 im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris und möchte Unternehmen bei der Festlegung von Zielen zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen auf Grundlage wissenschaftlicher Informationen unterstützen.

Diese Initiative ist eine Zusammenarbeit des gemeinnützigen Carbon Disclosure Project (CDP), dem Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC), dem Weltressourceninstitut (WRI), dem Worldwide Fund for Nature (WWF) und der gemeinnützigen We Mean Business Coalition.

Weltweit haben sich bislang 684 Unternehmen der Science Based Targets Initiative angeschlossen und sich darauf verständigt, verschiedene Ziele zu erfüllen, um ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Ein dänischer Energieversorger möchte beispielsweise seine Treibhausgasemissionen bis 2023 um 96 Prozent senken.

„Angesichts einer Situation, in der unser Geschäft mit fossilen Brennstoffen rückläufig war und so ein echtes Risiko für unsere künftige Rentabilität darstellte, trafen wir die Entscheidung, unser Geschäftsmodell vollständig umzuwandeln und ein Unternehmen für erneuerbare Energien zu werden“, erläutert Filip Engel, Senior Director of Group Sustainability, Public Affairs and Branding des Unternehmens in einem Zitat bei SBTi.


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Fachkompetenz der IEC für grünere Prozesse entscheidend

IEC hilft Unternehmen bei der Planung eines Wechsels hin zu sauberen Energiequellen, in Normen und Standards für erneuerbare Energien erarbeitet werden. Viele Technische Komitees der IEC ermöglichen den sicheren und effizienten Betrieb kleiner und großer netzgekoppelter oder netzunabhängiger erneuerbarer Energiesysteme. Zu diesen Technischen Komitees gehören unter anderem:

  • IEC TC 4: Hydraulic turbines
  • IEC TC 5: Steam turbines
  • IEC TC 82 (DKE/K 373): Solar photovoltaic energy systems
  • IEC TC 88 (DKE/K 383): Wind energy generation systems
  • IEC TC 114 (DKE/GK 385): Marine energy – Wave, tidal and other water current converters
  • IEC TC 117 (DKE/K 374): Solar thermal electric plants

Die in den Technischen Komitees erarbeiteten und veröffentlichten Normen tragen dazu bei, mehrere UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erfüllen, darunter das Sustainable Development Goal 13 (SDG 13), welches dringende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen vorsieht.


Vereinte Nationen: 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Die Nachhaltigskeitsziele der Vereinten Nationen (UN) sind ein Aufruf an alle Länder, den Wohlstand zu fördern und gleichzeitig den Planeten zu schützen.

Die Sustainable Development Goals (SDGs) erkennen an, dass die Beendigung der Armut Hand in Hand gehen muss mit Strategien, die das Wirtschaftswachstum fördern und eine Reihe sozialer Bedürfnisse abdecken. Hierzu gehören Bildung, Gesundheit, Sozialschutz und Beschäftigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig müssen Klimawandel und Umweltschutz angegangen werden.

Mehr Informationen: https://sustainabledevelopment.un.org/


Energieeffizienz fördern

Die Förderung der Energieeffizienz durch Einführung neuer Verfahren und Technologien, wie beispielsweise dem Energie-Harvesting, ist für Unternehmen in vielen unterschiedlichen Branchen nichts Außergewöhnliches mehr. Energieeffizienz ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern ermöglicht es Unternehmen auch, signifikante Kosten einzusapren.

Die IEC hat viele Normen erarbeitet, mit denen Herstellern Energieeffizienzsteigerungen messen und Leistungsanforderungen aufstellen können. IEC/TC 2 (Spiegelgremium: DKE/K 311) erarbeitet beispielsweise Leistungs- und Sicherheitsnormen für drehende elektrische Maschinen, die auf der ganzen Welt in verschiedenen Fertigungswerken zum Einsatz kommen. IEC/TC 2 veröffentlicht die IEC-Normenreihe 60034, die Elektromotoren auf der Grundlage ihrer Energieeffizienz einstuft. Diese Normen sind in der gesamten Industrie weitgehend übernommen worden, und die Regulierungsbehörden haben das Klassifizierungssystem häufig berücksichtigt.

LEDs, die in Fabriken, Lagern und Werken eingesetzt werden, ermöglichen es Unternehmen, den Energieverbrauch für die Beleuchtung von Produktionsstätten weitgehend zu reduzieren. Das Technische Komitee 34 der IEC (Spiegelgremium: DKE/K 521) erstellt Sicherheits- und Leistungsnormen für Beleuchtung. Dazu gehört die Norm IEC 62031, in der Sicherheitsanforderungen für LED-Module für Allgemeinbeleuchtung festgelegt werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) gibt an, dass die Jahre 2016 und 2017 kritische Wendepunkte für energieeffiziente Beleuchtung waren, als LEDs zum ersten Mal ein Drittel des Marktes ausmachten.

IEC-Normen helfen darüber hinaus Offshore-Ölplattformen, energieeffizienter zu werden. IEC/TC 18 (Spiegelgremium: DKE/K 241) hat eine grundlegende Überarbeitung der Normenreihe IEC 61892 veröffentlicht, die Schlüsseldokumente für die Sicherheit und Leistungseffizienz von Offshore-Plattformen bereitstellt, die in der Industrie und von Gesetzgebern weltweit anerkannt werden.

Die Reihe wurde entsprechend der rasanten technischen Veränderungen in der Elektrik und Elektrotechnik von Offshore-Plattformen grundlegend aktualisiert. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist eine entscheidende Antriebskraft: Die Norm legt die effiziente Nutzung der erzeugten Energie sowie die Nutzung von hocheffizienten Motoren und Antrieben mit veränderlicher Drehzahl zur Optimierung des Stromverbrauchs fest. Sie empfiehlt die Nutzung von verlustarmen Transformatoren und anderen Hochleistungsausrüstungen sowie die Wiederverwendung von Beleuchtungskörpern mit hocheffizienten Lampen mit langer Lebensdauer. Des Weiteren legt sie die energetische Optimierung durch Abwärmeverwertung sowie die Einrichtung eines Netzführungssystems fest.


Öl- und Gasverarbeitungsplattform, die Gaskondensat und Wasser produziert
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Energieeffizienz-Normen für Offshore-Einheiten

IEC/TC 18 (Spiegelgremium: DKE/K 241) hat die internationale Normenreihe IEC 61892 grundlegend überarbeitet, die insbesondere für die Offshore-Ölindustrie von großer Bedeutung ist.

Ein wesentlicher Aspekt bei der Überarbeitung war es, Umweltauswirkungen von Offshore-Plattformen zu begrenzen. Zu den Energieeffizienz-Anforderungen arbeitete das Maintenance Team 18 sehr eng mit weiteren Technischen Komitees der IEC zusammen.

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Verwaltung von Elektroschrott

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Eine wachsende Anzahl an Unternehmen sucht vermehrt nach Möglichkeiten, Elektroschrott zu recyceln statt ihn auf Mülldeponien zu entsorgen oder in Verbrennungsanlagen zu verbrennen. Umweltbewusste Unternehmen beginnen damit, Kreislaufwirtschaftsmodelle zu implementieren. Hinter diesen Modellen steht eine Neubewertung des Ressourcenmanagements und der Wahrnehmung von Abfall über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, angefangen von der Gestaltung eines Produkts über dessen Nutzung, Reparatur, Wiederverwendung und Wiederaufbereitung bis schließlich hin zur Umwandlung in Teile für neue Produkte.

Das Advisory Committee on Environmental Aspects (ACEA), das dem Managementausschuss für Normung (Standardization Management Board, SMB) bei Umweltfragen beratend zur Seite steht, und IEC/TC 111 (Spiegelgremium: DKE/K 191), das zahlreiche Normen zu Umweltaspekten erarbeitet, sind damit befasst, die Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft zu untersuchen. Zum Beispiel werden in der Norm IEC 62430 die Verfahren zur Einbeziehung von Umweltaspekten in die Gestaltung und Entwicklung von Produkten sowie für die Materialien und Komponenten, aus denen sie bestehen, festgelegt.

Auch wenn noch viel Arbeit ansteht, bevor die verschiedenen Industrien auf der ganzen Welt sagen können, dass sie auf grüne Herstellungsverfahren setzen, unterstützen internationale Normen der IEC schon jetzt Unternehmen und Hersteller, die im Sinne der Kreislaufwirtschaft wertvolle Pionierarbeit leisten.


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